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Erfahrungsbericht - Chile

Autor: Daniel Stöcker
Projekt: Acógeme - María Ayuda
Träger: Contigo Chance für Straßenkinder e. V.

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Hier kannst du Daniels Rundbriefe laden:

1. Rundbrief -> Download
2. Rundbrief -> Download

Daniels Blog: daniel-chilefeld.blogspot.com



Mein Name ist Daniel Stoecker. Ich habe im Mai diesen Jahres in meiner Heimatstadt Bielefeld mit dem Abitur meine Schullaufbahn abgeschlossen. Ich bin am 17. Juli 20 Jahre alt geworden und habe zwei Tage später meine Reise ins ferne Chile angetreten.
Ursprünglich hatte ich geplant, in der 11. Klasse ein Austauschjahr in Spanien zu verbringen. Dieses Vorhaben ersetzte ich dann jedoch durch die Idee, meinen Zivildienst nach dem Abitur in Lateinamerika zu absolvieren (ADiA). Ein wichtiger Beweggrund dafür war die spanische Sprache, die mich in lateinamerikanischer Musik und meinem Spanischunterricht faszinierte. Die Entscheidung für Lateinamerika wurde aber auch von dem Wunsch geprägt, den Kontinent und seine Kulturen näher kennen zu lernen. Darüber hinaus ist der Schritt ans andere Ende der Welt ein weitaus beträchtlicherer als der ins europäische Spanien. Die Möglichkeit mit Kindern zu arbeiten freute mich umso mehr, da ich in einem Bielefelder Jugendhaus bereits Erfahrungen im Umgang mit Kindern gesammelt hatte.
In der Endphase meiner Bewerbungen entschied ich mich zwischen einer Stelle in Nicaragua und der in Chile für Letztere und fuhr auch zum Bewerbungsgespräch zu dem deutschen Verein Contigo e.V..
Soviel Ungewisses, wie mich erwartete, so viel erhoffte ich mir auch von dem Jahr. Neben einem sicheren Umgang mit der spanischen Sprache, sah ich die Zeit in Chile auch als Möglichkeit, mich in Sachen Eigenständigkeit und Einfinden in ein neues Umfeld, auf mein zukünftiges Leben in Deutschland vorzubereiten. Den Einstieg in dieses fremde Leben erleichterte mir die Offenheit und freundliche Art der Chilenen dann enorm.

Ich arbeite gemeinsam mit Bruce W., einem weiteren deutschen Freiwilligen (siehe links im Foto), in dem Programm Acógeme, welches Teil einer grossen, sozialen Einrichtung mit dem Namen María Ayuda ist. María Ayuda ist eine chilenische Organisation, die verschiedene soziale Projekte in ganz Chile koordiniert. Mit dem Ziel Kindern, die zum grössten Teil aus prekären Familiensituationen stammen, ein würdigeres Leben zu ermöglichen, verwaltet María Ayuda unter anderem auch Acógeme.
Das Programm Acógeme liegt in der Kommune La Granja, die als eine der ärmsten Santiagos gilt. Die meisten Familien haben neben finanziellen auch grosse soziale Schwierigkeiten. Drogenmissbrauch, Gewalt und fehlende Fürsorge für die Kinder liegen an der Tagesordnung. Mangelhafte Bildung und Perspektivlosigkeit erschweren den Ausbruch aus diesem Teufelskreis.
Acógeme versucht hier einerseits als langfristiges Ziel den Kindern – durch das geregelte Miteinander in familienähnlichem Umfeld – ein Wertebewusstsein zu vermitteln. Die Kinder erfahren Liebe und dadurch das Würdegefühl, eine einzigartige Person zu sein. Andererseits soll den Kindern tagtäglich ein Ort der Sicherheit geboten werden, wo sie mit Gleichaltrigen zusammen sein können, um so dem tristen und gefährlichen Alltag auf der Strasse zu entkommen. Hinzu kommt pädagogische Unterstützung in Form von Hausaufgabenbetreuung und das Vermitteln einer täglichen Routine mit geregelten Zeiten.
So beginnt der Tag im Haus nach Schulschluss mit der Hausaufgabenhilfe. Danach wird den Kindern ein Zeitfenster geboten, die über den Tag aufgestaute Energie beim Schaukeln und Herumtoben abzubauen. Am frühen Abend bekommen die Kinder eine kleine Zwischenmahlzeit, z.B. belegte Brote, Milch und/oder Orangen. Frisch gestärkt geht es in das sogenannte Taller. Taller (dt. Werkstatt) ist ein dreiviertelstündiger Arbeitsabschnitt, in dem den Kindern auf spielerische Weise verschiedene Themen näher gebracht werden. Hierbei handelt es sich vor allem um Themen, die die Kinder in ihrem Alltag wiederfinden, wie z.B. Leben in der Familie, Drogen und Kinderrechte. Die Kinder werden hier nach um 20 Uhr von ihren Eltern abgeholt.
Diese tägliche Routine ist spirituell geprägt. Der katholische Glaube, der auch das Fundament von María Ayuda ist, spiegelt sich in Tischgebeten, Liedern und dem täglichen Abschluss in der hauseigenen Kapelle wider.
Neben den drei Erziehern, der Direktorin und einer Sekretärin arbeitet im Projekt auch ein Team, bestehend aus einer Psychologin und drei Sozialarbeitern, die den Familien individuelle Unterstützung zukommen lassen; eine Köchin verpflegt das Team und die Kinder.

