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Erfahrungsbericht - USA

Autor: Martin Bleisteiner
Projekt: BVS - Oakland Catholic Worker House
Träger: EIRENE International 



Rundbrief - Oktober 2004


Einleitung: Bestimmt wussten viele von Euch nicht, dass die Möglichkeit besteht, anstatt des Zivildienstes einen Ersatzdienst im Ausland zu leisten. Deshalb möchte ich zu Beginn erstmal, als kleine Hintergrundinformation, erlaeutern, wie ich darauf Aufmerksam wurde. Wie so viele Geschichten beginnt auch diese mit:

Vor einer langer Zeit, da war einmal... ein Teenager, der am Küchentisch sass und im Lokalteil der Frankfurter Rundschau einen Artikel über einen jungen Mann las, der gerade seinen Dienst in Frankfurt’s Partnerstadt Nicaragua leistete. Zusätzlich gab es auch noch ein paar generelle Informationen über den sogenannten "Anderen Dienst im Ausland". Da wusste ich sofort, dass dies das Richtige für mich sein würde. Aufgrund von Rückstellungen (Berufsausbildung & zweiter Bildungsweg) vergingen aber noch einige Jahre bis es schliesslich an der Zeit war sich nach konkreten Alternativen zum Zivildienst umzuschauen. Naja lange Rede kurzer Sinn, nach einem Wochenend-Infoseminar (Sep. 2003 welches eine Vorbedingung für eine Bewerbung ist) vom "Internationalen Christlichen Friedensdienst e.V." (EIRENE) und der darauf folgenden Bewerbung vergingen einige Monate, bis ich schließlich zu einem Auswahlseminar eingeladen wurde. Kurz darauf erhielt ich, in der ersten März Woche, die Zusage. Jetzt musste ich mich noch der Bewerbungsunterlagen von der amerikanischen Partnerorganization (BVS) annehmen, was nur eine Formsache darstellte und mein Visum beantragen. Seit dem "War on terror" muss man jetzt persoenlich beim US-Konsulat vorsprechen. Jetzt werden sich einige bestimmt denken "halt, ein Moment mal bitte. Wie passt den bitte schön der gar nicht so "christliche" Martin und eine Christliche Organisation zusammen????" Ganz einfach, bei EIRENE sind alle Menschen willkommen, welche sich mit den Zielen, "Gedankengut" und Werten identifizieren. Dabei macht es keinen Unterschied, ob man einen religiösen Hintergrund hat (welchen auch immer) oder nicht. Ich kann mich noch genau an den Augenblick erinnern ,als ich spät abends heim kam und meine Mutter und meine ehemalige Mitbewohnerin Jenni voller Spannung zu mir sagen "der Brief von EIRENE ist da". Nach der positiven Rückmeldung haben wir drei Freudensprünge durch die Wohnung gemacht und die Sektkorken knallen lassen.

Rückblick: "Langsamer Abschied von Frankfurt, Übergang zum offizielen Dienstbeginn" und letzte Woche in Ffm. Mein Dienst began mit dem zweiwöchigen Ausreisekurs (4-16 Juli) von EIRENE. Zuvor verging aber noch der Juni und das erste Juli Wochenende. Eine "verrückte" Zeit. Ich glaube, dass ich noch nie so intensiv gelebt habe. Diese Zeit war voller Verabschiedungen. Ich möchte mich an dieser Stelle noch mal bei Euch allen dafür bedanken dass Ihr Euch Zeit und Rücksicht auf meinen vollen Terminkalender genommen habt. Zwei Kurzurlauben (Rom & Barcelona) mit Freunden/-innen, ein verlängertes Wochenende in London um Unis zu besichtigen und eine Freundin zu besuchen. Zur guter letzt darf ich natürlich nicht die mündliche Prüfung zur Fachoberschulreife vergessen. So langsam aber sicher wurde mir bewusst, dass ein vierjähriger Lebensabschnitt, der den Übergang von Teenager zum jungen Erwachsen darstellte, sich zu Ende neigte. Aus der Ferne betrachtet kann ich sagen, dass dieser einerseits, von viel Ehrgeiz und Karrierebewusstsein andererseits, von einem schnellen Lebensstill und vielen Parties geprägt war. Ich fühlte den innerlichen Drang nach Veränderung und Aufbruch. So wurde es Zeit meine Zelte abzubauen. Nach meiner Rückkehr (Sommer 2000) aus Dallas, von einem einjährigen Schüleraustausch in meine geliebte Heimatstadt, ging die Reise also wieder Richtung USA. Nur diesmal wusste ich noch nicht wohin es mich diesmal verschlagen würde.

Auf dem Ausreisekurs von EIRENE habe ich interessante und nette Personen kennengelernt. Mit einigen habe ich noch regelmässigen Kontakt. Wir waren insgeamt 28 Teilnehmer/innen. Die Altersstruktur der Gruppe sah bunt gemischt aus. Ein paar Leute die gerade das Abi in der Tasche hatten, ein paar mir abgeschlossener Berufausbildung (so mein Alter) und dann noch 5 Personen mit etwas mehr Lebenserfahrung. Jahrgang 59 war die aelteste Person, was meiner Ansicht nach viel Anerkennung verdient. Man steht ja schon so mitten im Leben.Das Program hat auch Spass gemacht. Es gab viele Diskussionen und Vorträge zum Beispiel über gewaltlosen Protest, Globalisierung (hatten eine Fallstudie/ Case Study), Konfliktschulung, Kommunikation und Entwicklungspolitik. Ansonsten gab noch Infos über die Geschichte und Ziele von EIRENE, organisatorisches (Fundraising bzw. Aufbau des Unterstützerkreises, Versicherung usw.) und spezifische Länderinformation zu den unsere Paten (ehemalige Freiwillige) angereist sind.Insgesamt nehmen über das Jahr verteilt ca. 100 Freiwillige an einen Ausreisekurs teil bevor sie in verschiedenen Projekten und Ländern tätig werden. Neben den Entwicklungsprogrammen im Süd – und Ostprogramm, bietet EIRENE mit dem Nordprogramm jungen und älteren Menschen die Möglichkeit, einen Friedensdienst in Industrieländern zu leisten. An dieser Stelle sei auch nochmals kurz angemerkt, dass bei EIRENE nicht nur junge Männer Ihren Ersatzdienst leisten. Frauen und Männer (die von der Wehrpflicht befreit sind oder sie schon absolviert haben) können sich auch ein Freiwilliges Soziales Jahren leisten oder in den Entwicklungsdienst gehen. Falls jetzt tatsächlich jemand auf die Idee kommt, mal was ganz anderes in seinen Leben auszuprobieren und sich nach einer "kleinen" sinnvollen Auszeit vom deutschen Alltagstrott sehnt, dem Empfehle ich einfach mal ein bissl auf www.eirene.org zu surfen. Natürlich sollen sich auch alle anderen eingeladen und angesprochen fühlen die einfach nur Neugierig sind.

