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Erfahrungsbericht - Brasilien

Autor: Malgorzata Koscholke
Projekt: Strassenkinderprojekt - Comunidade dos Pequenos Profetas
Träger: EIRENE International 

Du hast fragen? Schreibe Malgorzata Koscholke eine Email!




Hier kannst du weitere Rundbriefe von Malgo laden:

2. Rundbrief - März 2008 -> Download
3. Rundbrief - April 2008 -> Download
4. Rundbrief - April 2008 -> Download



1.Rundbrief - März 2007


Liebe Unterstuetzer, liebe Freunde, liebe Interssierte!

Schon sechs Monate lebe ich nun in Brasilien. Vor ueber einem Jahr habe ich mich fuer einen Freiwilligendienst entschieden. Bewerbungen, Gespraeche, Kennenlern-wochenenden und interessante, informationsreiche und lustige zwei Wochen Vorbereitungsseminar haben mich nach Recife, der Hauptstadt des brasilianischen Bundesstaates Pernambuco verschlagen, wo ich insgesamt 18 Monate lang im Strassenkinderprojekt Comunidade dos Pequenos Profetas (CPP), ins deutsche uebersetzt die “Gemeinschaft der kleinen Propheten” aktiv sein werde. Ein grosses Dankeschoen moechte ich an alle die Menschen richten, diemir dieses ermoeglicht haben, sei es organisatorisch (EIRENE¹, Pater Beda Aktionskreis e.V²), finanziell ( alle meine lieben Unterstuetzer) oder auch emotional (liebe Freunde, die hinter mir stehen). Ohne euren Einsatz und euer Interesse, welches nicht selbstverstaendlich ist, wuerden mir die wertvollen Erfahrungen und der Einblick in eine andere Welt verschlossen bleiben. Um euch zu zeigen, dass sich eure Muehe gelohnt hat und um alles aus dieser gewonnenen Zeit zu holen, werde ich mein Bestes fuer die Arbeit hier vor Ort geben.
Im folgenden beschreibe ich das Projekt Comunidade dos Pequenos Profetas, meinen Einsatz und meine Erfahrungen in Brasilien, zum Uberblick in Kapitel unterteilt. Bei Fragen und Anregungen scheut euch nicht mir zu schreiben, ich antworte schnellst moeglich.

