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Erfahrungsbericht - Grossbritanien

Autor: Georg Bavastro
Projekt: Camphill
Träger: Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners e.V. 

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So, nun bin ich wieder zurück, von dem Jahr, das ich früher als so lang in der Erwartung sah. Schlussendlich ist es fast wie im Flug vergangen.
Nachdem ich also die ganze Bürokratie erledigt hatte, mich bei den Freunden der Erziehungskunst und natürlich auch bei Glencraig erfolgreich beworben hatte, bin ich am 6. August 2003 dort angetreten, mit jeder Menge Gepäck, was schlussendlich nicht alles von Nöten war. Ich kam noch in der Ferienzeit, hatte also noch ein wenig Zeit um mich mit dem Haus, einigen der Mitarbeitern und dem absolut neuen Land vertraut zu machen. Da ich vorher noch nie in Großbritannien war, erwartete ich eine starke Umstellung, die jedoch soweit gemildert wurde, als ich in einem Camphill war, das anscheinend niemals so ein Leben bietet, welches man bekommen könnte, wenn man außerhalb von Camphill in dem Land direkt lebt, denn Camphills bieten immer etwas ähnliches an, sie sind alle in gewisser Weise deutsch.
Nach einer Woche kamen dann die Kinder wieder aus dem Sommerurlaub zurück.
Erklärenderweise möchte ich einfügen, dass Glencraig sowohl mit erwachsenen Behinderten als auch mit behinderten Kindern arbeitet
(living and working with people with special needs – Das ist eins der Camphill Ideale). Da ich keinen speziellen Wunsch angegeben hatte, wurde ich in ein Kinderhaus – Craigowen – gesteckt. Dort lebten in diesem Jahr fünf Jugendliche von 15 bis 18 Jahren, die von ebenso vielen Mitarbeitern gepflegt wurden. So kam es, dass mir Conall und Sean, zwei 17-jährige Jungen, anvertraut wurden.

