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Erfahrungsbericht - Rumänien

Autor: Jacob Fittkau
Projekt: FOC- Familia si Ocrotirea Copilului
Träger: EIRENE International 

Du hast fragen? Schreibe Jacob Fittkau eine Email!



Rundbrief - Februar 2005



1. Wahlen 2004
2. Als Wahlbeobachter
3. Weihnachtszeit im Projekt
4. Weihnachten typisch rumaenisch
5. Geburtstag
6. Mein Weihnachten
7. Deutschlandurlaub
8. In meinem Projekt
9. Lebensrealitaet in Ferentari
10. In der Ukraine
11. Roma in Rumaenien
12. Die Flughafenfamilie Codreanu

1. Wahlen 2004


Rumaenien hat einen neuen Praesidenten. Er heisst Traian Basescu, behauptet, nicht korrupt zu sein und wurde in der Stichwahl mit 51% gewaehlt. Er gilt als Liberaler/Konservativer und will Rumaenien auf dem schnellsten Wege in die EU bringen.

Die Wahlen sind ein schoenes Beispiel fuer die grossen Unterschiede, die in der rumaenischen Bevoelkerung herrschen. In den Staedten, in denen Bildung weit verbreitet ist und in denen ein fortschrittlicher Geist schwebt, hat Basescu klare Vorspruenge erzielt, waehrend auf dem Land sein schwer einzuschaetzender “sozialistischer” Kontrahent Adrian Nastase die Mehrheit geholt hat. In den Doerfern gibt es meistens nur das Fernsehen, dass sich nicht gerade durch Neutralitaet definiert, und den meisten kleineren Parteien war es finanziell unmoeglich, auch in den kleinen Doerfern Wahlkampf zu betreiben. So also hat die Nastasepartei PSD die Mehrheit im Parlament geholt, waehrend ueberraschenderweise die Stichwahl verloren ging.

Seit dieser Wahl ist nun auch endlich Ion Iliescu all seine politischen Aemtern los; seit 1990 sass er mit kurzer Unterbrechung immer am Hebel der Macht und sorgte dafuer, dass Rumaenien im Vergleich zu den anderen ehemaligen Ostblockstaaten immer weiter zurueckfiel.

2. Als Wahlbeobachter


Tobias und ich wollten als internationale Wahlbeobachter bei den Wahlen helfen, was wir dann nach zahlreichen Telefonaten auch konnten. Nach einer Einfuehrung ueber unsere genauen Aufgaben, Verhaltenskodex etc. wurden wir nach Mogosoaia, einer Ortschaft ausserhalb von Bukarest, geschickt. Von Morgens um 6 bis nachts um 2 haben wir dann unserem Lokalpolitikern erklaeren muessen, dass sie im Wahllokal nichts zu suchen haben, die Parteiwerbung ausserhalb des Wahllokals angeprangert und nachher beim Auszaehlen der Stimmen genau hingesehen. Mal sind mehrere Leute auf einmal in die Wahlkabine, mal hatten sie einen Stimmzettel zu viel, aber sonst gab es bis auf die staendige Anwesenheit der Amtspersonen keine groben Verstoesse gegen das Wahlgesetz. Der Buergermeister, der sich geweigert hatte, das Wahllokal zu verlassen, hat bei der darauffolgenden Stichwahl von einem Fernsehteam Besuch bekommen und erst dann nach Vorlage des Wahlgesetzes das Feld geraeumt.

In anderen Teilen des Landes hat unsere Organisation APD, die groesste Wahlbeobachterorganisation Rumaeniens, so viele Verstoesse gegen das Wahlgesetz festgestellt, dass sie aus Protest ihre Beobachtertaetigkeit fuer die Stichwahl eingestellt hat! Und dann ein Ergebnis, bei dem die Kandidaten so nah beieinanderliegen...

3. Weihnachtszeit im Projekt


Die schon angekuendigt habe ich mit den Kindern einen Adventskalender, Fensterbilder, Sterne und Weinachtskarten gebastelt. Ausserdem habe ich mit immer jeweils einer kleinen Gruppe der Kinder Weihnachtsplaetzchen gebacken, die dann an der Weihnachtsfeier verschmaust wurden. Meine Kollegen haben waehrenddessen versucht, den Kindern Gedichte, einen Tanz und ein kleine Theaterstueck beizubringen, was mit Hilfe von Sonderschichten an Wochenenden dann auch ganz gut geklappt hat.