Herzlichst
Malgorzata Koscholke

Comunidade dos Pequenos Profetas – Die Gemienschaft der Kleinen Propheten


Vor ueber 20 Jahren ist die heute bestehende NRO ins Leben gerufen worden. Das intensive Zusammenleben mit den Strassenkindern und den sich prostituierenden Minderjaehrigen in Recife war Ausgangsbasis fuer die damals mit der Kirche sehr eng zusammenarbeitenden Jugendlichen, die sich den Kindern der Strasse widmeten und die Comunidade dos Pequenos Profetas (CPP) gruendeten. Der Name Comunidade dos Pequenos Profetas – die Gemeinschaft der kleinen Propheten bezieht sich auf die biblische Rolle der Propheten, die die Verpflichtung sahen, die Menschen auf die Probleme der Gesellschaft aufmerksam zu machen. Die traurige Tatsache, dass es heute Kinder und Jugendliche gibt, die gezwungen sind auf der Strasse zu leben, ist die zu behebende Problematik unserer heutigen Welt, auf die unsere Betreuten durch ihr Leben aufmerksam machen. Fuer buerokratische Angelegenheiten ist der Name Projekt Clarion entwickelt worden, da dieser sich von seiner urspruenglich kirchlichen Zusammenarbeit entzieht und nicht zu Irrewirrungen fuehrt, weil das Projekt unabhaengig von Religion und Kirche existiert
Die CPP bietet Basisfuersorge und medizinische Grundversorgung. Drei Mahlzeiten am Tag, Hygieneangebot, wie Duschen und die Moeglichkeit die getragene Kleidung zu waschen sind taegliche Selbstverstaendlichkeiten. Kleinere Wunden werden direkt vor Ort behandelt und aerztliche Versorgung wird organisiert, darunter faellt die Begleitung zum Arzt oder die Hilfe bei der Vermittlung an die jeweilige zustaendige Abteilung.
Die CPP bietet Basisfuersorge und medizinische Grundversorgung. Drei Mahlzeiten am Tag, Hygieneangebot, wie Duschen und die Moeglichkeit die getragene Kleidung zu waschen sind taegliche Selbstverstaendlichkeiten. Kleinere Wunden werden direkt vor Ort behandelt und aerztliche Versorgung wird organisiert, darunter faellt die Begleitung zum Arzt oder die Hilfe bei der Vermittlung an die jeweilige zustaendige Abteilung.
(Re-) Sozialisierung und Organisation werden durch die Arbeit der Sozialarbeiter, die Struktur des Hauses und die angebotenen Aktivitaeten den Betreuten gelehrt. Das Unterrichten in Buergerrechten, Oeffentlichmachung von Verletzungen der Rechte der Kinder und Jugendlichen und Vortraege von externen Personen bereitet sie auf ein Leben mit allen ihren Pflichten und Rechten als Staatsbuerger vor und hofft auf der Seite der Kinder auf das Entstehen eines Bewusstseins als vollwaertiger Buerger. Die Beschaffung von Dokumenten, die Registrierung von Betreuten, die laut Papier nicht existieren, die Vermittlung an weiter staatliche Kurse und Ausbildungen fallen unter diese Arbeit Das Aktivitaetsangebot und der Tagesablauf bilden mit allen ihren Regeln eine Grundlage zum Erlernen von Strukturen und Normen..
Desweiteren wird psychologische Hilfe angebotenm, um das Erlebte zu Wort zu geben, zu besprechen, zu bearbeiten und daraufhin zu verarbeiten. In diesem Zusammenhang spielen die Aktivitaeten eine tragende Rolle, wie die Gespraeche mit unteranderem Sozialarbeitern oder auch nicht Fachmaennern, wie Betreuern ueber die Themen, die den Alltag der Kinder und Jugendlichen praegen: Familie, Drogen, Prostitution, Ungerechtigkeit, Gewalt.
Das Projekt ist in staendigem Kontakt mit dem Geschehen auf der Strasse. Die Strasse ist der Ort in dem die Kinder leben, so ist der Bezug notwendig, zur Sicherstellung eines fuer die Betreuten geeigneten und ihre beduerfnisse betreffenden Angebots.
Im Projekthaus, im Stadtzentrum São José, in dem viele Strassenkinder leben, werde die Kinder und Jugendlichen betreut. Daneben besitzt das Projekt ein Buerogebaeude und einen 40 km von Recife entfernten Bauernhof, auf dem sporadisch Aktivitaeten stattfinden.

Obirin´lonan


Obirin´lonan ist ein in der CPP unabhaengig von dem normalen Tagesgeschehen ablaufendes Programm Der Unterschied zu dem restlichen Projekt liegt darin, dass dieses nur fuer Maedchen, fuer vier Mal 15 Maedchen, somit 60 pro Semester ( fuenf Monate) durchgefuehrt wird. Diese Maedchen gehen zur Schule und Leben zu Hause mit ihren Familien. Dieses sind zwar mehr oder weniger organisierte Lebensverhaeltnisse, doch in einem Umfeld, in dem Gewalt, insbesondere Gewalt gegen die Frau, Kriminalitaet und Drogen und somit der Kontakt zu den Verfuehrungen der Strasse an der Tagesordnung ist. Eine Psychologin, Sozialarbeiterinnen, eine Beraterin und 6 Psychologiestudentinnen fuehren dieses Programm, welches auf die Verhaeltnisse dieser Maedchen zugeschnitten ist. Zwei mal drei Stunden die Woche werden fuer die Maedchen folgende Kurse angeboten:
Fala de menina, Rede der Maedchen, ein Kurs in dem diese sich auf kuenstlerische Weise, z.B. mit Hilfe von Theaterstuecken in Bezug auf ihre alltaeglichen Probleme aeussern lernen und durch Gespraeche und Unterricht Themen, wie HIV/Aids, Geschlechtskrankheiten, Gewalt gegenueber der Frau, Staatsbuergerschaft und Kultur behandeln.
Der kurs Reinventando o brega, Neuerfindung von Brega befasst sich mit dem populaeren Musikstil Brega und seinen Frauenverachtenden Aussagen, welche die Maedchen analysieren, neuschreiben und vorstellen.
Der dritte Kurs ist Kunst, in dem die Maedchen neue kuentlerische techniken erlernen und das besprochene in fala de menina in kunst umsetzen.
Speziell fuer die Maedchen, die auf der Strasse leben und an dem Kurs teilnehmen wurde ein separater Bereich, der sich mit ihren speziellen Problemen befasst ins Leben gerufen.



