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Erfahrungsbericht - Togo

Autor: Caroline Lohrmann
Projekt: Akoumapé - VAD
Träger: Kolping Jugendgemeinschaftsdienste



Workcamp - 2006


Unsere Projektgruppe ist für einen Monat nach Akoumapé in Togo gefahren, um an einem Unterrichtsprojekt teilzunehmen. Unser Projektpartner war die togolesische Organisation VAD (Volontaires en Action pour le Développement au Togo), eine Gruppe engagierter Togolesen, deren Ziel es ist, zusammen mit Freiwilligen aus aller Welt die Entwicklung ihres Landes durch verschiedene Aktivitäten zu unterstützen. Es war geplant, zusammen mit Freiwilligen aus Frankreich, Deutschland und Togo an der Grundschule, der weiterführenden Schule und in der Oberstufe in Akoumapé in Mathematik, Physik, Englisch, Französisch, Chemie und anderen Naturwissenschaften Unterricht zu geben. Normalerweise wird von staatlichen Lehrern unterrichtet. Im August, also zu unserer Reisezeit, sind Ferien. Allerdings kann wegen den großen Klassenstärken von bis zu 70 Schülern der Unterrichtsstoff meist nicht allen Kindern vermittelt werden. Unsere Aufgabe war es also, ein Ferienangebot in der Schule zu machen und den Stoff nochmals zu wiederholen und aufzuarbeiten.



Soweit das Projekt. Ich hatte mich angemeldet, seit Monaten gefreut und der Abreise entgegengefiebert, aber kurz vorher kamen doch noch so einige Zweifel auf. Hatte ich mir wirklich gut überlegt, ob ich wirklich einen Monat ohne jeglichen Luxus, also auch ohne fließend Wasser und Strom, leben will? Waren meine Sprachkenntnisse wirklich so gut, dass ich in Französisch unterrichten konnte? Was, wenn ich mich mit meiner Gruppe nicht verstehe? Oder wenn ich die Einzige bin, die mit der Sprache nicht zurechtkommt oder mit den Kindern?

Zum Nachdenken blieb jedoch nicht mehr viel Zeit, denn die Reisevorbereitungen beanspruchten mich ziemlich: Visa beantragen, impfen lassen, Moskitonetz besorgen, Fahrt zum Flughafen organisieren...und ehe ich mich versah, saß ich mit den anderen im Flugzeug Richtung Lomé, Togos Hauptstadt. Nach der Ankunft blieb zum langen Grübeln erst recht keine Zeit mehr, tausend neue Eindrücke strömten auf uns ein, uns empfing eine völlig andere Welt, fremde Menschen, fremde Gerüche, neue Geräusche, ein anderes Klima und manchmal ziemlich schockierende Bilder.

Gewöhnungsbedürftig fand ich zuerst besonders, dass man als Weiße so sehr auffällt und dass man von den Menschen ständig gemustert, angesprochen oder von neugierigen Kindern manchmal auch angefasst wird. Trotzdem waren die Menschen fast immer sehr freundlich, wir wurden überall herzlich empfangen, nett begrüßt und aufgenommen.





Da es, angekommen im Projektort Akoumapé, erst mal ein paar Wohn- und Unterbringungsprobleme gab, räumten wir einfach ein Klassenzimmer in der Schule leer und richteten uns dort ein. Über die afrikanischen „Duschen“ und Plumpsklos war ich zwar erst mal schockiert, aber dann fragte ich mich, was ich denn anderes erwartet hatte und merkte mit der Zeit, dass man sich irgendwann an alles gewöhnt und dass vieles gar nicht so schrecklich ist, wie man sich das zuerst denkt. Unser Projekt verlief gut, auch wenn wir mit Übersetzungsschwierigkeiten zu kämpfen hatten, denn die kleineren Kinder sprachen nur Éwé, ihre Muttersprache und kein Französisch. Zum Glück hatten wir ja aber die Togolesen, die dolmetschen konnten. Anfangs erforderte es eine ganze Portion Selbstbewusstsein, sich vor eine Klasse zu stellen und in Französisch beispielsweise englische Grammatik zu erklären, jedoch lernten wir alle schnell, dass uns kleine Sprachfehler nicht übel genommen wurden und dass die meisten Schüler es sehr schätzten, dass wir sie unterrichteten.

Unsere togolesischen Kollegen bemühten sich sehr um uns, uns wurden afrikanische Bars gezeigt, Trommeln und Tanzen auf togolesisch beigebracht und lernten unsere ersten Éwé-Vokabeln. Über Probleme, die es im Unterricht, beim Zusammenwohnen oder allgemein gab, wurde immer geredet und sich irgendwie geeinigt. Ich fand es sehr schön, dass wir zu einem Team zusammenwuchsen und dass sich immer gegenseitig geholfen wurde oder zumindest von allen versucht wurde zu helfen.



Was mich immer wieder motiviert hat, war der Lernwille unserer Schüler, die uns zum Beispiel darum baten, auch nachmittags noch zu unterrichten oder ihnen zusätzlich zu Englisch auch noch Spanisch beizubringen. Einige Schüler trafen sich sogar zu Nachhilfestunden, um den Stoff aus dem Unterricht noch mal durchzusprechen und untereinander Fragen zu klären. Es war schön zu wissen, dass unsere Arbeit so gut ankam. Mir gaben solche Erfolgserlebnisse immer das Gefühl, dass es richtig gewesen war, herzukommen.

Auch wenn ich mich zunächst sehr umgewöhnen musste und obwohl wir auch viele schreckliche Dinge wie Armut und Krankheit gesehen haben, würde ich immer wieder hinfahren. Zu schön sind die Erinnerungen an afrikanische Trommeltänze, gemeinsames Yams-Essen, an ein kleines Mädchen, das mich an die Hand nahm, weil ich ein togolesisches Klatsch- und Tanzspiel mitspielen soll oder die Eltern der Schulkinder, die sich für unser Engagement bedanken und sich freuen, dass wir da sind.


Mir wird die afrikanische Fröhlichkeit für immer im Gedächtnis bleiben, denn ich habe noch nie Menschen erlebt, die trotz ihrer oft aussichtslosen Situation so ausgelassen feiern, singen, tanzen und sich freuen können. Es war toll, so etwas einmal miterleben zu können und so herzlich in die Gemeinschaft der Menschen aufgenommen zu werden. Mich persönlich hat diese Erfahrung menschlich sehr weitergebracht. Ich denke schon, dass man Deutschland mit anderen Augen sieht, nachdem man in Afrika war. Wir haben Bildung, Luxus, Nahrung im Überfluss, medizinische Versorgung, ein Rechtssystem und die Möglichkeit, die ganze Welt zu bereisen. Wir gehören zu den privilegiertesten Menschen der Welt. Vielleicht wird man sich darüber wirklich erst klar, wenn man Europa verlässt und Menschen begegnet, die sich das am sehnlichsten wünschen, was wir jeden Tag wie selbstverständlich für uns in Anspruch nehmen.

Mehr Infos zu Carolines Projekt findet ihr unterhttp://shavethewhales.net oder hier

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