Die Weihnachtsfeier selbst war dann jedoch ein bisschen enttaeuschend, da die Eltern offensichtlich die Bemuehungen der Kinder nicht wertschaetzen konnten. Umso groesser war die Freude dann bei Eltern und Kindern ueber die Weihnachtsgeschenke von FOC, die noch ergaenzt wurden durch eine Weihnachtspaketaktion meines Vorgaengers Andreas. Die Kinder waren so richtig gluecklich, es war schoen, sie so strahlen zu sehen.

4. Weihnachten typisch rumaenisch


Eine rumaenische Tradition zu Weihnachten ist das Schweineschlachten, dass vor allem auf dem Land und dann mit kraeftiger Mithilfe der Nachbarn geschieht. Dem Schwein werden die Fuesse gebunden, die Kehle mit einem geuebten Schnitt durchgeschnitten und das Schwein dann von der Strasse auf die Schlachtbank gezerrt. Danach wird es mit einem Flammenwerfer gereinigt und auseinandergenommen. Dieses Schweineschlachten und das folgende Festessen ist ein Familienfest, der mit reichlich selbstgebranntem Tuica begossen wird. Ich war bei meiner Kollegin Olivia eingeladen, und so habe ich die Natuerlichkeit und die Einfachheit des rumaenischen Landlebens zumindest einen Tag lang erleben koennen. Die Menschen auf dem Land sind rauer als die in Bukarest, dafuer jedoch ungemein herzlich. Ich wurde freundlichst aufgenommen und mein eher skeptischer Gesichtsausdruck zum Pfeffertuica und zur Ciorba de burta, der rumaenischen Eingeweidensuppe, wurde mit heiterem Gelaechter quittiert.

In Rumaenien gibt es zur Weihnachtszeit die Tradition des Collindesingens, vergleichbar mit den “Heiligen drei Koenigen” in Deutschland. Pausenlos klingeln einfache Strassenkinder oder kleine Gruppen von Erwachsenen, die nach eingaengigen Liedern um eine Spende bitten. Die eigentliche Tradition stellen allerdings die Zuege dar, die angefuehrt von einem Taenzer im Baerenkostuem und mit Taenzerinnen und Musikanten durch die Innenhoefe laufen, einen Heidenlaerm machen und immer wieder halten, um zu tanzen. Fuer meine scheinbar immer anwesenden Nachbarn und mich eine Heidengaudi, wir konnten gemuetlich von unseren Balkonen zugucken und ihnen Geld zuwerfen.

5. Geburtstag


Um den Aufwand gering zu halten, wurde dieses Jahr die Jahresabschlussfeier von FOC mit der Praesentation des Projekts fuer den Hauptsponsor Terre des Hommes sowie meiner Geburtstagsfeier zusammengelegt. Nachdem die Gaeste nach ihrem einstuendigen Anstandsbesuchs wieder fort waren, ging die Party dann langsam los.

Meinen Geburtstag habe ich natuerlich auch nochmal mit den anderen Freiwilligen gefeiert. Da Sarah, die in Fagaras in einem Kinderheim fuer geistig und koerperlich Behinderte arbeitet, am gleichen Tag des Jahres ihren Geburtstag feiert, feierten wir zusammen erst bei mir zu Hause und dann im altbekannten Fire Club.

6. Mein Weihnachten


habe ich bei Fritjof und Tobi verbracht. Neben einem kleinen kuenstlichen Tannenbaum und mit einem selbst fabrizierten Festessen haben wir die Collindesaenger abgewartet und gemeinsam mit zwei rumaenischen Freunden versucht, ein bisschen Weihnachtsstimmung aufkommen zu lassen. Wir waren allerdings alle ein bisschen muede und so war der Abend dann auch recht kurz. Am naechsten Morgen haben wir in der Katholischen Kirche Bukarests einen deutschen Weihnachtsgottesdienst besucht und so noch ein paar deutsche Weihnachtslieder gesungen.

Irgendwie hatte ich nicht das Gefuehl, dass hier wirklich Weihnachtsstimmung aufgekommen waere. Natuerlich versuchen die Geschaefte auch hier, moeglichst viel Atmosphaere zu verbreiten, und auch die Stadt hatte Strassen und Baeume mit Lichtern geschmueckt, aber im Gegensatz zu Deutschland war den Leuten das Fest nicht so wichtig.

