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Erfahrungsbericht - Südafrika

Autor: Tilman Rodenh?er
Projekt: GGA
Träger: God's Golden Acre

Du hast fragen? Schreibe Tilman Rodenh?er eine Email!



In nur neun Monaten hat sich eine Liebe zu Afrika und den Bewohnern des schwarzen Kontinents entwickelt, die hoffentlich niemals erlöschen wird. So viele Emotionen, traurige und wunderschöne Momente hätte ich nicht erwartet!

Welch ein Stereotyp: Bei drückender Hitze kam ich im September 2005 in Durban an und musste, zusammen mit Caro, erst mal noch ein paar Stunden am Flughafen auf unser Gepäck warten und dann nochmals auf andere Volontäre. Warten war eines der ersten Dinge, die ich, als eigentlich ungeduldiger Mensch, in Afrika lernen musste.

Danach ging es auf der Ladefläche eines Pick-ups nach GGA. Dort angekommen wurden wir, ein anderer Volontär und ich, zu unserem neuen Zuhause geführt: Eine traditionelle Hütte, vor sich aller mögliche Unrat staute, in der es zu dem Zeitpunkt nur einen Plastiktisch, zwei alten Stühle, zwei Betten, eine Kommode und keine Elektrizität gab. In den nächsten Tagen kamen dann aber zum Glück ein alter Kühlschrank, ein weiterer Schrank, etwas Geschirr und Strom.

Am nächsten Tag, den wir eigentlich frei haben sollten, wurden wir dann frühmorgens aus dem Bett geworfen und musste nach Nasindlela, die Farm, auf der jetzt das Outreach-Projekt sitzt. Dort haben wir dann den ganzen Tag aufgeräumt, da am Nachmittag Heather und ein Gast erwartet wurden!

Zu so früher Stunde, wenn man GGA noch nicht kennt und auch noch unter den Eindrücken der wirklich beeindruckenden Biographie Heathers steht, kommt einem das alles recht normal vor, man erwartet quasi einen unorganisierten Alltag in einer armen, rückständigen Umgebung. Dieses Bild sollte sich im Laufe meines Aufenthaltes aber noch ändern!

Der erste Eindruck der Kinder ist überwältigend. So viel Energie, Lebensfreude, Offenheit und gleichzeitig so viele neue Gesichter, die alle gleich aussahen und die ganzen Namen, von denen ich auch nach der erste Woche nur eine Hand voll kannte.

Ich hatte das Glück, die ersten Wochen im Haus der kleinen Kinder zu arbeiten und dort konnte ich auch noch auf die Unterstützung durch die älteren Mädchen bauen, die mir in schweren Situationen halfen und die Kinder mit zwei, drei Worten auf Zulu und einem Lineal in der Hand in die Betten schickten! Vor allem die jüngeren Kinder nehmen einen ohne größere Vorurteile an und es ging für mich auffallend schnell, eine gute Beziehung zu ihnen aufzubauen, die sich von dem Zeitpunkt an stetig verbesserte.

Doch nach ein paar Wochen musste ich in das Haus der ältern Jungen wechseln. Die nehmen einen nicht so unbefangen auf! Aber auch gerade mit denen, die einen anfangs noch sehr abweisend behandeln, entwickelten sich später die besten Verhältnisse. Von einem älteren Jungen wurde ich begrüßt mit „Crippled legs, crippled feet, what do you want here? Can you play Soccer?” Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase genoss ich aber meine Arbeit in Phase 5, baute zu vielen der Jungen eine wirklich freundschaftliche, aber zugleich auch respektvolle Beziehung auf.

Ein normaler Arbeitstag sah dann während meines gesamten Aufenthaltes wie folgt aus: Um 13.30 Uhr begann meine Schicht auf dem „Playground“, was zunächst darin bestand, dass ich den Erstklässler, für dessen Hausaufgaben ich zuständig war, in den „Homework Room“ bekam. Jeden Tag ein gleiches, aber nie selbiges Spiel, das anfangs zumeist damit endete, dass ich ihn schnappte und an den Tisch tragen musste. Bis zu meiner Abreise neun Monate später änderte sich das nicht wesentlich, wir waren immer die letzten und brauchten mit am längsten. Ich wäre anfangs auch fast an ihm verzweifelt, er konnte weder lesen, noch schreiben oder zählen, obwohl er schon ein dreiviertel Jahr die Schule besuchte! Doch im Zuge täglicher Arbeit hat es mich am Ende absolut mit Stolz erfüllt, dass er zählen, ein Bisschen schreiben und etwas lesen konnte. Dazu haben wir in dieser Zeit eine wirklich gute Beziehung aufgebaut!

