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Erfahrungsbericht - Kirgistan

Autor: Heiner
Projekt: Svetly Put
Träger: Sobia e.V.

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Zuerst mal ein bisschen über mich.
Ich habe meinen ADiA im Jahr 2005/2006 in Kirgistan verbracht.
Bis zu diesen Zeitpunkt wuste ich nicht eimal wo das Land liegt. Auch von der Sprache habe ich kein Wort verstanden.
Das alles konnte mich aber nicht aufhalten in die Hauptstadt Bishkek zu fliegen und dort meinen Dienst im Kinderheim Svetly Put anzutreten.

Der Anfang


Den ersten Schock habe ich noch in Deutschland erlebt.
Ich bin am Flughafen und möchte Einchecken. In diesem Moment sagt mir allerdings der Zöllner, das ich nicht Fliegen darf, da mein Visum noch am selben Tag abläuft.
Da hat mir die Botschaft doch glatt ein Visum für den laufenden und nicht für den nächsten Monat ausgestellt. Da ich mein Visum aber erst kurz vor Abflug zurückbekommen habe, habe ich dies nicht mehr Kontrolliert. Nach vielen Diskutieren hat mich der Beamte schließlich doch in das Flugzeug gelassen. Ein neues Visum konnte ich mir dann in Kyrgyzstan am Flughafen kaufen.
Da mein Flugzug mitten in der Nacht ankam, hat man natürlich nicht viel gesehen. Das erste, was einen am Flughafen aber ins Auge gefallen ist, war die amerikanische Luftwaffe.
Der Zivilflughafen wird dort auch gleichzeitig als Militärflughafen von den Amerikanern verwendet.

Am Flughafen erwartet mich auch schon (etwas ungeduldig) meine neue Gastfamilie. Denen wurde anscheinend ein falscher Termin gesagt, wodurch sie schon seit mehreren Stunden gewartet haben.
Mit ihrem Auto ging es dann ab zur Wohnung und dort gleich ins Bett. Eigentlich war ich viel zu aufgeregt um zu schlafen, aber da es nachts 3 Uhr war, wollten die anderen natürlich schlafen.
Am nächsten morgen konnte ich die Wohnung erstmal etwas genauer in Augenschein nehmen. Es war eine kleine 3 Raumwohnung in welcher wir zu sechst gewohnt haben. Meine Gastschwester konnte relativ gut Englisch und mein Gastbruder (mit welchen ich in einem Raum war) konnte auch ein paar Brocken. Die anderen konnten nur Russisch, was ich aber überhaupt nicht konnte ;)

Noch am selben Tag, hat mir meine neue Gastfamilie die Stadt gezeigt. Für mich noch relativ schlimm, war der öffentliche Verkehr. Er wurde Hauptsächlich durch VW Minnibusse bestimmt. Wenn man einsteigen wollte, musste man die Hand heben und zum Aussteigen musste man den Fahrer bescheid sagen. Das Problem war aber (abgesehen davon, das ich kein Russisch konnte), dass es allein über 400 verschieden innerstädtische Buslinien gab. Wenn man also nicht genau wusste, welcher Bus wohin fährt, hatte man gerade in der Anfangszeit ein ganz schönes Problem.

Die Stadt selber war sehr stark durch den Sowjetischen Baustil geprägt. Das heißt, am Stadtrand gab es sehr viele Plattenbauten, es gab in der ganzen Stadt sehr viele Parks und Staturen und die wichtigsten Gebäude waren genau im Zentrum. Da es bereits Spätherbst war, brannten überall in den Straßengräben kleine Feuer und es wahr nur noch sehr wenig grün zu sehen.

