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Erfahrungsbericht - USA

Autor: Felix Roloff
Projekt: Franciscan Outreach Association
Träger: Verein für soziale Dienste international



Am 29.06.06 ging es für mich los nach Chicago um meinen Anderen Dienst im Ausland bei der Franciscan Outreach Association abzuleisten. Mit einem etwas mulmigen Gefühl saß ich im Flugzeug, denn ich hatte keine genaue Ahnung was mich erwartet. Das einzige was ich wusste war, dass ich in einer Suppenküche, in der Obdachlose einmal am Tag essen können, arbeiten sollte. Darunter habe ich mich „normale Küchenarbeit“ vorgestellt. Ich wurde schnell eines besseren belehrt.

Am Flughafen hat mich Danielle Simonetti, die bei der FOA als „Volunteer Coordinator“ arbeitet, abgeholt. Sie teilte mir auch mit, dass ich nicht in der Suppenküche sondern im Shelter (Obdachlosenheim) arbeiten werde und da in den ersten paar Wochen auch wohne werde. Sie hat mich dann auch direkt dahingefahren und mehr oder weniger abgesetzt. Da der Shelter in einem ehr armen Viertel liegt war ich natürlich erstmal ein wenig geschockt. Ich konnte mir ein Zimmer aussuchen und da alle verfügbaren Zimmer mit alten Möbeln und Schrott vollgestellt waren haben zwei Mitarbeiter des Crew-Staffs (Obdachlose die im Shelter arbeiten) ein Zimmer für mich leer geräumt. Danielle hat sich danach auch sehr zügig verabschiedet. Da ich der erste Volunteer der neuen Generation war und die Shelter-Volunteers gerade im Urlaub waren, war ich erstmal ziemlich auf mich allein gestellt. So habe ich meine Erkundungstour durch den Shelter gestartet und einige Leute kennen gelernt (Case Manger, Crew Staff, Obdachlose...), die mich auch alle sehr herzlich begrüßt haben, aber da kein Freiwilliger da war, konnte mir auch keiner genauer sagen was mich erwartet.

Nach einigen weiteren Stunden kam dann der nächste Freiwillige aus Deutschland, Torsten, und ich hatte Gesellschaft im Shelter. Am gleichen Tag habe ich dann auch noch Fr. Larry kennen gelernt, der der Boss (offiziell: executive Director) ist.

Am nächsten Tag haben Torsten und ich angefangen zu arbeiten. Da die Freiwilligen im Urlaub waren wurden wir von Aushilfskräften angelernt, was mehr oder weniger gut gelaufen ist. Mein „Lehrer“ war ca. 60 Jahre alt und hatte seine letzte Schicht im Shelter vor ca. 15 Jahren gearbeitet.

Nach einer Woche kamen dann die beiden „alten“ Freiwilligen Janis und Philip wieder und haben uns erstmal alles richtig gezeigt und mit denen haben wir dann auch zusammen gearbeitet und die hatten auch eine Ahnung von den Sachen die zu tun sind. Sie haben uns auch in der Stadt rumgeführt und so konnten wir nach 1 Woche das erst mal den Shelter verlassen. Doch das war auch schnell wieder vorbei, denn die Beiden sind zurück nach Deutschland geflogen und damit waren Torsten und ich die einzigen Volunteers im Shelter und mussten somit sehr viel arbeiten.
Jetzt möchte ich mal ein bisschen die Arbeit beschreiben: Die Arbeit beginnt am Nachmittag mit der Office-Shift, zu der es gehört um 15:30, 17:30 und 19:15 die jenigen Obdachlosen die im Shelter übernachten wollen auf eine Liste einzutragen. Des Weiteren muss man den Schlafsaal und den Waschraum herrichten, denn die Obdachlosen können auch duschen, was bei manchen auch bitter nötig ist. Am Abend öffnet der Shelter dann für den richtigen Betrieb. Um 8 Uhr werden die 35 weiblichen Gäste in den abgetrennten Schlafsaal gelassen, mit denen wir aber weniger zu tun hatten, da es immer einen weiblichen Volunteer gibt, der sich um die Damen kümmert. Da es nur 35 sind ist hier das „Namen-Nehmen“ nicht notwendig, denn jede Frau hat ihr Bett für die nächste Nacht garantiert. Wenn jemand nicht auftaucht, wird das Bett an wartende Frauen vergeben.