Bevor es dann am Fr. den 23.07.04 zum Flughafen ging, hatte ich nach dem Ausreisekurs noch eine freie Woche in der ich noch allerlei erledigen zu hatte. Ich war ein paar Tage meine Oma besuchen ; hab es tatsächlich noch geschafft mein Zimmer zu streichen, den Teppich zu entsorgen, meine Sachen auszumisten und was ich davon noch brauchte bei meinen Vater unterzubringen, mir mal wieder ein weiteres Tatoo stechen zu lassen (diesmal bunt und auf den Rücken) und schliesslich noch von mehr Leuten Abschied zu nehmen. Das Packen ist eine Geschichte für sich. Ich durfte zwar 2 Gepäckstücke mit je 32 KG und ein Handgepäck mit 6 KG mitnehmen. Trotzdem hatte ich so meine Probleme, da ich ja meinen gesamten Haushalt aufgelöst habe und so viel wie möglich mitnehmen wollte. Es hat trotzdem nicht alles reingepasst was ich mitnehmen wollte, obwohl ich dann insgesamt 3 Stücke Handgepäck hatte. Bin ich froh, dass mir keiner beim Packen zu gesehen hat. Vorallem meine Mutter wäre ausgerastet. Sie war aber zum Glück bei meiner Oma geblieben *grins. Ich hab nämlich zum Schluss einfach nur noch die Sachen in meinen Koffer und Rucksack reingestopft bis wirklich nichts mehr rein ging und ich große Schwierigkeiten beim verschließen hatte. Ich hab in der letzten Nacht nur 3 Stunden geschlafen, da ich immer noch mit packen beschäftigt war. Zum letzten Frühstück in meiner Wohnung hab ich meinen Vater, Jenni und Ihren Freund Markus eingeladen. Ryan (ein Freund von Jenni & mir der in Florida studiert und gerade auf seiner zweiten Euroa-Tour war) kam an diesen Morgen in Frankfurt an, um mich noch mal zu sehen. Mein Vater hat mich dann zum Flughafen gefahren.

Flug in die USA, Ankfunft, BVS Orientation und erste Eindrücke

Flughaefen: Mein Flieger hat über eine Stunde verspätung gehabt, so dass ich noch Zeit für ein zweites Frühstück hatte. Nachdem ich mein ganzes Übergepäck (3 statt 1 Stück Handgepäck) ins Flugzeug "geschmuggelt" hatte, ging meine Reise dann endlich los. Ich hatte einen Fensterplatz und eine tolle Aussicht über den Atlantik. Das weite Meer reflektierte die Sonne und schöne Quellwolken waren zu sehen. Habe dabei entspannende Musik gehört und vor mich hingeträumt. Ansonsten hab ich die Zeit im Flieger noch dazu genutzt, einen Teil des Infomaterials von BVS (die Partnerorganisation) durchzulesen. Mein frisches Tattoo hat ein wenig weh getan, da ich es ja während des Fluges nicht eincreamen lassen konnte. Nachdem ich dann in Reykjavik / Island umgestiegen bin, ging es weiter nach Baltimore (liegt an der Ostküste gleich unter Washington D.C.).

Bis ich die Passkontrolle passieren durfte, verging eine halbe Ewigkeit. Der Officer sagte, dass ich ihm folgen solle. Ich wurde in einen Raum gebracht, indem ich dann mit zeitweise 6 Officern war. Zum Glück war die Chefin sehr nett und fand mich antscheinen sympatisch (der ungeliebte small talk scheint doch gewirkt zu haben). Sie meinte zu dem Typ der mir das Visum nur für 6 Monate ausstellen wollte "Give him 12". Obwohl wir alle die gleichen Dokumente hatten hat nur Adrian noch 12 Monate gekommen, Pascal 3 und Stephan 6. Die drei sind auch EIRENE Freiwillige, diewie ich Ihr Jahr in den USA verbringen. Tja, da seht ihr mal, dass es nicht nur in Deutschland Beamtenwillkuer gibt. Die beiden müssen jetzt das Visum verlängern, was wieder viel Papierkrieg bedeutet. Hatte also echtes Glück gehabt.

Mein Gepäck kam komischerweise auf 2 verschiedenen Gepäckbädern an. Ich war der letzte der seinen Gepäck bekommen hat. Ich dachte schon, ob da was verloren gegangen ist. Stephan, der schon 2 Stunden vor mir mit Pascal und Adrian angekommen war, wartete draußen auf mich. Der andern zwei waren schon zum Hotel gefahren. Stephan und ich hatten uns dazu entschlossen am Flughafen zu schlafen, um uns das Hotel zu sparen. Wir bekommen hier ja schließlich nur 60 $ zum leben und ich hab mir vorgenommen, den einfachen Lebensstill anzunehmen. Ich will versuchen, so gut wie es halt geht, mit dem Geld auszukommen. Ich werde noch 50 Euro von dem Kindergeld zur verfügung haben. Die restlichen 100 Euro Kindergeld habe ich fuer Spenden vorgesehen. Die Nacht am Flughafen war kein Problem und wir haben tatsächlich ein bequemes Plätzchen gefunden wo wir schalfen konnten. Wir wurden dann am nächsten Tag (Sa.) um 17 Uhr abgeholt. Die Wartezeit habe ich mit lesen überbrückt. Was mir als erstes am Flughafen aufgefallen ist, war, dass all die schlecht bezahlten Servicejobs ausschließlich von Afro-Amerikanern besetzt waren.(Fast Food Restaurants, Putzkolone). Dies gab mir ein wenig zu denken. Obwohl in Deutschland sieht es z.B. bei MC Donalds nicht viel besser aus. Meistens arbeiten dort ja Immigranten und ein paar Studenten

New Windsor:

Unser Orientation fand ueberwiegend in einer sehr ländlichen Gegend, ungefähr so eine Stunde von Baltimore und Washington entfernt, statt. Wir lebten dort auf einem ehemaligen College Campus, den die Church of the Brethern (BVS ist ein Unterarm dieser Kirche) gekauft hat. In den Gebäuden sind verschiedene Sub-Organisationen untergebracht. Viele davon sind Hilfsorganisationen. Die haben dort auch ein Tagungscenter mit Unterkunft. In einem Raum waren immer 2-3 Leute untergebracht. Unsere Gruppe kam gut untereinander aus. Es war lustig wieviele von denen Deutsch können (4 Leute). Viele können auch spanisch (z.B. haben 3 Mädels für 1-2 Semester in Lateinamerika studiert). Fast alle sind sehr liberal und total gegen Bush. Es waren sehr interessante Leute dabei und da sieht man mal, dass man die lieben Amis halt doch nicht alle über einen Kamm scheren darf. Ich bin jeden Tag morgens um 6 Uhr morgens laufen gegangen und abends dann noch einmal. Das Wetter war meistens warm aber sehr schwül und stickig. An einem Morgen bin ich fast 2 Stunden im störmenden Regen gejoggt, was total cool war. Morgens sind fast immer noch 2 Mädels mitgekommen. Mit Kat und Gayle hab ich mich auch sonst sehr gut verstanden und wir schreiben und telefonieren manchmal noch.

Das Program hat auch viel Spass gemacht und hat sich nur teilweise mit dem von EIRENE überschnitten. Am einen Tag war Drop off Day ("Aussetztag"). Wir wurden irgendwo in der Pampa ausgesetzt und sollten Leute fragen ob sie unsere Hilfe benötigen und irgendeine Arbeit für uns haben. Wir durften nur Essen und eine Heimfahrt annehmen. Wir waren in Gruppen zu je 3 Personen eingeteilt. Man, wir sind vielleicht viel gelaufen, da wir mitten in der Pampa im Maisfeld abgesetzt wurden. Dort gab es nur vereinzelt Farmen und die Häuser waren ein Stück voneinander entfernt, so dass wir viel gelaufen sind. Es hat trotzdem Spass gemacht. Wir haben ein Auto gewaschen, Unkraut gezupft und ein leckeres Mittagessen bekommen. Bekanntschaften mit Hunden haben wir auch gemacht, was aber glimpflich ausgegangen ist.

Während der gesamten Orientation waren wir in Essensgruppen eingeteilt und kochten für uns selber. Wir hatten pro Person 2,25 $ pro Tag zur verfügung, was ja nicht gerade viel ist. Ich war aber überrascht, wieviel man damit anfangen kann und das Essen hat eigentlich immer super geschmeckt.

