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Erfahrungsbericht - Taiwan

Autor: Jonathan
Projekt: Feuerwehr von Tainan
Träger: ICJA Freiwilligenaustausch weltweit e.V.



Hallo liebe Freunde
wir schreiben das Jahr 2005, und ganz Taiwan ist in der Hand von Asiaten. Ganz Taiwan? Nein, einige wenige Deutsche und andere Auslaender machen sich auf, um Taiwans Kultur und die Lebensweise mit friedlicher Absicht auszuspionieren..
Mittlerweile bin ich hier in Taiwan gut angekommen, und habe ein wenig Zeit gehabt, mich einzuleben. Seit kurz vor meiner Abreise habe ich unter taiwan.joto.de angefangen im Internet eine Art Tagebuch zu fuehren, das ich regelmaessig mit Bildern und Berichten fuelle. Ihr seid gerne dazu eingeladen, euch das einmal anzusehen. Zu allen Punkten hier findet ihr dort Anekdoten und mehr Einzelheiten.
Wie ihr alle wisst, hatte ich die zwei Vorbereitungsseminare im Laufe des Julis, losgeflogen bin ich dann am ersten August. Auf den Seminaren habe ich meine Mitreisenden kennengelernt, hatte nocheinmal eine sehr schoene Zeit mit Gleichgesinnten.
Mittlerweile ist das meinem Empfinden nach schon sehr lange her, so viel passiert hier jeden Tag, soviel Neues stroehmt auf einen ein.
Als wir aus dem Flugzeug ausgestiegen sind, hat uns eine drueckende, schwuele Hitze empfangen. Mittlerweile kann ich aber sagen, dass man es hier aushalten kann. In den Gebaeuden gibt es wirklich fast ueberall Klimaanlage, und auch draussen ist die schlimmste Hitze vorbei.

Die ersten zehn Tage in Taiwan hatten wir ein Sprach- und Einfuehrungscamp in Tainan, in dem wir auf das Land und die Gebraeuche hier vorbereitet werden sollten. Jeder hatte eine/n Mentor/in, die/der ihm in der Zeit zur Seite gestanden hat, nach den Unterrichtseinheiten in Chinesisch bei der Wiederholung geholfen hat, und die auch sonst als Ansprechadresse gedacht war. Mit den anderen vom Sprachcamp haben wir aber auch hier in der Gegend schon einige Sehenswuerdigkeiten sehen koennen. Erwaehnenswert sind da die Spuren der Hollaender hier in Taiwan oder die zahlreichen Tempel.
Wie ist mein Eindruck von dem Land hier? Die Hitze habe ich schon erwaehnt, aber das ist nur eines von vielen ungewohnten Dingen. Unheimlich viele Roller und Motorraeder, viele Autos, und alle im wilden Durcheinander. Geisterfahrende Roller, ueberfahrene rote Ampeln, Fussgaenger mitten auf der Strasse, Chaos! Aber es macht Spass. Ich habe hier ein gutes Fahrrad, mit dem ich quasi genauso schnell unterwegs bin, wie alle anderen Verkehrsteilnehmer. Hier in Tainan, wo ich lebe, ist alles sehr flach.
Essen ist so ein anderes Ding. Mittlerweile habe ich hier einige Dinge ausprobieren koennen. Echt extrem lecker! Es gibt unheimlich viel aus Soja (dou), Sojamilch, Soja- "Pudding", Soja- Tofu und nicht zu vergessen, der beruehmte stinkende Tofu. Ich bin bis jetzt immer nur vorbeigegangen, weil es wirklich extrem bestialisch stinkt. Aber ich habe mir fest vorgenommen auch das einmal auszuprobieren. Das werde ich hier sowieso bei unheimlich vielen verschiedenen Dingen machen koennen! Meeresfruechte sind ein anderes grosses Thema, vor allem hier in der lokalen Kueche. Muscheln, Krabben und Garnelen, Tintenfische, Fisch, Algen.... einfach alles. Aber ich mag�s.
Sonst natuerlich der allgegenwaertige Reis, Fleisch und Gemuese in allen Variationen, und einige Dinge, von denen man am manchmal nicht wissen moechte, was sie wirklich sind. Huehnerhoden sind da noch relativ harmlos, aber ganze Huehnerkoepfe und Fuesse sind einfach etwas gewoehnungsbeduerftig. Aber faszinierend.

Ich werde jetzt einfach mal von meiner Arbeitsplatzierung erzaehlen. Was fuer manche vielleicht noch neu sein wird, ich bin hier in Tainan in der Feuerwehr untergebracht. Die Feuerwehrzentrale, in der ich zusammen mit Hao, einem anderen Deutschen kantonesischer Abstammung, lebe, und jetzt am Anfang auch arbeite, ist ein recht neuer Bau. Hier sind vor allem die zentrale Verwaltung, die Rettungsschwimmer, die Notrufzentrale, ein Museum und ein Zentrum zur Bewusstseinsbildung zum Verhalten bei Brand und Katastrophenfall untergebracht.
Wir beide (Hao und ich) sind hier mit dem Chauffeur des Chefs in einem sehr schoenen Raum untergebracht. Wir haben ein Bad mit Dusche und WC (eine echte Toilettenschuessel, kein Hockklo wie sonstwo!), grosse Betten, Klimaanlage, Stauraum, alles was wir brauchen. Direkt zur Tuer raus eine Treppe nach oben ist die Kantine, in der wir zu Mittag und Abend essen. Das Essen ist gut und reichlich, typisch taiwanesisch, und hat zumindest die gleiche Qualitaet wie in einem deutschen Chinarestaurant. Jeder hat hier eine Reisschuessel und Staebchen. Gegessen wird dann aus grossen Schalen und Poetten, die auf einem Drehteller in der Mitte des Tisches stehen.

