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Erfahrungsbericht - Belgien

Autor: Nicolas Kügler
Projekt: Arche
Träger: EIRENE International 



Rundbrief - Dezember 2004


Liebe Unterstützter/Innen!

Ich bin jetzt schon über 2 Monate in Brüssel und habe mich eingelebt. Ich arbeite und lebe im Foyer "La Ruche" (dt. der Bienenstock) mit 6 Behinderten und 4 Assistenten und einem "Responsable" (Chef) zusammen. Mir gefällt es sehr gut hier, und ich habe mich an das Leben in einer so großen "Familie" gewöhnt.
Vielen Dank für Ihrer Unterstützung! Durch Ihre Spende habe ich die Möglichkeit bekommen, viele neue Erfahrungen zu sammeln!
Heute möchte ich Ihnen in meinem ersten Brief einen Einblick geben in meine Vorbereitung und meine Arbeit im Foyer in Brüssel und Ihnen meine Mitbewohner von "La Ruche" vorstellen.
Am 5. September bin ich nach Neuwied gefahren, in die Geschäftsstelle von "Eirene", um an dem Aussreiseseminar teilzunehmen. Ich war sehr skeptisch was man in 13 Tagen alles besprechen kann und wollte nach meiner Projektreise im Juli eigentlich sofort in Brüssel anfangen. Die 13 Tage haben sich zu zwei wirklich interssanten Wochen entwickelt. Die Gruppe bestand aus 26 Freiwilligen/In, wobei 80 % gerade das Abitur gemacht hatten. Ich habe viele neue und interessante Leute kennen gelernt.
Mit den anderen 25 Freiwilligen habe ich mich auf unsere Ausreise vorbereite, wobei einige nach Kanada, andere in die USA, wieder andere nach Nordirland, manche nach Frankreich gingen, und mit mir insgesamt 5 weitere Freiwillige nach Belgien.
Es wurde in Kleingruppen gearbeitet; Selbstreflexion aber auch praktische Hilfe stand auf dem Programm: "Was tue ich, wenn ich zum Arzt gehen muss?", "Wie funktioniert dieses und jenes mit den Finanzen?" Wir haben auch Eirene als Organisation kennengelernt, Arbeitsweisen und Ziele... . Sehr schnell habe ich erkannt, dass die Festangestellten wie auch die freiwilligen Mitarbeiter, mit großen Engagement arbeiten, ihr "Herzblut" und ihre Kraft in all ihre Arbeit stecken.
Zu sehen, wie die Arbeit - mit grenzenlosem Idealismus für eine bessere Welt - , durch konkrete Hilfe bzw. Hilfe zur Selbsthilfe umgesetzt wird, ist schon beeindruckend.
Am 17. September waren die 13 Tage um und ich bin nach Hagen zurück gefahren.
Einen großen Koffer und eine Kiste hatte ich schon gepackt, aber nun musste ich innerhalb von 12 Stunden all das noch erledigen, was vorher liegen geblieben war. Früh am Samstagmorgen, den 18. September, gegen 6 Uhr bin ich mit mein Vater und einem vollgepackten Wagen gen Westen nach Brüssel gefahren.
Der Empfang in "La Ruche" war sehr herzlich. Die Arche in Brüssel liegt im Stadtteil Etterbeek, nicht weit vom Europa Viertel.
In "La Ruche" geht es im wahrsten Sinne des Wortes oft wie in einem Bienenstock zu, hier leben 6 Behinderten und 4 Assistenten, gemeinsam in einem Foyer (Haus). In meinem/unserem Foyer gibt es 3 männliche und 3 weibliche Behinderte, so wie 2 weibliche und 2 männliche Assistenten. Die Zusammensetzung der Geschlechter ist aber rein zufällig.

