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Erfahrungsbericht - Sri Lanka

Autor: Elena Herberger
Projekt: Singharaja Garden ECO-Lodge
Träger: New home Beruwala e.V.



FSJ-Erfahrungsbericht aus Sri Lanka
Von Elena Herberger

Alles begann mit der Idee, die Zeit zwischen Studium und Ausbildung, als Grafik Designerin, sinnvoll zu nutzen. Ich wollte für ein halbes Jahr ein fremdes Land und eine neue Kultur kennen lernen. Durch Zufall habe ich ein Angebot bekommen, an einer Mädchenschule in Sri Lanka zu unterrichten. Sri Lanka – der Tropfen im indischen Ozean – endlose, traumhafte Strände, Teeplantagen, blühendes Dschungelgrün und eine Vielfalt an exotischen Früchten. Ich war sofort begeistert. Am 1. September, 2009 flog ich zehntausend Kilometer um die Erdkugel. Im Landeanflug schwebte ich über die tropische Insel. Noch nie in meinem Leben, hatte ich so einen Überfluss an Fauna und Flora vor meinen Augen. Viel von der Insel konnte ich leider nicht sehen und dann ging es auch schon direkt nach Moragoda. Ein Ort, weit entfernt von jeglicher Zivilisation und dort sollte ich für die nächsten 6 Monate Mädchen im Alter von 6 bis 18 Jahre in den Fächern Kunst, Englisch und Sport unterrichten. Ich war mit fünf anderen Mädchen und einem Jungen an der Schule.
Wir haben uns zum Freiwilligendienst gemeldet, um den Kindern eine bessere Zukunft zu ermöglichen. Vom ersten Tag an gab es keine Organisation. Zu uns Lehrern hieß es, dass wir da Unterricht machen sollen, wo Klassen unbeaufsichtigt sind. Also haben wir wahllos, ohne eine Einführung oder einen Plan begonnen. Es war eine Überforderung für uns alle. Als wir dann nach 2 Wochen unseren jeweiligen Stundenplan bekommen haben, wurde der Tagesablauf etwas geregelter. Aber es war hart sich an eine 30 Stunden Woche zu gewöhnen. Mir wurde gesagt, dass die Schule eine reine Mädchenschule sei und dass wenige Frauen in Sri Lanka eine Chance auf Bildung hätten. Von dieser Behauptung wurde ich skeptisch und habe die Lage überprüft. Ohne langes Suchen habe ich einige Informationen gesammelt. In Sri Lanka herrscht die Schulpflicht und jedes Kind hat die Möglichkeit eine Schule zu besuchen. Außerdem gibt es rund um die Insel katholische Mädchenschulen. Alleine in der Westernprovinz, wo sich die Schule befindet, gibt es mehr als 40 Frauenschulen. Jede Stadt hat eine eigene Nationalschule mit ca. 1500 Schüler und Schülerinnen. Es gibt Schultransporte, Sportmöglichkeiten und es werden Nachhilfestunden angeboten. Die reguläre Schulzeit ist von 7.30 – 13.30 Uhr. An meiner Schule mussten die Kinder den ganzen Tag verbringen und hatten keine freie Minute. Meines Erachtens wird nicht auf die Bedürfnisse der Kinder eingegangen. Sie leben isoliert, von der Gesellschaft abgegrenzt und können sich nicht frei entfalten. Wir waren mit dem Unterrichtsmaterial eingeschränkt. Noch nicht einmal den Kopierer durften wir benutzen. Da stellt sich die Frage, wo sind die ganzen Spendengelder, die in die Schule fließen. Probleme häuften sich an, und für uns deutschen Freiwilligen war nie ein Ansprechpartner da. Die Verantwortlichen hatten kein Bisschen Interesse an uns gezeigt. Selbst Verbesserungsvorschläge bloggten sie ab und wir konnten nichts in die Schule einbringen. Ich wollte etwas Gutes tun und den Kindern helfen, stattdessen wurde ich kritisiert und ausgenutzt. Nach 2 Monaten konnte ich die Organisation nicht mehr länger unterstützen. Ist es wirklich sinnvoll eine Schule zu bauen, das so viel Geld verschluckt, obwohl Sri Lanka genug Schulen hat?
Wie durch Schicksal habe ich eine, diesmal anerkannte Organisationaus Deutschland kennen gelernt. Nachdem ich ihnen meine unglückliche Situation berichtet habe, haben sie mir angeboten bei ihnen als Praktikantin zu arbeiten. Diese Gelegenheit habe ich so schnell wie möglich ergriffen. Meine Neue Heimat war nun die Singharaja Garden ECO-Lodge in Yattapatha. Ein Fleck im Südwesten Sri Lankas mitten im Regenwald. Ich wurde sofort in die Familie integriert. Endlich konnte ich ganz ich selbst sein und meinen Aufenthalt in Sri Lanka mit vollen Zügen genießen. Ich hatte die Möglichkeit von der Organisation, New home Beruwala e.V. vieles in Erfahrung zu nehmen. Diese Entwicklungsarbeit investiert in bestehende und in integrierte Projekte. Im Vergleich zu der Schule, wo ich zuvor war unterstützen sie nur Projekte, die nachhaltig ohne Hilfe von außen laufen. Die New home Beruwala e.V. leistet mit wenig Budget sehr viel. Sie bauen für die Einheimischen der Region Häuser. Sie haben ein Altersheim erneuert und unterstützen das Land bei Kulturerhalt und Landwirtschaft. Mit dieser Arbeit konnte ich mich wesentlich mehr identifizieren und habe mich auch mit Spaß am Aufbau der Eco-Lodge beteiligt. Ich habe erfahren mit welch einfachen Mitteln den Leuten geholfen werden kann. Ich bewundere die Arbeit von Alli und Edna, den Geschäftsführern der Singharaja Garden ECO-Lodge und Mitgliedern der New home Beruwala e.V. aus Deutschland. Sie geben den Menschen eine Aussicht auf ein gutes Leben.
Ich kann von Glück sprechen, dass sich meine Zeit in Sri Lanka so stark gewendet hat. Letztendlich hatte ich viele schöne Momente erlebt. Während meines 4-monatigen Aufenthalts habe ich neue Eindrücke gewonnen, die mein Leben verändert und bereichert haben. Eines kann ich aber jedem empfehlen, der sich für ein FSJ entscheidet. Geht nicht blind in eine Organisation. Sammelt ausreichend Informationen und lest euch Erfahrungsberichte von anderen Freiwilligen durch. Mein Abschied von Sri Lanka ist sicher nicht endgültig, ich bin mir sicher, dass ich bald zurückkehren werde.

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht:

Edna Möllers, Projektleiterin NhB in Sri Lanka schrieb am 17.12.09 um 16:58 Uhr:
Liebe Elena,

wir freuen uns, dass Du Deinen Gefühlen freien Lauf gegeben hast und auch Deine negativen Erfahrungen zum Ausdruck gebracht hast. Wir hoffen, dass Dein Bericht vielen Lesern weiter hilft und wie Du schon geschrieben hast, sich ausreichend Informieren, bevor sie ihr FSJ, Praktikum oder andere Dienste antreten.

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