Der erste Monat


Zwei Tage nach Ankunft war auch schon mein erster Arbeitstag. Ich hatte mich sehr stark auf ihn gefreut, gleichzeitig aber auch eine ungeheure Angst gehabt. An sich wusste ich so gut wie gar nichts über meine Arbeit, ich wusste lediglich den Namen (welcher sich als falsch herausstellen sollte) und das es ein Kinderheim war.
Meine Gastschwester hat mich am ersten Tag auf die Arbeit gebracht und mir erklärt mit welchen Bussen ich hinfahren muss. Auf Arbeit angekommen, habe ich den zweiten Schock bekommen. Dieser war dadurch begründet, dass auf meiner Arbeit niemand Deutsch oder Englisch konnte. Sie haben nur Russisch gesprochen (was ich nicht konnte) und natürlich auch kyrgisich (was ich erst recht nicht konnte).
Nachdem aber erst einmal dieser Schrecken überstanden war, hat sich das sogar als Vorteil herausgestellt, denn so habe ich wesentlich schneller die Sprache gelernt.
Meine Kollegen waren alle sehr nett und haben mich bestmöglich eingewiesen. In der Anfangszeit war eigentlich meine einzigste Aufgabe erst einmal Russisch zu lernen.
Am ersten Tag saß ich eigentlich nur rum und habe geguckt was die Kinder so machen. Einige der kleinen Kinder sind dann auch zu mir gekommen und haben mir geholfen Russisch zu lernen. Dies lief ab, in dem sie auf die verschiedenen Gegenstände gezeigt haben und mir ihren Namen genannt haben. Ich musste das dann solange wiederholen, bis ich es mir eingeprägt (und 5min später wieder vergessen) habe.
Später habe ich auch angefangen den kleineren Kindern Geschichten vorzulesen. Ich habe zwar kein Wort von dem verstanden, was ich gelesen habe, aber den Kindern hat es gefallen. Nach jedem meiner Worte kam ein ganzes lachgeschwader. Aber gerade dadurch habe ich gelernt richtig zu sprechen, denn mir wurde auch nach jedem Wort gesagt wie es richtig auszusprechen ist. Durch dieses Training konnte ich relativ schnell ordentlich lesen, das Problem war nur, das ich überhaupt nicht verstanden habe, was ich da gelesen habe oO

Um die Sprache schneller zu lernen, habe ich noch eine Sprachschule besucht. Da diese aber relativ schlecht war, bin ich dort nicht lange geblieben und habe nur noch mit den Kindern zusammen gelernt. Da Kinder einfach unermüdlich sind und sich ständig wiederholen, ging dies auch relativ schnell. So konnte ich bereits nach einen Monat zumindest genug Russisch um mich verständlich zu machen.

Probleme des ersten Monats


Natürlich währe es eine Lüge zu sagen, dass alles super war. Obwohl mir die Arbeit sehr gefallen hat, war mehr das Gegenteil der Fall. Durch die mangelnden Sprachkenntnisse war ich gezwungen relativ isoliert zu leben. Gerade in der Anfangszeit kannte ich außer meiner Gastschwester niemanden, welcher Englisch oder Deutsch sprechen konnte. Dass heißt also, das ich mich mit niemanden Unterhalten konnte und auf längere Zeit gesehen, macht das schon ganz schön Einsam. Nicht selten habe ich darüber nachgedacht zurückzufliegen. Dazu kam noch, dass ich in meinen ersten Monat eine relativ schwere Krankheit bekommen hatte und die gefürchteten Krankenhäuser näher kennen gelernt habe.
Meine Tage sind am Anfang im Prinzip alle gleich verlaufen. Ich bin sehr spät aufgestanden und bin nach dem Essen durch die halbe Stadt zu meiner Arbeit gelaufen. Dort habe ich mit den Kindern gespielt und Russisch gelernt. Nach der Arbeit war es bereits dunkel, so dass ich nicht mehr lange in die Stadt konnte. Dass heißt also, ich bin nach der Arbeit immer so langsam wie möglich wieder nach Hause gegangen. Da ich mich mit meiner Gastfamilie aber nicht sonderlich gut Vertragen habe, saß ich dann eigentlich nur noch rum und habe gelesen. Aus Mangel an Büchern, musste ich halt dieselben Bücher sehr oft lesen.
Wie gesagt, ich habe sehr oft darüber nachgedacht zurückzufliegen, aber ich bin froh es nicht gemacht zu haben.

Nach dem psychischen Tief


Am ende des ersten Monats, habe ich auf meiner Arbeit eine Frau kennen gelernt. Sie war gerade für einen Monat in Deutschland (beim Oktoberfest) und konnte als Deutschstudentin auch einige Brocken Deutsch. Sie hat mich zu sich nach Hause eingeladen und ich bin auch gerne gekommen.
Bei ihr angekommen, wurde ich erst einmal von ihren 2 Kindern Akyl (m. 9 Jahre) und Asyl (w. 7 Jahre) in empfang genommen. Nach einem reichlichen Essen ist auch noch ihre Schwester zu uns gestoßen, welche Russisch Lehrerin für Ausländer war. Das war natürlich sehr praktisch ;)
Ich wurde noch öfters eingeladen und bereits nach 2 Wochen bin ich dort eingezogen. Der Abschied von meiner alten Familie ist mir ehrlich gesagt nicht sonderlich schwer gefallen.
In meiner neuen Gastfamilie habe ich mich mit allen gut verstanden und ich hatte sogar ein eigenes Zimmer. Das Beste aber war, die Wohnung war nur 50 Meter von meiner Arbeitsstelle entfernt.
Im Prinzip hat sich mein Leben nach diesen Umzug relativ schnell verbessert. Ich habe noch einige andere deutsche Freiwillige kennen gelernt, mit welchen ich im laufe des Jahres auch sehr viel Unternommen habe. Mein Leben zu hause hat sich verbessert, da ich mit der Gastmutter besser kommunizieren konnte und auch die zwei Kinder sehr zutraulich waren.
Auch auf Arbeit lief es immer besser, da sich meine Russisch Kenntnisse immer weiter verbessert haben und ich somit endlich verstanden habe, was die Leute alle von mir wollen :D