Das "Nesthäkchen" des Foyers ist Sarah mit ihren 26 Jahren. Sie lebt seit 2 Jahren in "La Ruche" und ist die am stärksten Behinderte, sie hat das sogenannte Down-Syndrom. Hinzukommt, dass sie einen sehr schwierigen Charakter hat und nie in ihrem Leben so etwas wie Erziehung genossen hat. Wenn Sarah beschließt den Aufstand zu proben, weil sie nicht essen will, etwas anderes essen will, nicht schlafen will, dann kann sie Terz machen, das einem selbst Nerven aus Stahl reißen.
Sie ist geistig sehr beschränkt, kann kaum vollständige Sätze bilden. "Was machst Du gerade?, Was mache ich?, Was gibt es heute zu essen?, Wann ist das Forestière (ihre Behinderten-Werkstatt)?", das sind ihre Gesprächsthemen sowie den in "La Ruche" schon legendären Satz "UN PAS DEUX" ("Eine nicht Zwei") wobei sich das auf einen Schokoladenriegel bezieht, den sie jeden Morgen mit zu Arbeit nimmt.
Sarah kann auch äußerst liebenswert sein; das vereinfacht den Umgang mit ihr sehr. Dann kann man mit ihr lachen, sie verkleiden; sie selbst massiert gern die anderen. Hinzu kommt, dass sie ein unglaubliches Rhythmus- und Tanzgefühl hat, jeden Nachmittag läuft das Radio und wenn sie Lust hat, fängt sie an zu tanzen. Ich stehe daneben, neidisch, wie sie sich absolut natürlich zur Musik bewegt.
Bénédicte ist Autistin, lebt seit 15 Jahren in "La Ruche" und ist 35 Jahre alt. Das erste, was einem Außenstehenden auffällt, ist, dass Bénédicte kaum lacht, und dass man es nicht erkennen kann. Ihre Mundwinkel zeigen physisch bedingt immer nach unten. Sie hat Probleme sich zu artikulieren, was sie möchte, auch die Art und Weise, in der sie spricht, macht es nicht einfacher. Wie bei vielen Geistigbehinderten ist Nahrung etwas sehr Wichtiges. Das findet seinen Ausdruck darin, dass pünktlich um sieben Uhr zu Abend gegessen werden muss. Sollte das Essen, das von einem Assistenten mit einem Behinderten zubereitet wird, wider erwartend nicht fertigt ist, wird die Unruhe der Behinderten spürbar.
Bei Bénédicte, ist diese "Nahrungs- Suche" eine Besessenheit. Eines Abends waren noch zwei Oliven auf dem Teller; höflich fragte Bénédicte: "Möchte noch jemand eine Olive?". Bei dem Wort "Olive" hatte sie schon ihre Hand ausgestreckt und bevor auch nur jemand antworten konnte, waren beide Oliven in ihrem Mund verschwunden.
Vom Charakter her ist Bénédicte schwierig. Es ist nicht einfach, sie gern zu haben, sie um sich zu haben. Sie kann gewalttätig werden, vor allem gegenüber Sarah, aber auch gegenüber uns Assistenten. Sie schlägt sich zuweilen auch selber, es ist nicht immer erkennbar, warum sie das tut. Manchmal erscheint es so, als könne sie auf diese Weise Aggressionen abbauen; machnmal möchte sie sicher nur die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Da in der Arche verständlicherweise Gewalt verboten ist, hat es schon öfter Probleme mit Bénédicte gegeben.
Sollte irgendjemand in unserem Foyer "La Ruche" Gewalt ausüben, anwenden, so muss diese Person:
- drei Tage den gesamten Abwasch allein machen (Wir haben keine Spülmaschine und normalerweise wird in der Gruppe abgewaschen),
- die gesamte Freizeit im eigenem Zimmer verbringen und
- die Kommunikation auf der Freundschaftsebene wird unterbrochen.
Auch wenn sich das sehr hart anhört, es ist eine Bestrafung und soll auch so verstanden werden. Die Zeit beim Abwasch bzw. im Zimmer soll zum Nachdenken über den Geschehen anregen.
Die ganze Gruppe reagiert auf solchen Gewaltausbrüche sehr sensibel.
JoJo, ein 75 Jahre "junge" Dame, mit viel subtilem Humor, der einem auf den ersten Blick nicht auffällt, sagt dann zum Beispiel: "Ich werde nun im "L´archschicot" (eine der "Arche" nahestehende Wohngemeinschaft von jungen und alten Menschen) wohnen.", da sie von Bénédicte genervt ist.
Bénédicte lebt in ihrer eigenen Welt, die anderen verschlossen ist. Ihre Welt durchbricht sie mit ihrem Malen von Bildern. Ihre Bilder strahlen vor Lebensfreude und Farbe. Ihre Bilder haben klare Linien ohne symmetrisch zu wirken - sind Kunst!!!
JoJo ist sehr direkt; als sie am Anfang so einfach und ganz ernsthaft zu mir sagt: "Je t´aime", war ich schon etwas mit der Situation überfordert. Wann bekommt, man als 19 jähriger schon einmal von einer 75 Jährigen gesagt, ich liebe/mag dich, in einer Art und Weise, die durchaus nicht nur freundschaftlich gemeint ist. Nach ein paar Wochen bin ich aber dahinter gekommen, dass diese "Mannstollheit", sich auf jedem Mann bezieht und absolut harmlos ist.
Jedem Gast, der in "La Ruche" ankommt, zeigt JoJo das Haus, insbesondere das Badezimmer im ersten Stock, (wo sie stundenlangen in der Wanne sitzen kann - sie liebt das Baden über alles) und ihr Zimmer, das mit einer Trockenhaube und Friseurpostern an den Wänden an einen Friseursalon erinnert. Ich kam gleich dreimal in diesen Genuß, das Haus mit ihr zu besichtigen.
Mit ihrem Alter vergißt sie schon manches, wobei nicht immer klar ist ob sie nicht doch einem Spiel und einen ihrer Scherze macht, und das mit todernster Miene.
Zwei "Dinge" die zu JoJo gehören wie Strand und Sand, sind "le chou de sac", d.h. ihre Handtasche und "les mouches", "die Fliegen". Bei "les mouches" hebt JoJo den rechten Arm und streckt den Zeigefinger aus, wobei die restlichen Finger halb gekrümmt zurückbleiben, der Arm mitsamt der Hand unter solche Anspannung gesetzt wird, dass die Adern leicht hervortreten und Arm und Hand zu zittern anfängt. Dazu sagt JoJo und wiederholt mehrere Male, mit der linken Hand vor ihrem Mund, laut " mouches" und erwartet gleichzeitig, dass ihr Gegenüber, dasgleiche macht bzw. mit seinem Zeigefinger ihren berührt.
Ihre Handtasche "le chou de sac" ist ihr kleines Kind. JoJo spricht auch mit ihrem "chou de sac", wobei sie auch wie bei "les mouches" die anderen mit einbezieht. Dabei nimmt sie die Tasche zwischen die Hände, hält sie sich vor ihr Gesicht und geht auf den anderen ganz langsam zu; sie erwartet, dass man den "chou de sac" genauso wie sie in die Hand nimmt und gemeinsam mit ihr vier oder fünf Mal laut "le chou de sac" sagt. Eventuelles, einmaliges Fußstapfen ist wahlweise möglich.
JoJo kann nicht lesen, wobei ich glaube, dass sie intellektuell dazu in der Lage gewesen wäre es zu lernen, wenn es ihr jemand beigebracht hätte. Das hält sie aber nicht davon ab, jede Zeitung, die sie in die Hände bekommt, von vorn bis hinten durchzublättern.
Einem Außenstehenden fällt sicher nicht sofort auf, dass sie mit uns allen spielt, dass sie Fragen stellt, deren Antworten sie kennt, dass sie auch manipuliert.
Das beste Beispiel: Sie soll langsam daran gewöhnt werden sich zu duschen und nicht nur immer zu baden, da es vor allem mit ihrem Alter nicht leichter fällt in die Wanne bzw. aus ihr heraus zu kommen. Sie sollte sich duschen, hat aber ein Bad genommen. Laura, eine Assistentin, hat sie dann aus der Wanne geholt und sie geduscht, 15 Minuten später komme ich am Badezimmer vorbei und es ist immer noch besetzt. JoJo hatte sich duschen lassen, war aber dann alleine wieder in die Wanne gestiegen. Wer manipuliert hier wen ?

