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Erfahrungsbericht - Brasilien

Autor: Gabi Herr
Projekt: Kindertages- u. Familienbildungsstätte f. unter-u.mangelernährte Kinder u. ihre Familien
Träger: SEARA e.V.



Mein Name ist Philipp Czapik, ich bin 19 Jahre alt und seit September letzten Jahres Volunteer. Wo? In Brasilien, in der Stadt Santarém, die an der Mündung des Flusss Tapajós in den Amazonas liegt, im Bundesstaat Pará. Die Stadt zählt ca. 350 000 Einwohner, von denen nicht wenige in Armut leben, vor allem viele Kinder leiden an Unterernährung und unter sehr mangelhaften hygienischen Bedingungen. Und genau da setzt mein Arbeitgeber an: SEARA – Associação Santarena de Estudos e Aproveitamento dos Recursos da Amazônia (Gesellschaft Santaréms zur Studie und Nutzung der Ressourcen Amazoniens). Dieses bereits in den achtziger Jahren infolge einer Studie ins Leben gerufene Projekt unterhält am Rande des Armutsviertels Uruará eine Kinderkrippe bzw. einen Kindergarten für unter- und magelernährte Kinder von ca. 1 bis 5 Jahren, mit dem Ziel, die Kinder vor den mitunter gravierenden Folgen der Unterernährung zu bewahren und ihnen so faire Chancen für ihre Zukunft zu ermöglichen, Aufklärung zu betreiben (so allgemein das auch klingen mag, ist es leider gemeint, da in sehr vielen Sektoren Unwissenheit herrscht v.a. aber Ernährung, Hygiene, Familienplanung) und den Familien zu helfen ihre Situation zu verbessern oder gänzlich einen Weg aus der Armut zu finden. Dieser Ort nennt sich Centro Educacional João-de-Barro, benannt nach einem Vogel, der fremde Vogelkinder bei sich im Nest aufnimmt, um sie grosszuziehen. Und eben in diesem Nest arbeite ich nun seit nunmehr vier Monaten als Freiwilliger. Wie muss man sich nun die Arbeit von Seara hier vorstellen? Wie muss man sich die meinige vorstellen? Die Hauptarbeit, die vor Ort geleistet wird, besteht in der Beschäftigung bzw. dem Unterricht der Kinder zwischen 9 und 16 Uhr (Aufsicht wird länger gewährleistet) und der Versorgung derer mit vier ausgewogenen Mahlzeiten in dieser Zeit. Über dies hinaus werden natürlich auch besondere Tage thematisch mit den Kindern begangen, Feste gefeiert, Ausflüge gemacht usw. Der zweite grosse Teil der Arbeit findet in den Familien bzw. mit den Eltern statt: Es werden Professionalisierungs- und allgemeine Kurse sowie Vorträge angeboten, es finden regelmässig Informationsveranstaltungen und einmal monatlich Elternversammlungen statt und es werden mindestens zweimal im Jahr Hausbesuche bei den Familien gemacht. Wie muss man sich nun den Beitrag eines Voluntários zu dieser Arbeit vorstellen? Ganz allgemein tun wir in unserer Arbeitszeit alles, um ein gutes Funktionieren von Seara primär mitzugewährleisten und sekundär (aber genauso wichtig) zu bereichern. Konkret bedeutet das ganz verschiedene Arbeitstätigkeiten: Im normalen Tagesbetrieb beginnt man um 6 Uhr damit, die Gruppenräume der Kinder zu putzen, im Sandkasten zu harken usw. Geputzt werden muss mehrmals täglich (z.B. auch im Speiseraum oder Waschraum), da zum einen natürlich die Kinder kleine Profis im Kleckern sind, aber vor Allem, da die Kindertagesstätte direkt an einer staubigen Strasse liegt, von der sehr viel Schmutz in unsere Räumlichkeiten hineingeweht wird. Und dann gab es bisher verschiedenste Aufgaben für mich: In der Küche mithelfen (Gemüse und Obst schälen und schneiden, Geschirr abtrocknen etc.), den Garten (eigens von Seara) wässern und pflegen, bei den Mahlzeiten der Kinder mithelfen (Geschirr/Töpfe verteilen, Essen auf die Teller auftun, den Kindern beim Essen helfen bzw. dazu animieren etc.), Nahrungsspenden und Einkäufe an ihre Bestimmungsorte tragen oder auch einsortieren, bei Elternkursen den reibungslosen Ablauf gewährleisten und sie