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Erfahrungsbericht - Schottland

Autor: Michael Münch
Projekt: Garvald
Träger: k.A.



Garvald liegt in Schottland und ist eine Camphill artige Einrichtung. Der Unterschied zu einem Camphill liegt darin, dass die Bewohner in Schichten arbeiten. Die Einrichtung liegt abseits anderer Dörfer und besteht aus 4 freistehenden Häusern. In Garvald arbeiteten viele junge Leute, die für ein Jahr ein freiwilliges soziales Jahr, ihren Zivildienst oder sonstiges machten. Das Pflegepersonal bestand aus einer internationalen Mischung, wir waren Deutsche, Engländer, Tschechen, Ukrainerinnen, Dänen, Südafrikaner, Brasilianer und natürlich Schotten. Das Klima war extrem gut und ich hatte eine wunderbare Zeit in einer kunterbunten Welt.

1.1. Aufgaben der Einrichtung
Garvald ist eine Lebensgemeinschaft, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, jungen Erwachsenen mit Lernbehinderungen sowohl eine Heimat, als auch eine Arbeit zu geben. Daher teilt sich der Aufgabenbereich in zwei Bereiche. Der erste Bereich ist die innerhäusliche Pflege der Bewohner, was je nach Individuum unterschiedliche Aufgabenbereiche umfassen kann. Der zweite Bereich ist die außerhäusliche Pflege. Diese findet in so genannten Workshops statt, wo die Bewohner unter Anleitung arbeiten. Hier sind unter anderem die Bäckerei, die Küche, die Tischlerei, die Weberei, die Wäscherei und der Kunsthandwerk Workshop zu nennen. Des Weiteren wird ein College betrieben und es gibt verschiedene Therapien wie z.B. Musik- und Sprachtherapie aber auch verschiedene antroposophische Ansätze wie z.B Colour-Light Therapie und Eurithmik.

1.2. Die Bewohner der Einrichtung
In Garvald leben ausschließlich junge Erwachsene mit Lernbehinderungen. Dieser Begriff stammt aus dem Englischen. Lernbehinderungen sind im angelsächsischen Sprachgebrauch wie folgt definiert: 1. Die Behinderung
trat vor dem 18. Lebensjahr auf. 2. Die Behinderung ist permanent. 3. Der IQ bei der entsprechenden Person liegt unter 75.
Diese sehr allgemeine Definition trifft sehr wohl zu, da in Garvald sowohl die verschiedensten Syndrome wie z.B. Down-Syndrom, Autismus, fragiles X-Chromosom vertreten sind, als auch die verschiedensten individuellen Behinderungen, z.B. resultierend aus Sauerstoffmangel bei der Geburt.

1.3. Institutionelle, administrative und ökonomische Bedingungen
Garvald besteht aus 4 Häusern in denen zwischen 7-9 Personen leben. Jedes Haus hat einen Leiter und 4 feste Mitarbeiter und wird autonom verwaltet. Auch jeder Workshop hat einen festen Leiter der für die Organisation des Workshops und die Betreuung der Workshopteilnehmer verantwortlich ist. Entscheidungen, die die gesamte Gemeinschaft angehen werden in einem
Meeting getroffen, an dem die Leiter der einzelnen Häuser, die Leiter der Workshops und der Manager teilnehmen. Diese Entscheidungen werden dann durch den Manager ausgeführt.
Garvald finanziert sich zweigliedrig. Zum einen bekommen sie für jeden Bewohner wöchentlich Geld, entweder vom Staat oder von den Eltern des Bewohners. Darüber hinaus gibt es einen Förderverein, der von Eltern gegründet und betrieben wird.

1.4. Ausbildung der Mitarbeiter
Die Ausbildung der Mitarbeiter erfolgt sowohl intern als auch extern. In der Regel ist das Pflegepersonal bei Aufnahme der Tätigkeit nicht speziell ausgebildet. Die Ausbildung erfolgt während der Arbeit in speziellen Trainingsstunden. Diese interne Ausbildung umfasst verschiedene Komponenten, unter anderem die Einführung in die Philosophie der Einrichtung (Rudolf Steiner), die Erläuterung der verschiedenen Syndrome (Down-, fragiles X-Chromosom-, autistisches Syndrom), verschiedene Konzepte zur Konfliktlösung. Die externe Ausbildung umfasst Kurse zur Verabreichung von Medikamenten bei lebensbedrohlichen epileptischen Anfällen, Umgang mit Aggressionen, rechtliche Unterweisungen und Greif- und Haltetechniken im Falle von körperlicher Gewalt. Weiterhin gibt es hausintern regelmäßige Supervisionen mit der Leiterin.

