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Erfahrungsbericht - Irland

Autor: Andreas Baranowski
Projekt: VSI - Voluntary Service International
Träger: EIRENE International 



Rundbrief - Juli 2006


Hallo alle miteinander. Jetzt meld ich mich also doch mal nach all der langen Zeit. Über drei Monate ist es schon her, seit ich mein altes Zimmer in der beschaulichen Kleinstadt Wangen gegen eine WG in der Millionenstadt Dublin aufgegeben habe. Nichtsdestotrotz habe ich euch nicht vergessen. Allerdings ist in den letzten drei Monaten so viel passiert, so viele neue Eindrücke, so viel Unbekanntes und Aufregendes das es zu erkunden gilt, dass ich selbst diesen Rundbrief erst mit Verspätung schreibe. Aber heute habe ich mich aufgerafft, bin an einem sonnigen Samstag ins Büro gekommen und werde diesen Raum nicht eher verlassen, ehe ich nicht alle meine Erfahrungen zu Papier gebracht habe!

An dieser Stelle sei nun Dank gesagt an alle, die mich finanziell (aber auch ideell) unterstützen. Ohne euch wäre ich nicht hier; also, DANKE!

Wo fange ich jetzt nur an zu erzählen? Am besten ganz am Anfang, nachdem ich meine Koffer gepackt und mich auf den Weg gen Norden machte.

Ausreisekurs: "Wieso denn noch warten...?"


Bevor es jedoch nach Dublin ging, musste ich noch einen von Eirene, meiner Sendeorganisation, veranstaltetem 2-wöchigem Ausreisekurs absolvieren. Als Zivildienstleistender ist das schon Teil meines Dienstes und so machte ich mich mürrisch auf den Weg. Schließlich war ich schon so viel gereist, hatte so viel gesehen, dass mir Eirene keine neuen Erkenntnisse bringen konnte. Da wusste ich allerdings auch noch nicht, was auf mich zu kam...

Der Ausreisekurs fand auf einer Ökofarm in Odernheim sowie in der Eirene- Geschäftsstelle in Neuwied statt. Wir waren zu vierzehnt mit dem Ziel Nord/Irland, USA und Holland. Der Ausreisekurs gestaltete sich dann ganz anders als erwartet. Neben einem theoretischen Teil (Versicherung, Geld,...) wurde viel diskutiert und es wurden auch Themen wie AIDS und Gewalt angesprochen, über die man sich zwar Gedanken macht, aber irgendwie nicht traut zu fragen. Auch sonst unternahmen die Leiter alles, uns ihre jahrelange Erfahrung zukommen zu lassen. Außerdem konnte man sich mit den anderen Freiwilligen austauschen, Ängste und Vorfreude teilen und ich habe einen Schlafplatz sicher, wenn es mich mal nach Belfast verschlägt.

VSI oder meine Arbeit für den Weltfrieden


VSI steht für Voluntary Service International und ist der irische Zweig von SCI (Service Civil International). SCI wurde nach dem 1. Weltkrieg in Frankreich gegründet und das eigentliche Ziel ist der Weltfrieden, aber um realistisch zu bleiben, wurden Projekte ins Leben gerufen, die erst mal zum gegenseitigen Völkerverständnis beitragen. Aber unser erklärtes Ziel ist immer noch der Weltfrieden!

Unser Büro befindet sich an dem Mountjoy Square nahe dem City Center und besteht aus 2 Büroräumen. Ich teile mir ein Büro mit Tom, ein alter Hase in der Friedensarbeit, der für VSI schon seit Jahrzehnten aktiv ist und Helen, eine Britin, die erst seit 2 Jahren für VSI arbeitet und meine direkte Vorgesetzte ist. Insgesamt bieten wir fünf verschiedene Programme für den Freiwilligendienst an - hier ein kurzer Überblick:

International Volunteer Projects Programme:
Im Rahmen dieses Programms werden Leute für 2-3 Wochen auf sogenannte Workcamps geschickt, um in einem gemeinnützigen Projekt zu arbeiten. Dies kann alles, von auf den Teefeldern in Japan arbeiten bis zu Ferienfreizeit mit behinderten Kindern in Deutschland veranstalten, bedeuten. Dabei wird jedoch nicht nur auf das Verrichten der Arbeit Wert gelegt, sondern auch auf den kulturellen Austausch der Teilnehmer untereinander sowie mit der lokalen Gemeinde. Ich selbst habe auch schon an einem Workcamp in Irland teilgenommen, um die Arbeitsweise und Philosophie von VSI besser zu verstehen.