mit Material, Speisen usw. versorgen, Dekoration anbringen oder abnehmen, kleinere Reperaturen oder Erneuerungen am Haus vornehmen, ab ca. 15:45 Uhr die Kinder beaufsichtigen oder beschäftigen, bis sie von ihren Eltern oder Geschwistern abgeholt werden, Hausbesuche machen oder begleiten, Berichte für unsere deutschen Patenfamilien anfertigen (d.h. vorher Mütter und Betreuerinnen befragen, Fotos schiessen usw.), Presentationen für Festivitäten vorbereiten, samstagvormittags mit den älteren Geschwistern unserer Kinder Lieder singen, lesen, Aktions-, Konzentrations- und Brettspiele spielen, tanzen und vieles mehr, Gäste oder sogar einen freien Fernsehjournalisten durch die Einrichtung, im zweiten Fall sogar durch die nähere Umgebung oder durch die Stadt führen, je nach Nachfrage den deutschen Förderverein Seara e.V. mit Informationen versorgen, und die Liste könnte man wohl noch eine ganze Weile so weiterführen. Jedenfalls ist das alles ein ziemlich weites Beschäftigungsfeld, sodass ich mich über Langeweile oder Eintönigkeit wohl kaum beklagen kann. Doch das ist nicht das einzige, was meinen ‘Anderen Dienst im Ausland’ hier so besonders macht. Denn ich hatte bereits zuvor meinen Zivildienst in Deutschland abgeleistet (v.a., um das notwendige Geld zusammenzusparen), was mir ermöglicht, die Rolle eines ‘Zivis’ an den verschieden Standorten recht gut zu vergleichen, und es ist nunmal so, dass die breite Masse der Zivildienstleistenden in Deutschland maximal einen Stand knapp über dem Praktikanten und unter dem Hilfshausmeister einnimmt. Aber welch ein Respekt und welch eine Verantwortung uns hier zugetragen wird, war für mich zunächst schier unglaublich: Wir sind gemeinsam mit unserer Chefin und einem Mitarbeiter die einzigen, die einen Schlüssel zur Einrichtung haben und den Code für die Alarmanlage kennen, gegebenfalls sind wir auch dafür verantwortlich, Schlüssel für Räumlichkeiten herauszugeben.Und genauso setzt es sich in unserem Arbeitsalltag fort: Es wird viel Wert auf unsere Meinung gelegt, unsere Arbeitseinteilung wird respektiert (solange alles rechtzeitig fertig ist) und auch können wir selbst stark darauf Einfluss nehmen, in welchem Arbeitsbereich wir tätig sein wollen, insofern dieser nicht durch eine unbedingte Notwendigkeit vorgeschrieben ist. Und das ist immernoch nicht alles, was meinen Dienst hier so besonders macht. Es sind auch die Mitarbeiter, die mich hier mit offenen Armen empfingen, mit denen man sich zum Grillen trifft oder auch mal mit einem zum DVD-Schauen, die man um Hilfe fragt, wenn die Hose ein Loch hat, und die einen am Wochenende mit zu Verwandten nehmen, die aber auch gern anrufen können, wenn an Feiertagen oder am Wochenende Arbeit bei Seara anfallen sollte, oder wir unsere Pause um die Mittagszeit, die unsere 8 Stunden Arbeitszeit splittet, kürzen müssen. Denn unser “Zivihaus”, das von Seara gestellt ist, liegt auf der selben Strasse nur fünf Minuten zu Fuss entfernt. Es hat alles, was man braucht, und mehr: ein Badezimmer mit Dusche und Toilette (wo wir wohnen alles andere als Standard), eine Küche mit Kühlschrank, Herd, Ofen und Spüle, ein Einzelzimmer für jeden der drei Voluntários, genügend Haken, um Hängematten aufzuhängen, ausreichend Ventilatoren und für mich sehr wichtig: einen Garten hinter und Grünfläche vor dem Haus, die ich in Absprache mit den anderen Voluntários nach Herzenslust bewirtschaften kann, was mir viel Freude bereitet, aber auch nicht wenig Zeit beansprucht. Alles in Allem geniesse ich also eine Arbeitsstelle und ein Umfeld, für das ich sehr dankbar bin, und das bei mir kaum Wünsche offen lässt. Und das alles sind mehr als genug Gründe, mich auf meine übrigen acht Monate hier zu freuen.

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