Neben den drei Damen im Haus gibt es die drei Männer Philippe, Christian und Bernard.
Alle drei sind unabhängiger als die Damen. Philippe ist wohl der unabhängigste von allen, er ist 37 Jahren alt, lebt erst seit 4 Jahren in "La Ruche" und hat Trysomy. Er liest Zeitung, viel und bis spät in die Nacht. Er versteht nicht immer alles, und er läßt sich dann zu Aussagen wie: "Arafat ist ein guter Präsident für die Israelis! Ich mag ihn." hinreißen. Er plant seinen Feierabend, bzw. auch seine Wochenende recht selbständig. Wir müssen darauf achten, das er noch Zeit findet, einmal in der Woche sein Zimmer sauberzumachen. Auch Überschneidungen von Terminen sind möglich. Er hat eine unglaublich große Familie, vor allem Schwestern, und nur einen Bruder der ebenfalls behindert ist. Seinen Vater hat er so gut wie nicht gekannt. Er bügelt seine Wäsche, was bei einer so großen "Familie" mit 10 Personen eine deutliche Erleichterung ist. Seine Behinderten-Werkstatt ist ein richtiger Arbeitgeber, d.h. er wird für seine Arbeit bezahlt. Im Gegensatz zu vielen anderen Behinderten, deren Eltern zahlen, dass ihre Kinder in einer Behinderten- Werkstatt unterkommen und arbeiten dürfen.
Philippe hat ein Problem mit der Zeit, er begreift zwar als einer der wenigen das Prinzip Zeit, aber er hat keine Zeitgefühl. Man muss ihm immer sagen: "Philippe beeile dich". Seiner Behinderung ist er sich in keiner Weise bewußt, bzw. unbewußt bewußt wie Sarah z.B.. Er fühlt sich eher als Assistent und benimmt sich entsprechend. Was auch schon zu manchen Problemen geführt hat.
Nicht erklären kann man sein Frauenbild; so hören wir immer wieder Aussagen wie: " Ein Mann hat mehr Freiheiten als eine Frau!" "Eine Frau geht früher schlafen als ein Mann!".