An einem Abend hatten wir auch eine Movienight (Filmabend) auf einer großen Leihnwand. Ansonsten gab es noch einen sogenannten Workday. Dass heisst wir wurden in Gruppen aufgeteilen und haben für eine der Organisationen gearbeitet. Meine Gruppe hat dem Hausmeister geholfen. Wir haben die Hecken geschnitten und mit Motorsägen Holzstämme zur Brennholz zerkleinert. Was ich auch interessant fande ist, dass die Church of the Brethern Ihre Wurzeln in Deutschland hat. Ihre 7 Gründer kamen aus irgendeinem kleinen Dorf. Die Kirche gehört zu den 3 traditionellen Friedenskirchen in den USA und setzt sich sehr für eine bessere Welt ein.

Trip ins Obdachlosenwohnheim

Für vier Tage haben wir das ländliche New Windsor verlassen und sind nach Baltimore gefahren. Dort haben wir 3 Nächte in einem Obdachlosen/Übergangswohnheim verbracht. Am ersten Abend sind wir auf das Dach des Gebäudes gegangen und haben uns die Skyline von Baltimore angeschaut. Das Projekt heißt "I Can" (Ich kann) Das Gebäude, welches 2 Stockwerke hat und in einer der ärmsten Gegenden von Baltimore liegt, wird von Reverend Davis geleitet. Er war früher selber lange Zeit Obdachlos und Drogenabhängig, hat es aber geschaft clean zu werden. Jetzt leitet er vier Obdachlosencenter bzw. Übergangswohnheime in Baltimore und ist auch gleichzeitig Pastor. Wenn er redet reißt er regelrecht die Menschen mit. Er verwendet viele Gesten (benutzt seine Hände und Füsse). Im Viertel leben fast ausschließlich nur afro americans. Die Häuser sind heruntergekommen und manche stehen leer, weil sie unbewohnbar sind. Es herrscht hier ein großes Drogen und Alkoholproblem. Das Viertel grenzt an die Innenstadt an und ist ein Ghetto. Man nennt solche Viertel in den USA Inner City. Oft ist es so, dass die Mittelschicht und die Reichen in den Vororten (Suburbs) leben. In den Innenstädten sind dann die ganzen Bürokomplexe. Die angrenzenden Viertel sind in der Regel nicht gerade die Besten und die Kriminalitätsraten sind extrem hoch. Man bezeichnet diese Inner Cities als no go ("man sollte da als weißer besser nicht hingehen") Deshalb wurde uns auch ans Herzen gelegt nur tagsüber und in Gruppen raus zu gehen. Ich war dort auch nicht joggen. Es hängen sehr viele Leute auf der Strasse rum und als weißer bekommt man misstrauische Blicke und manchmal auf paar blöde Sprüche. Hab mit einer anderen BVS’erin aber mal einen Erkundungsspaziergang durch das Vietel gemacht und uns ist nichts passiert.

Die Leute die im Obdachlosenheim untergebracht sind sehr nette und offene Menschen. Wir haben mit vielen von Ihnen tiefsinnige Gespräche geführt und sehr viel über sie und ihre Lebensgeschichte erfahren. Es sind eigentliche immer wieder die selben Schicksale. Schwere Kindheit, zerbrochene Familien, Drogen, Alkohol, Beschaffungskriminalität, Gangs, Gefängnis usw. Sie sind in verschiedenen Programmen untergebracht, um sie wieder in ein geregeltes Leben mit Job und Wohnung zurück zuführen. Sie können teilweise bis zu 2 Jahren in den Übergangswohnheim unterkommen, müssen aber dafür auch mitarbeiten (Kochen, Putzen, das Haus in Stand halten) und Weiterbildungskurse besuchen. An einen Tag wurden wir wieder in Gruppen aufgeteilt und haben Volunteerwork (Freiwilligen/Wohltätigkeitsarbeit) in verschiedenen Projekten geleiest. Meine Gruppe war in einem Übergangswohnheim für Obdachlose Person, welche HIV-Positiv sind. Dort haben wir den Sozialarbeitern bei der Büroarbeit geholfen und Mittagsessen gekocht. Sozialarbeiter werden hier wie in der übrigen Welt sehr schlecht bezahlt und man macht diese Arbeit nicht wegen den Geld sondern, weil sie einem am Herzen liegt. Abends sind wir dann mit ein paar der Hausbewohner in die Innenstadt gelaufen, weil dort angeblich ein Open Air Jazz Konzert sein sollte. Entweder war es schon zu Ende oder es fand gar keines statt. War aber nicht weiter schlimm, wir sind dann am Hafen entlang gschlendert und haben den milden Abend genossen.

Eric: Auf den Hinweg hab ich mich mit einen der Hausbewohner unterhalten. Eric ist ein sehr aufgeschlossener Mensch und wie die meisten der Hausbewohner erzählt er gerne von seiner Vergangenheit und freut sich, dass ihm jemand Aufmerksamkeit schenkt. Eric war in seiner Jugend ein sehr guter Athlet (er ist groß und immer noch sehr muskelös gebaut) und war dafür in der ganzen Stadt bekannt (Zeitungsartikel usw.). Er bekam sogar ein Sportstipendium für die Uni. Kurz bevor mit den Studium anfing, begann sein Vater Selbstmord. Eric bekam Depressionen und fing an Drogen zu konsumieren. Er ist dann nicht mehr auf die Beine gekommen und wurde kriminell. Er wurde vier Mal aus nächster Nähe angeschossen und hatte echt ein saumäßiges Glück, dass er überlebte. Ich hab die Einschussstellen am Rücken und Kopf gesehen. Ein Drogendeal, bei dem er von einem Undercovercop verhaftet wurde und die Verurteilung zu 10 Jahren Gefängnis haben sein Leben gerettet. Nach einigen Jahren wurde er auf Bewährung entlassen, mit der Auflage zu "I Can" zu kommen. Inzwischen ist er clean (es werden regelmäßige Drogentest durchgeführt) und findet wie fast alle seine Kraft im Glauben an Gott/Jesus. Ich hab ihm, wie versprochen, einen Brief aus Oakland geschickt.

Bad business: Was mir auf den Weg in die Satdt aufgefallen ist, dass es in den armen Gegenden nur 2 Arten von Geschäften gibt. Erstens gibt es an jeder Ecke ein Liquer Shop (Spirituosenladen) und zweitens sogenannte Bail Bond Läden. Dies muss ich kurz erklären: wenn Leute verhaftet werden, besteht oft die Möglichkeit auf Kaution freizukommen, bis das Verfahren beginnt. Da die Menschen in ärmeren Stadtteilen von der Hand in den Mund leben, können sie das Geld für die Kaution kaum aufbringen. Jetzt kommen die Bail Bondläden ins Spiel. Um es kurz zu machen, auf gut deutsch sind es Kredithaie die Gegen Wucherzinsen Geld verleihen und den Papierkram erledigen, um die Leute aus dem Knast zu hohlen. Es ist schon komisch und kann meiner Ansicht nach kein Zufall sein, dass in den besseren Gegenden und den Vororten diese Art von Geschäften nicht existieren. Ich erlaube mir Aufgrund meiner ersten Erfahrungen ein erstes Urteil. Soweit ich es nach der kurzen Zeit berurteilen kann, sind hier Strukturen anzutreffen, die auf ein ungerechtes System zurückzuführen sind. Ich möchte an dieser Stelle nicht zu weit ausholen. Das Motto, dass wer hart arbeitet es zu etwas bringen wird ist ein Utopie. Von wegen vom Tellerwäscher zum Millionär. Natürlich kommen solche Fälle aus dem Märchenland vor, aber bei über 284 Mio. Einwohnern gibt es immer ein paar Glückliche. Ansonten kann man eher sagen, arm geboren arm gestorben. Hauptstadt: Am Tag drauf sind wir nach Washington gefahren, um an einen Protest zum Jahrestag der Bombardierung von Heroschima teilzunehmen. Er fand in einem Flugzeugmuseum statt, indem auch das Flugzeug steht welches die Atombombe abgeworfen hat.

