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Erfahrungsbericht - Sri Lanka

Autor: Miriam F.
Projekt: Singharaja Garden
Träger: New home Beruwala e.V.



Erfahrungsbericht – 3 Wochen Singharaja Garden

Anfang des Jahres hatte ich mich für einen Aufenthalt in Sri Lanka entschieden und hatte somit ein halbes Jahr Zeit um mich vorzubereiten und mich darauf zu freuen. Umso trauriger ist jetzt, dass meine Reise so schnell vorbei war und ich schon wieder seit einigen Tagen im herbstlichen Deutschland sitze und mich gar nicht mehr so richtig an die Kälte und all die grimmigen Leute gewöhnen kann.
Die erste Hälfte meines sechswöchigen Aufenthaltes habe ich bei der großen Öko-Lodge-Familie im Singharaja Garden verbracht, wo ich mich vom ersten Moment an total wohl gefühlt habe. Edna, Alli und Kamani haben mich persönlich am Flughafen abgeholt und mich sehr herzlich empfangen. Nach der anstrengenden Reise und meiner spannenden ersten Fahrt durch Colombo war ich erst mal froh, das Wochenende frei zu haben. Somit hatte ich Zeit die Öko-Lodge zu erkunden und die Familie kennenzulernen.
Montags ging es dann mit meinem Praktikum im Kindergarten los. Obwohl dieser im Nachbarort liegt, dauerte die Fahrt doch jedes Mal etwa eine halbe Stunde, vorbei an Reisfeldern mit grasenden Wasserbüffeln, Teefeldern, Dschungel und großartigen Ausblicken. Kurz gesagt: allein schon der Weg war immer wieder ein Erlebnis! Die Lehrerinnen der Preschool haben mich sehr freundlich aufgenommen, einige Schwierigkeiten gab es jedoch bei der Verständigung. Auch wenn im Kindergarten Englisch unterrichtet wird, war es oft schwierig mit den Erzieherinnen ins Gespräch zu kommen, da deren Englisch doch sehr gebrochen war und mit den Kindern musste ich mich sowieso mit Händen und Füßen verständigen, was jedoch erstaunlicherweise sehr gut funktioniert hat! Etwas Eigeninitiative musste ich dann im Unterricht zeigen, sonst hätte ich meine drei Wochen Praktikum wohl eher zuschauend als teilnehmend verbracht. Da die Lehrerinnen kaum Erfahrungen mit Praktikant/innen hatten, haben sie mir keine Arbeitsaufträge gegeben oder mir Möglichkeiten zur Unterrichtsgestaltung gegeben. Die Devise lautete also: einfach mal machen! Und so habe ich mich am zweiten Tag einfach selbständig in den Unterricht eingebracht und mitgeholfen, was sowohl bei den Kindern als auch bei den Lehrerinnen gut ankam. Die meiste Zeit habe ich in der Gruppe bei den jüngeren Kindern verbracht, die deutlich größer ist als die mit den älteren Kindern, denn es kommen auf zwei Erzieherinnen etwa 45 Kinder. Da verwundert es auch nicht, dass ab und zu mit einem Stock auf den Tisch gehauen wird, damit etwas Ruhe einkehrt. Interessant fand ich, vor allem im Vergleich zu den deutschen Kindergärten, dass die Kleinen wirklich zum Lernen in die Preschool gehen. Auch wenn es spielerisch angegangen wird, machen die Kinder schon ab drei Jahren Schreibübungen und müssen eine ganze Zeit lang still sitzen. Auch beeindruckend war die allmorgendliche Zeremonie, bei der etwa eine dreiviertel Stunde lang gebetet wird, die Nationalhymne gesungen, eine Lehrerrede gehalten und ein kleines Sportprogramm absolviert wird. Sehr schön zu sehen war, dass die Lehrerinnen viel Spaß an ihrer Arbeit zu haben scheinen und der Umgang mit den Kindern sehr herzlich ist, obwohl es so viele sind und eigentlich kaum Zeit für jedes einzelne bleibt. Zusammenfassend kann ich sagen, dass meine Zeit im Kindergarten trotz Sprachbarriere eine tolle Erfahrung war!
