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Erfahrungsbericht - Brasilien

Autor: Julian Vorberg
Projekt: Strassenkinderprojekt - Petrape
Träger: Brasilienprojekte der Karmeliten



1. Zwischenbericht


Nach nun schon 8 Monaten hier in Brasilien fühle ich mich fast selbst wie ein Brasilianer. Man übernimmt einfach viele Verhaltensweisen und Gestiken automatisch mit der Zeit und auch die Sprache ist schon besser geworden.

Wenn ich zum Beispiel über etwas nachdenke, geschieht dies sehr häufig in Portugiesisch, sogar geträumt habe ich schon öfters in Portugiesisch. Das sind schon Anzeichen dafür, dass man sich sehr eng an das Land und die Sprache binden konnte. Auch wenn ich mit Freunden unterwegs bin, fühle ich mich nur selten als Fremder. Ausser natürlich, wenn mir jemand wieder von weitem zuruft: "Ey, alemão, e ai, beleza?" (Hey Deutscher, na, alles klar?).

In Petrape habe ich übrigens mittlerweile nicht mehr den Spitznamen ‘Alemão’ (Deutscher), sondern ‘Galego’ (Blonder) oder gar ‘Galegao’ (sehr Blonder).

Die Arbeit dort ist zur Zeit teilweise richtig nervenaufreibend. Den Englischunterricht haben nämlich nach den ersten, noch mit Neugierde verfolgten Stunden, immer weniger zu schätzen gelernt. So ist es oftmals sehr schwierig, sich gegen die sich sträubenden Rabauken zu stellen und den Unterricht weiterzuführen. Manche sehen es einfach nicht ein, stören absichtlich den Unterricht mit allen Mitteln und sind dann am Nachmittag stinksauer auf mich, wenn sie als Konsequenz mal nicht beim Fußball mitspielen können. Aber mir ist es wichtig, dass sie lernen, dass Bildung wichtig und sehr hilfreich für ihre Zukunft ist. Aber wie schon gesagt, es stellt sich als nicht sehr einfach heraus.

Zudem bin ich öfters unter der Woche bei den "Kleinen" im Casa Lar 1 und 2. Dies ist meist sehr spaßig. Mir macht es einfach Spaß, mit den kleinen Wuslern zu spielen oder mich mit ihnen zu beschäftigen. Die Meisten sind auch (noch) nicht so frech und sind teilweise richtig kleine goldene Engelchen (wehe, wenn sie ihren Teufelstag haben!).

Dann möchte ich noch von unserem Ausflugstag erzählen. Es war nämlich Kirmes hier in Petrolina und wir haben kostenlose Eintrittskarten für alle Leute aus Petrape erhalten. Wir sind also mit allen Kids (also inklusive den Kleinen aus den Casa Lars) zur Kirmes und der Tag war super. Die Jungs hatten sehr viel Spaß, haben sich gut amüsiert und sämtliche Karussells und sonstige Kirmes-Attraktionen ausprobiert und waren alle sehr begeistert. Zusammenfassend war dies ein sehr schöner Tag für alle. Für uns Betreuer, da die Kids in Harmonie und mit viel Spaß bei der Sache waren, und für die Kids, da sie mal etwas Neues, außerhalb von Petrape sehen und sich mal richtig austoben konnten.

Julian Vorberg


2. Zwischenbericht


Meine Zeit in Brasilien neigt sich nun schon langsam dem Ende zu, obwohl sich das irgendwie gar nicht danach anfühlt. Man hat sich zwar eingelebt und es ist allmählich eine Art "Alltags-Gefühl" eingekehrt, jedoch ist es schwer zu glauben, dass nun schon so viel Zeit vergangen ist, man schon bald wieder die Rückkehr nach Deutschland antreten wird und die schöne Zeit, die man hier in Brasilien erlebt hat, nur noch in

Erinnerungen warm auftauchen wird.

Aber noch habe ich zwei Monate hier in Brasilien: August, mein letzter Monat in Petrape, und September, in dem ich etwas herumreisen werde, um das Land noch besser kennen zu lernen.

Derzeit bin ich mit Planungen der Exkursion nach Recife beschäftigt, die allerdings vielleicht ins Wasser fallen wird, da es leider noch an Sponsorengeldern fehlt.

Denn der Transport der Gruppe von 25 Personen nach Recife und zurück ist nicht ganz billig und mit einem zu engen Budget möchten wir den Trip auch nicht planen. Das kann ins Auge gehen mit einer so großen Gruppe. Die tägliche Versorgung mit Essen und Trinken muss also auch finanziell gesichert sein. Eine kostenlose Unterkunft haben wir allerdings schon organisieren können.

Hier an meiner Arbeitsstelle, Petrape, ist es die letzten Wochen wenig arbeitsintensiv gewesen. Es fing mit "São João" an. Das sind Volksfesttage mit allerlei Festlichkeiten und auch im Kinderheim Petrape selbst haben wir ein Fest des "São João" organisiert. So wurde das gesamte Kinderheim geschmückt, dekoriert, Zelte mit Verkaufsständen aufgebaut und sogar eine professionelle Bühne mit Showakts von lokalen Livebands wurde organisiert. Eintritt wurde auch genommen und zusammen mit Sponsorengeldern aus Politik und Wirtschaft haben wir so ein großes, buntes Fest, welches sehr schön verlaufen ist, finanzieren können.

Dann kam noch die Weltmeisterschaft dazu, bei jedem Brasilienspiel war bundesweiter Feiertag angesagt, die Begeisterung groß und zumindest bis ins Viertelfinale, danach die Enttäuschung um so größer. Ich habe innerlich über die Brasilianer etwas lächeln müssen, da sie alle hundertprozentig davon überzeugt waren den Cup zu holen und die restlichen Teams einfach nichts können… Die Realität wurde ihnen dann vor Augen geführt, was ich nicht schlecht fand. Einige behaupten, dass wie schon 2002 das Team gekauft (bestochen) wurde - wer´s glaubt wird selig - und der Fußballgott ist doch Brasilianer?

Kurz nach der Weltmeisterschaft haben dann die Ferien der Kids angefangen, das heißt sie haben im Heim sehr wenig zu tun, und einige der Kinder mit Familienanbindung verbringen die Ferien daheim.

Ich habe die freie Zeit der im Heim gebliebenen Kids dazu genutzt, Nachmittags mit ihnen rauszugehen, im Stadtpark zu spielen, durch die Stadt zu schlendern oder einfach um die Ecke ein Eis essen zu gehen.

Es bleibt dann auch mehr Zeit für ein spontanes Fußballspiel oder andere Aktivitäten, gerade mit den älteren, die eben sonst den Tag meist in der Schule verbringen.

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