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Erfahrungsbericht - Brasilien

Autor: Frank Holzmann
Projekt: Strassenkinderprojekt
Träger: Brasilienprojekte der Karmeliten



Vom 1.Dezember 1998 bis zum 28.Februar 2000 arbeitete ich im Rahmen des Anderen Dienstes im Ausland in einem Projekt für Straßenkinder in Brasilien. Das Projekt heißt Funda��o Educacional Meninos e Meninas de Rua Profeta Elias und befindet sich an der BR 116 KM 144, CEP 83800.00, Mandirituba, Paran� im südlichen Teil Brasiliens. Es ist eine gemeinnützige Nichtregierungsorganisation, die sich für die Interessen brasilianischer Straßenkinder einsetzt und ihnen Unterkunft, Verpflegung, Ausbildung und Freizeit bietet und ihnen so ein menschenwürdiges Leben ermöglichen will. Die Kinder kommen aus Curitiba, der Hauptstadt des Staates von Paran�. Der eigentliche Kern dieser Organisation ist die Ch�cara Padre Eduardo Michelis. Es ist ein 1991 erworbenes Landgut, das sich ca. 40 km südlich von Curitiba befindet. Das Landgut besteht aus mittlerweile vier Häusern in denen 28 (ehemalige) Straßenjungen, 5 Erzieher, eine variierende Zahl vor allem ausländischer Freiwilliger sowie der Projektleiter namens Fernando Francisco de Gois wohnen, arbeiten und lernen. Zusätzlich arbeiten im Projekt zwei Köchinnen.
Das Ziel des Projektes ist es, Straßenkindern aus Curitiba und Großraum Curitiba Hilfeleistung zu bieten und sie in einem teilnehmenden Prozeß in die Gesellschaft als respektierte Bürger (wieder)einzugliedern.

Das Projekt zielt mittel- bis langfristig die Selbstversorgung an; wird allerdings zum gegenwärtigen Moment noch zum Großteil aus Spenden europäischer und brasilianischer Freundesgruppen, wie auch durch Gelder der Stadt Curitiba unterstützt und finanziert.

Drei der vier Häuser dienen den Kindern als Wohn- und Schlafstätte. Je nach Alter und ihrer Ankunft im Projekt sind sie auf die drei Häuser verteilt. Abhängig ihrer Klassenstufen gehen alle Kinder vormittags, nachmittags oder abends in die Schule und arbeiten entweder vormittags oder nachmittags im Projekt. Dabei geht es jedoch nicht nur um die reine Ausführung der Arbeit, sondern es wird immer eine Pädagogik des Lernens durch die Arbeit angestrebt. Die Kindern lernen, Felder zu bestellen, sich um die vielen Tiere zu kümmern oder aber auch Aufgaben im Haus zu übernehmen. Wöchentlich werden die Gruppen und ihre Aufgaben geändert bzw. rotiert, so daß jeder mit den verschiedensten Arbeiten vertraut wird. Die Kinder haben zudem die Möglichkeit an verschiedenen Freizeitaktivitäten teilzunehmen. So gibt es im Projekt zwei Fußballplätze, ein Volleyballfeld, sowie einen Computerkurs, an dem die Kinder in organisierten Stunden mit dem Medium vertraut gemacht werden, aber auch ausreichend Zeit bleibt zur freien Nutzung.

Während meines Aufenthaltes bestand meine Arbeit aus verschiedenen Tätigkeiten, von denen ich die wichtigen im Folgenden beschreiben werde:

- Versorgung der Hühner
Wie bereits erwähnt, strebt das Projekt die mittel- bis langfristige Selbstversorgung an. Einer der ersten Schritte in diese Richtung war die Konstruktion einer Hühnerfarm mit einer Kapazität von bis zu 9.000 Schlachthühnern. Mit einer fixen Gruppe von 4 Kindern war ich verantwortlich für die Versorgung der Hühner und die Instandhaltung der Gerätschaften. Die Hühner werden im 50 Tagesrhythmus großgezogen und anschließend an einen Großhändler verkauft. Innerhalb der 50 Tage muß täglich Futter nachgefüllt werden, Wasser gewechselt und die Regulierung der Freßbehälter durchgeführt werden. Aufgrund der Empfindlichkeit der Hühner ist es ebenfalls notwendig, die Temperatur im Stall zu überprüfen und ggf. für zusätzliche Lüftung zu sorgen. Nur verantwortungsbewußte Kinder dürfen diese Arbeiten übernehmen und sich dabei etwas �Taschengeld� zum Kauf von Kleidung etc. verdienen.

- Aufbau eines Computerkurses
Schon bald nach meiner Ankunft erhielt das Projekt eine Spende ausgemusterter Computer. Die Kinder zeigten großes Interesse an diesen �neuen� Geräten und es wurde beschlossen einen Computerkurs im Projekt aufzubauen, von dem zuerst die Kinder und später auch die ländliche Gemeinde profitieren sollen. Aufgrund meiner Computerkenntnisse war ich gerne bereit diese mir interessant erscheinende Aufgabe zu übernehmen. Es wurde dreimal wöchentlich in drei Kursen täglich Computerunterricht gegeben. Je nach Alter, Reife und Wissensstand unterrichtete ich die Kinder mit Hilfe pädagogischer Computerprogramme, die ich größtenteils von der Staatlichen Universität von Paran� in Curitiba erhielt. Mit dem Bekanntwerden des Kurses erhielt das Projekt weitere Rechner. Durch ein Angebot der Universität konnte der Unterricht auf dem Umgang mit dem Internet erweitert werden. In dieser Hinsicht wurde auch mit und durch die Kinder eine Webpage über das Projekt erstellt.

- Büroarbeiten
Eines der Gründe, die dem Projekt die stetige Weiterentwicklung ermöglichen, ist seine starke Vernetzung mit staatlichen Institutionen, Verbänden, Freundesgruppen und anderer Nichtregierungsorganisationen. Natürlich fällt bei einer solchen Kontaktvielfalt auch entsprechend viel Briefverkehr an, um den ich mich nach einiger Zeit des Einlebens und Kennenlernen des Projektes kümmern konnte. So bestand meine Aufgabe auch im Schreiben vieler projektorientierter Briefe und aufgrund der vielen internationalen Beziehung des Projektes im englisch- und deutschsprachige Ausland auch deren Übersetzung.

Neben den Kindern und den im Projekt tätigen Brasilianern lernte ich auch viele weitere internationale Freiwillige kennen, die aus den verschiedensten Gründen für 1-12 Monate im Projekt tätig waren. Natürlich ist die Arbeit in einer fremden Kultur wie die Brasiliens nicht immer leicht. Dennoch betrachte ich die Arbeit und den Einsatz dieser internationalen Kräfte als äußerst wichtig im Aufbau des Projektes � vor Ort wie auch bei der anschließenden Öffentlichkeitsarbeit im Heimatland. Ohne diese Hilfe wäre die Entwicklung des Projektes so nicht möglich. Ich bin sehr glücklich darüber, bei dieser Entwicklung mitgeholfen zu haben und auch in Deutschland für das Projekt und dessen Ziele weiterarbeiten zu können. Viel konnte ich über mich, Brasilien und den dort lebenden Straßenkindern lernen.

Frank Holzmann

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