Das FSJ und ADiA Informationsportal

Menu:


Login:

Name

Passwort
Registrieren

Workcamps:

- im Kinderheim
- mit Behinderten




Forum:

Freiwill...
Ecuador...
Auslands...
Freiwill...
ORGANISA...

Erfahrungsbericht - USA

Autor: Bastian Schmid
Projekt: Franciscan Outreach Association
Träger: Verein für soziale Dienste international



„First time in america? – Yes Sir – Then welcome to the United States of America, have a seat” begrüßt mich der Officer der Homeland Security, und begleitet mich in einen Neben-raum mit Holzbänken.
Nach einer Viertel Stunde Wartezeit kommt der Officer wieder aus seinem Büro und gibt mir meinen Reisepass zurück, in dem sich mein Visum befindet, was aufgrund fehlender Informa-tionen (Rückflug, finanzieller Nachweis) mir nur auf 6 Monate ausgestellt wurde.
Als ich aus dem Terminal rauslaufe, steht David mit einem Schild auf der anderen Seite des Zauns und begrüßt mich freundlich.
Die Fahrt vom Flughafen bis in die Le Moyne Straße war für mich etwas besonderes, da es mein erstes mal in den USA war und ich somit sehr über alles staunen konnte, vom großen Geländewagen bis zum Wolkenkratzer.

Die Arbeit in der Suppenküche begann morgens um 10:30 Uhr, wo sich alle Küchenarbeiter fürs sogenannte Food-Prep eingefunden haben, was soviel heißt wie das Essen für das abend-liche Dinner vorzubereiten und aufzuwärmen.
Tagsüber startet dann der Shower-Service (Dusch Service), bei dem den Obdachlosen die Chance gegeben wird sich zu duschen, und Socken, Unterwäsche sowie ein T-Shirt abzuho-len.
Neben dem Shower-Service gibt es noch den Laundry-Service (Wäsche Service), bei dem die Gäste ihre benutzte Wäsche in einer Plastiktüte vorbei bringen können, die dann von den Vo-lunteers (Zivildienstleistender) gewaschen wird.

Neben diesen Beschäftigungen ist ein Volunteer dafür zuständig Runs zu machen, d. h. Spen-den abzuholen. Meistens sind diese Spenden von Großkonzernen (Pizza Hut, Whole Foods, Kentucky Fried Chicken, McDOnalds) die keine weitere Verwendung für das Essen haben und es dann dem Marquard Center spenden.
Ebenso gehört es zu den Tätigkeiten die sanitären Einrichtungen zu putzen und sauber zu hal-ten.

Um 17:30 werden dann die Türen für das all abendliche Dinner geöffnet, an dem wir pro Abend durchschnittlich 150 Menschen mit Essen versorgen, und das 365 Tage im Jahr. Ser-viert wird auf roten Plastiktabletts auf dem sich ein Hauptgericht, eine Nebenspeise, eine Frucht und etwas Süßes befindet. Essen wird dann für eine Stunde serviert, und um 18:30, nachdem alle Gäste den 36 Personen fassenden Raum verlassen haben, machen sich die Vo-lunteers sowie die jeden Abend aushelfenden High-Schools und Kirchengruppen daran den Essensaal, die Eingangshalle und die Küche auf Vordermann zu bringen, um alles für den nächsten Tag vorzubereiten.

Nach 6 Monaten arbeiten in der Suppenküche wurde eine Stelle im Shel-ter(Übernachtungsheim) frei, die mir dann zugewiesen wurde, weil ich beide Einrichtungen kennen lernen wollte.

Der Arbeitstag im Shelter an der Westside Chicagos beginnt mittags um drei Uhr, die soge-nannte Office –Shift, bei der der Volunteer dafür verantwortlich ist, alle Papiere und Daten für den Abend vorzubereiten, nach zusehen ob genügend Zahnbürsten, Seifen und sonstige Pfegeutensilien vorhanden sind und ankommende Kleiderspenden einzusortieren.
Um 17:30 wird es dann draußen etwas lauter, da ungefähr 40 Männer in einer Schlange drau-ßen auf mich warten, um ihren Namen auf die Liste zu setzen, welche ich mit mir führe.
Nach den zwei Name-Takings um 17:30 Uhr und um 19:15, bei denen ich jeweils 15 Minuten Namen auf eine Liste schreibe, beginnt der spannende Teil der Arbeit: das Opening.
Um 20 Uhr wird die Türe für die Frauen geöffnet, denen wir 37 Schlafplätze anbieten können.
Nach einem reibungslosen Opening bei den Frauen, gehen alle Volunteers, Crew Staff (fest-angestellte Helfer) und der Supervisor (Aufpasser) in die Küche um zu beten, bevor die Pfor-ten für die Männer um 20:30 geöffnet werden.
Das Männer-Opening ist im Durchschnitt sehr hektisch, da hier die Betten nach dem Motto „First come first serve“ vergeben werden, und wir 133 Betten zur Verfügung haben.
Nun stelle ich mich mit meiner Namensliste nach draußen und rufe die Gäste in 10er Gruppen auf, um dann einen nach dem anderen in den Shelter zur lassen.
Zur Sicherheit der Gäste und der Volunteers, observiert der Supervisor das Verhalten der Gä-ste beim Opening. Fällt ein Gast auf, z.B. durch Alkoholgenuß wird ihm der Eintritt in den Shelter in dieser Nacht nicht gestattet.
Nachdem wir alle Leute im Shelter haben, wird die Fronttüre geschlossen und ich gehe in den Dorm, in dem sich die Gäste in einer Schlange vor dem Schreibtisch aufstellen, an denen ein zweiter Volunteer sitzt und die Betten zuteilt.

Die Arbeit im Shelter war für mich einschneidender, da mehr direkter Kontakt zu den Gästen besteht, und ich viel über das harte Leben dieser Menschen erfahren habe.
Auch nach einer langen Nacht im Shelter, wird man morgens bei der Heimfahrt um 6:30 mit dem Anblick auf die Skyline und die aufgehende Sonne entschädigt.

Aber auch das Leben in der Communtiy verändert einen. Ein zusammen gewürfelter Haufen aus 8 Deutschen, 4 Amerikanern und einem Südkoreaner, erfordert viel Rücksichtnahme und Respekt jedem einzelnen gegenüber, die ein harmonisches zusammen leben möglich machen, was uns sehr gut gelungen ist.

Abschließend kann ich sagen dass mich das Jahr sehr verändert hat, womit ich meine dass ich damit meinen Horizont erweitern konnte, Sachen erlebt habe die in Deutschland unvorstellbar sind, und kleinere Dinge mehr zu schätzen gelernt habe. Ich werde Chicago mein zweites Zu-hause nennen, da so viele Erinnerungen und Erlebnisse an dieser Stadt hängen.




Bastian Schmid

Ein Kommentar zu diesem Bericht schreiben

Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht:

Markus Roos schrieb am 15.09.12 um 23:35 Uhr:
Wie konntest du doch ein Jahr in den USA bleiben, wenn du zunächst nur ein Visum für ein halbes Jahr bekommen hast.

Musstest du in dem ersten halben Jahr also Täglich von 10:30 bis wahrscheinlich 20 Uhr arbeiten??

Wie wurde der Aufenthalt finanziert?

Einen Kommentar zu diesem Bericht schreiben