7. Deutschlandurlaub



Ueber Silvester habe ich mir eine Auszeit gegoennt und habe 2 Wochen lang Deutschland besucht. Die Zeit war sehr schoen, ich habe mich mit Freunden getroffen und viel Zeit mit Familie und Freundin verbracht. Das deutsche Leben habe ich anfangs als erschreckend dekadent erlebt, am Ende meines Besuchs hatte ich mich jedoch schon wieder so eingelebt, dass ich problemlos dort haette bleiben koennen.

Von Deutschland habe ich auch einige Spiele und andere kleine Geschenke mitgenommen, die hier mit viel Freude von den Kindern emfangen wurden und die reichlich im Gebrauch sind. Danke all den Spendern!

8. In meinem Projekt


Jedes halbe Jahr muss der Grossteil der liebgewonnenen Kinder gehen und es kommen neue nach. Die Auswahl der Kinder dauerte den Januar ueber an und so befinden sich die Kinder und das Projekt gerade in einer Art Probezeit, die 2 Wochen dauert. Danach wird dann entschieden, wer endgueltig bleiben darf bis zum Sommer. So verlaeuft das Programm im Projekt wie immer, nur eben mit neuen Kindern, was schon zu einigen Konfrontationen und Auseinandersetzungen gefuehrt hat. Insgesamt sind die neuen Kinder sehr sympathisch und ich glaube, dass ich gut mit ihnen arbeiten kann.

Um den Familienhintergrund der Kinder zu beleuchten und um ein besseres Bild ihrer Situation zu bekommen, besucht ein Mitarbeiter von FOC die Familien zu Hause. Ich konnte mitkommen und so habe ich einiges ueber das Leben in Ferentari erfahren.

9. Lebensrealitaet in Ferentari


Bei diesem Rundgang war ich gemeinsam mit Corina bei den Familien, mit denen wir eine Art Fragebogen/Vertrag ausgefuellt haben.

Ferentari liegt im Suedwesten Bukarests und gilt wie schon gesagt als Drogenumschlagsplatz und Kriminalitaetshochburg, hier wohnen die aermsten Bevoelkerungsschichten. Etwa die Haelfte der Bevoelkerung besteht aus Roma und es gibt viele Mischehen. In weiten Teilen von Ferentari stehen die so typischen renovierungsbeduerftigen Betonblocks, die meistens Einzimmerwohnungen beherbergen.

Familie Stratulat hat sich hier eine Einzimmerwohnung gekauft, in der jetzt die beiden Eltern mit ihren vier Kindern (die Aelteste 20 Jahre, das juengste 3 Monate) wohnen. (Aus irgendwelchen Gruenden ist der Mieterwechsel in Bukarest extrem hoch; meine Kollegen meinen dazu, dass die Mieter oft grundlos vor die Tuer gesetzt werden. Um fuer ihre Familie wenigstens einen sicheren Wohnsitz zu haben, kaufen viele Eltern Wohnungen auf Pump. Wegen ihres geringen Einkommens zahlen die die Eltern oft jahrzehntelang die Wohnug ab, Renovierungsarbeiten sind finanziell natuerlich nicht moeglich).Die Matratzen dienen als Sitzmoebel und als Schlafstaette, in der Wohnung stehen sonst noch ein paar Schraenke und Kommoden, nur ein schmaler Gang ist frei zur Toilette. Die Mutter beantwortete laechelnd die Fragen und hat uns dann vom Alkoholproblem ihres Mannes erzaehlt, sie war offensichtlich froh, mit jemandem reden zu koennen. Sie arbeitet als eine Art Putzhilfe in ihrem Block, der Vater ist Bauarbeiter.

Familie Haita wohnt auf der andeen Seite der Strasse in einem einstoeckigen Haus mit scharfem Hund. Wir wurden wie immer freundlich empfangen und weil Gaeste da waren, wurde das Feuer im Kamin angemacht, um die Kaelte zu vertreiben. Die Mutter, ihre Schwester und die beiden Toechter wohnen in dem einzigen Zimmer des Gebaeudes, der Flur dient als Kueche. Neben den Nationalhelden der rumaenischen Fussballationalmannschaft und den fast schon obligatorischen Heiligenbildern hing ein Bild von Caeusescu. Unter ihm sei es besser gewesen, so die Mutter, sie hat wie ihre Schwester keine Arbeit. Es gibt keine Kanalisation in diesem Teil von Bukarest, neben dem Eingang steht ein Plumpsklo.

