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Erfahrungsbericht - Japan

Autor: Leander
Projekt: Asian Rural Institute
Träger: SFD

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Die ersten zwei Wochen

Während mein Freund Max in Deutschland dem “Hang zur Ruhe ohne vorrangegangene Arbeit”, also der Faulheit frönt (Originalzitat von Max), kann ich mich hier in Japan vor Beschäftigung kaum retten. Bevor ich jedoch über mein Arbeitsleben berichte, möchte ich dir mein Projekt, das Asian Rural Institute vorstellen.

Das “Asian Rural Institute” ist eine Schule, in der Männer und Frauen aus Entwicklungsländern eine breitgefächterte Ausbildung erhalten. Bewerben kann sich jeder, der nachweislich seit zwei Jahren oder länger in einem landwirtschaftlichen oder strukturbildenden Projekt mitgearbeitet hat, Englisch spricht und einen gewissen Bildungsgrad erreicht hat.
Der Hauptteil ihrer Ausbildung bezieht sich zwar auf nachhaltige Landwirtschaft. Zum Beispiel Alternativen zur Brandrodung oder sinnvolle Fruchtfolgen, es gibt aber auch viele Lehrausflüge und ein Labor in dem Biodiesel, Biogas und Seife aus organischen Abfällen hergestellt wird. Nebenbei besuchen die Participants hin und wieder andere Farmen und belegen Kurse in Englisch, Japanisch, Musik, Kommunikation, usw.

Erste Eindrücke – Tagesablauf
Nach zwei Wochen habe ich mich trotz extremer Unterschiede zu meinem alten Leben gut eingelebt: Ein kleines muffiges Zimmer, Schimmel in der Dusche und tropische Luftfeuchtigkeit rufen bereits heimische Gefühle hervor. Dieser Mangel an Komfort ist jedoch nicht von Belang, da sich meine Aufmerksamkeit auf unser Gemeinschaftsleben und meine Arbeit konzentriert. Es war zwar geplant, dass ich hauptächlich im Büro arbeite, aber meine Chefin ist verreist und ich wurde ich bis jetzt auf dem Feld eingesetzt. Ehrlich gesagt war ich mir anfangs nicht sicher, ob ich dieser harten körperlichen Arbeit gewachsen wäre. Und so gab es bereits schwere Zeiten: (Eintrag Tagebuch 26.8.08 “...Ich habe heute vier Stunden lang ein Reisfeld von Unkraut befreit. Ich bin komplett durchnässt, meine Arme sind von Reisblättern zerschnitten und ich habe etwa 15 Bujôbisse an den Beinen. [...] Mein Abendessen hat jedoch noch nie so köstlich geschmeckt...”)
Doch glücklicherweise werden die schlechten von den guten Zeiten überwogen: (Eintrag Tagebuch 29.8.08 “...Ich schwebe vor Euphorie. Es ist Wochenende und morgen werde ich mit ein paar anderen Volunteers nach Nishinasuno fahren um die Stadt zu erkunden. Wenn wir rechtzeitig zurückkommen werde ich versuchen Biodiesel herzustellen, den chemischen Ablauf habe ich schon im Kopf. Abends werden wir dann im Men's Dorm Feiern und vielleicht noch die heiße Quelle in der Nähe besuchen. [...] Obwohl ich totmüde bin hält mich die Aufregung über meine rosige Zukunft wach....”)


Um dir nun einen möglichst umfassenden Einblick in mein Leben zu ermöglichen folgt ein typischer Tagesablauf. (Soweit man hier von typisch sprechen kann)


6:00 Aufstehen (fällt mir meistens schwerer als die körperliche Arbeit)

6:30 Morgengymnastik (Video folgt in den nächsten Tagen!)

Vielleicht hat jemand schon mal von dieser japanischen Sitte gehört: Jeden morgen gibt es ein Gymnastikprogramm im Radio, das von Betrieben, Schulen und otto-normal-Japanern im Kollektiv ausgeführt wird. Sehr amüsant anzusehen!