Die Hauptverantwortliche für dieses Programm ist Helen, aber auch mein Hauptaufgabengebiet liegt in diesem Bereich. Während der Projektsaison von April bis Oktober bin ich für die Platzierung irischer Freiwilliger in internationalen Projekten (dieses Jahr um die 60) verantwortlich, und muss dafür sorgen, dass ihre Daten wiederauffindbar und einigermaßen organisiert verstaut sind.

Außerdem besuchen wir (Helen, ich oder eines der wenigen Mitglieder unserer Arbeitsgruppe) jedes unserer irischen Projekte zu Beginn und am Ende, um sie zu eröffnen bzw. auszuwerten und somit sicherzustellen, dass die Projekte gut verlaufen. Das macht besonders Spaß, da wir Projekte überall in Irland verteilt haben und ich so schon ganz schön rumgekommen bin.

Africa, Asia, Latin America Programme:
Tom, der unser aller Vorgesetzter ist, hat auch die Hauptverantwortung für dieses Programm. Unsere Freiwilligen reisen normalerweise für ca. 2 Monate nach Asien, Afrika oder Lateinamerika, um dort an 2 - 3 Projekten teilzunehmen und verschiedene Entwicklungshilfeprojekte zu besuchen. Bemerkenswerterweise ist VSI hier laut SCI-Statistik mit fast 50 Projekt-Teilnahmen internationale Spitze!

Teenage Programme:
Der Belgier Stijn (gesprochen wie "Stan" aus dem Eminem Song) Verhofstadt arbeitet in diesem Programm, das aus sozialen oder finanziellen Gründen benachteiligten Jugendlichen die Möglichkeit gibt, ebenfalls an speziellen Freiwilligenprojekten teilzunehmen.

Medium and Long Term Volunteering:
VSI schickt einzelne Freiwillige auch für längere Zeit ins Ausland. Allerdings ist dieses Gebiet bei VSI weitgehend vernachlässigt. Zur Zeit haben wir lediglich 3 Teilnehmer in diesem Programm, das von Tom und mir betreut wird.

Dublin Local Group:
Die Dublin Local Group arbeitet weitgehend unabhängig. Ihre Mitglieder treffen sich an Wochenenden, um hilfsbedürftigen Menschen in der Umgebung bei verschiedenen Dingen, z.B. der Restauration und Dekoration ihrer Wohnungen, zur Hand zu gehen.

Des Weiteren vertrete ich VSI auf Messen, kümmere mich darum, dass unsere Website (www.vsi.ie) immer auf dem neusten Stand ist, beantworte generelle Anfragen, ...

Männer WG und andere Desaster


Jetzt aber mal zu etwas ganz anderem, meinem Leben in einer Stadt, in der 50 mal so viele Einwohner (1,3 Millionen) wie in Wangen, meiner Heimatstadt und in der ein Drittel der gesamten Bevölkerung Irlands leben.

Glücklicherweise konnte ich die Wohnung meines Vorgängers direkt übernehmen. So konnte ich mir die stressige und nicht gerade einfache Wohnungssuche hier in Dublin ersparen. Ich wohne mit Niall, einem gebürtigen Iren, der hier in Dublin arbeitet und Jose, ein Spanier, der nach Irland kam um sein Englisch zu verbessern unter einem Dach. Wir teilen uns die Wohnung mit drei Schlafzimmern (wobei ich das Größte im Haus übernommen habe), einem riesigen Wohnzimmer, einem Bad und einer Küche. Ich komme mit beiden super klar auch wenn ich sie selten zu Gesicht bekomme und da beide auf die dreißig zugehen und meine Leidenschaft für Kino und Tanzen nicht gerade teilen, unternehmen wir nur selten etwas miteinander.

Die Wohnung liegt nur 20 Minuten zu Fuß vom Zentrum und meiner Arbeit entfernt in einem Stadtteil namens Phibsboro. Das ist nicht gerade der beste Stadtteil in Dublin und ich habe schon des Öfteren den Rat bekommen, dort wenn es dunkel ist nicht alleine herum zu laufen. Das lässt sich allerdings kaum vermeiden, da es hier mittlerweile schon um 18.00 Uhr dunkel wird.

