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Erfahrungsbericht - Argentinien, Buenos Aires

Autor: Moritz Hennig
Projekt: La Choza
Träger: Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners e.V. 

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Der Ruf der Ferne

Ein Jahr Freiwilligendienst in Argentinien
von Moritz Hennig

Wenn morgens um fünf Uhr der Wecker klingelte, begann für mich ein gewöhnlicher Arbeitstag mit dem Melken der etwa 50 Kühe unseres Stalls. Gewöhnlich für ein ganzes Jahr in Argentinien auf einem Bauernhof, auf dem ich ein freiwilliges soziales Jahr abgeleistet habe, welches als Wehrersatzdienst anerkannt wird. Mit 25 weiteren Jungs aus ganz Deutschland nahm ich vor einem Jahr an einem Vorbereitungsseminar teil - dann verstreuten wir uns in aller Herren Länder. Um nur wenige zu nennen: Südafrika, Indien, Kanada, Syrien, Libanon, Argentinien und auch europäische Länder waren unsere Ziele wo wir unseren Dienst leisteten, der das friedliche Zusammenleben der Völker fördern soll, wie es im Gesetzestext so schön heißt.
Bei dem Bauernhof nahe Buenos Aires handelt es sich um ein Projekt, in dem Kindern aus Buenos Aires mit seelischen Schwierigkeiten therapeutisch geholfen wird und zusammen mit freiwilligen Helfern in die landwirtschaftliche Arbeit integriert werden. Die Organisation "Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners e.V." vermittelte mich dorthin.
Aber warum denn gerade Argentinien? Zum Spanisch lernen reicht doch Spanien völlig aus und ist so ein Aussteigerland nicht auch sehr gefährlich? Es war ganz einfach der Ruf der Ferne und das Interesse an einer fremden Kultur. Spanisch wollte ich schon lernen, da kam nur Südamerika in Frage. Der Bauernhof schien mir das interessanteste Projekt, deshalb habe ich mich dort beworben. Gefährlich ist es nicht wirklich, aber man sollte sich nicht in dunkle Viertel in der Dämmerung wagen. Diese Lehre musste ich noch ganz zu Anfang mit einem Rucksack und Portmonaie bezahlen. Ansonsten ist Argentinien schon erstaunlich fortschrittlich auf Touristen ausgerichtet.
Immer wieder wurde ich gefragt, ob ich in Deutschland denn auch aus der Landwirtschaft käme. Viele Argentinier waren ein wenig enttäuscht, wenn ich verneinte, da dort noch ein sehr großer Teil der Bevölkerung außerhalb von Buenos Aires von der Landwirtschaft lebt. Aber das Leben zwischen Kühen, biologisch-dynamisch angebautem Soja und Mais, Getreide und Gemüseanbau hat mir wirklich gefallen. Zunächst arbeitete ich einige Monate auf einer Baustelle auf dem Hof, wo ein neues Wohnhaus entstehen sollte. Zementmischen und Mauern gehören zu den Dingen, die ich dort erlernt habe aber sonst in meinem Leben möglicherweise nie erlernt hätte. Auch vom Gemüseanbau wusste ich durch unseren Garten zu Hause nur sehr bedingt Bescheid, in Argentinien konnte ich außer den hier üblichen Pflanzen wie Mohrrüben, Roter Bete und Salaten auch Auberginen, Paprika und Tomaten in ihrer Entwicklung unter freiem Himmel zusehen. Hier haben wir gesät, gepflegt und schließlich geerntet und verkauft und das Feld wieder von neuem für die Aussaat vorbereitet.
Dann gab es da noch die Milchproduktion, der auch der Großteil der landwirtschaftlich zu bearbeitenden Fläche gewidmet war. Die Kühe wurden morgens und nachmittags gemolken und deren Milch in die eigene Käserei gebracht, wo sie entweder pasteurisiert oder zu Käse, Butter oder Joghurt weiter verarbeitet wurde.
Abgesehen von diesen praktischen Dingen hat das Land natürlich viel zu bieten. Seine Natur fasziniert den betrachtenden Reisenden gleichermaßen wie den Abenteurer. Und natürlich wollte ich das Land von allen seinen Seiten kennen lernen. Nicht nur die atemberaubenden Gletscher im Süden und Wasserfälle im Norden - auch die Städte, die argentinische Kultur und besonders die Menschen mit ihrer Art das Leben zu leben wollte ich kennen lernen. Schnell habe ich gemerkt, dass mir hierzu der Aufenthalt auf dem Bauernhof allein nicht ausreicht. Es war eine sehr geschlossene Gruppe dort und alle etwas anders als die "normalen" Argentinier, die in ihrer anthroposophischen Weltanschauung natürlich nicht dem Durchschnitt entsprachen. So habe ich versucht, mir andere Gesellschaftskreise zu erschließen; ich habe Tango und Folklore getanzt, Fußball und Volleyball gespielt und so mir nach und nach einen Freundeskreis außerhalb des Hofes erschlossen.
Ebenso empfehlenswert ist das Lesen einer Tageszeitung des Landes. Mir hat das sehr geholfen, die Probleme des Landes, über die sich die Menschen beklagten, besser zu verstehen und einschätzen zu können. "Die Politiker klauen doch eh alles" war ein Satz, den ich seit der allerersten Zeit immer wieder gehört habe. Inwiefern stimmt das? Inwiefern wollen die Menschen auch einfach nur Verantwortung von sich schieben für all die Missstände? Und dann die Auslandsschulden des Landes: es war äußerst interessant mit den Menschen zu sprechen, die das Geld des gerade begonnenen Wirtschaftsaufschwungs lieber in Investitionen im Inland sehen wollten als damit den riesigen Berg der Schulden abzutragen. Fragen, die mich interessierten und Antworten von Einheimischen, die den Horizont erweitern.
Natürlich passiert es häufig, dass man Dinge oder Umstände mit denen aus der Heimat vergleicht, wie kennt man es dort? So ging es mir mit der Soja. Man kann sich hier kaum vorstellen, wie dominierend dort dieses Thema zumindest unter der Landbevölkerung ist. Große Flächen Argentiniens sind mit Soja bedeckt und wenn man fragt, was letztes Jahr dort wuchs dann weiß man die Antwort schon selbst: Soja natürlich! Eine Monokultur, die vielen Menschen Sorgen bereitet, denn es ist sehr absehbar, dass innerhalb weniger Jahre der Boden derart ausgelaugt sein wird, dass auf lange Zeit trotz chemischem Dünger sehr wenig wachsen wird. Und warum wird das dort so gemacht, wo doch jeder um die Gefahren weiß? Hier in Deutschland sieht man doch fast alles an Pflanzen auf den Feldern, was die klimatischen Bedingungen hergeben! Auch hier sind die Antworten in der internationalen Politik zu finden, besonders beim IWF. Aber da müsste ich jetzt zu weit ausholen...
Ich blicke auf ein Jahr voller großartiger Erfahrungen zurück, wo durchaus auch Tiefpunkte zu durchstehen waren. Aber ich habe mir ja auch kein ganzes Jahr Sonnenschein und Caipirinha erwartet. So war es ein intensives Jahr und ich nehme nach dieser Zeit mit Freuden das Studium auf.