Anschließend hatten wir dann Freizeit um uns Washington anzuschauen. Ein paar Leute und ich sind erst einmal über einen Flohmarkt geschlendert. Danach waren wir in einem tollen botanischen Garten und haben uns das Kongressgebeude von außen Angeschaut. Zum Abschluss sind wir dann mit der U-Bahn in ein Viertel gefahren wo es viele Äthopische Restaurant gibt und haben lecker gespeist.

Erstes Resumee: Schon in den ersten Wochen erhält man die Möglichkeit die typischen Klischees von der amerikanischen Kultur mit den eigenen Augen zu sehen. Zuersteinmal die großen verschwenderischen Autos. Passend dazu eine plumpe Werbung, welche ich an einem Autohaus las und die ganz gut die Mentalität des durschnitts Amerikaners wiederspiegelt "bigger is better". Was einen sonst noch so begegnet sind die Klimmaanlagen in so gut wie in jedem Gebäude, die Fastfoodketten an jeder Strassenecke samt Drive Thru, der "small talk" und die US Flage an vielen Häusern. Wobei man den letzten Punkt sicherlich differenziert sehen muss. Es hängt davon ab, ob man sich in einer ländlichen (zu meist sehr konservativen) oder städischen (eher liberalen) Umbebung befindet. Prinzipel kann man aber meinen Erfahrungen (Austauschjahr, Urlauben und meiner jetzigen Tätigkeit) nach schon sagen dass der Patriotismus in den USA flächendeckend ausgebreitet ist.

Projektplatzierung: Jetzt komme ich aber mal zum wichtigsten...Die Projektplazierung lief wie folgt ab. In den ersten Woche hatten wir viel Zeit uns die verschiedenen Projektmappen anzuschauen und es gab auch teilweise Videos von den Projekten. Bevor wir dann das Einzelgespräch mit dem Direktor und den BVS Betreuern hatten, sollten wir 3 Projekte in die engere Wahl ziehen. Um es kurz zu machen... ich hab mein Wunschprojekt in Oakland bekommen.

Oakland Cathlolic Worker HOUSE

Nun ging es also endlich nach 5 Wochen Vorbereitung am 13.08 (Fr.) auf nach Oakland. Dies war ja mein eigentlicher Bestimmungsort und ich konnte es wirklich auch langsam nicht mehr abwarten. Oakland liegt gleich neben San Francisco, hat 410 000 Einwohner und ist eine Hafenstadt (->Arbeiterstadt). Bekannt ist Sie dafuer, dass hier in den späten 60 Jahren die Black Panther Party gegruendet wurde. Fuer diejenigen, die damit nichts anfangen koennen...Die Black Panther waren eine sehr radikale progressive politische Organisation, die für die Rechte der Schwarzen kämpfte. Der Trip nach Oakland verlief wie folgt: ca. um 13 Uhr Abfahrt mit dem BVS Bus Richtung Chicago (in einer Vorstadt ist der Hauptsitz von BVS) Fast 16 Stunden Busfahrt.Danach ein paar Stunden schlaf im BVS House. Letzendlich dann per Flugzeug über Phonix (1h Stop) nach Oakland, wo ich von meiner Vorgängerin Natalie und Ihren damals noch Verlobten Miguel (seit dem 17.9 Eheman) abgeholt wurde.

Geschichte, spanisch und die Struktur des Hauses:

Unser Haus wurde 1987 speziell für die zu dieser Zeit hier ankommenden Bürgerkriegsflüchtlinge aus Zentralamerika (z.B. El Salvador und Gutemala) errichtet. Sie konnten bei uns erstmal eine Unterkunft finden und erhielten Unterstützung beim Einleben in einem total fremden Land. Heutzutage kommen hier zwar keine Bürgerkriegsflüchtlinge mehr an, dafür aber um so mehr illegale"Wirtschaftsflüchtlinge" an. Dies ist eine direkte Folge von der wirtschaftlichen Situation in Lateinamerika. Sie ist mit Ausnahme von vielleicht Chile seit Jahren katastrophal. Die USA ist für viele Lationos das Land aller Träume und da sie Ihre Familien immer schwere Ernähren können machen sie sich auf die gefährliche Reise in die USA. Zu den illegalen Immigranten werde ich im nächsten Rundbreif ausfürhlich berichten. Dies sollte eigentlich nur ein kurzer Übergang dazu sein um Euch zu erzählen, dass wir heute mit illegalen Immigranten arbeiten. In der Projektbeschreibung stand demzufloge auch, dass im Haus nur spanisch gesprochen wird. Naja, zu meinen Glück ist dies nicht ganz der Fall. Ich muss nämlich erstmal meine Spanischkenntnisse ein wenig auffrischen und hab auch schon einen 1 Monatigen Intensivkurs in der bekannten Studentenstadt Berkely absolviert. Ich bin dorthin 1Monat lang jeden Montag, Mittwoch und Freitag mit den Rad hingefahren (Hin und Rückfaht zuammen gerechnet 2 h was ein super Training war) um dann in einer kleinen Gruppe (mit mir nur 3 Schüler.) 3 Stunden am Stück spanisch zu lernen. Das Haus hat mir den Kurs bezahlt und da der Inhaber der Sprachschule uns kennt (es war schonmal jemand von uns bei Ihm) habe wir einen Sonderpreis erhalten ($250 statt $400).

Bis zum 1.10 als das Jahr von Natalie rum war, wohnten und arbeiten hier neben mir insgesammt 4 Freiwillige. Mit Naterlie und Rachel spreche ich meistens Englisch. Dann gibt es noch ein Ehepaar (Isabel und Reinaldo) aus El Salvador mit ihrer kleinen (16 monatigen) total süssen Tochter Rosio. Seit dem Natalie weg ist, bin ich der einzige Vollzeitfreiwillige hier. Rachel und Reinaldo gehen beide noch einer Vollzeittätigkeit außerhalb des Hauses nach und Isabel kümmert sich um Ihre kleine Tochter, lernt an 2 Abenden Englisch und arbeitet an zwei Abenden. Das Haus hat drei verschiedene Organe. Jeden zweiten Donnerstag haben wir Abends unser "Circle meeting". Der "Circle" setzt sich aus dem "Equipo" und Leuten zusammen die sich mit dem Haus verbunden fühlen und überwiegender Weise schon lange involviert sind (teilweise Ehemalige Freiwillige). Der Circle ist das Entscheidungsgremium was die Auswahl von Freiwilligen , Ausgaben von über $50, Aufnahme von Gästen und die "Vision" des Hauses angeht. Das "Equipo" setzt sich aus den im Haus lebenden Freiwilligen zusammen. Jeden Mittwoch Abend haben wir dann noch unser Equipo (eng.=Team) Meeting . Hier wird sozusagen das Tagesgeschäft besprochen und geplant. In den letzen paar Monaten, vor meiner Ankunft war es oft so, dass nur Natalie und Rachel an den Meeting teilgenommen haben. ... Als drittes und letztes Organ gibt es dann noch das "Comite" der Community. Dieses wird vom Housemanager (ungefähr vergleichbar mit Hausmeister) welcher immer ein Latino ist geleitet. Es stellt das Bindeglied zu unser spanisch Sprechender Umgebung da und setzt sich aus zumeist ehmaligen Gästen zusammen. Es plant hauptsächlich kulturele und religöse Veranstaltungen.