Der erste Ausflug


Meine erste Tour ins Landesinnere, war für mich ein sehr großes Erlebnis. Zusammen mit 2 anderen deutschen Freiwilligen, welche ich in der Stadt kennen gelernt habe, sind wir zum Issyk-Kul gefahren. Dies ist der zweit größte Gebirgssee der Welt und im Sommer ein wahrer Touristenmagnet. Jetzt aber war Winter und wir waren somit die einzigen Touristen weit und breit. Da wir mit unserem Geld relativ stark Wirtschaften mussten, konnten wir uns ein Hotel nicht leisten. Wir sind also in irgendwelche Seitengassen gegangen und haben die Leute gefragt ob wir bei ihnen übernachten dürfen. Wenn man zum einen bedenkt, dass wir alle zu diesem Zeitpunkt nur sehr schlecht Russisch konnten und 90% der Leute, welche wir gesehen haben, stark Alkoholisiert waren, dann war dies schon nicht ganz ungefährlich. Aber wir hatten Glück und haben eine Familie gefunden, bei welcher wir relativ Preisgünstig übernachten konnten. Wir waren dann später auch noch öfters bei dieser Familie.

Neue Aufgabenfelder


Inzwischen sind bereits 3 Monate vergangen und ich habe mich auf meiner Arbeit neuen Tätigkeitsfeldern gewidmet. Als erstes ging es darum, das Neujahrsfest zu Organisieren. Dies ist dort das größte Fest überhaupt. Natürlich sollte ich mich da auch beteiligen. Also habe ich mir 5 Kinder geschnappt und mit diesen ein etwas ungewöhnliches Programm eingeübt.
Am Anfang unseres Auftrittes sind wir alle als Oma Verkleidet (ja, ich auch) auf die Bühne gekommen und haben angefangen einen Russischen Volkstanz aufzuführen. Die Musik hat sich aber sehr schnell geändert und aus der Volksmusik wurde ein moderner Rap. Nach dem auch noch ein Eminem Verschnitt herausgekommen ist, haben wir Omas also angefangen Brack Dance zu machen.
Was ich nicht bedacht hatte, das wir leider zu gut waren. Die ursprünglich nur für das Heim gedachte Nummer mussten wir später auch öffentlich vorführen :D

Nach den ganzen Festen habe ich auch mit diversen Lehrtätigkeiten angefangen. Da wir einige Analphabeten hatten, habe ich mir diese herausgesucht und mit ihnen Russisch lesen und schreiben gelernt. Meine Kollegen haben erstmal ziemlich gelacht, da ich selbst kaum Russisch konnte, aber ich konnte zumindest lesen und schreiben. Das schöne war, bereits nach wenigen Monaten konnten es meine Schüler auch (die einen besser, die anderen schlechter).
Mir hat der Unterricht natürlich auch etwas gebracht. Da ich mich mit jedem Schüler einzeln beschäftigt habe, hatte ich auch etwas mehr Zeit für sie. Normalerweise mussten sie mir immer verschiedene Wörter vorlesen und danach mussten sie mir erklären was das überhaupt ist. So habe ich neue Wörter und Redewendungen gelernt und meine Schüler waren motivierter.