Und das bringt mich auch schon zu meinem nächsten Punkt - Kriminalität. Dublin ist eine verglichen mit anderen Großstädten sichere Stadt. Die normalen Streifenpolizisten tragen keine Schusswaffen am Körper und das brauchen sie auch nicht. Allerdings ist Dublin weiterhin eine Großstadt und so wurde ich schon zweimal angegriffen und mein Fahrrad wurde gestohlen. Einen Tag, nachdem ein Freund aus Deutschland (danke Maik) 2 volle Tage benötigte, um den Schrottkeppel, den ich äußerst günstig von meinem Vorgänger abgekauft hatte, zu reparieren!

Und noch ein für mich sehr wichtiger Punkt sei hier angesprochen. Ich muss nämlich jetzt so etwas wie einen Haushalt führen. Die meisten von euch werden sich jetzt wahrscheinlich sagen, das ist doch ganz normal aber dank meiner Mutter kam ich nie in den Genuss Wäsche waschen zu müssen oder Essen zu kochen. Erst jetzt weis ich wirklich zu würdigen, wie viel so was eigentlich wert ist. Trotzdem muss ich jetzt für mich selbst sorgen und bewaffnet mit meinem "Sendung mit der Maus Kochbuch" habe ich schon alle möglichen und unmöglichen Kochsünden begangen. Regelmäßig sind mir schon meine Spaghetti verbrannt oder ich hab meinen Salat versalzen. Aber ich gebe nicht auf und auch wenn ich mit meinem letzten Versuch, Pfannkuchen zu machen die ganze Küche versaut habe, werde ich sie doch nicht mit einem Pfannenwender drehen, sondern durch die Luft wirbeln. Schließlich will ich kochen ja schon richtig lernen. Aber ich habe auch schon Fortschritte zu verzeichnen und mein erster schwäbischer Kartoffelsalat hat sogar richtig geschmeckt (nur das Putzen danach war tödlich).

Ein Schwabe in der großen Stadt oder wie man 48 Liter Cola durch das City Center von Dublin transportiert


Ich muss ja auf mein Geld achten, schließlich lebe ich nach neuesten Studien in der 13teuersten Stadt auf der ganzen Welt. Dublin ist damit gleich auf mit New York. Und da zu meinen Grundnahrungsmitteln auch Cola gehört, suche ich natürlich immer nach den billigsten Schnäppchen. Und tatsächlich... ein Laden nur eine halbe Stunde Fußmarsch von mir entfernt hatte das Angebot schlechthin - 3 Flaschen zum Preis von 2!!!!!!!! Das muss man sich mal vorstellen. Das Angebot galt aber nicht mehr lange und es hieß, schnell handeln. Ich stand also vor dem logistischen Problem, so viele 2 Liter Flaschen wie möglich zu mir nach Hause zu schaffen.

Eine Möglichkeit wäre es gewesen, 10000-mal mit meinem kleinen Rucksack zwischen dem Laden und meinem trauten Heim hin und her zu laufen. Aber für jedes mal laufen bräuchte ich ja eine Stunde und der Laden schließt immer um 22.00 Uhr und ich bin normalerweise erst um 18.00 Uhr mit der Arbeit im Büro fertig. Also diese Möglichkeit schied aus. Ich musste einen Weg finden, alle Flaschen, die ich wollte auf einmal zu transportieren. Man konnte die Flaschen ja mit einem Auto zu mir transportieren - halt nein, ich habe kein Auto und außerdem ist der Laden in einer Fußgängerzone. Ich brauchte eine Transportmöglichkeit - z.B. den Gepäckträger meines Fahrrads vollladen... ach ja, mein Fahrrad wurde ja geklaut!

Da kam mir die alles entscheidende Idee, ich nehme einen Einkaufswagen - na toll, der Supermarkt hat ja nicht mal Einkaufswagen... aber andere Supermärkte vielleicht. Stimmt, z.B. der Tesco bei mir um die Ecke. Allerdings gibt es hier in jedem Laden und sei es ein noch so kleiner Tante-Emma-Laden Securities. Die würden nicht zulassen, dass ich einen Einkaufswagen mitnehme, es sei denn natürlich... sie bekommen es gar nicht mit. Also habe ich mich an die Einkaufswagen gestellt und auf eine hübsche junge Frau gewartet - ich weis, ich weis, ich wollte einen Einkaufswagen, aber die Frau war ja auch nicht für mich. Sobald ein solches Exemplar an den Securities vorbeilief, waren diese abgelenkt. Das war meine Chance - ich warf schnell den Euro, den ich extra schon in der Hand hatte in den Schlitz und lief ganz normal, als wäre nichts weg - OK, ganz normal, als wäre nichts, mit einem Einkaufswagen weg.