1.5. Besonderheiten in Garvald
Eine wichtige Besonderheit ist mit Sicherheit der Umstand, dass sich Garvald nicht als Pflegeeinrichtung im eigentlichen Sinne, sondern als Lebensgemeinschaft zwischen behinderten und nicht- behinderten Menschen versteht. Daraus resultieren natürlich einige Unterschiede zu �normalen� Pflegeheimen. Zum ersten der Umstand, dass sämtliche Mitarbeiter in Garvald wohnen, sprich die jeweiligen Pfleger in dem Haus, für das sie zuständig sind. Diese sehr enge Zusammenarbeit bot aus meiner Sicht sowohl Vorteile als auch Nachteile. Zum einen ermöglichte es eine sehr enge Vertrautheit zwischen Personal und Bewohnern, die die Pflege intensivierte und somit verbesserte. Natürlich hatte diese enge Verbindung aber auch zur Folge, dass die Pfleger in besonders schwierigen Phasen im Haus schneller auslaugten, da sie enormem Stress ausgesetzt waren und die Möglichkeit abzuschalten ungleich schwieriger fällt, wenn man so eng mit seiner Arbeit verknüpft ist.

2. Darstellung der wahrgenommenen Aufgaben

Ich war als Pfleger in einem der Häuser angestellt. Somit hatte ich während meiner Zeit in Garvald sämtliche Aufgaben zu erledigen, die im und um das Haus anfielen. Meine Hauptaufgabe war jedoch selbstverständlicher Weise die Pflege der Bewohner. Im hygienischen Bereich kümmerte ich mich aus rechtlichen Gründen ausschließlich um die Männer. Generell umfasste meine Arbeit sämtliche Pflegebereiche, vom Wecken und zu Bett bringen; von Hilfestellungen im hygienischen Bereich z.B. beim Baden, Zähneputzen, Ankleiden; dem Vorbereiten und gemeinsamen Einnehmen von Mahlzeiten; Unterstützung beim Aufräumen der Zimmer und der Anleitung und Hilfestellung beim Aufräumen der Gemeinschaftsräume. Der wichtigste Aufgabenbereich aber war die soziale Betreuung, also die Lösung von aufkommenden sozialen Konflikten unter den Bewohnern und das Lösen individueller Probleme. Zusätzlich kamen organisatorische Tätigkeiten hinzu, wie z.B. Geburtstagsfeiern, die vorbereitet werden mussten oder Ausflüge, die organisiert werden mussten.
Außerhalb des Hauses arbeitete ich einmal in der Woche in der Bäckerei, wo ich zusammen mit dessen Leiter und einigen Bewohnern Brot für die einzelnen Häuser buk, als auch in der Wäscherei, die ich selbst anleitete und in der die Wäsche der vier Häuser gewaschen, auf- und abgehängt und zusammengelegt wurde. Darüber hinaus nahm ich an der wöchentlichen Fahrt zum Schwimmen teil, woran verschiedene Kleingruppen, die aus allen vier Häusern zusammengesetzt waren, teilnahmen.