Um 20:30 öffnen sich dann die Pforten für die Männer. Als erstes werden ca. 80 „regulars“ rein gelassen. Hierbei handelt es sich um Gäste die schon seit längerem im Shelter schlafen und sich durch gutes Verhalten einen Sonderstatus verdient haben. Sie müssen sich nicht mehr auf der Liste eintragen, sondern haben ein garantiertes Bett und dazu einen Spinnt in dem sie Kleidung und Ähnliches aufbewahren können. Danach werden die ca. 130 Männer rein gelassen die sich während des Tages auf der Liste eingetragen haben. Sie werden immer in Zehnergruppen aufgerufen, können dann in der Küche etwas essen und müssen sich dann an einem Schreibtisch im Schlafsaal anstellen und bekommen von einem anderen Volunteer eine Bettnummer zugewiesen. Dort können sie auch eine Zahnbürste und einen Rasierer bekommen und einmal pro Woche nach zwei Kleidungsstücken fragen. Der Freiwillige der draußen steht und die Namen aufruft wird vom „Night-Supervisor“ unterstützt. Das ist ein Angestellter der FOA, der im Notfall immer erreichbar ist und einfach aufpasst, dass nichts passiert, bzw. in brenzlichen Situationen einschreitet. Eine Wichtige Aufgabe der Leute draußen ist es Gäste die unter Alkohol- oder Drogeneinfluss sind zu erkennen und ihnen den Eintritt zu verweigern, denn das sind potentielle Störenfriede. (Was nicht heißt, dass nüchterne Leute keinen Stress machen können)

Wenn dann alle Gäste im Shelter sind, beginnt die eigentliche Arbeit eines Volunteers. Die Nacht ist in zwei Schichten eingeteilt: Die Longshift (21:30 bis 3:00) und die Morningshift (3:00 bis 6:30). In der Longshift muss man Gäste hereinlassen die einen Late-Call haben, das heißt sie haben eine Arbeit und haben deshalb die Ausnahmegenehmigung später zu kommen. Man muss die Kleidung verteilen, nach der gefragt worden ist, Leute wecken und einfach bei allen Problemen ein offenes Ohr für die Gäste haben und versuchen ihnen zu helfen.
In der Morning-Shift muss man ebenfalls Gäste wecken, und hauptsächlich dafür sorgen, dass alle Gäste um 6:30 wieder aus dem Shelter raus sind.

Eine weitere wichtige Aufgabe ist es eine gefährliche Situation richtig einzuschätzen und entweder selber deeskalierend zu handeln oder den Supervisor/die Polizei zur Hilfe zu rufen. Diese Situationen allgemein zu beschreiben ist sehr schwer, denn man kann nie sagen was alles passieren kann. Als Beispiel zwei Situationen die man in dem einen Jahr öfters erlebt sind Gäste die im Badezimmer Drogen genommen haben und dann ohnmächtig auf dem Boden liegen und Schlägereien oder andere gewalttätige Übergriffe zwischen zwei oder mehreren Gästen.

Die Sicherheit der Freiwilligen ist dabei aber nur selten in Gefahr, denn man freundet sich schnell mit vielen der Gäste an und die wissen, dass ohne die Volunteers es den Shelter nicht mehr gäbe und somit immer ein Auge auf uns haben und auch ohne zu zögern eingreifen um uns zu beschützen. Besonders kann man sich da auf den Crew-Staff verlassen.

Zum Arbeitsalltag eines Volunteers gehört weiterhin das erledigen von „runs“, d.h. Spenden abzuholen und manchmal ist man da einige Stunden unterwegs, denn viele Sachen kommen aus den Suburbs. Da man meistens zu zweit fährt ist das aber eine eher witzige Arbeit.

Allgemein kann ich sagen, dass mir die Arbeit sehr viel Spaß gemacht hat und ich sehr froh bin, dass ich im Shelter und nicht in der Küche gearbeitet habe, denn so hatte ich wesentlich mehr Kontakt zu den Obdachlosen was für mich einfach eine Erfahrung war, die ich nicht missen möchte. Ich hab mich mit sehr vielen der Gäste angefreundet und wenn die erstmal einem neuen Freiwilligen gegenüber Vertrauen aufgebaut haben erzählen die einem auch eine Menge über sich selber und das ist einfach unglaublich interessant.
Nach einem etwas unangenehmen Start was es für mich ein unglaubliches Jahr und eine Erfahrung die einem kein Zivildienst in Deutschland geben kann. Ich bereu nicht eine Minute von der Zeit in Chicago.

Vielen Dank an meine Mit-Volunteers, die Organisation in Deutschland und manchen Leuten der FOA , die es mir ermöglicht haben so ein tolles Jahr zu haben.

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