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht:

Gabriela Altmann schrieb am 27.10.10 um 19:32 Uhr:
Nicht übertreiben! Natürlich ist Buenos Aires nicht ungefährlich, aber wenn man bescheiden gekleidet rumläuft (keine Luxussachen trägt), sich unauffällig und vernünftig verhält, dann passiert einem nichts. Ich komme aus Argentinien, lebe seit 9 Jahren in Germany, nun lebe ich in Berlin. Berlin kann auch ziemlich gefährlich sein! War März 2010 in Buenos Aires, finde Buenos Aires auch nicht schön- aber längst nicht so gefährlich wie hier beschrieben. Vor allem, weil Europäer hier nicht unbedingt ausfallen, da die Bevölkerung auch meist europäisch aussieht.
In Lima, Peru, fallen alle Menschen sofort auf, die irgendwie blonder oder heller aussehen, und man ist dadurch sofort Zielscheibe für Diebe und Betrüger- ich war auch 2010 in Lima, man hat die ganze Zeit versucht, mich über den Tisch zu ziehen oder zu bestehlen. Ich bin eher hell und habe blonde Haare, dadurch fiel ich in Lima überall aus- weit gefährlicher als in Buenos Aires!

Gabriela Altmann schrieb am 27.10.10 um 19:31 Uhr:
Nicht übertreiben! Natürlich ist Buenos Aires nicht ungefährlich, aber wenn man bescheiden gekleidet rumläuft (keine Luxussachen trägt), sich unauffällig und vernünftig verhält, dann passiert einem nichts. Ich komme aus Argentinien, lebe seit 9 Jahren in Germany, nun lebe ich in Berlin. Berlin kann auch ziemlich gefährlich sein! War März 2010 in Buenos Aires, finde Buenos Aires auch nicht schön- aber längst nicht so gefährlich wie hier beschrieben. Vor allem, weil Europäer hier nicht unbedingt ausfallen, da die Bevölkerung auch meist europäisch aussieht.
In Lima, Peru, fallen alle Menschen sofort auf, die irgendwie blonder oder heller aussehen, und man ist dadurch sofort Zielscheibe für Diebe und Betrüger- ich war auch 2010 in Lima, man hat die ganze Zeit versucht, mich über den Tisch zu ziehen oder zu bestehlen. Ich bin eher hell und habe blonde Haare, dadurch fiel ich in Lima überall aus- weit gefährlicher als in Buenos Aires!

Uwe schrieb am 30.11.09 um 04:02 Uhr:
lebe seit 10 monaten hier. täglich werden frauen erschossen, obwohl den dieben alles widerstandslos ausgehändigt wurde (auto, handy, geld, was auch immer). Die opfer wehren sich nicht und werden erschossen. Alle häuser haben gitter. Wohnungen in hochhäusern ebenfalls, bis zum 4/5 stock. Die bevölkerung ist extrem verängstigt. Gerade jetzt (ende november 2009) passiert das alles täglich, in allen ecken der stadt. Es dauert nicht mehr lange und die bevölkerung maschiert auf den plaza de mayo ....so hoffe ich. Seid alle gewarnt. Ausserdem ist buenos aires alles andere als schön. Als turi sieht man das vielleicht so, von wegen exotisch und so. Und so namhaft, man hat buenos aires schon oft mal gehört und dachte eigentlich immer das es in brasilien liegt, und jetzt ist man hier, was? allein das muß wohl den eindruck bei den meisten hinterlassen, dass die stadt schön ist. Die stadt ist ein moloch. EIn gefährliches moloch. Schaut euch mal www.clarin.com an und klickt oben auf "policiales", dann wisst ihr was ich meine in puncto "ist buenos aires gefährlich?"

Uwe
BsAs 30.11.2009

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