Die CPP- ein Tagesablauf


Um acht Uhr morgens oeffnet das Projekthaus der Comunidade dos Pequenos Profetas die Tueren und heisst alle Kinder und Jugendlichen im Alter von 7 -21 Jahren willkommen. Zwischen 40 und 50 Betreute gehen bei uns taeglich ein und aus und das Durchschnittsalter liegt bei 16 Jahren. Es wird anhand von den Dokumenten ueberprueft, da es nicht selten vorkommt, dass wegen der Altersbegrenzung um einige Jahre geschwindelt wird. Wenn diejenigen keine personellen Papiere aufweisen koennen, werden sie hineingelassen und ihnen wird beim beschaffen von Unterlagen geholfen. In der Regel kommen die Betreuten regelmaessig, was soviel bedeutet wie mindesten drei mal die Woche in die CPP und sind somit den Betreuern bekannt. Die meisten Kinder und Jugendlichen komme lediglich mit dem was sie am Leibe tragen, eine flickbeduerftige Hose und ein altes T-Shirt. Einige bringen einen Rucksack oder eine Einkaufstuete mit einigen weiteren Klamoten, vielleicht einer Zahnbuerste und einigen fuer sie von Wert erscheinenden Dingen mit, die wir auf potenzielle Waffen oder Drogen untersuchen, mir denen der Eintritt verboten ist. Klebstoff hineinzuschmugeln wird des oeffteren versuchen, aber ansonsten ist das Durchsuchen nur Vorsichtsmassnahme. Einlass ist von 8 Uhr bis 9:30 Uhr, wer zuspaet kommt, Flexibiliatet ist hierbei gefragt, Ausnahmen bestaetigen die Regeln, welche besagt dass 9:30 Einlassschluss ist, bleibt draussen. Um 9 Uhr ist Fruehstueck. Die Zeit dazwischen wird fuer Duschen, Kicker und Billiard (waeren die beiden momentan nicht wieder kaput) Scherzerein, Gespraeche oder als Ruhepause genutzt. 75% der Strassenkinder die unsere Einrichtung besuchen sind maennlich, und da kann aus Spass gelegentlich mal Ernst werden, wenn man grad dabei ist seine Kraeft mit einem andern zu messen, in der Regel legt sich das auch ohne das Eingreifen Dritter, wie gesagt, in der Regel. Meist reizt man durch Intervention nur noch mehr, so hab ich mir von den Betreuern abgeguckt und mir zu eigen gemacht erstmal genau zu beobachten und fahre damit ganz gut. Um 9.00 wird in den Esssaal gerufe, zu Anfang immer ein riesen Durcheinander. Eine der vier Tischreihe ist fuer die Maedchen die anderen fuer die Jungs gedacht, es wird getrennt gespeisst. Das rege Durcheinander von Gespraechen und das Herumgetobe beruhigt sich selten ohne Mitwirken von Betreuern und im Idealfall, welcher bei guter Betreuerfuehrung auch wirklich eintritt, wird aus der Mengen von herumtobenden Kindern und aus der Gruppe von, aufgrund von Drogeneinfluss oder Schlafmangel sich auf den Tischen ausruhenden, meinst schon wegnickenden Kids, eine aufmerksame Gruppe von Heranwachsenden. So daraufhin koennen die kleinen Arbeiten wie, Teller waschen, Badezimmer putzen an die Betreuten Jugendlichen, Kinder sind ausgeschlossen, verteilt. Es wird kurz gebetet und nach der Reihe zur Essensausgabe gebeten. Vor der darauffolgenden Teilnahme an den Aktivitaeten werden die verteilten Aufgaben erledigt und so dann geht es vormittags zum Fussball, zur Perkussion oder in den Kunstraum, wo momentan aus Kokusnuessen Kraken und Fische hergestellt werden und in den fairen Verkauf gehen. Die Maedchen widmen sich im ersten Stock, in einer maenner- und vorallem machofreien Zone, kuenstlerischen Aufgaben. Nach den Aktivitaeten wiederholt sich das Ganze: Duschen, Ruhe im Esssaal herstellen, zu Mittag essen und danach gibts bis 14 Uhr Erholungszeit. Einige verlassen das Haus, toben im Freien herum, leider ist danach meist zu riechen dass sie auch Klebstoff geschnueffelt haben und andere bleiben im Haus und schlafen. Um 14 Uhr wird wieder neu hereingelassen, auch diejenigen die am morgen nicht gekommen oder zuspaet gekommen sind werden nun um 14 uhr wieder neu aufgenommen. Direkt neben der Tuer ist ein Brett mit den Regeln des Hauses angemacht, leider koennen die meisten nicht lessen, doch vor dem Essen werden die Regeln noch wiederholt, worauf die Teilnahme an den angebotenen Aktivitaeten als eine Regeln beschrieben wird. Wer am Vormittag im Haus war, doch nicht an dem Angebot teilnahm ist nun fuer den restlichen Tag gesperrt. Die am Nachmittag stattfindenden Aktivitaeten sind Alfabetisierung und verstaendnissvolle Gruppendiskussionen mit der Sozialarbeiterin ueber Themen, die Alltag fuer die Kinder und Jugendlichen sind, wie Drogen, Gewalt, Respektlosigkeit, Prostitution, immer im Hinblick darauf ihre eigene Lebensfuerung als kritisch wahrzunehmen. Staendig anwesend und aktiv sind die Sozial-arbeiterinnen, die sich um Organisation medizin-ischer Versorgung, Verarbeitung von trauma-tischen Erlebnissen, um Gespraechen, um Kon-taktaufnahme mit der Familie, Unterlagen-beschaffung und um Verteidigung der Rechte der Kinder bemuehen Gegen 16 Uhr gibt es nochmal die Moeglichkeit zu duschen, zu essen und bis morgen.