Später am Nachmittag habe ich mich dann entweder um die Hausaufgaben anderer gekümmert, die Kinder auf dem Playground betreut, bin mit ihnen Fußball spielen gegangen, zu den Trampolins, bei heißen Tagen an den Pool oder hab mich einfach nur mit ihnen unterhalten. Abends ging es dann ins Haus, in dem man dann mal gemütliche, mal anstrengende aber immer interessant Abende erlebte und versuchte, den Kindern möglichst ein ganz normales Leben und etwas Geborgenheit zu bieten.

Die Arbeit mit den Kindern war für mich ein konstanter Lernprozess. Zuvor hatte ich keinerlei Erfahrungen mit Kinder und wusste nicht, wie es werden würde, wenn ich mich mal alleine um die Kinder in einem Haus kümmern müsste. Schnell aber fand ich einen angemessenen Weg und hatte äußerst selten ernsthafte Probleme.

Ich versuchte verschiedenste Möglichkeiten wahr zu nehmen, um etwas über die Arbeit in Foster Homes zu lernen. Daher besuchte ich ein Seminar und einen Vortrag zum Thema „Kinder in Foster Homes“, die mir einige Dinge klarer werden ließen. Es ist gerade nicht natürlich, dass Kinder fremden Menschen entgegenlaufen und auf ihnen rumklettern und auch nicht erstrebenswert, eine besonders enge Beziehung zu den Kindern aufzubauen, da der ständige Verlust, mit dem diese Kinder zu leben haben, bleibende Schäden verursachen kann.

Dazu merkte ich zunehmend in der Arbeit mit den Kindern, dass viele schwerwiegende Schäden aus ihrer Vergangenheit erlitten hatten. Es war nicht wirklich eine Seltenheit, dass bestimmte Kinder manchmal völlig umschalteten und dann nicht mehr ansprechbar oder zugänglich waren. In solchen Situationen konnte häufig nur noch eine Gogo, die das Kind schon lange kannte, helfen. Die Schicksale einiger Kinder haben mich wirklich geschockt und es war für mich sehr erstaunlich, wie normal diese Kinder noch leben konnten, obwohl sie derartigen Schmerz, Verlust, Missbrauch oder sonstige Qualen erlitten hatten.

Häufig werde ich auch gefragt, wie das war, mit den HIV positiven Kindern zu arbeiten. Der Umgang mit diesen war völlig normal, man sollte und konnte sie gar nicht anders behandeln als andere Kinder, da man anfangs nicht weiß, wer eigentlich infiziert ist. Den meisten Kindern sieht man es auch nicht an, da die antiretroviralen Medikamente in Verbindung mit gesunder Ernährung die Krankheit soweit unterdrücken, dass das Kind ein normales Leben führen kann. Aber trotz allem bricht es mir immer noch das Herz, wenn ich an manche Kinder denke, die so lebensfroh, clever und glücklich sind, aber doch früher oder später sterben müssen.

Ich hatte das Glück, dass während meiner Zeit keines der Kinder streben musste, allerdings war ein Kind bei meiner Ankunft so schwer krank, dass Mediziner ihm nur noch wenige Tage oder Wochen zu leben gaben. Während der folgenden neun Monate entwickelte sich das Ganze aber in die völlig entgegengesetzte Richtung: Eines Tages fing das Kind doch noch an zu laufen und wenig später zu sprechen, ein kleines Wunder!
An Wochenenden kümmerte ich mich außerdem um einen neunjährigen Jungen, der an Cerebral Palsy (Kinderlähmung) litt. Diese Arbeit fordert mich nochmals im besonderen, da ich anfangs auch in diesem Gebiet so gut wie keine Erfahrungen aufzuweisen hatte.

Ein weiteres Arbeitsfeld, dass mir wirklich Spaß gemacht hat, war die Arbeit im Outreach. Ich hatte das Glück, fast jeden Monat wenigstens einen Food-Drop mitzumachen und habe so auch die umliegenden Dörfer und Gemeinden ein Bisschen kennen gelernt. Trotz grassierender Aids-Pandemie und daraus folgender Verarmung sind die Zulus ein stolzes und freundliches Volk. Ich wurde stets gut behandelt und die Menschen waren dankbar für die Hilfe, allerdings nicht sich unterwerfend oder lethargisch.