Philippes bester Freund ist Christian, mit seinen 45 Jahren etwas älter als er, aber in seinem ganzen Verhalten sehr kindlich. Wie JoJo hat er keine Familie mehr bzw. nur einen Bruder, auf den man sich aus Erfahrung nicht verlassen kann. Er hat einen Vormund, seinen Patenonkel, dessen Familie Christians "Ersatz-Familie". Die Behinderung von Christian habe ich noch nicht verstanden bzw. ist mir nicht bekannt. Er kann sich Filme anschauen, ich glaube, dass er sie wie Philippe in Ansätzen versteht. Christian ist so selbständig, dass man ihn auch mal zum nahe gelegenden Supermarkt schicken und eine bestimmte "Sache" einkaufen lassen kann. Zeit, Zeitgefühl- das existiert für Christian nicht; wenn man ihm sagt: "Du hast um 6 Uhr einen Termin beim Arzt, ich werde dich begleiten." Wir haben nicht eine Stunde Zeit: Diese eine Stunde wird Ausgefüllt mit unendlich vielen Fragen nach der Zeit: "Wenn gehen wir los?" "Wie lange noch...?". Christian kann im allgemeinem nicht im Moment leben, er braucht immer etwas worauf er sich freuen kann.
Mit Christian kann man auch richtig arbeiten, wenn ich um seine Hilfe bitte, ist er sofort dazu bereit. Das ist allerdings nicht so, wenn ihn eine Assistentin bittet, denn in seiner Welt sind Frauen keine Autoritätspersonen.

Bernard ein 44 Jahre alter Trisomie Behinderter, der Schwarm aller weiblichen Assistenten, auch wenn er sich dessen nicht bewusst ist. Er ist geistig auf einer gewissen Ebene ansprechbar, man kann ihm aber nicht dem "Leuchtfeuer" Philippe vergleichen. Bernard kann lesen und schreiben, wenn auch nur sehr langsam. Er kommt aus einer alten Familie mit Tradition, was man unter andrem an seinen wirklich hervorragenden Umgangsformen merken kann.
Bernard hat Probleme, Sachverhalte zu verstehen, physisch (er hat ein Hörgerät), aber auch geistig.
Wenn man Bernard etwas fragt, kann es sein, dass er etwas anderes versteht. Situationen, wie man sie nur aus dem Film kennt, können entstehen. Zumal wenn das Hörgerät mal wieder nicht richtig funktioniert.
Bernard ist Jaques Brel Fan, ein Belgier, der nicht nur Französisch sondern auch flämisch gesungen hat. Jaques Brel- Platten und CDs stapeln sich in seinem Zimmer, immer wieder kommt das Gespräch auf den Sänger zu sprechen. Da im Fernsehen immer noch Sendung mit und über Jaques Brel laufen, ist uns nicht immer klar, ob Bernard bewusst ist, dass Brel nicht mehr lebt.
Seine zweite große Leidenschaft ist das "Mensch-ärger-Dich-nicht" spielen. Dabei geht es nicht immer mit rechten Dingen zu, denn Bernard kann mogeln. Man muss sich schon überwinden , wenn man Abend für Abend ein Spiel nach dem anderen spielen muss.
Aber seine lustige Art läßt einen dann doch wieder vergessen, dass es das dritte Spiel des Abend ist.

