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Erfahrungsbericht - Niederlande

Autor: Philipp Uhe
Projekt: Kerk & Vrede
Träger: EIRENE International 

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Um meine Arbeit bei Kerk en Frede vorzustellen, fange ich am besten bei dem Büro an. Man muss sich also ein kleinen Raum in der Obrechtstraat vorstellen, ausgestattet mit Regalen und Tischen, diese vollgepackt mit Briefbögen, Unterlagen, Matrerialien, aller Art, Grösse und Funktion. An den Tischsitzen die Mitarbeiter an ihren PCs gehen ihrem Arbeitsbereich nach. Hin und wieder werden sie von Sitzungen und Telephonanrufen unterbrochen. Dort habe ich meinem Platz; an meinem kleinen Schreibtisch, der mittlerweile genauso aussieht, wie der Rest des Büros.

Kerk en Vrede sagt über sich selbst, dass sie "die Ursachen von Unterdrückung religiöser und nationaler Minderheiten, Fremdenhass und Ungleichheit zwischen Männern und Frauen benennt und analysiert". Im Namen ist dabei der Schwerpunkt enthalten: Kirchen- und Friedensarbeit. Das bedeutet: Wir organisiern Projekte, Gesprächsrunden, Informationskampagnien (Zeitunsartikel, Broschüren) und Demonstrationen zu aktuellen Themen, z.B. gegen den Irakkrieg. Unser Schwerpunkt liegt dabei auf Folgen und Auswirkungen des Krieges aufmerksam zu machen. Konkret gehört zu diesem Bereich auch eine Irakprojektgruppe: Kerk en Vrede arbeitet mit einer Gruppe in den Niederlanden lebender Iraker zusammen, die Hilfprojekte in dem Irak initiieren wollen. Vor allem wird versucht, Geldgeber zur Unterstützung dieses Vorhabens zu gewinnen. Eine Ehrenamtliche, Jos� Hohnes-Sparborth, hat bereits zwei Irakreisen absolviert. So können wir Informationen in Form von Broschüren aus erster Hand liefern. Ein anderes, rein politisches Projekt, ist die Plattform Friedenskultur: Zusammen mit 15 anderen Organisationen wird zur Zeit an einer Petition an die nierländische Regierung gearbeitet. Diese wird aufgefordert, eine Projektgruppe zur niederländischen Friedenskultur einzurichten.

Der kirchliche Bereich ist in zwei Projektgruppen unterteilt: Kirchen und Theologie. Die erste konzentriert sich mehr darauf, kirchlichen Gemeinden Material zur Friedensarbeit anzubieten, die zweite arbeitet an theologischen Betrachtungen zur Gewalt (z.B. die Studie "Auf der Suche nach der Quelle der Gewalt in der christlichen Tradition" ) und publiziert diese.

Kerk en Vrede nimmt auch an größeren Projekten teil, wie z.B. der Projektgruppe "2001-2010 Dekade zur Überwindung von Gewalt. Kirche für Frieden und Versöhnung", iniziert, vom weltweiten Ökumenischen Rat der Kirchen, in Zusammenarbeit mit Pax Christi und IKV.

"Mit diesen und noch weiteren Projekten richten wir uns vorwiegend an Menschen die inner- und ausserhalb der Kirche, an einem friedlichem und gesellschaftlichem Zusammenleben interessiert sind" (Jan Schaake, Leiter von Kerk en Vrede)

Im Büro gibt es drei feste Mitarbeiter: Ludo, zuständig für die finanziellen Administration, Mark für das politische Sekretariat und letztlich Jan Schaake, den Geschäftführer. Jan ist für die allegmeine Koordination, die Vorstandsarbeit und die kirchlich orientierten Arbeitsgruppen zuständig. Insgesamt arbeiten noch ca. 50 ehrenamtliche Freiwillige mit. Die meisten habe ich aber bisher nur flüchtig kennengelernt. Lediglich Jos�, die für das Irakprojekt verantwortlich ist, habe ich schon häufiger getroffen.

