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Erfahrungsbericht - Tanzania

Autor: Martin Jarde
Projekt: Missionar auf Zeit (MaZ)
Träger: Missionsbenediktiner von St. Ottilien



Rundbrief vom 3.10.2003


a) Der Flug
Es war einmal ein kleiner Junge der Martin hieß und der in einer kleinen, kleinen Satdt namens Aichach irgendwo in Bayern lebte. In Bayern gefiel es ihm eigentlich ganz gut. Leider ergab es sich nun aber, dass dieses schwarze Paradies in einem Land namens Deutschland lag und deshalb von ein paar roten Teufeln, die neidisch auf es waren, unterdrückt wurde. Deshalb (und noch wegen ein paar wichtigeren Gründen) entschloss sich der Junge ins Ausland zu gehen. Damit es ihm nicht ganz so schwer fiel, wählte er die Republik Tansania, in er es nur Schwarze gab.
Als dann der Tag des Abschieds nahte, war Martin doch etwas bange zu Mute. Aber dank der großartigen Unterstützung durch seine Eltern und ein paar sehr guter Freunde, die ihn zum Flughafen begleiteten, befand er sich schon nach kurzer Zeit in der Eincheckhalle, aus der es kein Zurück mehr gab.
Der Flug wurde dann das reinste Vergnügen, da jeder Sitzplatz seinen eigenen Bildschirm hatte und Martin, der Fernsehen und Computer liebte, die neuesten Kinofilme an-schauen und zwischen über dreißig Spielen wählen konnte. Nach einem kurzen Aufenthalt im Flughafen von Dubai, der Martin sehr an 1001 Nacht erinnerte, ging es dann weiter nach Dar es Salaam, dass, abgesehen von ein paar Turbulenzen, ohne Zwischenfälle erreicht wurde.

b) Mit Father Xaver Kazimoto Komba durch Dar es Salaam
Dar es Salaam - eine Millionenstadt und Regierungssitz von Tansania. Doch der Flughafen hätte von seiner Größe auch gut nach Aichach gepasst. Nur ein einziges Terminal! Martin war etwas enttäuscht. Auch die Beamten, alle in militärischem Look und mit AKs, schufen nicht gerade eine freunliche und einladende Atmosphäre. Dies alles war aber schnell vergessen, als er und seine vier Weggefährten durch die Passkontrolle waren und von ihrem Gastfather Xaver Komba auf das herzlichste begrüßt wurden. Father Xaver Kazimoto Komba, von dem Leute behauptet hatten er wäre profitsüchtig und man müsse sich vor ihm in Acht nehmen, stellte sich als äußerst netter und hilfsbereiter Mensch her-aus und Martin war froh, dass diese Vorwürfe absolut nicht stimmten.
Die fünf Missionare auf Zeit wurden in Kurasini, einem Haus der Benediktiner einquartiert, in dem alle sehr überrascht waren, den niemand hatte ihre Ankunft angekündigt. Noch am selben Abend holte sie Xaver zu einem Abendessen in einem Club am Strand ab. Das Essen schmeckte köstlich und war sogar noch billiger als vor zehn Jahren in der Tschechei. Am nächsten Tag standen neben einer Stadtrundfahrt in Xavers Jeep, die Besichtigung eines Kindergartens, einer Kirche und weiterer Einrichtungen auf dem Programm. Am Abend gab es dann richtig tanzanische Küche bei einer Bekannten von Xa-ver. Dies war zugleich der letzte Tag in Dar es Salaam, denn am nächsten Tag ging es in aller Frühe (6.00 Uhr) los nach Songea.

c) Die Fahrt nach Songea
Eine Fahrt von 1000 Kilometern lag vor ihnen und Martin verstand nicht ganz, wieso er deshalb so früh aufstehen musste! In Deutschland, mit deutschen Autos, auf deutschen Straßen, wäre das eine Fahrt von acht bis neun Stunden plus Pausen gewesen. Doch schon bald musste er feststellen, dass Tansania eben nicht Deutschland war (was für eine Erkenntnis!). Die Straße war zwar geteert, was nicht überall in Tansania der Fall ist, aber die vielen Hügel und vor allem die alle paar Kilometer auftretenden Bodenwellen (so benötigt man keine Geschwinigkeitsbegrenzung!) ließen sie nur langsam vorankommen. Die zweite sehr schmerzhafte Erfahrung, die Martin mit seinen nicht ganz kurzen Beinen machen musste, war der Platzmangel im Jeep, der einfach nicht für acht Leute mit viel Gepäck geschaffen war. All diese Strapazen wurden aber durch eine zum Teil sehr schöne Landschaft gelindert und irgendwann in der Nacht (23.00 Uhr) erreichten sie Songea.

d) Songea und die Gütige Stadt
Die Fahrt schien Xaver allerdings nicht viel ausgemacht zu haben, denn noch mitten in der Nacht (23.00 Uhr wie gesagt), fuhr er die erschöpften Missionare zu einem Rohbau und präsentierte ihnen voller Stolz das zukünftige MaZ-Haus, in dem alle kommenden Missionare auf Zeit wohnen werden.