So, die erste Hürde auf meiner beschwerlichen Jagd nach dem Superschnäppchen war geschafft. Die nächste Hürde bestand darin, den Einkaufswagen durch die ganze Innenstadt Dublins zu schieben. War nicht allzu schwer, denn von meiner Wohnung und auch vom Tesco aus (ist fast bei meiner Wohnung) geht es zur Innercity hin bergab. Im Zielsupermarkt angekommen und unter den verwunderten Blicken des dort angestellten Sicherheitsmannes lud ich den Einkaufswagen mit allen vorhandenen Flaschen voll. Allerdings waren nur noch 24 Flaschen übrig. Tja, als ich dann bezahlte, zog die Kassiererin eine Grimasse als ob ich ihr zehn Euro zu wenig gegeben hätte und gesagt hätte: "den Rest können sie behalten"! Hat sie noch nie einen jungen Mann mit einem Einkaufswagen eines anderen Supermarktes 24 Flaschen Cola einkaufen sehen?

Was ich allerdings in meiner ganzen Rechnung nicht beachtet hatte, 24 2-Liter-Flaschen heißt auch 48 kg die bergauf die ganze Strecke zu mir geschafft werden mussten. Und noch etwas anderes hatte ich vergessen, etwas Grundlegendes, etwas so banales, so offensichtliches, so einfaches, dass ich einfach nicht mehr daran dachte. Warum tun Menschen so etwas wie das hier normalerweise nicht? Weil sie Angst haben, dass andere Menschen sie dabei sehen können oder noch schlimmer, weil andere Menschen, die sie kennen sie dabei sehen könnten. Dass mich Leute bei meinem Transport durch die halbe Dubliner Innenstadt sehen könnten war mehr als offensichtlich, aber dass mir ausgerechnet an dem Tag in einer Millionenstadt wie dieser einer der wenigen Menschen, die ich bis jetzt kannte über den Weg laufen würde und zwar einer, der mich jeden Tag sieht, damit konnte ich nicht rechnen. Stijn, mein Arbeitskollege und verantwortlicher fürs Teenage Programm, war zufällig gerade zu der Zeit in der Stadt, in der ich mit meinem "geborgten" Einkaufswagen 24 Coca-Cola Flaschen nach Hause schaffte - tja, wenn man das Schäfchen in Sicherheit wiegt. Nichtsdestotrotz habe ich kräftig gespart und werde auch weiterhin nach dem Superschnäppchen Ausschau halten.

Póg mo thóin oder Irisch für Anfänger


Amtsprache in Irland ist Englisch und Irisch. Irisch kommt von dem Gälischen und jedes offizielle Dokument muss in zweifacher Ausführung geschrieben sein. Auch Ortsnamen und öffentliche Schilder wird man immer in Irisch und Englisch vorfinden.

Und als wäre das nicht verwirrend genug, haben die Iren (und besonders die Dubliner) ihren ganz eigenen Akzent und ihre ganz eigenen Wörter. Und so stoße ich mit meinem Schulenglisch immer wieder an Grenzen, die dann mit Händen und Füßen überbrückt werden müssen. Hier gehe ich allerdings nach dem Motto "Angriff ist die beste Verteidigung" vor und frage einfach immer nach und stürze mich in die Gespräche, auch wenn ich da schon das ein oder andere Mal ganz schön blöd dreingeschaut habe, weil ich was sagen möchte, aber ich einfach nicht weis wie.

Weil ich in so was wie einem englischsprachigen Land bin, will ich auch gleich das Cambridge Certificate machen. Das ist ein Nachweis, dass man der englischen Sprache mächtig ist und wird in wirtschaftlichen Kreisen hoch angesehen (hab ich gehört). Hierzu besuche ich immer Dienstag abends einen Englischkurs, so dass ich Dienstags immer von neun Uhr morgens bis neun Uhr abends unterwegs bin. Anstrengend, aber ich habe das Gefühl, dass ich dadurch gute Fortschritte mache. Am 14. Dezember ist dann die Prüfung, also an dem Tag alle Daumen drücken!