Die letzte und schockierenste Station war der Besuch bei Familie Marin. Corina hat mir erzaehlt, dass rund um diese Blocks im Sommer die Heroinjunkies sitzen, jetzt ist es ihnen allerdings zu kalt. Der Weg dorthin ist zugemuellt, die Strassenhunde sind dort noch zahlreicher und trete auf dem Weg dorthin auf eine Spritze. Vor dem Block stand eine Gruppe Polizisten; eine franzoesische Hilfsorganisation hat ebenfalls Hausbesuche gemacht, sich dazu jedoch von der Polizei begleiten lassen. Durch den Hintereingang gelangen wir in die Einzimmerwohnung, in der die Eltern Marin mit ihren 5 Kindern und dem Bruder des Vaters wohnen. Im Gegensatz zu den anderen Muettern hat Mutter Marin der Mut verlassen und sie will weg aus der Gegend. Sie erzaehlt, dass sie so gut wie nicht aus dem Haus geht, weil sie hier bei den Kindern bleiben und auf sie aufpassen muss. Erst vor einer Woche habe eine maskierte Gestalt in ihr Kuechenfenster hineingesehen, sie hat genug von der Kriminalitaet. Alle drei Erwachsenen sind arbeitslos, und da die Eltern nur 4 Schuljahre hinter sich haben, koennen sie ihren Kindern bei den Hausaufgaben nicht helfen.

Dass es fuer die Kinder in diesem Umfeld schwierig ist, sich auf die Schule zu konzentrieren und den Schulbesuch als wichtig zu empfinden ist verstaendlich. Trotzdem ist es ihre einzige Chance, ein besseres Leben zu fuehren als ihre Eltern.

10. In der Ukraine


Zum zweiten Mal fand letzte Woche ein Seminar zur Romaproblematik statt, diesmal in der Ukraine. Wie letztes Mal in Budapest waren wieder Freiwillige aus allen osteuropaeischen Laendern da, ich habe also viele Leute wiedergesehen. Unser Programm war gut gefuellt; wir haben uns mit Praesidenten von Romavereinigungen und Schuldirektoren getroffen, zwei Romaprojekte und einen Romagottesdienst besucht, jede Menge ueber Probleme mit den Roma in unseren Projekten diskutiert und eine Gypsieband zu Gast gehabt. Ich habe dabei wieder eine ganze Menge gelernt und lustig war es trotz sehr eingeschraenkten Feiermoeglichkeiten auch, die lange Fahrt und die Visumsbeschaffung haben sich also gelohnt.

Die Ukraine selbst gleicht in den Transkarpaten, also die Gegend, die ich dort gesehen habe, sehr Ostungarn und Rumaenien. Kein Wunder, denn die Gegend ist vor allem von Ungarn bewohnt, weshalb die Freiwilligen dort auch ungarisch lernen muessen. Die Doerfer wachsen entlang der Hauptstrasse, die Kirche mit metallenem Silberturm bildet das Ortszentrum, das Zigeunercamp liegt am Rand der Siedlung.

Hier habe ich richtig gespuert, dass ich in der Ex- UDSSR bin; auf den Strassen fahren alte Ladas, die Strassenschilder sind in kyrillischer Schrift, die Grenzbeamten sind stereotypisch pingelig und finster und die Preise fuer Vodka wirken laecherlich.

Insgesamt hat mich die Ukraine nicht sonderlich begeistert und ich bin doch ganz froh, in der rumaenischen Hauptstadt und nicht in einem kleinen ukrainischen Dorf zu leben.

11. Die Roma in Rumaenien


Auf dem Land leben die Roma meistens in Camps, in denen sie unter sich sind und sich sicherer fuehlen. Diese Zigeunercamps, meistens am Rand der Doerfer und Staedte gelegen, verfuegen meistens nicht ueber fliessend Wasser, Elekrtiziaet oder gar eine Kanalisation. Sie leben abgetrennt von der Gesellschaft/der Dorfbevoelkerung und muessen weiterhin die schon jahrhundertelange Diskriminierung ertragen. Romakinder werden in der Schule wegen ihres Aussehens und ihrer Kleidung gehaenselt und von den Lehrern ungleich strenger und ungerecht behandelt, obwohl sie durch oftmals fehlende Unterstuetzung der Eltern sowie Sprachschwierigkeiten (oft wird in den Romasiedlungen die eigene Sprache noch gesprochen) zusaetzliche Unterstuetzung benoetigten. Kaum ein Roma, der nicht die starke Unterstuetzung der Eltern oder der einer Hilfsinitiative geniesst, kann eine Berufsschule besuchen, das Lyceum nach 13 Jahren beenden oder gar zur Universitaet gehen. Auf dem ohnehin schon schwierigen rumaenischen Arbeitsmarkt haben Roma auch gegen Gleichqualifizierte keine Chance. Welcher Arbeitgeber stellt schon einen Roma ein, wenn er dafuer auch einen Rumaenen einstellen kann?