Mein Arbeitsgebiet lautet offiziell Administration. In diesem Sinne arbeite ich auch zwei Tage die Woche im EIRENE-Büro, des niederländischen Zweiges. EIRENE Nederland- ist auch eine Organisation, die Friedensarbeit bereibt, aber in einem nicht so grossem Umfang wie Kerk en Vrede und mit anderen Mitteln. EIRENE sucht Personen, die Interesse an einem Freiwilligendienst haben, und unterstützt Freiwillige, die im Ausland einen Dienst leisten. Darüberhinaus gibt es noch einen vierteljährigen Newsbrief, der alle Unterstüzer über Neuigkeiten unterrichtet und ein bis zweimal im Jahr einen Tag der offenen Tür. Das Freiwilligenprogramm soll vorwiegend jüngere Menschen ansprechen. Es gibt aber auch ein Progamm der Älteren für Ältere. Ein Ziel ist zukünftig mehr Freiwillige versenden und betreuen zu können. Dazu ist aber eine größere Kapazität nötig.

Meine Arbeit in den Büros sieht so aus:

Im EIRENE-Büro nehme ich ankommende Post in Empfang, ordne e-mails nach wichtig und unwichtig und schicke sie gegebenfalls weiter und bearbeite Anfragen, z.B. nach Infomaterial über EIRENE. Bei Kerk en Vrede arbeite ich drei Tage die Woche. Das Arbeitsgebiet soll hier eigentlich ähnlich sein, wie bei EIRENE. Da ich aber, trotz des Besuches eines dreiwöchigen Sprachkurs, Niederländisch noch nicht gut genug beherrsche, beschränkt sich meine Aktivität mehr auf Sachen wie: Adressen Abtippen, Kopieren, Briefe Eintüten und Verschicken und an Sitzungen Teilnehmen. Die Sitzungen sind am interessantesten, weil ich da viel über die Projekte und weitere Planungen erfahre. Ansonsten habe ich auch schon einen Erfahrungsbericht aus dem Irak mit viel Mühe vom Deutschen ins Niederländische übersetzt.

Neben alltäglichen Tagesgeschäft, gibt es auch kleine Highlights. Im letzten Monat fand ein großer Demonstrationszug von über 25.000 Demonstranten durch die Amsterdammer Innenstadt statt. Dieser richtete sich gegen die Sparpläne der derzeitigen Regierung Balkanende. Auf dem Versammlungsplatz betrieb Kerk en Vrede ein Infostand und ein "Workshop".

Um neben aller Theorie einen nähern Einblick von Kerk en Vrede und EIRNE zu bieten, will ich von meinen Eindrücken der letzten beiden Tagen berichten.

Mittwoch, der 3te Sebtember

Auf dem Porgramm stand: EIRENE. An diesem Tag sollte Jet Visser, vom EIRENE-Vorstand, vorbeikommen, um mir zu zeigen, wie man den EIRENE-Computer bediehnt; dabei geht es darum, aus den eingegangenen e-Mails der letzten Woche, die Spam auszusortieren. Dann muss entschieden werden, ob die übriggebliebenen Mails beantwortet oder an den EIRENE-Vorstand weiterversendet, oder einfach nur ausgedruckt und in den richtigen Ordner einsortiert werden sollen. Meine Aufgabe war mehr das Zuschauen und darauf Achtgeben, was wichtig und was unwichtig ist. Nach kurzer Zeit rauchte mir da doch ganz schön der Kopf. Der war voll von den fremdem Namen und den Geschichten dazu, die sehr interssant sind und viel Anlass zum Schmunzeln gaben. Was es besonders schwierig macht, ist die Sprache, da Jet alles auf Niederländisch erklärt. Da ich mich gleichzeitig bemühen muss, alles zu verstehen, es zu behalten und mich in eine neues Porgramm einzuarbeiten. Das ist wie, englisches Fernsehn mit deutschem Untertiteln für einen Zweitklässler, der schlecht lesen kann. Dannach mussten noch die "acceptgiros" für die grosse Postsendung am Donnerstag - die an alle Mitglieder und Unterstützer ging, um den Jahresbeitrag "einzutreiben"-, vorbereitet werden. Das war dann aber glücklicherweise nur körperliche Arbeit. Es ging darum, die drei "acceptgiro's", die auf Din A 4 Format ausgedruckt worden sind, an den Stanznähten abzureissen. Wie man sich vorstellen kann, keine Arbeit um Denksport zu betreiben; sie muss aber eben gemacht werden. Als sich der Arbeitsprozess ein bissschen automatisiert hatte, konnte ich nebenbei noch im Internet Zeitung gelesen.