Die (Ex-)Hausbewohner

Natalie: Ist 24 Jahre alt und kommt aus Iowa, welches ein ländlicher Bundesstaat im mittleren Westen der USA ist. Sie war meine Vorgängerin hier von BVS. Sie ist relativ am Anfang ihrer Dienstzeit mit ihren jetzigem Eheman Miguel zusammen gekommen, der ein Neffe von Isabel ist. ... Natalie hat sich meiner angenommen und die Einführung übernommen. Auch sonst haben die beiden mich oft wo mitgenommen (z.B. zu einem kostenlosen Openair Konzert von einer lokalen Musikergrösse, welche politischen Hip Hop macht. Dies war zugleich auch eine riesen Anti-Bush Demo). Auch wenn Ihr Dienst jetzt vorbei ist, wird sie dem Haus verbunden bleiben. Sie wohnt im selben Viertel und wird Circle Mitglied.

Reinaldo: Ist ca. 33 Jahre alt und ist in extremer Armut aufgewachsen. Er ist von dem Bürgerkrieg in El Salvador zuerst nach Honduras geflohen, um dann vor 15 Jahren in die USA zu kommen. Er ist ein sehr bodenständiger und hart Arbeitender Mensch. Neben Rosio hat er noch einen 9 jährigen Sohn in El Salvador. Den er auch in die USA holen will. Reinaldo arbeitet auf dem Bau und steht schon um 5:30 Uhr auf und kommt erst gegen 18 Uhr zurück. Früher war er selber ein Gast in unserem Haus. Jetzt ist er seit über 2 Jahren der Housemanager. Dieser Man schuftet wirklich bis zum Unfallen und setzt sich nebenher noch so fuer das Haus ein. Da er selber sehr arm war, weiss er wie es ist, wenn man in einer schweren Situation ist. Ihm ist Geld nicht wichtig und er ist extrem Hilfsbereit. Ein kleines Beispiel gefaellig? Vor ca. 16 Tagen erhielten wir spät am Abend einen Anruf von der kath. Kirche im unserem Viertel. Die Schwester sagte, dass eine 5 köpfige Familie bei Ihr sei, die erst in 2 Tagen einen Platz in einem Übergangswohnheim bekommen würde. Rey und ich sind dann mit dem Auto dahin gefahren. Auf der Fahrt haben wir uns unterhalten was wir mit der Family machen sollten. Das Problem war, dass wir momentan ja eigentlich keine Gäste aufnehmen. Rey. wollte nicht eigenmächtig handeln und sie einfach aufnehmen. Was hat er stattdessen gemacht??? Er drücke Ihnen aus seiner eigenen Tasche $60 in die Hand. Dies reichte für ein billiges Hotel im unseren Viertel. Nicht nur wegen dieser Erfahrung habe ich hab einen riesen Respekt vor Ihm. Er hat einfach ein gutes Herz.

Isabel: Ist 28 Jahre alt und da sie tagsüber oft die einzigste Person neben mir im Haus ist, hab ich zu ihr den meisten Kontakt. Sie ist total nett und eine super Köchin. Unsere Kommunikation stellt sich manchmal aufgrund der Sprache ein wenig lustig da. Sie lernt gerade englisch und ich frische mein spanisch wieder auf. Wir wechseln daher manchmal mitten im Satz zwischen diesen beiden Sprachen. Sie will verständlicherweise auch Ihr englisch verbessern. Bevor Rey. sie vor 2 Jahren in die USA holte, führten sie eine Fernbeziehung. Isabel war in El Salvador Grundschullehrerin.

Rosio: Ach ja, der kleine Goldschatz unseres Hauses. Die kleine ist so verdammt süss und stellt so lusitge Sachen an, dass ich viele Seiten über sie schreiben könnte. (Keine Angst, ich lass es bleiben*grins) Ich pass öfters auf sie auf und spiel jeden Tag mit Ihr. Ich weiss jetzt schon, dass ich sie von allen am meisten vermissen werde.

Rachel: Ist 28 Jahre alt und kommt ursprünglich aus Wisconsin einem sehr dünnenbesiedelten Bundesstaat, welcher so was wie das Ostfriesland von Deutschland ist. Sie setzt sich schon seit ihrer Jugend sehr für soziale Gerechtigkeit und Frieden ein. Sie war unteranderem in der "Close the SOA"Gruppe aktiv welche dafür Kämpft das die "School of the Americans" welche aus Imagegründen umbenannt wurde geschlossen wird. Die SOA ist eine Militär Akademie in dem Bundesstaat Georige, wo Soldaten aus Latainamerika ausgebildet werden und deren ehemaligen Absolventen teilweise in Ihren Heimatlaendern für grausame Massaker auch an der Zivilbevölkerung berüchtigt sind. Einmal pro Jahr findet vor der Army Base ein Demos statt, welche von Jahr zu Jahr grösser wird (letztes Jahr weit über 10000 Menschen). Ein bestandteil der Demo ist, dass man eine Sitzblokade vor dem Eingang macht und die sogennante Grenzlinie (von zivilen Boden auf Militärgebiet) überschreitet. Rachel wurde dabei festgenommen und zu 6 Monaten Gefängnis verurteilt. Sie hatte das Pech vor einem sehr konservativen Richter zu landen. Sie wohnt schon seit 2 Jahren mit Ihren 2 Katzen hier, wird uns aber im Dezember verlassen. Arbeiten tut sie in einen "Doghotel". Dort können Hundebesitzer hier Hunde abgeben wenn sie im Urlaub sind. Sie faehrt am Wochenende gerne mal raus in die Natur und geht an der Kueste wandern. An einen Sonntag bin ich mal mitgekommen und es war echt wunderbar frische Luft einzuatmen und nach dem Wandern am Strand zu relaxen. Das Wasser ist hier zum Schwimmen aber leider zu kalt.

Julio: Er ist fuer seine 17 Jahre ziemlich zierlich gebaut und sieht juenger aus als er ist. Er kommt aus Guatemala und wohnt nachdem sein Vater Ihn vor ca. 14 Monaten illegal ins Land geholt hat bei uns. Momentan ist er unser einziger Gast. Aufgrund eines Konfliktes im Haus, des Mangels an Personal und der noetigen Instanzsetzung des Hauses wurde schon vor meiner Ankunft beschlossen, dass wir bis ca. mitte November keine neuen Gaeste aufnehmen. Da sein Vater ein Alkoholiker ist und sich nicht um ihn kuemmert (Julio weiss selber oft nicht wo er sich gerade rumtreibt und hat zu Ihm nur unregelmaessigen Kontakt) haben wir uns seiner angenommen und ihn z.B. an der lokalen High School angemeldet (10 Klasse). Julio ist ein typischer Teenager und er erinnert mich oft an mich selber. Ist ja noch nicht all zu lange her, dass ich auch einer war und meine Mom koennte viel dazu erzaehlen. Es ist schon etwas kurisos, dass ich jetzt mal die andere Seite erfahre. Ich muss ihn auf gut deutsch oefters mal in den Arsch treten, damit er seine Pflichten in Haus erfuellt, sich an die Regeln haelt und nicht nur TV glotzt. Da er aber auch so ne Art Kumpel ist und wir gegenseitig Vertrauen aufbauen, ist dies entsprechend ein nicht gerade einfacher Balanceakt. Meiner Meinung nach ist es wichtig, dass man als Teenager ein Bezugsperson des gleichen Geschlechtes hat, mit der man ueber alles reden kann. Ich versuche auch eine Vorbildfunktion fuer ihn zu uebernehmen und viel Zeit mit Ihn zu verbringen (Joggen, Fitness Studio, Hausaufgaben etc.). Da er gerne Fussball spielt, habe ich ihn im Fussballverein angemeldet, nach dem ich lange danach gesucht hatte. Jetzt stehe ich wie so ein typischer Fussballvati am Spielfeldrande und schau mir das Training an. Tja, wie Ihr seht werde ich hier bestens auf meine spaetere Vaterrolle vorbereitet (he he).