Das letzte große Projekt, das meinen Aufenthalt wesentlich prägte, war die Organisation der Deutschland Tournee der Young Zulu Warriors. Es ist im Nachhinein schon fast unglaublich, wie gut das Organisationsteam zusammenspielte und aus der vagen Idee einer Tournee diese nahezu perfekte Reise entstand. Ich habe gerade in der Zeit gelernt, an meine eigenen Grenzen zu gehen und das letzte aus mir raus zu holen, um diesen Traum wahr zu machen. Während der Organisation entwickelte sich auch ein gutes und vertrauensvolles Verhältnis zu Heather und zur Organisation GGA. Ich bekam tiefere Eindrücke von den Abläufen und den Problemen der Organisation, die man zunächst als Außenstehender gar nicht wahrnimmt. God's Golden Acre ist, entgegen des ersten Eindrucks, eine noch sehr junge Organisation, die sich aber in einem stetigen Entwicklungs- und Fortschrittsprozess befindet.

Die Arbeit mit den Kindern und im Projekt hat mich ganz besonders gefordert und ausgefüllt. Es ist eine Bindung zu den Menschen und eine Identifikation mit dem Projekt entstanden, die mich wahrscheinlich nie loslassen wird. All die Gogos und Aunties sowie die anderen Zulus, die dort mitarbeiten sind, herzensliebe Menschen und verdienen ein Höchstmaß an Respekt!

Abgesehen von der eigentlichen Arbeit hatte der Aufenthalt noch ganz andere, unvergessliche Aspekte. Das Zusammenleben mit den unterschiedlichsten Menschen aus verschiedensten Ländern und Kulturen hat ebenso Spuren hinterlassen wie die Situation, in einer neuen Umgebung erst mal auf sich selbst gestellt zu sein und für seine Positionen, Kritiken und Bedürfnisse einzustehen und zu kämpfen. Ich hatte einige wüste Diskussionen mit dem Management, die vor alle auch auf Grund kultureller Unterschiede so ausarteten. Ich habe aber auch wirklich gute Freundschaften mit Menschen aus verschiedenen Ländern geschlossen und bin mir sicher, dass diese noch lange bestehen bleiben werden.

Nicht vergessen sollte ich auch nicht die unglaublichen Reisen durch South Afrika und seine Nachbarländer. Diesen unglaublichen Mix aus landschaftlicher Vielfalt, traditionellem Leben, Fortschritt und Moderne findet man so wohl nirgends anders.

Der besondere Bezug zu Afrika als Kontinent und zu der Lebensweise der Einheimischen hat mein eigenes Leben spürbar verändert. Man kann sich fast nicht dagegen wehren, dass man etwas dieser Lebensfreude, dieser Gelassenheit und dieser besonderen Herzlichkeit mit nach Hause nimmt und versucht, für sich weiterzuleben.

Tilman Rodenhäuser, Juli 2006

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht:

Ann-Kathrin Thiele schrieb am 28.07.12 um 12:27 Uhr:
Hallo Tilman Rodenhäuer,
Ich habe grade deinen Bericht gelesen und er klang sehr spannend und interessant. Ich bin selber grade auf der Suche nach Organisationen für ein FSJ.
Deswegen würde es mich auch interessieren, ob du mir diese Organisation weiter empfehlen kannst, ob du dir Projekt selber aussuchen kannst, wie du dich beworben hast und ob du mir einfach mal den Link der Organisation schicken könntest.
Meine Email-Adresse ist:*deleted*

Vielen Dank schonmal im Voraus und liebe Grüße,
Ann-Kathrin

Sarah schrieb am 27.01.12 um 13:57 Uhr:
Lieber Tilman Rodenhäuser,
Ich habe auch vor nächstes Jahr ein FSJ in Südafrika zu machen. Dein Bericht klingt sehr interessant.
Ich würde gerne wissen mit welcher Organisation du gefahren bist? Oder hast du dich direkt beim Projekt, also GGA beworben? Was macht das GGA eigendlich? Vielleicht kannst du mir einen Link zu einer Internetseite geben?
Vielen Dank
(sarah.schwiebert@freenet.de)

Lena Kuhmann schrieb am 27.02.07 um 15:10 Uhr:
Sehr geehrter Herr Rodenhäuser,
ich habe gerade ihren Text über die Erfahrungen gelesen, die Sie bei Ihrem Aufenthalt im Ausland gemacht haben und es wirklich sehr beeindruckt und neurgierig gemacht, da ich auch überlege, nach meinem Abitur ein soziales Jahr im Ausland zu machen. Ich würde mich daher sehr freuen, wenn Sie Intreresse und Zeit hätten, mir ein paar Fragen diesbezüglich zu beantworten, d.h. eine e-mail (lkuhmann@web.de) zukommen zu lassen oder einfach eine Nachricht zu hinterlassen.

Mit freundlichen Grüßen
Lena Kuhmann

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