3. Ein typischer Tag in Garvald

Ich begann meine Arbeit um 7.00 Uhr morgens mit einem Rundgang durch das Haus, wobei ich an die Türen der Bewohner klopfte, ihnen einen guten
Morgen wünschte und sie zum Aufstehen aufforderte. Karsten* war in der Regel schon wach und so wusch ich ihm das Haar, forderte dann James auf sich zu beeilen und stellte in der Küche Wasser für Tee und Kaffee an. Anschließend rasierte ich John, bat ihn sich zu beeilen und erinnerte Steven, wenn nötig, daran, den Haferschleim und den Toast zuzubereiten. Ich versicherter Pete, dass er sich hervorragend rasiert hätte, bat James, sich zu beeilen, half Brigitte beim Decken des Tisches und um 8.00 Uhr versammelten sich alle, außer James, der zu spät kam, zum Frühstück. Wir eröffneten jede Mahlzeit mit einem Gebet und ich verteilte anschließend den Haferbrei. Dann erinnerte ich James daran, dass das Frühstück längst begonnen hatte, und in der Regel begleitete er mich nun zu Tisch. Meine Hauptaufgabe während des Frühstückes lag darin, einen einigermaßen geordneten Ablauf sicherzustellen, Streitereien und Probleme wenn möglich zu lösen und Unsicherheiten einzelner Bewohner, ihren Tagesablauf betreffend, abzubauen, wie z.B. die Fragen, in welchem Workshop wer heute arbeitet, was heute Abend anliegt oder was am Wochenende unternommen wird. Diese Fragen traten durchaus täglich auf, insbesondere von Seiten der autistischen Mitbewohner und konnten durchaus zu erheblichen Problemen führen, wenn sie ungelöst blieben. Das Frühstück wurde um 8.45 Uhr beendet und wir deckten gemeinsam den Tisch ab. Ich bereitete den Abwasch vor, den dann eine Gruppe von Bewohnern
* ich habe sämtliche Namen geändert, alle verwendeten Namen beziehen sich auf Bewohner meines Hauses

übernahm. Ich selbst ging zum Morning-Meeting, wo sich Pfleger aus allen Häusern und den Workshops versammelten, um Besonderheiten, wie z.B. Krankheitsfälle oder Arzttermine, im ansonsten geregelten Tagesablauf zu besprechen. Anschließend gab ich eventuelle Änderungen im Haus bekannt, erinnerte oder half Bewohnern beim Zähneputzen und Bett machen und sorgte dafür, dass um 9.30 jeder in seinen Workshop ging.
Ich selbst ging in die Wäscherei, wo meine Gruppe schon auf mich wartete. Ich schloss auf, bat sie darum, die Wäsche aus dem Trockenraum abzunehmen während ich die schmutzige Wäsche sortierte und die Maschinen anstellte. Anschließend legten wir gemeinsam die trockene Wäsche zusammen. Die Schwierigkeit dieser Arbeit lag darin, jeden gemäß seiner Fähigkeiten in die Arbeit zu integrieren, was bei einer 5-köpfigen Gruppe, mit sehr unterschiedlichen Fähigkeiten, nicht ganz einfach
ist. Auch kam es häufig zu Reibereien zwischen einzelnen Mitgliedern meiner Gruppe, auf die ich bei der Verteilung von Aufgaben Rücksicht nehmen musste. Um 11.00 Uhr machten wir eine Pause und gingen in die Küche wo wir Kekse und Tee zu uns nahmen. Anschließend setzten wir unsere Arbeit bis 12.45 fort und versammelten uns dann, wie alle anderen, in der Halle über der Küche, wo wir das Mittagessen abholten. Dies wurde dann wiederum im eigenen Haus eingenommen. Beim Mittagessen versuchte ich ein Tischgespräch in Gang zu halten, in dem ich nach den morgendlichen Aktivitäten der Bewohner fragte, um eventuellen Streitigkeiten vorzubeugen. Anschließend wurde gemeinsam abgewaschen. Die Bewohner gingen ihren häuslichen Pflichten nach, wie z.B. Müll raus bringen, abwaschen und abtrocknen, Tisch abwischen, Toiletten putzen. Für diese Aufgaben gab es einen festen Plan, in dem jedem eine Aufgabe zugewiesen war. Von 14-15 Uhr hatten die Bewohner Freizeit. Meine Aufgabe war es, diese Zeit mit Freizeitbeschäftigungen zu füllen, so wurden z.B. Spaziergänge gemacht oder Gesellschaftsspiele gespielt. Die Vormittagsschicht endete um 15.00 Uhr.

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht:

Melanie schrieb am 03.03.09 um 22:22 Uhr:
Hi, ich war zwischen 1990 und 1992 auch in Garvald. Ich merke, einiges hat sich verändert. Es war eine wunderschöne Zeit die mein Leben geprägt hat und die ich nie vergessen werde. Melanie

flo schrieb am 02.11.07 um 00:45 Uhr:
Sach mal ich würd auch gern ein FSJ in Schottland machen aber ich hab keine Ahnung bei wem ich mich da melden muss bzw wen ich da anschreiben kann...
Wär verdammt cool wenn du mir da helfen könntest...

mfg daa flo

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