Peter: Er war ein ehmaliger Freiwilliger im Haus und wohnt jetzt seit ca. 4 Wochen wieder uebergangsweise im Haus. Er will sein spanisch aufbessern. Er geht einer Vollzeittaetigkeit nach und wird waehrend er hier fuer 3-4 Monate lebt im Haus ein wenig aushelfen und auch Circle Mitglied werden. Mit ihm kann man sich sehr gut ueber Politik und die US-Gesellschaft unterhalten.

Die Wohnlage und Umgebung des Hauses

In Oakland gibt es zwei Arten von Wohngegenden. Die"flatland’s" (flache Ebene), welche fast ausschliesslich von den Minderheiten (Afro Americans, Hispanics und Asiaten) bewohnt werden. Die "Hills" (Huegel), in den ueberwiegend Weisse und Leute, die es in die Mittel- und Oberschicht geschaft haben, leben. Obwohl die USA ein Schmelztiegel ist, leben diese unterschiedlichen Volksgruppen meistens getrennt und bleiben unter sich. Leider nichts mit den Frankfuerter "Multikulti". Unser Viertel wird zu ca. 80% von Hispanics bewohnt. Dies kann man alleine schon wegen den vielen mexikanischen Imbissen, Geschaeften und Restaurants gar nicht uebersehen. Die restlichen 20% machen die Afro Americans aus. Ich hab bisher erst 8 Weisse gesehen, die hier leben. Das Viertel liegt in East Oakland und zaehlt zu den "flatland’s". Diese haben alle eine gemeinsame Charakteristik, naemlich Armut und alle damit asozierten Folgeprobleme. Man findet hier einen Teufelskreis (Arbeitslosigkeit, Kriminalitaet, Drogenmissbrauch usw.) vor. Wobei dieses Jahr bei der Mordrate ein Rueckgang zu verzeichnen ist. Sie ging von weit ueber 100 auf 70 Todesopfer zurueck. In viele Morde sind die verschiedenen "Gangs" involviert und es handelt sich dabei oft um Racheakte und um die Vorherrschaft in den "flatland’s". Das Drogengeschaeft ist ja bekanntlich ein sehr lukratives Geschaeft und deshalb gibt es darum einen grossen Konkurrenzkampf. Unser Haus steht an der groessten Hauptstrasse East Oaklands, welche etliche Kilometer lang ist. In dem Strassenabschnitt unseres Viertels ist die illegale Strassenprostitution gang und gebe. Eines Abends, als ich gerade mit Julio im Buero war um Ihm bei einer Projektarbeit fuer die Schule zu helfen, hoerten wir plotzlich ein Wortgefecht vor unserem Hause. Als ich aus dem Fenster schaute und dann aufeinmal ein Mann mit Holzfaellerstatur hinter einer Frau hinterher rannte, habe ich geschrien "let her go" und die Polizei gerufen. Die Frau war inzwischen in eine Seitenstrasse verschwunden. Nach ca. 10 Min wunderte ich mich was das fuer ein Krach ueber den Haus war. Die Polizei hatte einen Ihrer Hubschrauber geschickt. Ich kam mir wie in so einen schlechten Gangsterfilm vor, da sie dann mit den Scheinwerfern nach dem Mann gesucht haben der auch in irgendeine dunkle Gasse verschwunden war. Das Trauige war, dass kein Zeuge dieses Vorfalles anstallten gemacht hat einzugreifen oder die Polizei zu rufen. Es herrscht auch hier die Mentalitaet des Wegschauens. Wobei man sagen muss, dass hier es einen, wenn man eingreift durchaus passieren kann, dass man dann am naechsten Tag selber ne Knarre an den Kopf gehalten bekommt und sich anhoeren muss "stay out of my business" (misch Dich nicht in meine Angelegenheiten ein). Zum Glueck ist mit deratiges noch nicht passiert und ich fuehle mich trotz all dieser negativen Einflusse hier wohl und einigermassen sicher. Wann braucht nur aus dem Fenster schauen oder vor die Tuer treten und man sieht Obdachlose die Ihr ganzes Hab und Gut in einem Einkaufswagen vor sich her schieben. Viele von Ihnen sammeln leere Dosen, welche sie dann zu einer Sammelstelle bringen und dafuer einige $ bekommen. Manche von Ihnen sehe ich bis zu 3 mal pro Tag.

Richtig uebertrieben getunte bzw. aufgemotzte Autos wie man sie aus den Hip-HopVideos her kennt, bekomme ich jetzt hier jeden Tag live vorgefuehrt. Ich kann darueber nur den Kopf schuetteln. Es ist tatsaechlich so, dass die Leute lieber ein Vermoegen (alleine ueber $10000 fuer Felgen) zum Fenster hinaus werfen statt z.B. fuer ein Haus zu sparen. Diese Fakten hab ich vor ein paar Wochen in der Zeitung gelesen und es wurde auch erwaehnt, dass aufgestylte Autos einfach zur Kultur der Afro Americans gehoeren. Die Latinos stehen dem aber in nichts nach. Man hoert naemlich aus den Sound Systemen entweder lauten Gangsta Rap oder mexikanische Volksmusik. Die Autos vibrieren oft wie Waschmaschienen und sogar das Buerofenster vibriert wenn so ein dicker Schlitten die Anlage voll aufgedreht hat. Da mein kleines Zimmer in Richtung der Hauptstrasse liegt, musste ich mich erst mal an den Krach gewoehnen. Ab und an wache ich mitten in der Nacht von dem Geschrei auf der Strasse oder von einer Alarmanlage auf.

Eine typische Arbeitswoche

Die Arbeitswoche sieht meitens wie folgt aus. Am Montag oder Dienstag fahren wir zu unserem Postfach in der Innenstadt. Als kleine Anmerkung, natürlich bekommen wir auch Post ins Haus zugestellt, aber Spenden (Schecks, Bargeld usw.) gehen an unser Postfach. Anschließend sotieren wir die Schecks nach den Kirchen, den Unterstützer und ueberpruefen auf unseren Listen, ob es sich bei den Spenden um monatliche, zweimonatliche und vierteljährliche handelt. Wenn wir eine Präsentation oder ein sonstiges Event, wie z.B. Fundraising hatten versuchen wir danach auch zu erfassen wieviel die Leute im Nachhinein spenden. Dann kopieren wir die Schecks für unsere Buchhaltung. Wenn wir das erledigt haben, fahren wir zur Bank und zahlen das Geld ein.