In drei Tagen um den Ring of Kerry oder wie ich meine Freizeit gestallte


Meine freie Zeit hier in Dublin genieße ich wirklich. Ich lebe in einem fremden Land, das gerade einmal die Fläche des Bundeslands Bayern umfasst. Ich brauche mit dem Bus von Dublin aus nach Belfast drei Stunden und nach Cork viereinhalb. Die Busse hier sind nicht sonderlich teuer und so reise ich viel herum.

Highlight war allerdings, als ich mit meiner Schwester, die hier fünf Wochen Famulatur machte und einem Kumpel einen Wochenendtrip um den Ring of Kerry machte. Wir nahmen uns einen Mietwagen und ich mir einen Tag frei und auf ging's. Wir legten in diesen drei Tagen über 1000 Kilometer zurück und schliefen im Auto. Proviant hatten wir vorsorglich mitgenommen, so dass durch Nahrungsaufnahme keine Zeitverzögerung entstand.

Aber auch hier in Dublin gibt es viel zu sehen. Neben den vielen historischen Sehenswürdigkeiten kann man sich auch einfach in dem botanischen Garten ausruhen oder eine der vielen Ausstellungen besuchen. Und damit mir auch garantiert nicht langweilig wird, habe ich mir eine Dauerkinokarte zugelegt. Das heißt, ich kann in jeden Film so oft ich will und da wir leider keinen Fernseher zuhause haben, will ich relativ oft.

Und falls ich mal Lust auf weggehen habe, ist das gar kein Problem. Fast 50% der Bevölkerung ist unter 25 Jahren und ich lebe in der Stadt mit der höchsten Kneipendichte auf der ganzen Welt. Und das heißt, man geht einfach in die Stadt und dann ergibt sich schon immer was.

Und damit man die Iren versteht


Ich lebe hier in Dublin, das heißt, alles ist ziemlich International. Viele Asiaten, Polen, Spanier aber natürlich auch Deutsche (34% aller Touristen in Irland sind Deutsch). Aber es ist hier schon ein anderes Leben. Irland war noch vor 10 Jahren das Armenhaus Europas (und neulich hat sich sogar ein Ire bei mir als Deutscher dafür bedankt, dass wir mit unseren Steuergeldern ihre Straßen gebaut haben) - enorm hohe Arbeitslosenzahlen und keine Besserung in Sicht.

Jetzt hat sich das alles ein bisschen geändert. Dank radikalen Gesetzesänderungen und Steuersenkungen kamen viele ausländische Firmen ins Land. Irland ist nun das zweit reichste Land Europas. Aber das alles ging so schnell (jedes dritte Haus in Dublin wurde in den letzten zehn Jahren gebaut), dass die Leute keine Zeit hatten, sich darauf einzustellen. In ihren Köpfen sieht es nicht anders aus als vor 10 Jahren.

Und so heißt, wir treffen uns um 20.00 Uhr eben immer noch, irgendwann zwischen 20.30 und "oh Entschuldigung aber ich hab's gestern wirklich nicht mehr geschafft". Deswegen haben die Iren das ish erfunden. Schreibt ein Ire in eine SMS "ich komme um soundsoviel Uhr ish" heißt das, dass er ziemlich sicher erst später kommt. Und auch die Busse und Züge kommen mit 100% Sicherheit immer zu spät, aber anstatt sich darüber aufzuregen, reden die Iren um die Zeit zu vertreiben lieber über das Wetter.

Aber darüber kann man auch immer reden. Schließlich ändert sich das Wetter hier so schnell, dass man entweder immer oder nie einen Regenschirm mitnimmt. Nur weil es im Moment nicht regnet, heißt das nicht, dass es nicht gleich regnet und umgekehrt. Allerdings war dieses Jahr der beste Sommer seit zehn Jahren und so richtig oft hat es eigentlich noch gar nicht geregnet.

Man muss auch aufpassen, dass man nicht zu sehr verallgemeinert. Nicht umsonst sagen die Iren: "Dublin ist nicht Irland und Irland ist nicht Dublin".

Und zum Schluss...


hoffe ich, dass ich euch einen einigermaßen guten Einblick in mein Leben hier in Dublin geben konnte. Noch mal danke an euch alle und seid ganz fest umarmt. Ansonsten folgt der nächste Rundbrief in drei Monaten (hoffe ich). Da werdet ihr dann erfahren, ob ich mein Cambridge Certificate bestanden habe oder ob ich letztlich doch verhungert bin.

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