Der Nachmittag am Freitag gilt als Freizeit. Meist wird ein Film gezeigt und den Kindern steht es frei sich im Haus auszuruhen, zu scherzen,… Drei mal die Woche wird im Innenhof die Waesche zu waschen ermoeglicht und wenn jemand krank ist wird er von der Aktivitaetenpflicht befreit und erholt sich. Jeden Dienstag findet nach dem Fruehstueck eine Vollversammlung der Kinder statt, in der die Sozialarbeiter oder Betreuer Informationen an die Kinder weitergeben, die Regel wiederholen oder die Realisierung derer besprechen, Regelverstoesse reklamieren und den Kindern freistellen ihre Meinung oder ihre Ideen zu der Organisation des Haus, der Hausordnung, den Aktivitaeten oder den Betreuern zu aeussern. Die CPP ist nicht nur ein Projekt, welches verpflichtet sondern fuer die Kinder auch ein Haus. Sie bestimmen mit, sie ruhen sich aus, sie bringen ihren Freund mit und stellen ihn den Betreuern vor und sie kommen um von der Strasse Abstand zu gewinnen. Letzteres ist begrenzt moeglich, da das Haus in den Strassen, in dennen die Kinder auch schlafen ist und wenn sie Aerger mit einem anderen Juendlichen haben kommt der auch mal vor die Tuer und macht ein Drama. Doch wenn sie bei uns sind muessen sie nicht ums Essen betteln, es ist selbstverstaendlich und sie muessen nicht bangen, wenn sie schlafen, dass vielleicht jemand sie verletzt sondern koennen in Sicherheit ihre Augen schliessen.