Jeder von uns hat einen festen Tag an dem er Abendessen kocht. Meiner war Mo. inzwischen hab ich aber auf Di. gewechselt. Am Dienstag oder Mittwoch nachmitag kommt dann Margaret ins Buero. Sie ist unsere Buchhalterin und eine sehr liebe Person. .... Zusätzlich kommt noch dazu, dass sie bis vor 2 Wochen 1 Jahr Arbeitlos war. Jetzt hat Sie wieder eine Teilzeitstelle. Dies kann hier in den USA ganz schnell gehen und wirklich jeden erwischen. Die Arbeitnehmerrechte sind in Vergleich zu Deutschland viel weniger Ausgeprägt, was sich auch bei der kurzen Kündigungsschutzzeit zeigt. Hier existiert ein anderes Wirtschaftsystem. Nämlich purer Kapitalisums mit der klassischen hire&fire Mentalität. Ok, zurück von diesem Exkurs. Wir verbringen den Nachmittag mit Ihr im Büro, unterhalten uns über Gott und die Welt und assistieren Ihr ein bißchen. Sie weiß sehr viel über die Geschichte des Hauses und generell über das Catholic Worker Movement. Dies kommt daher, weil sie sich hier schon sehr lange engagiert und auch Mitglied im Circle ist.

So ca. alle 10 Tage fahren wir mit unserem uralten Liefervan, der nur aus Fahrer- und Beifahrersitz besteht, zur Recyclinganlage. Der restliche Platz ist für den Transport gedacht. Dort bringen wir unseren Papierabfall, Glasflaschen, Aluminiumdosen und Plastik hin. Wobei ich gestehen muss, dass ich das System noch nicht richtig durchblickt hab. Es sind hier z.B. nur bestimmte Plastikverpackungen recyclbar. Die Muelltrennung in Deutschland ist dagegen idiotensicher. Unser Wagen würde in Deutschland durch keinen TÜV mehr kommen. Wir müssen bald auch mal den Blinker reparieren lassen. Wir haben aber auch einen Kompost in unserem Garten im Hinterhof. Außer einer kleinen Spielwiese bauen wir dort auch ein paar Gemüsegarten an und haben bis vor kurzem noch reichlich Tomaten geerntet.

Jeden Mittwoch servieren wir zusammen mit Maria illegalen Tageloehnern ein Mittagessen. Dazu fahren wir zu einem grossen mehrstöckigen Gebäude in dem verschiedene Organisationen unter gebracht sind. Maria ist von der Organization "Mujeres Unidads". Auf dem Weg dahin machen wir einen kleinen Umweg um Maria und Ihren 5 jaehrigen Sohn abzuholen. Isabel kocht einen grossen Topf voller Bohnen und eine Pfanne voll mit Reis. Ich kaufe am Morgen beim Obstladen um die Ecke zwei Koepfe Eisbergsalat, Karoten und Paprika und bereite dann einen gemischten Salat vor. Maria bereitet immer so ein bis zwei leckere Gerichte vor und leckere mexikanische Getränke zu. Auf der Heimfahrt kaufen wir dann noch bei einem kleinen mexikanischen Familiensupermarkt einen Sack Bohnen und Reis fuer unseren woechentlichen Food give away. Nach dem Abendessen haben wir dann unser "Equipo meeting".

Am Donnerstag machen wir uns so gegen 9:00 Uhr auf den Weg zu zwei verschiedenen Foodbanks um Lebensmittel zu besorgen, die wir dann am Nachmittag an ca. 60 Familien verteilen. Außer Reis und Bohnen, welche zu den Grundnahrungsmitteln der Latinos gehören, stellen Brot und Cornfleks die Basis der Lebensmitteltüten da. Dies gibt es immer in einer der Foodbanks, ansonsten haengt es immer davon ab was sie gerade so im Lager haben. Wenn wir dann so gegen 10:45 Uhr wieder zurück sind, bereiten wir die Lebensmitteltüten vor und achten dabei natürlich darauf, dass jeder gleich viel erhält.

Der "food give away" (Lebensmittelausgabe) laeuft dann wie folt ab: Ab 12:30 Uhr oeffnen wir unsere Tuer und lassen einzeln die Leute ins Haus. Eine Person steht unten an der Tuer und notiert ein paar Daten fuer die Statistik (Name, aus welchen Land die Leute stammen und wieviele Kinder / Erwachsene im Haushalt wohnen). Diese müssen wir führen, da wir einmal im Jahr einen Bericht an die Foodbank liefern müssen. Darin teilen wir dann mit wer so unser Klientel ist. Unser Haus ist dann den ganzen Nachmittag fuer die Beduerftigen geöffnet bis wir alles weggegeben haben. Danach ist dann Reinemachen angesagt. Zuerst werden die Papierkartons/Boxen in denen die Lebensmittel verpackt waren verkleinert, damit sie besser in den Papierabfall passen. Danach wird dann der Boden in der Küche und Essensraum gefegt und gemoppt. Neben dieser Putztätigkeit haben wir dann noch einen rotierenden Putzplan für das ganze Haus.

Das Büro ist ca. so ab 10 Uhr Büro besetzt. Ganz so genau nehmen wir das aber nicht. Es heißt halt man soll eigenverantwortlich handeln, dass man pro Woche nicht unter aber auch nicht über 40 Stunden kommt. Da wir auch hier leben herrscht meistens ein fliesender Uebergang zwischen Arbeit und Freizeit. In den ersten 4 Wochen habe ich neben der Einführung in alle die Tätigkeiten und die damit Verbundene Übergabe mit Natalie hauptsächlich Spenderdaten in unsere Datenbank MS Access eingegeben.

Diverses

Meine 3te Woche war bisher die einzig schief gelaufene. Ich hatte von Mo. Nacht bis Do. Bauchschmerzen und dann hatte ich noch einen kleinen Unfall mit unserem Liefervan. Ich wollte wenden um einen Parkplatz auf der anderen Strassenseite zu bekommen und bin dabei zu weit ruckwaerts gefahren. Es ist blöd, dass es keine Rück/Heckfenster gibt und somit auch kein Rückspiegel. Dabei hab ich eine kleine Delle an einem geparkten Auto hinterlassen, was uns $700 gekostet hat. Die ich aber zum Glueck nicht selber zahlen musste. Es war schön, dass mir keiner einen Vorwurf gemacht hat und sie sagten, dass hier schon jeder mal mit unserem riesen Ungetüm einen Unfall gebaut hat. Ein paar spässle konnten sie sich dann aber doch nicht verkneifen. Hatte aber auch ein wirklich schlechtes Gewissen, da für uns $700 ne Menge Geld ist. Wir haben es nicht über die Versicherung laufen lassen, da sonst die Prämie hoch gegangen wäre und dies über die Zeit mehr als die Reperatur gekostet hätte. Ausserdem wussten wir nicht ob die Versicherung zahlen würde. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich auch noch nicht die vorlaufige CA. Fahrerlaubnis und bin mit meinem deutschen Fuehrerschein gefahren, was man nur bis zu 10 Tage nach Ankunft darf.