Neben den 6 Behinderten von "La Ruche" leben wir vier Assistenten:
Karima ist 24 Jahre alt und kommt aus Frankreich, sie lebt schon über ein Jahr in "La Ruche", hat somit Erfahrung mit den Behinderten. Einmal in der Woche geht sie zur Schule, belegt Kurse in Erziehung und Allgemeinbildung. Sie ist in ihrer Art sehr zuvorkommend und rücksichtsvoll, ist sich selbst immer treu. Nach unserem "Chef" Michel ist sie die größte Respektsperson im Haus.
Marek kommt aus Polen hat wie Karima viel Erfahrung im Umgang mit Behinderten, da er schon zwei Jahre in einer "Arche" in Frankreich gearbeitet hat. Mit 30 Jahren ist er der Älteste von uns allen. Er hat ein abgeschlossenes Theologiestudium, ist religiös sehr geprägt. Laura, eine Assistentin aus Spanien, ist Katalanin. Die Unterscheidung zwischen Spaniern und Katalanen ist für sie sehr wichtig. Sie hat Psychologie und Pädagogik studiert, hat mit 24 Jahren ihre Universitätsausbildung schon abgeschlossen.
Wir vier bilden das Team, das hier lebt und arbeitet: 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche. Jeder von uns hat einen freien Tag, der aber nicht am Wochenende liegt, sowie ein freies Wochenende pro Monat. Den Begriff "Freizeit" wissen wir alle zu schätzen!!
Manchmal ist die Beziehung mit den Behinderten wie eine Eltern-Kind-Beziehung. Wir helfen ihnen dabei, ihr Leben so selbständig zu leben, wie es geht, wenn sie etwas Neues lernen können, sind ihre Fortschritte aber nur sehr klein, aber erkennbar. Man braucht sehr viel Geduld und darf die eigentliche Behinderung nicht aus den Augen verlieren.
Die Arbeit im Foyer ist körperlich nicht Anstrengend bzw. zuviel, aber sie muss von uns erledigt werden. Wenn ich es nicht mache, wird es kein andere machen, wobei sich das auf die Behinderten und nicht auf die anderen Assistenten bezieht. Unsere Beziehungen sind hervorragend, wir verstehen uns gut. Die Unterschiede der Herkunft sind aber auch unverkennbar, auch die Unterschiede der Charaktere. Dies macht das Leben hier aber auch sehr interessant. Mein Französisch verbessert sich, allerdings kommt mein Englisch in "La Ruche" sehr, sehr selten zum Einsatz, da keiner der anderen Assistenten Englisch sprechen kann.
So wie Laura gehe ich zur Verbesserung meiner Französisch-Kenntnisse, zwei Mal pro Woche abends für 3 Stunden zum Französischkurs.
Die "Gute Seele" des Foyers ist Myrèse, eine 60 plus X weltliche Nonne die jeden Tag kommt und hilft, wo es nötig ist. Sie wohnt auf der anderen Straßenseite, ist oft mit JoJo unterwegs, vor allem im Supermarkt, den die beiden bis maximal 8 Mal pro Tag besuchen.
Myrèse ist für das Spenden- "Eintreiben", in der "Arche" in Brüssel zuständig.
Über dem Foyer wacht der "Chef", wobei uns Michel dies wirklich nicht spüren läßt. Entscheidungen, ob und wie etwas gemacht wird, werden in der jeden Montag morgen, um 10 Uhr 15 stattfindenden Réunion mit ihm und allen Assistenten besprochen.
So wurde zum Beispiel die Weihnachtsfeier des Foyers, die am 17. Dezember mit allen Behinderten, Assistenten und Freunden des Foyers gefeiert werden soll, geplant. Da beinahe alle Behinderten die Weihnachtstage mit ihren Familien verbringen, kann ich für eine Woche nach Hagen fahren, um dort mit meiner Familie zu feiern
Ich hoffe, dass Sie sich nun ein Bild von meiner Arbeit in "La Ruche" machen können. Ich möchte mich noch einmal bei Ihnen allen herzlich bedanken, dass ich Teil einer unglaublichen Erfahrung sein kann.
Ich wünsche Ihnen und Ihren Familien gesegnete Weihnachten und einen guten Rutsch ins Neue Jahr.

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