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Erfahrungsbericht - Bolivien

Autor: Anonym
Projekt: Vamos Juntos
Träger: VAMOS JUNTOS Freundeskreis Deutschland - Bolivien e.V.



Ein Jahr mit den Schuhputzern in La Paz

Vor wenigen Wochen erst bin ich aus Südamerika nach Deutschland zurückgekehrt. Ein Jahr lang war ich in Bolivien - genauer in der Stadt La Paz - als Freiwilliger des Vereins „Vamos Juntos Freundeskreis Deutschland - Bolivien e.V.“ (www.vamosjuntos.de) tätig.

Da ich selber vor meiner Ausreise bei der Bewerbung und Vorbereitung sehr von Erfahrungsberichten im Internet profitiert habe, möchte ich nun auch meine Erfahrungen für folgende Generationen festhalten. Denn ich habe damals die für mich bestmögliche Entscheidung getroffen, die ich bis heute nicht einen Moment bereut habe. Ich kann es jedem Motivierten nur empfehlen, den Schritt zu tun und für ein Jahr in einem Entwicklungsland zu arbeiten.

Ich selber habe mit Schuhputzern gearbeitet. In Bolivien, und gerade in La Paz, dem Regierungssitz im Hochland des Landes, gibt es jede Menge von ihnen. Sie gehören zur ärmsten Schicht des Landes, von früh bis spät sitzen sie auf kleinen Hockern vor ihren Schuhputzkästen und warten darauf, dass ein vorbeieilender Kunde sich seine Schuhe von ihnen zum Blitzen bringen lässt. Nicht nur die Arbeitsbedingungen sind in der Kälte auf knapp 4000 Metern eine Herausforderung, auch das Ansehen der Arbeit ist gering. So tragen viele, vor allem jüngere Schuhputzer Masken, die ihre Gesichter verhüllen und sie somit für Freunde und Bekannte nicht erkennbar machen - denn einmal als Schuhputzer identifiziert, würde dies für viele eine gravierende Veränderung im Umgang mit ihnen bedeuten. Leider gehört gesellschaftliche Diskriminierung in Bolivien noch zum Alltag und Schuhputzer gelten gemeinhin als drogenabhängig und kriminell, auch wenn in dieses Schema wenn überhaupt wohl nur einzelne Ausnahmen passen.

Wir vier Volontäre des Vereins Vamos Juntos wohnten zusammen in einer WG und waren von Montag bis Freitag hauptsächlich als „Streetworker“ tätig. Das bedeutet, dass wir jeden Tag von morgens bis abends auf den Straßen unterwegs waren und die einem jeden von uns zugeteilten Schuhputzer an ihren Arbeitsplätzen besuchten. Das hieß, uns neben sie auf den Boden zu setzen und uns mit ihnen über Gott und die Welt zu unterhalten. Je besser unsere Beziehungen dabei zu jedem Einzelnen wurden, umso persönlicher und tiefgehender wurden die Gespräche. Oft begleiteten wir auch zu Ärzten, Behörden oder unternahmen gemeinsam mit einer der bolivianischen Sozialarbeiterinnen Hausbesuche.

Daneben war es unser Ziel, durch unseren Kontakt die Schuhputzer auch für die weitere Arbeit des Vereins erreichbar zu machen. Denn diese war und ist unglaublich vielfältig. Im Bereich Bildung unterstützten wir beispielsweise mit Schulmaterialien zum Jahresbeginn, besitzen eine Bibliothek nur für Schuhputzer und ihre Familien, organisierten Vorträge und vieles mehr. Im Bereich Gesundheit wurden unsere „Klienten“ unter anderem von uns beim Kauf von Medikamenten oder Arztbesuchen unterstützt. Eine wichtige Rolle innerhalb der Arbeit nahmen auch die verschiedenen Patenschaften bei längerfristigen und schwerwiegenden Krankheiten, für Studenten, für ältere Schuhputzer oder für kinderreiche Familien ein. Das jedoch nur als Beispiele, nebenbei gab es auch jede Menge Veranstaltungen wie eine Weihnachtsfeier, Fußball- oder Schachturniere, Picknickausflüge mit verschiedenen Gruppen, eine gemeinsame Reise mit der Gruppe der Studenten oder Wochenendausflüge mit verschiedenen Schuhputzerorganisationen. Oft wurde mein Arbeitsalltag auch einfach von einem gemeinsamen Fußballspiel unterbrochen. Es war stets etwas los und die Arbeit für uns in unserem bolivianisch- deutschen Team immer höchst vielfältig und interessant.

Dass wir dabei großes Glück mit unserem Verein hatten, ist uns spätestens auf den verschiedenen Seminaren klar geworden, bei denen wir auf Freiwillige anderer Organisationen trafen.
So gab es für uns damals in Deutschland ein Kennenlerntreff, zu dem auch die Eltern eingeladen wurden, ein internes Vorbereitungsseminar der Organisation und ein Nachbereitungsseminar dann wieder in Deutschland. Zusätzlich konnten wir Dank der weltwärts-Förderung an einem von der fid (eine Organisation, die Freiwilligendienste unterstützt) durchgeführten Vorbereitungsseminar, einem Zwischenseminar in Bolivien sowie einem weiteren Seminar nach der Rückkehr in Deutschland teilnehmen. Das klingt vielleicht viel, aber für mich persönlich waren die Seminare durch den Austausch mit vielen anderen Freiwilligen immer Highlights des gesamten Jahres. Zusätzlich finden in La Paz regelmäßige Einzelgespräche mit der deutschen Geschäftsführerin statt, die auch sonst täglich im Büro ansprechbar ist. Zum deutschen Teil des Vereins, der größtenteils aus ehemaligen Freiwilligen der Organisation besteht, gibt es ebenfalls über das gesamte Jahr hinweg Kontakt, auch hier können eventuell auftretende Probleme thematisiert und gemeinsam gelöst werden.

Bei Vamos Juntos handelt es sich um einen kleinen Verein, die Atmosphäre ist persönlich und man ist als Freiwilliger sehr gut aufgehoben. Gerade auf den fid-Seminaren gab es leider immer wieder Berichte von Volontären anderer Projekte, die in eine ganz andere Richtung gingen. Freiwilligendienste scheinen in Mode zu kommen und es ist offensichtlich, dass bei den aus dem Boden gestampften, aber teilweise vollkommen unausgereiften Projekten und der gleichzeitig steigenden Zahl an Freiwilligen, deren Eignung zumindest fraglich ist, nicht immer eine so positive Erfahrung nach dem Jahr bleibt.

Ich habe mich damals vor meiner Bewerbung ausführlich informiert und mich später dann bei meiner Arbeit mit den Schuhputzern in La Paz sehr wohl gefühlt. So habe ich meine Entscheidung und die Wahl des Projektes nicht einen Moment bereut. Es war ein unglaublich bereicherndes Jahr, dass mich persönlich wohl den Rest meines Lebens begleiten wird. So lautet meine Empfehlung an alle, die mit dem Gedanken an einen Freiwilligendienst in einem Entwicklungsland spielen: wenn ihr es wollt, dann macht es - aber informiert euch gut!

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