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Erfahrungsbericht - Sri Lanka

Autor: Ulla Kaja Radeloff
Projekt: Singharaja Garden / Yattapatha / Pelawatta
Träger: New home Beruwala e.V.



Zehn Wochen (07.11.2010 bis 17.01.2011) verbrachte ich für ein Praktikum bei Edna und Alli in der Singharaja Garden ECO Lodge in Yattapatha. Im Folgenden möchte ich euch meine Eindrücke schildern und die Zeit Revue passieren lassen.

Dreh- und Angelpunkt - Die Lodge
Die Lodge ist ein wunderschönes Fleckchen Erde. Früh morgens kann man auf der Terrasse sitzen, den Nebel aus den Teegärten steigen sehen und die Gebetsgesänge des Tempels hören. Tagsüber überschaut man die Reisfelder und Palmenhaine bis die Sonne über den Hügeln untergeht. Abends wiederum kann man zig Glühwürmchen durchs Dunkel schwirren sehen und hört die Grillen zirpen sowie den Wasserfall rauschen.
Der Alltag ist alles andere als eintönig. Neben Edna, Alli und den Praktikanten leben hier eine singhalesische Familie und eine Handvoll Tiere. Tagsüber kommen noch die einheimischen Angestellte hinzu und alle trinken gemeinsam Tee, lachen und erzählen in einem Kauderwelsch aus Englisch, Singhalesisch und Deutsch.

Immer mit der Ruhe – Mein Arbeitsalltag
Vorweg eine allgemeine Betrachtung der Arbeitsweise in Sri Lanka. Das Klima in Sri Lanka ist gekennzeichnet durch eine hohe Luftfeuchtigkeit und die Intensität der Sonne ist wesentlich stärker als in Deutschland. Außerdem schauert es besonders in der Regenzeit recht häufig. Diese klimatischen Faktoren und auch die generell entspannte Einstellung zu Arbeit lassen das Resultat gerechnet auf die Arbeitszeit meist klein ausfallen. Das ist anfänglich gewöhnungsbedürftig. Manchmal hat mich da die deutsche Unruhe gepackt und ich habe die innere Stimme vernommen, die mich mit den Worten „Ich muss was schaffen, produktiv sein.“ angetrieben hat. Spätestens wenn der Schweiß in Strömen übers Gesicht lief oder ein Regenguss einsetzte, war dann aber Schluss mit dem deutschen Tatendrang.

Da ich zuvor in Deutschland Agrarwissenschaften studiert habe, wählte ich als Schwerpunkt meines Praktikums auch den landwirtschaftlichen Bereich.
Angefangen habe ich meine Arbeit im Reisfeld. Wir haben das Feld mit Hacken für die Aussaat vorbereitet. Damit war meine erste Mutprobe bestanden: barfuß, bis zu den Waden in grauem Schlamm zu versinken und dabei neugierige oder wehrhafte, unbekannte Tiere mit den Füßen im Matsch zu erspüren. Weiterhin habe ich zahlreiche Agaven und Ananas gepflanzt, den Gemüsegarten in Schuss gebracht und einen kleinen Ayurveda-Garten angelegt. In der Küche stand ich unterstützend dem Koch Upul bei. Ich habe meine Kochkünste einfließen lassen und er hat mir die singhalesische Küche gelehrt. Mittwochs bin ich häufig mit zum Einkaufen auf den 12 km entfernten Wochenmarkt gefahren. Ich liebe dieses Getümmel aus Menschen, Tieren und Tuktuks rund um die mehr oder weniger frischen Waren. Den beiden Mädchen der singhalesischen Familie habe ich Nachhilfe gegeben und mit ihnen für ihre Prüfungen gelernt. Zweimal hatte ich dann sogar die Gelegenheit in einer privaten Englisch-Schule zu unterrichten. Das war zuerst eine Herausforderung und dann am Ende eine große Freude, aus der viele Freundschaften hervorgegangen sind.