September/Oktober


Am 12. September bin ich in Recife am Flughafen gelandet und gleich daraufhin von meinem Chef ins Projekt gefahren worden. Nachdem ich einen Blick auf das Geschehen im Projekthaus geworfen habe, den Mitarbeiter vorgestellt wurde und das Buero kennenlernte, ging es am Abend des gleichen Tages noch zu einer Sambaschule in einem Armenviertel, wo eine Maracatuvorstellung stattfand. Es war zu Zeiten der Wahlen, weshalb sich dieses Erlebnis bei mir eingepraegt hat. An allen Ecken sah man Parteipropaganda. In Deutschland ist es Privatsache mit welcher Partei man sich identifiziert, welche man waehlt. In Brasilien kommt es nicht selten vor, dass ein ganzes Haus mit dem Spruch angestrichen ist: “Ich waehle X”, man teil seine politische Einstellung oft und gern mit. T-Shirts, Aufkleber, riesen Werbeplakate, Radfahrer mit grossen Radioboxen aus denen politische Propaganda droehnt, unzaehlige Menschen mit Prospekten auf den Strassen. Alles erdenklich moegliche, in einem riesen Ausmass wurde realisiert um Stimmen zu gewinnen. Am Sonntag, ein Tag an dem Propaganda verboten ist, sind mir sogar zwei Hunde ueber den Weg gelaufen, die Wahlschleifen um den Hals trugen und Wahlsticker am Leib. Alles zusammen einfach zu viel.
An dem ersten Abend in der Sambaschule ist gegen Ende der Veranstalltung, die politische Kandidatin einer, wie mir erklaert wurde fragwuerdigen Partei mit Bodyguards, Beratern und Kamerateam in die Sambaschule des Armenviertels angerueckt. Zehn Minuten haben wir drei Freiwilligen und unser Chef uns ihre Show angesehen und sind dann aus Protest gegangen. Es wurde mir erklaert, dass diese Kandidatin mit allen moeglichen Geldinvestitionsversprechen, die nie zu realisieren seien Propaganda gemacht. Das Bild von ihr als einzige Weisse mit der kuenstlich aufgesetzten Freundlichkeit und gespielten Sympathie mit den Bewohnern und die, sie mit grossen Augen anschauenden Afro-Brasilianer wirkte auf mich einfach nur wie ein riesiges abstossendes Schauspiel. Historisch gesehen wuerde dieses Viertel mit ihr sympathisieren, da sie die Tochter eines ehemaligen Regierungsmitgliedes ist, welcher an diesem Standpunkt stimmenmaessig Sieger war. Weshalb ich des oeffteren betone, dass es sich um ein aermeres viertel Recifes handelt, kein Elendsviertel aber eine Wohngegend mit Bewohnern, die sich fuer ein Nichts den ganzen Tag abarbeiten, hat folgenden Grund: generel Bildung und somit auch politische Bildung blieb ihnen untersagt. Sobald man arbeiten gehen kann geht man arbeiten, man hilft beim Familien einkommen mit. Von der Praefektur werden grosse Kampangnen gegen Kinderarbeit gestartet , doch an jeder Strassenecke, sieht man Kinder die Dienstleistungen anbieten, z.B.: ihren Eltern im Kiosk aushelfen, Getraenke verkaufen. Sie sehen den Unterschied zwischen heute und morgen, doch den Zusammnhang zwischen politischen Entscheidungen und langfristigen Verbesserungen ihres Lebens haben sie nicht gelernt und sind somit fuer jegliche Propaganda anfaellig (Dabei sind natuerlich auch die Erfahrungen mit den Diktaturen Brasiliens schuld.). Vetternwirtschaft und politische Unkenntniss machen sich so einige Parteien fuer Stimmengewinn zu nutze, dass blieb mein erstes Erlebnis in Brasilien.