Zu gast bei Einheimischen


Da ich inzwischen schon relativ lange im Land war, kannte ich auch recht viele Leute. Ich war auch schon relativ oft Gast bei Freunden, aber dies war das erste Mal, das ich Gast bei Leuten in einem Dorf war. Dorf und Stadt sind immer noch sehr unterschiedlich, sowohl vom Lebensstandart, wie auch von der Tradition und Mentalität.
Eines der wichtigsten Sachen ist, dass wenn ein Gast kommt sehr viel zu essen da sein muss. Als Deutscher ist man es ja gewohnt immer schön aufzuessen. Da das essen sehr gut war, ist mir das auch nicht schwer gefallen. Als der Teller lehr war, gab es sofort Nachschlag. Das hat sich einige male wiederholt bis ich wirklich satt war und noch etwas auf den Teller liegen geblieben war. Freundlich lächelnd hat die Gastgeberin den Teller weggenommen und kam kurz darauf mit den Zweiten Gang herein �
Die ganze Prozedur hat sich bis zum 5. oder 6. Gang hingezogen.
Danach wusste ich, iss niemals auf!!
Später habe ich es auch so gemacht, von jeder Portion immer nur ein bisschen gegessen und noch viel auf dem Teller gelassen. Es war für mich am Anfang zwar etwas befremdend, aber die Einheimischen haben es genauso gemacht.
Trotzdem ist es wichtig immer genug zu essen, aus dem einfachen Grund, damit einen der ständig gegenwärtige und leider auch verpflichtende Wodka nicht zu sehr benebelt.
Der Verzicht auf Wodka kann unter umständen einer sehr schlimmen Beleidigung gleich kommen. Die einzigste Möglichkeit zu verzichten ist es NIE Alkohol zu trinken. Aber wenn dann jemand einen trotzdem mit einem alkoholischen Getränk erwischt (und sei es nur Bier) kann dies unter umständen das ende einer sonst recht guten Freundschaft sein, da es bei vielen mit einer schweren Beleidigung gleichgestellt wird.

Wie in jedem Land gibt es auch hier einige für uns bizarr Anmutende Speisen. Als meine Eltern mich besucht hatten, waren wir zu Gast in einer weit abgelegen ländlichen Gegend. Dort wurde extra für uns ein Hammel geschlachtet und der Kopf wurde meinen Vater als besondere Delikatesse serviert. Den galt es jetzt auch zu essen, incl. Augen, Zunge und Gehirn. Aber mein Vater hat sich tapfer geschlagen und danach selbst noch bei der anschließenden Karaoke Veranstaltung mitgemacht (das war das erste mal das ich ihn Singen hörte).

Neuer Job


Da ich abends immer etwas frei hatte, habe ich mich nach einer neuen Stelle umgeguckt und ich habe tatsächlich etwas gefunden. An der diplomatischen Akademie habe ich also neuer Deutschlehrer angefangen. Da sowohl meine Grammatik wie auch meine Rechtschreibung nicht so besonders ist, habe ich gleich gesagt das ich nur Rethorik Unterrichte. Für das andere gab es extra Lehrer.

Freizeit


Natürlich bestand das Leben nicht nur aus Arbeiten. Meine Freizeitbeschäftigungen haben sich aber hauptsächlich auf das treffen mit Freunden beschränkt. Obwohl ich in einer Millionenstadt wahr, gab es neben Discos (welche ich nicht mag) und einem Kino eigentlich kaum Freizeitmöglichkeiten. Dazu kommt noch, dass ein Aufenthalt im freien nach Einbruch der Nach nicht immer ganz ungefährlich ist. Dies musste ich leider auch einmal am eigenen Leibe erfahren.
An den Wochenenden haben wir öfters Touren in das Landesinnere gemacht. Allerdings ist dies mit den Einheimischen schwer zu bewerkstelligen, weswegen ich bei solchen Touren meistens mit Ausländern unterwegs war. Aber gerade wenn man an einem festen Ort ist, ist es wesentlich besser mit den Einheimischen zusammen zu sein. Besonders die Kinder sind sehr unternehmungslustig. Wer sich also nicht scheut mit 10 jährigen Jungen und Mädchen durch ein Dorf zu rennen (und immer schief angeguckt zu werden), der wird sehr schnell sehr viel kennen lernen.

Fazit


Obwohl es gerade in der Anfangszeit sehr große Tiefs gegeben hat, bin ich der Meinung das war eine der besten Sachen, die ich jemals gemacht habe.
Die Arbeit selber war eine sehr schöne und erfüllende Arbeit.
Ich habe dort sehr viele neue Freunde kennen gelernt und mit welchen ich auch immer noch Kontakt habe. Neben der durchaus Interessanten Kultur lernt man auch ein vollkommen neuen Lebensstile kenne, welchen ich selbst in Deutschland teilweise nicht abgelegt habe.
Kyrgyzstan ist inzwischen so etwas wie meine 2. Heimat geworden und der Abschied von dort ist mir unsagbar schwer gefallen.

Wenn mich jetzt jemand fragt, ob ein Auslandsjahr das richtige für ihn ist, und diese Person nur ein kleines bisschen Selbständig ist, dann sage ich mit ruhigen gewissen JA.

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