Ich finde den Artikel, gerade da er so schwarz-weiß und polemisch-einseitig ist, ganz hervorragend (natürlich unterstütze ich nicht die Aussage des Textes!).
Mit welcher Absicht dieser Artikel nun auch immer geschrieben worden ist, tritt er eine gewaltige Diskussion in Gange (zumindest unter uns, als direkt Betroffene), die zum Nachdenken anregt. Denn der Fakt, dass man mit dem in uns investierten Geld problemlos für die gleiche Zeit mehrere (!) Familien ernähren könnte, lässt sich nicht wegdiskutieren.
Wie bereits in den Kommentaren geschrieben worden ist:
Engagierte Freiwillige, die fast immer auch in Deutschland ein Netzwerk aufbauen müssen, dem sie über ihre Erfahrungen berichten, sind meiner Meinung nach ein guter Multiplikator für authentische Erfahrungen aus Entwicklungsländern.
So in etwa sehe ich das auch. Ansonsten wurde in den Kommentaren doch schon fast alles gesagt.
Ich glaube, dass es auch niemandem darum geht unseren guten Willen zu enttarnen, sondern nur darum, dass ein guter Wille allein nicht ausreichend ist. Und da die Redakteure der SZ keine Entwicklungshelfer sind und auch nicht vom BMZ bezahlt werden, finde ich es in diesem Fall auch völlig uninteressant wo besagter SZ-Herr nun genächtigt hat. Natürlich zeigt es erneut, wie oberflächlich er sich mit der Thematik befasst hat.
Sehr interessant ist auch der Aspekt der Entwicklungshilfetheorie, die es in diesem Sinne nicht gibt aber vermutlich auch nur schlecht als sog. Leitfaden geben kann.
Da ich nicht von mir auf andere schließen kann: Ich hab zwar auch ne Menge über Entwicklungshilfe und deren Mechanismen (und auch IWF, KFW oder Weltbank [da es bereits angepsrochen wurde]) gelernt und weiß mit Sicherheit mehr als der Ottonormalbürger, dennoch sehe ich mein Wissen im Vergleich zu dem meines Daddys (welcher als Projektreferent tätig ist) als sehr und auch zu gering an. So viel ich mitbekommen hab gibt es außerdem noch einen nicht zu vernachlässigen Unterscheid zwischen Soll- und Ist-Zustand, da es in der Realität halt meistens doch ganz anderes als in der Theorie abläuft.
Da sind dann jedoch die Entsenderorganisationen gefragt, die dieses Know-How nun wirklich haben müssten (bzw. sind wir gefragt nachzufragen, zu fordern).
Ich hoffe (wie auch schon mal in den Kommentaren erwähnt wurde) auch, dass der umgekehrte "Austausch" ebenso finaziert wird und somit stattfinden kann.
Deutsche Enwicklungshilfe sollte außerdem strengstens in NROs und staatliche Hilfe geteilt werden: Das BMZ hat mit unser roten Marie zwar sicherlich an Bedeutung und Stärke gewonnen, stellt aber im Vergleich zum AA (mit welchem es ja bekanntlich irgendwie kooperieren muss) irgendwie doch eher sowas wie ein Feigenblatt dar. Die Entwicklungshilfe hat nur einen Etat von lediglich 0,27 % des BNE, was doch in der Tat sehr wenig ist. Da muss man sich doch fragen, für wie wichtig das BMZ überhaupt gehalten wird und ob es nicht evtl. zu einem großen Teil ein Vorzeigeministerium darstellen soll, nur um den angeblich so guten Willen zu zeigen. Bei sowas denk ich mir dann immer: besser als gar nichts, so kann wenigstens ein bisschen geholfen werden. Aber lächerlich finde ich es nach wie vor.
Schlussendlich sollte nicht vergessen werden, dass auch Entwicklungshilfe (finanziell betrachtet) häufig ein geben und nehmen ist, nur meistens eben etwas zeitverschoben (wenn man Nahrungsmittellieferungen à la USA die mehr schädigen als helfen mal nicht als Entwicklungshilfe ansieht, sondern nur die strukturstärkenden Maßnahmen betrachtet).
Fazit: Ich sehe den freiwilligen Dienst ganz eindeutig nicht als ideell unanfechtbar an, aber um über die Sinnhaftigkeit streiten zu können, sollten doch erst einmal ein paar Jährchen mit dem weltwärts-Freiwilligendienst ins Lande ziehen.
Edit: Der Autor hat in einem Kommentar Stellung bezogen, unbedingt lesenswert! Finde ich stark von ihm (also die Stellungsnahme an sich, nicht den Inhalt im Allgemeinen)