Hier findet nun ein Wechsel der Erzählperspektive statt, da es der Autor satt hat, von sich immer nur in der dritten Person zu schreiben!

Die ersten Nächte verbrachte ich in Songea in einem Gästehaus der Diözese auf dem Gelände einer Mädchenschule (ich weiß genau wer von euch das jetzt wieder falsch aus-legt!). Am Anfang war alles sehr ungewohnt und fremd. Man sollte sich zum Beispiel zuerst die Hände waschen, bevor man die Toilettenspülung drückt. Oder man wartet bis die Spülung wieder voll ist. Auch die Spaziergänge in Songea, dass mich positiv überrascht hat, waren am Anfang gewöhnungsbedürftig. Überall hört man fremdartige Musik (in Deutschland würde man das als Ruhestörung bezeichnen, vor allem den Muezzin um 5.00 Uhr in der Frühe!!!) und die Leute starren einen als als käme man von einem fremden Planeten. Mittlerweile habe ich mich aber daran gewöhnt und nehme die Hautfarbe gar nicht mehr war. Es kommt mir sogar schon komisch vor, wenn ich einen anderen Weißen treffe (der kein Bruder ist) oder afrikanische Albinos sehe, von denen es hier etliche gibt. Stellt sich die Frage, ob es hier mehr Albinos gibt, oder ob sie in Deutschland nur nicht so auffallen (wer eine biologische Antwort will soll sich melden!)? Jeden Tag holte uns Xaver ab und wir fuhren in seine Pfarrei Mji Mwema, was �gütige� oder �gute� Stadt bedeutet. Wir besuchten sehr viele Familien, die alle sehr gastfreundlich sind und stellten uns am Sonntag nach dem Gottesdienst der Gemeinde vor, was sehr lustig war.

e) Die ersten zwei Wochen
Das die ersten zwei Wochen ein eigenes Kapitel bekommen, liegt an der Menge der Ereignisse, die sich in dieser Zeit häuften. Ich will hier nur mal zwei herausgreifen. Das alle mit Religion zu tun haben liegt vor allem daran, dass die Kirche hier noch einen wesentlich höheren Stellenwert besitzt als in Deutschland. Am Sonntag ist die Kirche gerammelt voll, aber auch hier gibt es Leute die lieber ausschlafen als in die Messe zu gehen.
Das erste was wir zu sehen bekamen war eine richtig ursprüngliche, traditionelle Hoch-zeit in dem Heimatdorf unseres Gastfathers. Es war ein schönes Erlebnis, wie wir sofort mit eingebunden und als Ehrengäste behandelt wurden. Das man als Weißer überall Ehrengast ist, ist eine Sache an die man sich auch erst gewöhnen muss. Am Anfang war es mir ziemlich peinlich, mittlerweile ist es nichts Besonderes mehr. Es hat sogar große Vorteile, da man vorne immer bessere Fotos machen kann! Also wir waren die Ehrengäste und mussten in der ersten Reihe in einem extra für diesen Anlass aufgestellten Zelt sitzen. Es wurde ausgelassen getanzt und gefeiert. Wir konnten aber nicht sehr lange bleiben, da wir weiter nach Chipole mussten, wo am nächsten Tag eine Ewige Profess statt-fand.
Dies ist auch schon das nächste große Ereignis von dem ich berichten möchte. Für alle die nicht wissen was eine Ewige Profess ist, bitte selber nachschlagen oder in St.Ottilien anrufen. Die Zeremonie dauerte geschlagene fünf Stunden und die Bänke waren extrem hart! Im Anschluss konnte ich dann aber ein paar super Fotos machen und danach gab es (wie jeden Tag vier Mal) super Essen, natürlich wieder auf Ehrenplätzen, die Xaver für uns besorgt hatte. Dabei entstand auch ein super Schnappschuss, wie der Erzbischof zusammen mit zwei Schwestern die Torte anschneidet. (In einem Jahr werdet ihr sehen was ich meine!)