6:40-7:00 Putzen

Hier fängt der Arbeitstag schon an. Im Moment kehre ich täglich die Koinonia Essenshalle und putze eine Toilette. Hin und wieder muss ich auch verpeilte, japanische Besucher einweisen, die verschüchtert in der Ecke stehen.


7:00-8:00 Foodlife Work

Beim so genannten Foodlife Work sind die ARI Bewohner in Gruppen eingeteilt, die zwischen folgenden Arbeitsfeldern rotieren: Lifestock, Crops&Vegetables, Chicken, Meal Service. Ich habe bis jetzt in der Crops&Vegetables Sektion gearbeitet, also Unkraut gejätet.


8:00-9:00 Frühstück

Anders als in Deutschland gibt es hier jeden Tag drei warme Mahlzeiten. Abgesehen vielleicht vom Rührei sind mir die Gerichte jedoch gänzlich neu. Trotzdem habe ich sie bereits schätzen und lieben gelernt. Die Zutaten sind aus ökologischem Anbau (kontrolliert von mir) und meist am Vortag geerntet. Und da sie weder große Transportwege hinter sich haben noch gelagert werden schmeckt das Essen frisch und würzig.


9:10-9:45 Morning Gathering

Dies ist eine Zusammenkunft in der “Chapel” an der jeder teilnimmt. Hier wird gebetet und jeweils eine Person erzählt mehr oder weniger spannende Geschichten und Weisheiten aus ihrem Leben. Für die Japaner ist es übrigens ganz normal in so einer Situation zu schlafen, was zählt ist die Anwesenheit!


9:45-12:00 Arbeit I

Meine Chefin war bis heute unterwegs und deshalb habe ich erstmal auf dem Feld gearbeitet. Normalerweise würde ich niemals freiwillig auf dem Feld arbeiten, aber hier sind die Umstände etwas ganz Besonderes. Da man meistens mit Menschen aus den verschiedensten Ländern zusammen ist ergeben sich interessante Gespräche, die mich bei Laune halten. (Lieblingsthemen sind: Schulsysteme, Regierungssysteme, lokale Bräuche, Sprachen, Religion, ...)


12:30-13:30 Mittagessen

Zum Mittagessen gibt es, wie bei den anderen Mahlzeiten auch, Reis, Suppe, diverse Beilagen und einen Nachtisch. Ich esse hier bestimmt doppelt so viel wie in Deutschland (Das ist jedenfalls der Optimalfall. Durch mangelhafte Essstäbchenkünste bin ich nicht immer in der Lage die gewünschte Menge Nahrung in der vorgegeben Zeit aufzunehmen).


13:30-17:00 Arbeit II

Weiter unten findet sich ein Bild von mir im Reisfeld. Diesmal mit langärmligen Hemd, Insektenschutz und kaum zu verbergender Freude über die verbesserte Arbeitssituation.


17:00-18:00 Foodlife Work

Hin und wieder arbeite ich nicht auf dem Feld sondern in der Küche als Statist. (Jedenfalls fühle ich mich so, weil die Köchinnen lieber selber arbeiten und ich dann nur dumm rumstehe)


18:30~ Abendessen und Freizeit

Da nach dem Abendessen öfters Veranstaltungen sind ist der Begriff Freizeit relativ zu betrachten. Ein Beispiel ist unsere Volunteer's Study Group, die sich regelmäßig trifft und diverse Themen studiert. Letztes Wochenende haben wir zum Beispiel eine Debatte mit dem Thema "Organic vs. Conventional Farming" organisiert.

Mehr Infos und Bilder findet ihr auf meinem Blog:
http://leandersjapanblog.blogspot.com

Hilfe und Ratschläge für die Bewerbung bekommt ihr hier:

Zivi im Ausland - So klappts

Leander Rust

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