Ein typisches Bild dafür, wie sich die Arbeit hier abwechselt: mal ist es eher langweilig und mal sehr interessant.

Donnerstag, 4ter Sebtember.

Thema: Die grossen Postsendung. Für diesen Tag war nur diese eine Aktion geplant. Es sollten an alle Mitglieder und Unterstützer, c.a. 1400, ein Brief, mit dem "acceptgiro", einem Dankesbrief und Informationen über die weiteren Aktionen von Kerk en Frede, versandt werden. Hierfür war an den Tagen davor schon einiges vorbereitet worden, so dass "nur" noch die Sachen in den Umschlag gesteckt werden mussten, was aber noch Arbeit genug war. Jan, Mark, Ludo und die Freiwillgen Jos�, Arjan und ich - bin ja auch ein Freiwillger- hatten sich hierfür bereitgestellt. Das war insgesammt eine lustige Truppe. Sie haben sich über Politik unterhalten und darüber ihre Witze darübergemacht - besonders spannend, war es, da nicht alle Anwesenden zum gleichen politschen Lager gehörten. So wurde der große Stapel von Briefbögen etc.- fast unbemerkt - immer kleiner. Schade eigentlich, dass ich nicht immer mitlachen konnte, weil ich die Pointe nicht verstanden habe oder nicht wusste um welche Partei es sich handelt - und wofür sie steht oder welche Assoziation man mit ihr verbindet-, so dass ich mir doch viel erklären lassen musste. Alles in allem war es aber sehr nett.

Als Freiwilligedienst ist mein Projekt gut konzipiert. Ich bekomme immer auch etwas von den Nebenbüros der anderen Organisationen mit. Und es wird auch nicht langweilig. Der Schlüssel für dieses Projekt ist aber die Sprache, da viel diskutiert wird. Es ist manchmal ganz schön blöd, nicht zu verstehen warum gerade jetzt alle am Tisch lachen.

Meine Erfahrungen als erster Freiwilliger in den Niederlanden. Die Schwierigkeiten bestehen v.a. in Folgendem: Es gibt kein soziales Netzwerk auf das ich zurückgreifen könnte. Ich muss mir alles selber erarbeiten. Ich habe zwar schon intensiv das "Nachtleben" erkundet, bin auch schnell von Leuten mit in Kneipen oder Diskos genommen worden und habe schon mit vielen Leuten gesprochen, aber dauerhafte Kontakte habe ich noch keine gewinnen können. Der Umgang mit der niederländischen Sprache macht Fortschritte. Da ich ausschließlich unter Niederländern lebe, lerne ich schnell sprechen - bisher aber nur wenig schreiben. Hilfreich wäre in Zukunft sicher zu überlegen, wie Freiwilligen geholfen werden kann, schneller an das soziale Leben Anschluss zu finden.

Ich fühle mich hier mittlerweile pudelwohl. Und schmunzeln muss ich immer wieder über Jos� Verzweifelungsrufe, wenn der Computer nicht will wie sie will; Jan's bissigen Komentare, über Gott, die Welt und die niederländische Politik und smeine Kommunikation mit Mark, die auf allen Ebenen stattfinden muss, weil ich sein Niederländisch und er mein Deutsch nicht versteht.

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