Ansonsten hab ich Fortschritte gemacht mir Freizeitaktivitaeten zu suchen. Ich trainiere jetzt umsonst in einem kleinen community gym. Kann man zwar nicht mit einem richtigen Studio vergleichen, hat aber Freigewichte und ein paar Maschienen. Da ich mir die $25 Monatsbeitrag nicht leisten konnte, putze ich jetzt jeden Fr. 1 Stunde als Gegenleistung im Studio. Jetzt fuehle ich mich wieder ausgeglichen und da ich nebenbei noch viel jogge, komme ich langsam aber sicher in Topform. Entweder jogge ich zum Strand der Nachbarstadt, wo man in den Genuss eines wunderschoenen Sonnenuntergang mit Blick auf die Skyline von San Francisco bekommt oder in den Oakland Hills. Im September war ich zum erstenmal bei einen Treffen des Chipas Support Committee, welches sich aktiv für die Situation der Zaperteros einsetzt und auch regelmässig nach Chipas (Bundesstaat in Mexico) reist. Schon vor meiner Abreise in Deutschland hat sich mein Interesse an der Situation in Chipas angefangen zu entwickeln. Rachel, Natalie, Miguel und ich haben Ende August einen Dokumentarfilm vom Chipas Support Committee und danach entschloss ich mich auch aktiv zu werden. Wer mehr erfahren will..."Infos über die Zapatistas, ihre Hintergründe, ihren Kampf und ihre Ziele in Chiapas im Süden Mexikos gibt es ganz gut zusammengefasst auf der Homepage der Lateinamerikanachrichten: www.lateinamerikanachrichten.de/ -> in der Leiste oben auf "Archiv" klicken -> dann bei "Ausgaben" die Ausgabe 355 - Januar 2004 anklicken und "Suche starten" -> bei den Artikeln über Mexiko (thematisch nach Ländern geordnet) finden sich mehrere gute Artikel über viele Aspekte betreffend der Zapatistas. Alle sind zu empfehlen, aber die Chronik gibt auf jeden Fall erstmal eine Einleitung." Vielen Dank an Hauke meinen Paten von EIRENE von dem diese Zeilen stammen. Lese regelmaessig auf der Homepage nach was es so neues in Lateinamerika gibt. Vor einigen Wochen war ich spontan mit Peter in einer sehr liberalen Kirche, in der sie den Film von Michael Moor Fahrenheit 9/11 gezeigt haben. Danach gab es dann eine sehr interessante Diskussion. Unter anderem mit einer der Soldatenmuetter, die im Film ueber Ihren gefallenen Sohn spricht. Man bin ich froh, dass ich in der liberalsten Gegend der USA gelandet bin. Kein Vergleich zu meinem Jahr in Dallas TX. (sorry Brix, nicht boese auffassen. Du warst meine Rettung in Dallas!!!)

Kurioses: Wenn wir Treffen oder Veranstaltungen im Haus haben, lassen wir die Tuer offen, da die Leute nach und nach eintreffen. Es ist jetzt schon 2mal vorgekommen, dass mein "lieblings Obdachloser", der auch immer zum "food give away" kommt dann aufeinmal in unserem Haus stand und was zum Essen wollte. An dem Morgen als Miguel und Natalie heirateten, haben Rachel und ich wie es sich so gehoert das Auto geschmueckt und auch Dosen an den Auspuff gehaengt. Wir waren gerade wieder ins Haus gegangen, da machte sich schon ein Dosensammler ueber sie her. Man kann hier nicht mal ne Dose unbeaufsichtigt lassen...Die gehen weg wie heisse Saemmel. Da will man mal ein bissl relaxen und legt dazu Entspannungsmusik auf, macht es sich mit Kerzen + Raeucherstaebschen richtig gemuetlich, traeumt so vor sich hin und wird dann von einem schrecklich lauten Alarm des Rauchmelders (welche im jeden Zimmer haengen) geweckt. Unter Pleiten, Pech und Pannen wird wohl Rachel und meine Reifenpanne auf dem Freeway (Autobahn) in die Geschichte eingehen. Wir waren gerade auf dem Heimweg von der Foodbank und somit voll mit Lebensmitteln beladen als unser rechter Hinterreifen platzte. Wir hatten Glueck im Unglueck, da wir es sicher bis auf den Standstreifen geschaft haben. Nur war unser Ersatzreifen auch kaput. Wir waren keine 50 Meter gelaufen, da hielt schon das erste Auto an und der Mann fragte ob wir Hilfe braeuchten. Dies ist ein klasse Beispiel fuer die typische Hilfsbereitschaft der Amis. Kann mich nicht daran erinnern von so was schon mal in Deutschland gehoert zu haben. Wenn Da jemand eine Panne hat fahren die meisten doch weiter (es sei denn es ist handelt sich um eine huebsche Frau). Wir haben dann mit seinem Handy Natalie angerufen und sie gebeten uns einen Abschlepdienst zu bestellen. Der kam dann aber irgendwie nicht. Nach ueber 90 Min. hat dann ein Streifenwagen der Highway-Patrol angehalten und einen Abschlepwagen angefordert. Der kam zwar auch, konnte uns aber nicht gegen die Fahrtrichtung abschleppen. Es war ja einer der hinteren Reifen geplatzt, so dass er dort seinen Abschlephaken haette befestigen muessen. Wir sind dann schliesslich im Schneckentempo zur naechsten Ausfahrt gerollt und haben auch gleich eine Werkstatt gefunden. Der " food give away" ist an diesen Tag ins Wasser gefallen. Wir kamen erst so gegen 15 Uhr daheim an.

Ausblick und Anmerkungen

Im naechsten Rundbrief werdet Ihr unteranderem was ueber die Wahl, Immigration und die Daylabors, meine Reiseplaene, Dorothy Day und das Catholic Worker Movement lesen. Werde dann auch ein paar Bilder anhaengen. So mein Respekt geht erst mal an all die Tapferen die wirklich vom Begin bis zum Schluss alles durchgelesen haben. Sorry, hatte einfach so viel zu erzaehlen. Zu guter letzt für alle die es noch nicht erfahren haben, gibt es eine erfreuliche Nachricht bezüglich meiner Unibewerbungen. Dies ist ne lange und lustige Geschichte fuer sich. Ich versuch mich einigermaßen kurz zu fassen. Wie schon so oft in diesem Rundbreif wird es mir bestimmt wieder nicht gelingen *grins. Man möge mir dies bitte nachsehen. Was waere Euch denn zum Besuchen lieber gewesen London, die riesen Metropole oder Brighton das "Seebad”am Meer? Aber jetzt erst mal die Story… Ich hatte den Toefl (Test of English as a Foreign Language) Sprachtest ja in Frankfurt 2 Tage vor meinen Abflug genommen. Meine Wunschuni in London verlangt von Bewerbern deren Muttersprache nicht Englisch ist mind. 250 Punkte. Da sie nur 3 der 4 Teile (die Multiple Choice Aufgaben) sofort auswerten koennen und es so ca. 3 Wochen dauert bis der Aufsatz korregiert ist, erhaelt man nach dem Test nur eine Bandbreite der Punkte. Bei mir waren das 213-273. Dies bedeutete, dass ich schon mal die 213 Punkte sicher hatte und jetzt zittern durfte wie der Aufsatz bewertet wird. Um ehrlich zu sein hatte ich nicht so ein gutes Gefuehl, da ich ziemlich unter Zeitdruck war. Ich hab eigentlich damit gerechnet, dass ich die 250 Punktemarke knapp verfehlen wuerde. Deshalb habe ich mich waehrend der Orientation in Maryland dazu entschlossen den Test noch mal zu machen, da die Uni bis Ende August wissen wollte ob man bestanden hat oder net. Mir war es naemlich zu riskant auf das Ergebnis zu warten, da es dann schon zu spaet gewesen waere den Test noch mal zu nehmen. Ok, um auf den Punkt zu kommen. Ich haette mir die 130$ sparen koennen, da ich schon beim ersten mal 253 von 300 Punkte erreicht hab. Jetzt kommt das Lustige, beim zweiten Test hab ich wieder genau die selbe Punktzahl erreicht. Ab dem 1.Sep.2005 werde ich also mein 3jähriges Studium (ein Bachlor of Science in Investment Finance and Risk Management) in London an der "Cass Business School" (die Wirtschaftsfakultät der "City University London") aufnehmen. Bin total glücklich darüber, dass alles so geklappt hat wie ich es mir vorgestellt habe.

Viele liebe Gruesse Martin

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