Über die praktische Arbeit hinaus blieb auch Zeit für ein kleines Studium der Ayurveda- und Yoga- Philosophie sowie der Landesgeschichte und -kultur. Viele kleine und große Lehrer hatte ich während meines gesamten Aufenthaltes, die mir auch dabei geholfen haben ein bisschen Singhalesisch zu lernen.
Außerdem haben wir neben den vielen Aktivitäten, wie Yoga, Wandern, Montainbike- und Kajak-Kurs regelmäßig Ausflüge in die Umgebung gemacht (Galle, Aluthgama, Colombo). Wir haben zudem eine Landwirtschaftsschule und eine Teefabrik besucht. Für mich als Agrarwissenschaftlerin unvergesslich.

Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste – Meine Erfahrungen in Sri Lanka
Zwischen Sri Lanka und Deutschland gibt es große kulturelle Unterschiede, angefangen von einem anderen Alphabet und einer anderen Sprache über die Lebensverhältnisse bis hin zur Rolle der Geschlechter.
Respekt und Verständnis für die fremde Kultur erwiesen sich hier als unerlässlich. Der Großteil der Singhalesen, war selbst noch nie im Ausland und kann sich dementsprechend kaum vorstellen, wie das Leben in anderen Ländern abläuft. Die Grundregel, die auf Anhieb alles leichter machte, war simpel: Ein Lächeln öffnet Türen, ebenso wie ein paar Sätze Singhalesisch.

Als „Weiße“ ist man ein Exot, dessen Erscheinung schon von vornherein mit Klischees behaftet ist. Das kann für Vorteile sorgen, wenn das Gegenüber einen für reich hält und dadurch mit mehr Respekt behandelt, aber auch für Nachteile, wenn man aufgrund seines vermeintlichen Reichtums überall tiefer in die Tasche greifen muss. Nett lächelnd habe ich dann z.B. dem Erdnussverkäufer erklärt, dass ich wüsste, dass die Tüte 20 Rupien kosten würde und nicht die verlangten 40. Daraufhin hat er als Entschuldigung ein paar mehr Nüsse in die Packung geschaufelt und ebenfalls lächelnd meine 20 Rupien entgegengenommen.
Ich denke, dass ich mich nicht leichtsinnig, aber auch nicht übervorsichtig verhalten habe. Dadurch habe ich keine bösen Überraschungen und keine brenzligen Situationen erlebt, sondern viele schöne Erlebnisse gehabt und nette Menschen kennen gelernt.

Abschlussgedanken
Mein Aufenthalt in Sri Lanka stellt eine prägende Zeit für mich dar und die hier gemachten Erfahrungen werden mich mein Leben lang im Guten begleiten.
Kurz vor Ende meines Praktikums fragte mich ein befreundeter buddhistischer Mönch, der selbst noch nie im Ausland war, was mir das Reisen und das Wissen über andere Kulturen nütze. Ich hatte auf die Schnelle und überrascht von dieser Frage, keine zufrieden stellende Antwort für ihn parat. Nun, denke ich, kann ich es so ausdrücken: Das Reisen eröffnet mir neue Blickwinkel und lässt mich Gewohntes hinterfragen. Ich bin dadurch verständnisvoller und toleranter geworden. Außerdem bin ich durch den Sprung in ein unbekanntes Abenteuer über mich selbst hinaus gewachsen.

Danke Edna und Alli ...
• … für die ungeschönten Einblicke in eure Welt, eine fremde Kultur und das schwere Tourismus Geschäft
• … für die kompetente Wissensvermittlung
• … für euer Verständnis, euer Einfühlungsvermögen und eure Großzügigkeit
• … für die wunderbare und unvergessliche Zeit mit euch!


Sri Lanka – Ich habe dich in mein Herz geschlossen auch wenn du mir bis zum Ende Rätsel aufgegeben hast!


Ulla Kaja

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