f) Erzbischof Norbert Mtega und die erste Aufgabe
Wobei wir schon beim nächsten Kapitel sind, dass ich dem Erzbischof von Songea Norbert Mtega widme. Ein außergewöhnlicher Mann in jeder Beziehung. Nicht nur das er fließend sieben Sprachen spricht (Kiswahili, Englisch, Französisch, Deutsch, Italienisch, Spanisch und Latein), er ist trotz seines Amtes keineswegs abgehoben oder eingebildet. Er weiß genau was die Leute hier brauchen (und das sind nicht nur fromme Sprüche) und kümmert sich sehr oft persönlich darum. So will er jetzt dann zum Beispiel im neuen MaZ-Haus wohnen, um die Leute so zu motivieren, es schneller fertig zu stellen. Ich finde die Idee einfach klasse! Ich habe persönlich auch sehr viel Kontakt zu ihm, da ich mit Felix zusammen gerade die Homepage für die Erzdiözese Songea erstelle. Der Bischof hat sich persönlich einen ganzen Vormittag für uns Zeit genommen (ihm ist die Homepage sehr wichtig) um alles genau zu besprechen und hat uns über zwei Stunden lang Bilder gezeigt, die er mit seiner Digitalkamera gemacht hat. Ich kann gar nicht beschreiben, mit welcher Freude und Liebe er uns jedes einzelne Bild gezeigt und die Umstände erklärt hat, unter denen es entstanden ist! Welcher Bischof in Deutschland würde sich für so et-was so viel Zeit nehmen??? Sobald die Homepage fertig ist, werde ich natürlich Bescheid geben.

g) Die Gatsfamilie
Seit zwei Wochen lebe ich nun in einer Gastfamilie um einmal den tanzanischen Alltag kennen zu lernen. Dies ist eine ganz neue Idee von Xaver, die es bisher noch nicht gab, die uns helfen soll, schneller die Sprache zu lernen. Leider sprechen bis auf das Hausmädchen alle fließend Englisch in meiner Familie und so verbessert sich eher mein Englisch als mein Kiswahili. Wir hatten zwar auch Unterricht in Songea, doch haben wir den nach einer Woche aufgegeben, da die Schwester zwar sehr nett war, aber einfach zu langsam voran ging und oft keine Antwort auf unsere Fragen wusste. Jetzt sucht Xaver (und hat auch schon gefunden) eine neue Lehrerin in Mji Mwema. Ich lerne vor allem mit Vokabelkärtchen und durch das Sprechen mit den Leuten hier.
Aber zurück zu meiner Familie. Sie besteht aus sieben Personen, mit mir acht. Dem Vater (John), die Mutter (Elisabeth), dem 13-jährigen Kevin, der 10-jährigen Martha, dem 6-jährigen Hamfrey, der Schwester der Mutter (Maria) und dem Hausmädchen (Elisabeth). Es gibt noch einen 18-jährigen Sohn, der aber nicht mehr zu Hause wohnt und kein ganz unbekannter Sänger ist.
Wie man an dem Hausmädchen sieht, ist die Familie nicht ganz arm, auch wenn ein Hausmädchen hier nur umgerechnet 5� im Monat bekommt plus Essen und Schlafplatz. Hier kann man auch wieder ganz deutlich sehen, für wie reich sie uns Europäer halten müssen.
Ich schlafe zusammen mit den beiden Jungs in einem Zimmer, habe aber mein eigenes, wenn auch viel zu kleines Bett. (Fast) Jeden Morgen, wenn Abends nicht gerade Fußball im Fernsehen lief (die übertragen hier die europäische Championsleague!), gehe ich um sieben Uhr in die Hl. Messe. Danach schreibe ich Briefe, Lese, Lerne Kiswahili oder Helfe im Haushalt mit. Wenn die Kinder am Nachmittag aus der Schule kommen, spiele ich sehr viel mit ihnen (bei dem Krach der dann im Haus ist, kann man sich eh nicht mehr konzentrieren). Felix und ich haben drei Tennisbälle in der Stadt gekauft und wir spielen fast jeden Abend. Ich habe den Eindruck, die Kinder hier können wesentlich besser Fangen, als ihre Altersgenossen in Deutschland, obwohl auch meine Familie schon eine Spielekonsole besitzt (ein altes Teil, das es bei uns vielleicht vor 15 Jahren gegeben hat). Wenn ich nicht zu Hause sitze, besuche ich andere Familien, gehe spazieren oder mache eine Bergtour. Das ist echt spitze und man hat einen super Blick auf Songea.
In den nächsten Wochen möchte ich auch anfangen im Kindergarten von Mji Mwema zu arbeiten. Die Sprache lässt zwar noch zu wünschen übrig, aber so lerne ich sie vermutlich wesentlich schneller.

Damit möchte ich nun auch zum Ende kommen. Ich könnte noch tausend Dinge schrei-ben, aber am besten ihr kommt selbst mal nach Tanzania und macht euch ein eigenes Bild. Ich kann es nur wärmstens empfehlen.



Mehr Infos bekommt ihr auf meiner Homepage:
www.martin-jarde.de



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