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Erfahrungsbericht - Brasilien

Autor: Juliane Fürst
Projekt: Strassenkinderprojekt - Petrape
Träger: Brasilienprojekte der Karmeliten



Juliane Fürst - Freiwilliger Dienst von Mai 2005 bis April 2006 in Petrape / Petrolina

Mein Jahr in Petrape war super-spannend und nicht immer einfach. Am Ende jedoch habe ich ein positives Fazit zu verzeichnen und bin rundum zufrieden mit diesem Jahr.

Wie schon bekannt ist, ist aller Anfang schwer. Ich hatte großes Glück, dass ich von meiner Vorgängerin in Empfang genommen wurde, die mir die ersten Wochen sehr vereinfacht hat. Leider ist es in Petrape nicht so, dass man eine richtige Einweisung bekommt. Man muss sich selbst die Arbeit suchen, und das unter der erschwerten Bedingung, dass man die erste Zeit die Sprache nicht versteht.

Aber durch den Fid-Kurs in Köln sind wir ja eingehend darauf vorbereitet worden.

Die erste Zeit war also so, dass ich viel mit meiner Vorgängerin Sophie und einer anderen Freiwilligen Charlotte aus Belgien unterwegs war und ihnen bei ihrer Arbeit behilflich war, bis ich mir selbst eine Arbeit gesucht hatte.

Ich habe mir kleine Büchlein mit Grimms Märchen in Großschrift gekauft und mit den kleinen Jungs von Petrape lesen geübt. Als Belohnung durften sie dann mit mir malen. Das hat mir sehr viel Spass gemacht und den Jungs auch, denn sie hatten für die kurze Zeit über die volle Aufmerksamkeit eines Erwachsenen. Und das ist schließlich das Wichtigste nach dem sie suchen, und das wir Freiwilligen ihnen geben können.

Nach gewisser Zeit kamen immer mehr Freiwillige (hauptsächlich ItalienerInnen) in Petrape an, und wir mussten uns die Arbeiten gut aufteilen. Es war sehr chaotisch, und für mich als einzige Deutsche, sehr schwer. Wir trafen uns dann jede Woche zu einer Versammlung der Freiwilligen und haben Pläne geschmiedet, Verbesserungen vorgetragen und einen für alle Beteiligten sinnvollen Einsatzplan entworfen. Wenn also jemand verhindert war, seinen Dienst zu leisten, konnte man das im Treffen sagen und es wurde Ersatz gesucht.

Unsere Dienste gingen von Hausaufgaben-Unterstützung, Fussball und Volleyball-Training, über Duschaufsicht, Essensaufsicht, Spielzimmer Aufsicht, Besuch in den Casa Lar, .... usw. bis zum Workshop für Schmuckbasteln. Damit bin ich an meinem Einsatz angelangt. Schmuck basteln war mein Projekt. Es hat sich aus einem einfachen Wunsch eines der Jungs entwickelt. Ich zog los, kaufte Perlen, Perlonschnur und Verschlüsse ... und es wurden wunderschöne Perlenketten für Mütter, Freundinnen, Schwestern gebastelt, die wir sehr bald sogar zum Verkauf anboten. Wir bastelten auch kleine Schlüsselanhänger in Form von Krokodilen, Schildkröten in allen Farben und Größen. Für die Jungs musste ich sehr bald einen Stundenplan entwerfen, denn ich hatte festgestellt, dass ich in kleinen Gruppen arbeiten musste, weil sonst ein heilloses Chaos ausbrach. Das war nicht einfach, denn die Jungs wollten basteln wenn sie Lust dazu hatten und nicht, wenn der Name auf dem Plan es vorsieht! Ich musste also hart durchgreifen. Was nicht immer einfach war.

Dieses Projekt hat sich sehr bewährt (und funktioniert sogar heute noch). Die Jungs konnten sich durch den Verkauf der Perlenketten und Schlüsselanhänger etwas Taschengeld verdienen. Es ging sogar soweit, dass ich eine Bank eröffnete, denn ich versuchte die Jungs zu überreden das Geld bei mir zur Verwaltung liegen zu lassen und es nicht jeden Tag neu auszugeben. So konnten einige der Jungs sich Geld für etwas Besonderes sparen. Einer der Jungs hat sich z. B. ein Fahrrad gekauft. Mit einem Anderen bin ich losgegangen und wir haben von seinem Geld Kleidung für ihn gekauft. Es war aber auch kein Problem, wenn sich die Kinder zwischendurch etwas Süßes oder ein Eis kaufen wollten. Sie mussten nur einfach zu mir kommen und von ihrem Konto etwas Geld abheben.

Neben des Workshops war ich noch für das Spielzimmer verantwortlich. Das Spielzimmer hatte am Nachmittag von 15 Uhr bis 17 Uhr geöffnet. Es durften einmal die Woche Casa Lar I kommen und einmal Casa Lar II. Es gab noch kein Casa Lar III. Die restlichen drei Tage waren die Jungs von Petrape dran.

Im Spielzimmer durften sich die Jungs Spiele und Puzzles holen, oder malen. Es gab auch eine Tischtennisplatte.

Die letzten paar Monate in Petrape war ich sehr beschäftigt. Es lief alles sehr gut. Fast hatte ich keine Zeit mehr für den Workshop, denn ich musste neues Material kaufen, weil die Jungs so viel gebastelt haben.

Als meine Zeit dann zu Ende ging, musste Ersatz für mich her. Es kam eine Italienerin, die ich dann in mein Projekt eingewiesen habe und sie leitete es dann auch weiter.

Zur Zeit wird dieses Projekt von Sandra Barnikel weitergeführt. Es wäre schön, wenn es weitergehen würde und wir immer wieder jemand finden könnten, der den derzeitigen Freiwilligen dann ablösen könnte.

Zum Abschluss möchte ich mich bei der Organisation bedanken, die es mir ermöglicht hat, diese Erfahrung zu machen. Ich bin sehr froh, dass ich nach Brasilien ging und wünsche allen weiteren Freiwilligen eine gute Zeit.

Juliane Fürst

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