In den kommenden Tagen wurde ich bei der Versammlung den Betreuten, unseren Kindern und Jugendlichen vorgestellt und mehr oder weniger ins Projekt geworfen. Ich will nicht sagen, dass ich mich allein gelassen gefuehlt habe, aber es war von Anfang an an mir, mir eine Aufgabe zu suchen und positive war, dass ich mir so ein eigenes Bild von dem Projekt machen konnte. Nach Vorgaben meines Chefs sollte ich die Vormittage mit den Kinder verbringen, zum Zwecke des gegenseitigen Kennenlernens und die Nachmittage im Buero arbeiten. So half ich wo im Haus Arbeit anfiel mit, meist war das in der Kueche, war fuer die Essensausgabe zustaendig und nahm an den angebotenen Aktivitaeten im Haus teil. Waehrend Fussball zum Beispiel, hatte ich die Gelegenheit naeheres ueber sie Situation der Kinder zu erfahren. Ich wusste nicht genau wie ich die Fragen stellen sollte, was nicht vielleicht zu direkt war und wie die Kinder darauf reagieren wuerden. So fragte ich den jeweiligen Betreuer, der mit absoluter Selbstverstaendlichkeit fragte: “ Hast du eine Mutter?”. Der Betreute lebe sicherlich in einer Familie mit grossen Probleme, allein erziehende Mutter vielleicht, doch natuerlich habe er eine Mutter, dachte ich mir, der Junge sei doch erst zehn Jahre alt. Doch er erwiderte, er habe keine Mutter, er kenne sie nicht.
Nach Informationen unserer Sozialarbeiterin sah es vor 15 Jahren noch anders aus, die Muetter sahen sich verpflichtet ihre Kinder bei sich zu tragen, ob sie arbeiten gingen oder trinken oder bettel. Die Erziehung der kinder unter diesen Bedingungen war schwierig, wenn ueberhaupt von Erziehung in diesem Zusammenhang gesprochen werden kann, da wir von Familienverhaeltnissen reden die Stassenkinder hervorbringen. Tatsache ist, dass die Kinder staendig in Kontakt mit der gleichen Person, dem gleichen umfeld waren. In der Obhut der Mutterwaren die Kinder nicht, diese setzte ihre Kinder nicht zumutbaren Situationen aus, allerdings waren die Kinder teil von dem von er mutter gelebten Lebensweg und hatten somit eine gewisse, wenn auch nicht intakte Struktur vorgelebt bekommen. Wie es heute aussieht, moechte ich anhand eines Beispiels einer Beteuten geben. In dem Haus in dem sie aufgewachsen ist leben weitere siebe Kinder von 1 Jahr bis 12 Jahren. Sie sind mehr oder weniger irgendwie miteinander verwandt. Eigentlich wohnt dort auch die Mutter von einigen der Kinder, doch die hat oft wechselnde Liebhaber, bei denen sie die meiste Zeit verbringt und sich im Haus nur gelegentlich sehen laesst. Die Kinder sind auf sich gestellt. Der 12 wird (vielleicht) seinen Weg gehen oder auf die Ideekommen einige Dummheiten anzustellen, aber der Einjaehrige, wenn sich ihm niemand annimmt wird er aufwachsen ohne jeglichen Bezug zu seinen Mitmenschen, ohne Bezug zur Organsation, ohne Bezug zur Gesellschaft mit ihren Verpflichtungen, Erwartungen aber auch Angeboten.
Ich weiss, dass ich in den ersten Monaten manchmal, wenn es wenig angebotene Aktivitaeten im Haus gab, das Gefuehl hatte, dass die Kinder nur kaemen, um mit ihren Kumpels und den Betreuern Billard un Tischfussball zu spielen, zu essen, sich auszuruhen. Es war trotzdem ein Stueck Kindsein, was ihnen in der CPP erlaubt wurde, denn wenn man sie ausserhalb des Projektes ausgestossen von der Gesellschaft, draussen schlafen oder betteln gesehen hat und in der cpp lachend und scherzend, waren es zwei verschieden Welten in denen sie lebten. Ich dachte, dass kann bestimmt nicht alles sein doch Grund genug solch ein Projekt ins Leben zu rufen und zu unterstuetzen. Aber das was fuer mich auf den ersten Blick nicht ersichtlich war, ist dass der erste Schritt den die Kinder auf ihren Weg mitbekommen, ein sinn fuer Struktur, Regeln und Vertrauen Menschen gegenueber ist. Es handelt sich um, fuer uns selbstverstaendliche Dinge, man darf mit Drogen oder waffenaehnlichen Gegenstaenden nicht eintreten, man hat sich an Oeffnungzeiten zu halten. Nur wenn Ruhe eintritt und man an der Reihe ist wird gegessen, und an angebotenen |Aktivitaeten muss teilgenommen werden. Dies ist nur der Begin auf dem weg zu Perspektiven im Leben und Teilhabe in der Gesellschaft, welche das Projekt zu realisieren versucht, doch ich musste erst verstehen lernen , dass es mit solchen fuer mich grundlegenden, selbstverstandlichen Kleinigkeiten anfaengt.

So wurden meine ersten Monate dominiert von den Versuchen mich mit meinem wenigen Portugiesisch zu verstaendigen es auszubauen und mich ins Projekt einzuleben, bei allen anfallenden Aufgaben auszuhelfen und im Buero einige Kontakte zu deustchen Partnern aufrecht zu erhalten. Ich muss in diesem Zusammenhang zugeben, dass die Tatsache, dass meine Beiden Chefs deutsch sprechen mir die erste Zeit unheimlich erleichtert hat und mir das Eingewoehnen in Brasilien angenehm machte.