Die Nachmittage in der Öko-Lodge hatte ich meist frei und so hatte ich genügend Zeit in der Sonne zu sitzen und zu lesen oder mich mit Kamanis Kindern zu beschäftigen. Ein großes Highlight war auch die tägliche Yogastunde mit Edna. Ich hatte hier meine erste Begegnung mit diesem Sport und es hat mir so viel Spaß gemacht, dass es zu meinem neuen Hobby wurde. Direkt am ersten Tag nach meiner Rückkehr aus Sri Lanka habe ich mir eine Yogamatte und ein Trainingsbuch gekauft und wieder losgelegt.
Das Wetter hat leider nicht so gut mitgespielt, dass wir eine Dschungel- oder Kajaktour machen konnten, aber ein paar kleinere Ausflüge in die Umgebung waren trotzdem drin. So war ich einige Male mit auf dem Markt und auch an einem wunderschönen Wasserfall im Dschungel. Mit einem guten Freund der Familie machte ich einen Ausflug nach Aluthgama, was an der Westküste am großen Bentotafluss liegt und wo ich zufälligerweise die zweite Hälfte meines Aufenthalts verbrachte. Somit konnte ich mir schon mal einen ersten Eindruck von meiner zweiten Reisestation verschaffen.
Auch über die Menschen und die Kultur in Sri Lanka habe ich viel gelernt. Mir wurde meist mit einem Lächeln und sehr viel Neugier begegnet, auch wenn es weniger erfreuliche Begegnungen gab. Die Geschichte eines jungen Paares hat mich besonders berührt. Sie haben sich in der Schule kennengelernt und sind schon lange heimlich ein Paar gewesen. Der Junge, 18 Jahre alt, ist singhalesischer Buddhist und das Mädchen, 17, Muslimin. Nachdem die Eltern des Mädchens von der Beziehung erfuhren, wurde sie zwei Monate lang in ein Zimmer mit vernagelten Fenstern gesperrt und verprügelt, da ein buddhistischer Schwiegersohn für ihre Eltern nicht in Frage kam. Am letzten Tag des Ramadan durfte sie dann zu den Feierlichkeiten aus ihrem Zimmer und ergriff die Möglichkeit zu fliehen. Seit dem hält sie sich mit ihrem (inzwischen) Verlobten versteckt und muss mit der ständigen Angst leben, von ihrem Vater entdeckt zu werden. Wer weiß, was ihre Eltern ihr dieses Mal antun würden. Ich drücke den beiden ganz fest die Daumen und hoffe, dass sie nach ihrer Heirat in Frieden leben können. Diese Form der Radikalität und Intoleranz hat mich geschockt, wobei sie natürlich nicht typisch für den Islam allein oder für Sri Lanka ist. Es zeigt einfach, dass es überall auf der Welt zu Problemen kommen kann, wo verschiedene Kulturen zusammen treffen und dass die Menschen lernen müssen toleranter und mit mehr Akzeptanz aufeinander zu zugehen. Ein kleiner Schritt in die richtige Richtung ist bestimmt der Einsatz von Freiwilligen und der daraus folgende Kulturaustausch gerade in den ländlichen Gegenden, wo sich eher weniger Weiße im Urlaub hin „verirren“.
Ich habe mich in dieses wunderschöne Land mit seiner großartigen Flora & Fauna, seinen freundlichen Menschen und den traumhaften Landschaften verliebt und die drei Wochen in Singharaja Garden waren viel zu schnell vorbei. An dieser Stelle möchte ich mich noch ein Mal bedanken für die tolle Zeit, die ich in Yattapatha verbringen durfte. Ich habe mich nie als Praktikantin oder Gast, sondern als Teil der Familie gefühlt und der Abschied fiel mir unglaublich schwer. Ein besonderes Dankeschön gilt hier auch Kamani, die immer für köstliche Lunchpakete im Kindergarten gesorgt hat und mir viel über die Sri Lankische Kultur und die Rolle der Frau erzählen konnte. An dieser Stelle möchte ich Edna noch meinen Respekt aussprechen, dass sie in dieser von Männern beherrschten Gesellschaft einen Weg für sich gefunden hat. Das Leben in Sri Lanka als weiße Frau ist mit Sicherheit nicht einfach und man wird vor allem bei Geschäftlichem oft mit Nichtbeachtung gestraft. Also: Hut ab!
Für mich steht fest: Ich werde auf jeden Fall wieder nach Sri Lanka kommen und ein Besuch in Yattapatha wird mit Sicherheit ein wichtiger Bestandteil dieser Reise werden.

Vielen lieben Dank für alles!

Mirian

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