In der rumaenischen wie auch in vielen anderen europaeischen Gesellschaften halten sich die alten Vorurteile und das negative Gesamtbild der Roma hartnaeckig. Obwohl ein Durchschnittsrumaene durch die von beiden Seiten betriebene Abgrenzung kaum je direkt mit einem Roma in Kontakt kommt, kann er viele Geschichten von kriminellen und boeswilligen Zigeunern erzaehlen. Roma gelten weiterhin als diebisch, hinterhaeltig und gefaehrlich, als kulturell verwildert und als Parasit in der rumaenischen Gesellschaft. Die Trennung der Voelkergruppen ist auf dem Land wie in den Staedten offensichtlich. Selbst in Bukarest wohnen die meisten Roma in den Problemvierteln Rahova und Ferentari, waehrend es im Norden der Stadt reiche Villengebiete gibt, die noch kein Roma gesehen hat. Waehrend sich in Bukarest vor allem die Mittel- und Oberschicht ueber die Roma mockiert, lebt die Unterschicht mit den Roma in den gleichen Blocks und es gibt dort wegen anderen, viel wichtigeren Problemen weniger Beruehrungsaengste.

Unter der kommunistischen Herrschaft wurden die Roma wie die anderen nationalen Minderheiten unterdrueckt und in die Haeuserblocks gezwungen. In den grossen Staedten haben sie meistens ihre Kultur verloren, sprechen die Romasprache nicht mehr und wissen nur wenig ueber ihre Geschichte. Nach 1989 ist ihre Situation schlechter geworden, es kam zu Progromen und offenem Hass. Die Menschenrechtslage der Roma in Rumaenien ist ausserst problematisch und die staatliche Ungleichbehandlung ist trotz zahlreichen EU- und UNO- Appellen noch immer an der Tagesordnung.

Durch die lange Diskriminierung haben es die Roma nicht geschafft, eine Elite hervorzubringen, die fuer ihre Situation eintritt. Dies ist nun das Ziel der NROs, die sich aus dem Ausland dem Problem annehmen.

11. Die Flughafenfamilie Codreanu


Durch Zufall habe ich die Familie Codreanu kennengelernt.

Die Codreanus wurden vor knapp 2 Jahren illegalerweise aus Deutschland abgeschoben und kaempfen seitdem fuer eine Rueckkehr nach Deutschland. Seit 2003 lebten die Eltern mit Tochter Gabi und Sohn Andrei auf dem internationalen Flughafen Bukarests in der Wartehalle. Vor drei Wochen wurde die Famile mit Polizeigewalt aus dem Flughafen gedraengt und ihre Habseligkeiten konfisziert, sodass sie jetzt bei Minusgraden draussen oder in Bussen schlafen muessen. Da die Familie ihre rumaenische Staatsbuergerschaft in Deutschland abgelegt hat, sind sie nun Staatenlose, deren Verbleib eigentlicgh durch internationale Abmachungen festgeschrieben ist. Trotzdem wurde die Familie abgeschoben und Deutschland weigert sich weiterhin, die illegale Abschiebung anzuerkennen und die Familie zurueckzulassen. Die Codreanus kommen immer mal wieder bei mir vorbei, um sich zu waschen oder um mal ruhig zu schlafen.

Sie wissen sehr gut ueber ihre Lage Bescheid und haben mehrere Klagen laufen gegen Politiker, die entgegen der Vertraege gehandelt haben. Die Familie sucht (sehr erfolgreich) den Kontakt zur Presse, um die Oeffentlichkeit aufmerksam zu machen auf ihr Schicksal, sie waren unter anderem bei Spiegel TV und mehreren Sendungen im rumaenischen Fernsehen. Von Deutschland aus werden sie mittlerweile von verschiedenen Initiativen unterstuetzt, die immer weider zu Protestaktionen aufrufen. Auf ihrer Homepage hat die Familie alle Infos wie offizielle Schreiben, ein Newsupdate etc. Ihr koennt euch ja die Seite mal anschauen, wenn euch der Fall interessiert: www.codreanu.de.tf

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