Der Verein Contigo schickt jährlich zwei Freiwillige wie uns in dieses Projekt, um für ein Jahr dort das Programm zu unterstützen. Die Kinder sind im Alter von vier bis fünfzehn Jahren und in drei Altersgruppen aufgeteilt. Jeder von uns ist einer Gruppe zugeteilt und begleitet diese durch den Tag. In unseren Aufgabenbereich fällt die Unterstützung des jeweiligen Erziehers bei all seinen Tätigkeiten, sowie das Erledigen anfallender Einkäufe, Aufräum- oder technischer Arbeiten. Darüber hinaus bringen wir frische Motivation mit und ergreifen eigene Initiativen. So bieten wir beispielsweise musikalische und sportliche Aktivitäten an, aber auch zur Einführung in grundlegende Kenntnisse über die Benutzung von Computern und Internet tragen wir bei. Wir Voluntäre bilden daher einen festen Teil des Teams und werden von den Kindern auch als solcher angesehen und respektiert und – wie alle anderen Mitarbeiter – mit Tío (dt. Onkel) angesprochen.
Aber nicht nur das Projekt profitiert von den deutschen Freiwilligen, auch für uns ist das Jahr eine unvergleichliche Erfahrung und ein ständiger Lernprozess. Es ist eine beidseitige Bereicherung zwischen Acógeme und uns. So erhoffen wir uns für die verbleibenden Zeit, viele weitere schöne Momente hier in Santiago de Chile zu erleben.
Ich hoffe, euch hat der kleine Einblick in meine Arbeit heir gefallen. Wenn ich euer Interesse geweckt habe, könnt ihr euch zu den ernsten Themen Armut und die chilenische Mentalität meine beiden Rundmails herunterladen oder auch einfach in meinem Blog zu den weniger ernsten Themen lesen, in dem ich schreibe, wie mein Leben ausserhalb der Arbeit denn so verläuft. Bei Fragen stehe ich auch immer per Email zur Verfügung (siehe oben) und freue mich auf Rückmeldung. Sollten euch meine Rundmails gefallen, schreibt mir kurz eine Mail, dann setze ich euch in meinen Verteiler und ihr bekommt immer direkt die neuste Rundmail zugeschickt. Und nun viel Spass mit meinen Berichten vom anderen Ende der Welt.

Liebe Grüsse
Daniel Stoecker

Daniels Blog: daniel-chilefeld.blogspot.com



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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht:

leonieschroeder1@gmx.net schrieb am 06.09.11 um 20:52 Uhr:
Hallo Daniel,

Ich habe nach meinem Abi Ähnliches vor wie du und habe mir mal deinen Erfahrungsbericht durchgelesen. Der hat mich ziemlich angesprochen. Ich habe nur keine Ahnung, welche Organisation die Richtige ist und ob ich überhaupt das mit einer Organisation laufen lasse oder doch über Beziehungen. Ich war selbst schon des öfteren in Chile (bin gestern erst zurückgekommen ;)), wollte aber nach dm Abi ca. ein Jahr bleiben. Wo hast du dort gewohnt? Warst du in einer Gastfamilie oder hast du dir selbst ein Departamiento gesucht? Würde mich mal interessieren, wie das bei deiner Organisation lief.

Que estes muy bien, suerte y animo
Leonie

ganseskleineblume schrieb am 19.11.10 um 14:11 Uhr:
deinen bericht hab ich gelesen, weil ich selbst schoneinmal 3 monate in chile war und jetzt nochmal größer "rüber" will^^
vielen dank für den bericht, super geschrieben, dein projekt klingt sehr sehr interessant und macht mich totaaal neidisch:D
viel glück dir noch, muchissima suerte para el tiempo que todavia te queda en chile

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