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Erfahrungsbericht - Bolivien

Autor: Anonym
Projekt: Vamos juntos!
Träger: VAMOS JUNTOS Freundeskreis Deutschland - Bolivien e.V.



Mein Auslandsjahr

Ich habe von Juli 2005 bis Juli 2006 als Volontärin bei der Organisation ¡Vamos juntos! Freundeskreis Deutschland - Bolivien e.V. gearbeitet. Die Organisation ist weder politisch noch konfessionell gebunden und betreut auf unterschiedliche Weise die Schuhputzer im Zentrum vom La Paz. Das Team besteht aus der deutschen Leiterin, einer bolivianischen Sozialarbeiterin, zwei bolivianischen Halbtagsvolontären und drei deutschen Volontären, die jeweils ein Jahr bleiben.

Mir als eine der drei deutschen Volontärinnen, wurden drei Schuhputzerorganisationen zugeteilt, für die ich das ganze Jahr zuständig war. Das hieß, dass ich jeden Tag zu den Plätzen ging, an denen diese Schuhputzer arbeiten, mit ihnen sprach, also ganz generell eine Ansprechpartnerin darstellte. Des Weiteren konnten die Schuhputzer mit mir sparen, sie geben mir einen Teil ihres Verdienstes und können so dafür sorgen, dass sie im Fall von Krankheit, finanzielle Schwierigkeiten eine Rücklage haben und sich nicht verschulden. Dadurch sollen sie auch lernen, vorausschauend zu denken und sorgsam mit ihrem Geld zu haushalten.
Gerade am Anfang ist man damit schon völlig ausgelastet, da man sich erst an die Sprache gewöhnen muss, die Schuhputzer kennen lernen muss, was besonders durch die Masken, mit denen sie ihre Gesichter verstecken, um nicht erkannt zu werden, erschwert wird. Jedoch gewöhnt man sich daran doch ziemlich schnell und ich konnte schon nach kurzer Zeit meine Schuhputzer auseinander halten und kannte ihre Namen.
¡Vamos juntos! hat zudem mit verschiedenen Ärzten Verträge, um den Schuhputzern einen günstigeren Arztbesuch zu ermöglichen und eine gute Behandlung zu garantieren – gerade wenn die Schuhputzer in ihrer Arbeitskleidung zum Arzt gehen, kann es passieren, dass sie abschätzig behandelt werden, da die Schuhputzer in Bolivien meist als Alkohol- oder Klebstoffabhängig gelten. Als Volontär muss man dann auch oft Personen begleiten, da die Schuhputzer alleine kaum zum Arzt gehen, aus Geldmangel, Angst oder Respekt, da Ärzte einen hohen gesellschaftlichen Status genießen.
Gelegentlich begleitete ich sie zu den Behörden, wenn die Schuhputzer Unterstützung bei der Beantragung von Dokumenten wie Personalausweis oder Geburtsurkunde brauchten.

Die wohl stressigste Zeit in dem ganzen Jahr ist der Beginn des neuen Schuljahres im Februar. Da viele wegen der hohen Kosten von den Schulmaterialien nicht zur Schule gehen, verteilt ¡Vamos juntos! in dieser Zeit Hefte, Stifte, Papier usw. Jeder Volontär bleibt eine komplette Woche im Büro und verteilt Schulmaterial an seine Schuhputzerorganisationen und die Angehörigen der betreffenden Schuhputzer. Das macht einerseits total Spaß, weil man sieht, wie sinnvoll die Arbeit ist und wie sich die Leute über die Unterstützung freuen. Andererseits habe ich mich nach zwei Tagen nur noch danach gesehnt, wieder auf die Strasse zu können und normal mit den Schuhputzern zu arbeiten, weil ich mich so daran gewöhnt hatte ?.

Neben der Straßenarbeit kommen vor allem im Rahmen der Arbeit mit den Stipendiaten besondere Aktionen dazu, wie Vorträge, Seminare zu relevanten Themen wie Rassismus, Alkohol etc. Das war immer sehr abwechslungsreich und auch für mich eine gute Möglichkeit, von den Schuhputzer und ihrer Situation zu lernen und mehr über Bolivien zu erfahren. Im Januar haben wir sogar eine Reise mit den Stipendiaten gemacht, was mir die Gelegenheit bot, auch mal in eine Gegend zu fahren, in der ich vorher noch nicht war.


An einem normalen Arbeitstag habe ich nur auf der Strasse gearbeitet, bei Wind und Wetter. Es ist nicht immer leicht, denn nicht alle Schuhputzer sind immer nett zu einem, gerade wenn sie etwas von der Organisation oder von dir wollen, was sie nicht bekommen können. Auch ist die bolivianische Mentalität anders als die deutsche und es passiert schon mal, dass einer der Schuhputzer aufhört mit dir zu reden, obwohl du nichts falsch gemacht hast – sie erfinden dann schon Gründe…. Da das Alkoholproblem in der bolivianischen Gesellschaft sehr verbreitet ist, sind natürlich auch einige der Schuhputzer davon betroffen, weshalb es schon mal passieren kann, dass sie betrunken arbeiten oder verletzt zur Arbeit kommen, wenn ihnen betrunken etwas passiert ist.
Das klingt vielleicht etwas erschreckend, ist aber eben ein Teil der Arbeit.

Trotzdem: Es macht wahnsinnig Spaß, mit den Schuhputzern zu reden, über ihr Leben und ihre Familie etwas zu erfahren, auch oft über Deutschland erzählen müssen, mit ihnen Fussball spielen zu gehen oder mit der gesamten Schuhputzerorganisation für einen Tag wegzufahren und so Land und Leute kennen zu lernen.

Man hat bei ¡Vamos juntos! 45 Tage Urlaub in 13 Monaten und so genügend Zeit, wenn nötig Abstand zu nehmen und was anderes zu sehen; aber auch einfach um dieses vielfältige Land zu erkunden. Ich hab meinen Urlaub gar nicht komplett verbraucht, weil ich einfach nur in La Paz und bei den Schuhputzern sein wollte, da die Arbeit soviel Spaß gemacht hat!

Die Organisation bereitet die Volontäre in Deutschland durch ein Vorbereitungswochenende auf das Jahr vor, hier lernt man in der Regel auch die anderen Volontäre kennen. In Bolivien direkt wird man gut eingearbeitet und auch bei der Arbeit begleitet, es gibt jede Woche eine Versammlung des ganzen Teams, in der wichtige Dinge bezüglich der Arbeit besprochen werden. Außerdem hat jeder pro Monat eine persönliche Besprechung mit der Leiterin des Projektes, die auch Deutsche ist. Auch wenn ich keine großen Probleme hatte, ist es doch ein sehr beruhigendes Gefühl zu wissen, dass man immer mit jemandem aus dem Team reden kann, wenn es einem schlecht geht oder man einfach nur Fragen hat. Mir hat auch der Austausch mit den anderen Volontären geholfen, die natürlich ähnliche Erfahrungen wie ich machten und für die auch alles neu war.

Man muss schon offen für eine andere Kultur und Mentalität sein, muss sich auf viele verschiedene, neue Menschen einlassen können und auch für ein Jahr viele Dinge und persönliche Wünsche zurückstecken. Aber man lernt dafür total viel, von den Leuten, von dem Land und lernt auch sich selbst neuen kennen. Ich kann`s nur empfehlen!!

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht:

Dominik schrieb am 09.12.09 um 04:19 Uhr:
Danke für diesen tollen Bericht, er war sehr aufschlussreich!

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