Sonst haben wir hier auch viele andere Moeglichkeiten zur Freizeitgestaltung im Haus, ueber Pool und Ping-Pong zu Fitnessgeraeten, Fernsehraum und Internet oben im Notrufcenter. Allgegenwaertig ist gruener Tee, zu dem man wirklich fast ueberall eingeladen wird. Aber hier ist er auch wirklich extrem gut und die dazugehoerende Zeremonie ist auch sehr interessant. Zwei Treppen nach unten ist unser jetziger Arbeitsplatz in der sog. Desaster Prevention Education Hall (Ungluecks Vermeidungs Ausbildungs Saal), in der wir gemeinsam mit ca. 8 anderen taiwanesischen Zivis wochentags Kindergruppen herumfuehren. Die Kinder sind so im Alter zwischen 5 und 12. Sie kommen aus Kindergaerten und Schulen, aus Kindergruppen und Sprachschulen. Pro Tag kommen so ca. 150-200 Kinder aus dem Bereich Tainan City, und werden hier durch die verschiedensten Stationen gefuehrt. Das faengt mit einem Film an, der zusammen mit einem Modell zeigt, was passiert oder was man tun muss, wenn ein Feuer entsteht. Weiter geht es meist ueber eine Hochseilstrecke die hier im zweiten Stock ueber den Hof gespannt ist. Dabei muessen den Kindern Sicherheitsgurte angelegt werden, und sie muessen begleitet und angewiesen werden. Wenn sie schon im zweiten Stock sind, dann werden sie auch gleich von dort mit einer Seilanlage abgeseilt. Diese Vorrichtungen gibt es hier in Hochhaeusern auf jedem Balkon. Unten geht es meist ueber ein Rauchlabyrinth weiter zu dem Taifunsimulator. Dort koennen wir mit Windmaschine und Sprinkleranlage einen kleinen Taifun entfachen. Nebenan gibt es einen Flammentunnel, in dem die Kinder mit Decken geschuetzt durch eine simulierte Flammenhoelle fluechten koennen. Anschliessend gibt es ein Erdbebenhats, in denen vermittelt wird, wie man Feuer und andere Schaeden bei Erdbeben weitestgehend vermeiden kann, und wie man sich selbst schuetzen kann. Ansonsten gibt es noch einen Stand, an dem man einen Feuerloescher ausprobieren kann. Hightlight ist unser Feuerwehrhelikopter-Flugsimulator. Mit einer bildfuellenden Leinwand und einer hydraulisch bewegten Vorfuehrplattform fuehlt man sich echt wie in einem Hubschrauber. Sonst gibt es noch ein reichhaltiges Multimediaangebot mit Filmen, Computerspielen und Informationen. Die Arbeit macht mir viel Spass, einfach weil es sehr witzig ist, mit den Kindern umzugehen. Hier gibt es buchstaeblich keine Europaeer. Ich habe wirklich manchmal mehr als zwei Wochen keinen anderen Weissen auf der Strasse gesehen, weswegen ich etwas ganz interessantes fuer die Kleinen bin. Die Mutigen wollen meine blonde Armbehaarung anfassen, oder sie sehen einen mit grossen Augen ganz fasziniert an. Man hat uns aber auch schon in Aussicht gestellt, dass wir in wenigen Monaten, wenn wir hier sprachlich besser eingelebt sind, auch in anderen
Bereichen der Feuerwehrarbeit taetig werden koennen, sei das im Rettungssanitaetsdienst oder wo auch immer.
Die Sprache ist so eine Sache. An sich habe ich durch meinen Kurs in Deutschland schon einen kleinen Vorsprung gehabt, aber damit hoert es natuerlich nicht auf. Hier ist all das noch einmal auch in verwendbares Wissen umgewandelt worden. Sonst macht man langsam Fortschritte. Es gibt trotzdem noch ein grosses Missverstaendnispotenzial. Wie vorhergesehen, ist vor allem das Lernen
der Schrift viel Arbeit. Ich werde mich vielleicht noch ein wenig mehr da reinhaengen muessen. Aber wir kommen gut zurecht. Unsere direkten Mitarbeiter koennen kein Englisch. Da ist es manchmal nicht einfach, sich zu verstaendigen, aber bis jetzt hat es immer geklappt. Andere koennen ein wenig Englisch, und wollen das auch ueben. Unsere Mitarbeiter, vor allem unsere Vorgesetzten, sind alle voll in Ordnung, und wir kommen prima miteinander aus. Es ist fast unglaublich, wie man sich am Anfang Muehe gegeben hat, uns beim Einrichten und Einleben zu helfen. Und auch jetzt ist es immer noch echt unglaublich, wie hilfsbereit alle sind. Unsere Anwesenheit hier hat schon einige Wellen geschlagen, wir haben schon mehrfach Reporter und ein Fernsehteam hier gehabt.

Ich hoffe, ich habe euch hiermit einen kleinen Eindruck in unsere Arbeit und mein Umfeld geben koennen. Ich freue mich sehr ueber Rueckmeldungen, entweder per e-Mail oder ueber meine Internetseite taiwan.joto.de . Dort findet ihr auch recht viele Bilder und mehr. Es lohnt sich, alle paar Tage mal vorbeizusehen.

Aus dem wunderschoenen Taiwan, euer Jonathan

P.S.: Ich habe einen neuen chinesischen Namen: Mei2 You4 Sheng1, der
aus den Zeichen fuer Pflaume, Hilfe/Schutz und Aufstieg zusammengesetzt ist.

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