Mein Tagesablauf war eigentlich durch das ganze Jahr hindurch recht gleich bleibend: Morgens werden die Jugendlichen aufgeweckt, angezogen und gerichtet. Dies kann von Kind zu Kind in dem Ausmass der benötigten Hilfe und der benötigten Zeit variieren, meine Zöglinge waren beide sehr selbstständig, weshalb wir nicht so viel Zeit benötigten. Nun wurde das Frühstück vorbereitet, wobei mir Conall eine große Hilfe war, während Sean die Milch von der Farm abholte. Während allen Mahlzeiten gab es einen Plan, wer mit wem sitzen sollte und beim Füttern helfen sollte, wenn es denn nötig war. In unserem Haus hatten wir einige sehr aktive Kids, was dreimaltäglich nach den Mahlzeiten eine gründliche Reinigung des Essplatzes erforderte, die von mir nach dem Mittagessen übernommen wurde. Doch nun zurück zum Tagesablauf: Nach dem Frühstück wurde der Abwasch gemacht, Zähne geputzt und dann werde die Kinder zur Schule geschickt/ gebracht. Die Co- worker waren Tagsüber alle in workshops oder, wenn sie in einem Kinderhaus lebten, in der Schule, wo sie als Klassenhelfer arbeiteten. Nachdem ich also meine Kids zum Training College gesendet hatte, ging ich in die sechste Klasse, wo ich mit zwei bis drei weiteren Helfern auf acht Kinder aufpasste, die von dem Lehrer, Tim, unterrichtet, bzw. manchmal auch nur beschäftigt wurden. Der Unterricht ist nicht als normaler Unterricht zu verstehen, wie man ihn aus der Schule kennt, da manche der Kinder so schwere Behinderungen haben, dass Unterricht als solcher gar nicht stattfinden kann, bzw. ich als class- helper nur damit beschäftig war die Kinder auf ihren Stühlen zu halten, damit zumindest die, die fähig sind zuzuhören und zu lernen, dies mehr oder weniger tun können. Die Schule geht von 09.00 bis 12.30 und von 14.30 bis 16.00 Uhr.
Nach der Schule werden die Kinder an die entsprechende co- worker übergeben und dann die eigenen Kinder abgeholt, die bis dahin mit wiederum anderen co- workern beschäftigt waren. Das Mittagessen wurde unter der Woche für uns gekocht und die Mahlzeit als solche war sehr ähnlich wie das Frühstück, besonders was die Jobverteilung angeht. Nach dem Mittagsessen (lunch always at one o clock) wurden wieder die normalen Jobs gemacht und dann gab es, zumindest für die Kinder, eine stunde Mittagspause, meistens mussten wir, co- worker, noch irgendwelche Dinge erledigen, oder waren anderweitig beschäftigt. Am Nachmittag ging’s wieder in die Schule bis um vier. Danach hatten wir meistes Zeit zum selbst gestalten, dass heißt, wir sind spazieren gegangen, haben gespielt oder andere kreative Sachen gemacht. Das Abendessen war die einzige Mahlzeit ohne die Hauseltern, was deshalb, zumindest von mir, als eine der besten Mahlzeiten angesehen wurde, da es meistens sehr lustig war. Nach weitern Abendspaziergängen wurden die Kinder gegen 9 ins Bett gebracht. Nachdem alle möglichen Protokolle geschrieben waren und einige Säuberungen gemacht waren war es dann meistens 10 pm bis ich den sogenannten Feierabend hatte.
Durch die enorme Anzahl von Zivis dort, gab es eigentlich jeden Abend eine ordentliche Party, oder nur Musik, Billard, Dart, Video, etc. im Mitarbeiteiterraum. Manchmal sind wir auch ausgegangen.
Zurück zu dem normalen Tagesablauf: Mein freier Tag war der Dienstag, ansonsten wurde immer gearbeitet. Als Klassen Assistenz hatte ich morgens eine Stunde frei. Eineinhalb Tage in der Woche sind nur dem Putzen gewidmet. Und ein bis zweimal die Woche hatte ich „hauskeeping“, was bedeutet, das man nicht ausgehen kann und für die Nacht für das Haus und die Kinder verantwortlich ist, auch wenn man schlafen gehen kann, ist man immer in der Verantwortung.

Die Kinder hatten Sommerferien, Herbstferien, Winterferien, Halfterm Hollidays, Osterferien und dann war das Jahr auch schon zuende. Die Eltern, von Conall und Sean zumindest, kamen ungefähr jedes zweite Wochenende um ihre Kinder zu besuchen. So wurde ein sehr freundlicher Kontakt zwischen den meisten Co- workern und den Eltern hergestellt.

Alles zusammen kann ich nur auf ein sehr schönes, erfolgreiches und – ganz besonders wichtig – sehr erfahrungsreiches Jahr zurückblicken. Es war eine Zeit, die mir nicht nur gezeigt hat, wer ich bin, sondern auch was für eine Rolle ich in der Welt haben könnte. Dieses Jahr hat mich vor so viele anscheinend unlösbare Aufgaben gestellt, dass ich jedes Mal, wenn ich sie erfolgreich überwunden hatte, so viel wieder dazu gelernt hatte, dass ich mich manchmal abends ins Bett legen konnte, mit dem Gefühle heute etwas Gutes getan zu haben. Gerade durch die Arbeit mit Behinderten Menschen, „people with special needs“ auf englisch, kann man sehr viel über einen selbst lernen.


Hätte ich die gleiche Entscheidung noch mal zu machen, soll ich den Zivi im Ausland, in einem Camphill machen, kann ich nur sagen, ja, sofort wieder!!!
Hiermit möchte ich auch noch meinen herzlichen Dank an die Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners aussprechen, denn nur durch diese Organisation ist mir dieser geniale Auslandsaufenthalt gelungen und überhaupt erst mögliche gemacht worden.

Danke.

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht:

Holgar schrieb am 04.04.16 um 23:53 Uhr:
Sehr interresant

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