von MisterMax » 24.05.2008, 21:08
Das ist in Dar es Salaam passiert. Nach dem unser Projekt auf Sansibar abgeschlossen war, hatten wir noch zwei Wochen Urlaub bis zum Rückflug.
Meine Reisekasse war recht knapp, deshalb bin ich im Gegensatz zu den anderen noch ein Woche länger auf Sansibar geblieben - eine Entscheidung, die ich bis heute nicht bereue. Die anderen sind quer durch das Land gereist: Moshi und die die Berge im Norden des Landes, Mwanza usw.
Danach wollten wir uns alle in Dar es Salaam treffen um gemeinsam nach Bagamoyo zu fahren und am Strand die Seele baumeln lassen.
Ich hatte einen Tag in Dar es Salaam zu überbrücken. Ich wollte mir die Stadt ansehen. Erstmal sollte man es sein lassen, aufgegablete Taxifahrer als Touristenführer zu angergieren - da kommt nicht viel bei rum. Am Ende hab ich ihm ihm gesagt, er solle mich bei einem Strand rauslassen, weil ich mit dem verbleibenden Nachmittag echt nix anzufangen wusste.
Also war ich am "CoconutBeach" in dar es Salaam. Ich hatte meinen Sonnenhut, meine Kamera, einen Rucksack mit Strandsachen und ner Wasserflache und Geld, das weniger Wert war als das Portmonaie, in dem es steckte - gerade mal genug für ein Mittagessen und die DallahDallah-Fahrt zum Hotel.
Als ich dann halt am Strand und an den Klippen rumgeschlendert bin, standen da halt zwei Typen. Nicht zu unterscheiden von dem Publikum, was da halt sonst noch rumrennt.
Ich bin schon fast an ihnen vorbeigelaufen, da packt einer von den beiden meinen Arm ruft "Ey, Rafiki" (Freund), schmeißt mich irgendwie zu Boden. "Give Money, give Money" Ich war in dem Moment auch so perplex, dass ich mich hätte sowieso nicht wehren können. Abgesehen davon, dass beide von den mindestens doppelt so kräftig waren wie ich. Der, der mich gepackt hat, hält mich auch weiterhin fest, der andere reißt mir den Rucksack und die Kamera (die ich in einer Gürteltasche hatte) ab, zieht mir die Geldbörse aus der Tasche. Lädt sich alles auf die Arme und beide machen sich aus dem Staub. Der, der mich festgehalten hat, dreht sich nach zehn Metern noch mal um, komt zurück und nimmt meinen Hut, der neben mir lag, auch noch mit. Wenn da nicht langsam der Gedanke "Schit, du bist grad überfallen worden" langsam in mir hochkam, hätte ich das villeicht sogar noch witzig gefunden.
Nungut.... ich hab mich dann irgendwie sortiert, mach mch wieder auf den Rückweg. Ich laufe keine 20 Meter, kamen mir einige Straßenhändler entgegen. Einer konnte ein paar Fetzen Englisch "Ey, where your pack? Where is?" Ich machte ihnen klar, was gerade passiert war. "What direction?" Die wollten denen ernsthaft hinterher. Die Diebe haben sowieso das am Geldwert gemessen wertvollste, was ich an dem Tag bei mir führte sowieso verkannt: Meine Stiefel.
Wir versuchten also, die Typen nochmal aufzuspüren, joggten übe die schroffen Klippen, schauten in jede Höhle rein, verfolgten sogar Fußspuren, die irgendjemand unterhalb der Felsen in der Ebbe hinterlassen hat. Verdammt, in welchen Abenteuer bin ich hier gelandet? Kneift mich mal!
Jedenfalls hab ich dann noch eine Weile mit den Straßenhändlern (die ernshaft besorgt um mich waren) noch eine Weile am zusammengesessen. Sie boten mir auchb etwas von ihrem Mittagessen an (was nach all der Aufregung keine schlechte Idee war).
Nach einer Weile hab ich dann ein Taxi angehalten und den Taxifahrer überredet, dass er mich für 5000 Shilingi ins Hotel fährt. Das Geld hab ich ihm dann im Hotel gegeben.
Ich hab aus den Ereignissen an diesem Tag zwei Lehren gezogen. Die erste ist naheliegend: das nächste Mal etwas vorsichtiger zu sein, besonders, wenn man alleine unterwegs ist.
Die zweite ist, dass in Afrika zwei Gesichter direkt nebeneinander existieren können. Das ewig lächelnde. Ihr werdet von der Gastfreundschaft der Menschen überrascht sein! Und das Harte. Und ich bin verdammt noch mal recht glimpflich aus der Sache rausgekommen: ich war abends im Hotel, hatte nur einen Kratzer abbekommen (den ich auch nach Stunden bemerkt und erst für einen Sonnenbrand gehalten habe), und alle wirklich wichtigen Sachen lagen warm sicher und trocken im Zimmer. Und alle anderen Sachen ließen sich für ein paar Euros dann in Deutschland nachkaufen. Aber ich glaube, die Erfahrung wars Wert!
Huh, doch ne Menge Text geworden xD