Das FSJ und ADiA Informationsportal

Menu:


Login:

Name

Passwort
Registrieren

Workcamps:

- im Kinderheim
- mit Behinderten




Forum:

Freiwill...
Ecuador...
Auslands...
Freiwill...
ORGANISA...

Erfahrungsbericht - Brasilien

Autor: Ulrike Weber
Projekt: Strassenkinderprojekt
Träger: Brasilienprojekte der Karmeliten



Als ich im Herbst 1998 nach Brasilien aufbrach, wusste ich nicht genau, was mich dort erwarten würde. Nach meinem abgeschlossenen Studium zur Grundschullehrerin wollte ich für ein halbes Jahr einen Sozialdienst in Brasilien verrichten. Schon seit meiner Kindheit interessierte ich mich für Lateinamerika. Als ich dann eine Reportage über verschiedene Sozialpraktika, die Pater Rudolf Theiler, ein Karmelit aus meiner Heimatstadt Bamberg in Brasilien vermitteln würde, las, stand für mich fest, dass das eine gute Möglichkeit wäre, meinen lang ersehnten Wunsch in die Tat umzusetzen.

Nach einer ersten Kontaktaufnahme mit Pater Rudolf ging alles ziemlich unbürokratisch und schnell. Mit all meinen Fragen war ich bei ihm in guten Händen. Bischof Dom Paulo Cardoso, in dessen Diözese Petrolina im Nordosten von Brasilien mein Einsatz stattfinden sollte, konnte ich anlässlich seiner Besuchsreise nach Deutschland schon in Bamberg kennenlernen. Im Eilverfahren lernte ich ein wenig Portugiesisch und startete bereits kurze Zeit später nach Brasilien.

Ich dachte nur an einen bescheidenen Einsatz in einem Projekt für Straßenkinder. Tatsächlich gewährte mir Dom Paulo Cardoso jedoch einen Einblick in seine gesamte Arbeit in der Diözese Petrolina im Staat Pernambuco, einem riesigen Gebiet, nahezu halb so groß wie Bayern, und doch nur ein winziges in Bezug auf die Gesamtgröße Brasiliens, das ca. 25 mal so groß wie Deutschland ist.

Mein erster Eindruck war eine überwältigende Gastfreundschaft der Brasilianer. Gleichzeitig erschien mir die Bevölkerung reicher, als ich es mir vorgestellt hatte.

Diese Sichtweise änderte sich jedoch bald durch die Gelegenheit, verschiedene Schulen, Kindergärten und Tagesstätten zu besuchen, in denen Kinder sehr armer Familien untergebracht sind. Es gibt viele dieser Einrichtungen in Petrolina, einer Stadt mit ca. 220 000 Einwohnern. Meine Hauptanlaufstelle war jedoch das Petrape, ein Heim für Jungen zwischen 6 und 18 Jahren. Was ich diesen Jungen geben konnte war augenscheinlich nicht viel. Ich legte in der Betreuung Hand an, spielte mit den Kindern und versuchte bisweilen ein wenig "Nachhilfeunterricht" zu erteilen. Das Wichtigste war es aber vielleicht, den Kindern das Gefühl des Angenommenseins zu vermitteln. Natürlich gab es auch mal Schwierigkeiten unter den 120 Jungen. Im Allgemeinen herrschte aber eine sehr freundliche Atmosphäre.

Zur Arbeit mit Kindern, die ich schon von berufswegen sehr gerne verrichte, hatte ich auch in kleinen Dörfern, die ich kennenlernen durfte, Gelegenheit.

Auf Missionsfahrten mit Dom Paulo Cardoso, bei denen eher religiöse Themen und soziale Probleme im Vordergrund standen, konnte ich eine große Begeisterungsfähigkeit der sehr armen Kinder feststellen.

Dies war auch der Schwerpunkt meiner Arbeit mit Landlosen und bei einem Projekt für umgesiedelte Menschen, die seit elf Jahren größtenteils vergeblich auf versprochene Bewässerungsanlagen warten, um ihre Felder bewirtschaften zu können. Zunächst war es für mich interessant, die Lebensweise dieser sehr armen Menschen hautnah mitzuerleben. Auch hier war es nicht viel, was ich tun konnte. Ich versuchte, ihnen ein wenig Mut zu machen, ihre Energie nicht zu verlieren, die befreiende Botschaft mit ihrem Leben in Verbindung zu bringen und in Gemeinschaft über eine Verbesserung der sicher oftmals ausweglos erscheinenden Lage nachzudenken. Doch was können diese Menschen tun, in einem Gebiet, in dem die große Trockenheit eine Bestellung der Felder nahezu unmöglich macht, viele Politiker mehr an sich selbst als an die Bevölkerung zu denken scheinen und das Warten auf das Einlösen von Versprechungen zum Lebenssinn zu werden scheint? Eine Verbesserung der Lebenssituation dieser Menschen braucht sicher noch lange Zeit.

Mit meinem Aufenthalt in Brasilien die Welt verbessern zu wollen, ist eine Vorstellung, die wohl keiner teilen kann, der für kurze Zeit dort tätig war. Ein solcher Aufenthalt wird sicher immer wesentlich mehr an eigenen Erfahrungen und Eindrücken mit sich bringen, als man dort bewirken kann. Aber auch kleinste Erfolge lohnen es, ein wenig Zeit aufzubringen, Zeit, die mit Sicherheit immer einen großen Gewinn für das eigene Leben darstellt.

Brasilien als das Land der Gegensätze zu bezeichnen hat nach meinen persönlichen Eindrücken volle Berechtigung. Gegensätze zwischen Armut und Reichtum, Lebensfreude und Resignation, Freundschaft und Gewalt sind die vordergründigsten. Täglich kann man durch viele Gespräche und Beobachtungen versuchen, den Geheimnissen dieses Landes ein wenig näher zu kommen. Wer sich wirklich interessiert, dem ist in diesem Gebiet auch ein spannender Aufenthalt garantiert.

Wer Interesse an einem Sozialpraktikum in Brasilien hat, ist sicher gut beraten, sich mal bei den Karmeliten in Bamberg zu melden. Warnend möchte ich allerdings hinzufügen, dass es leicht passieren kann, dass der Aufenthalt in Brasilien länger dauert als geplant. Ich jedenfalls habe meine große Begeisterung für dieses Land entdeckt und werde in Kürze für ein weiteres Jahr dorthin reisen, um an einem Projekt für Straßenkinder mitzuarbeiten.

Ein Kommentar zu diesem Bericht schreiben