Im Oktober bekam die CPP von der UBS Optimusfoundation einer schweizerischen Unterstuetzerorganisation besuch. Zweierlei Grund hatte dieser Besuch, zum Einen hatte Franziska, die dafuer Zustaendige, die ihrem Sohn Wyschi ? im Gepaeck hatte, die Aufgabe die CPP naeher kennenzulernen, um einen Bericht zu verfassen und zum Anderen hatte sie ein Fotoprojekt mit den Maedchen von Obirin´lonan zu betreuen. Obirin´lonan, ist das Maedchenprojekt, welches vier mal die Woche fuer insgesamt 60 Maedchen fuer eine Zeitdauer von 5 Monaten durchgefuehrt wird. Es ging um Imagefotos fuer die Optimusfoundation. Ein rotes Schulpult ist das Erkennungszeichen der Organisation und nun ging es darum, anhand dieses Tisches, die Traeume, die Hoffnungen oder die schon aufgetretenen Verbesserungen, die die Maedchen durch das Projekt erfahren konnten zu zeigen. Ich begleitete Franziska (und Wyschi ?) und half soweit ich konnte bei Uebesetztungen und der Vorstellung der CPP. Wir besuchten die Wohnungen der Maedchen und man muss dem Fotografen ein grosses Kompliment fuer seine Professionalitaet geben. Er beherrschte die Kunst, mit hoher Sensibilitaet doch gleichzeitig Dirigiervermoegen eine Wohlfuehlatmosphere zu schafen. Die drei Maedchen bei denen wir Hausbesuche machten, schlafen nur sporadisch bei sich zu Hause , sie bevorzugen die Strassen. Liberdade ( Freiheit), drogas (Drogen) und roubo (Diebstahl) sind die Verfuehrungen der Strasse. Von Bevorzugen zu sprechen ist nicht richtig. Maria Eduarda zum Beispiel, ein 16-jaehriges huebsches, intelligentes, sich prostituierendes, lesbisches Maedchen ist mir ihrer Geschichte repraesentative fuer die Strassenmaedchen. Sie hat nach Aussage ihrer Mutter immer die Einladung nach Hause zu kommen. Es leben ihre Mutter, ihre Oma und ihre Nichte in dem garnicht so schlecht eingerichteten Haus mit drei Zimmern, Fernseher, Toilette, kleinem Innenhof der fuer die kleine Huehnerzucht verwendet wird. Wenn man sie fragt warum sie nicht nach Hause will, kommt immer nur, die Strasse sei besser. Es ist auch wenn es fuer jeden offensichtlich ist das Probleme da sind, fuer die Kinder und Jugendlichen mit Scham verbunden darueber zu sprechen. Einfacher ist es gefaehrlich zu wirken und zu sagen, man nehme Drogen, schlafe auf der Strasse und raube. Und gefaehrlich, dass ist die Strasse in jedem Fall. Den Dezember hat Maria Eduarda zwangslaeufig zu Haus verbracht, nachdem eine ihrer Frauen, fuer die sie sich prostituiert, mehrfach mit dem Messer, unteranderem an sehr gefaehrlichen Stellen am Hals auf sie eingestochen hat. Maria besucht unser Projekt letzter Zeit sehr selten, was mich dazu anzunehmen verleitete zu denken sie bleibt zu Hause. Vor zwei Wochen hab ich sie auf dem Arbeitsweg getroffen, sie meinte sie pennt bei einer ihrer Frauen. Soviel mir ueber ihre Familiengeschichte bekannt ist, ist Marias Vater sehr fruh von zuhause weggegangen, ohne sich um die Familie zu kuemmern, die Mutter musste eines ihrer Kinder zur Adoption freigeben, da sie nicht die Mittel hatte es zu unterhalten und der Bruder von Maria laesst seine Tochter nun auch bei der Mutte leben. Armut, nicht intakte Familienverhaeltnisse und fehlende familiaere Bindung sind klar ersichtlich.
Manchmal auf den ersten Blick erkennbar, manchmal versteckt sind die Gruende aus denen die Kinder auf der Strasse landen. Solche und aehnliche Geschichten erfuhren wir direkt durch Inteviews, waehrend der Fotoaufnahmen und wie ich finde war das wesentlich interesanter und naeher am Leben, auch wenn aufgrund des stark ausbaubeduerftigen Portugiesischkenntnissen schwieriger, als sich die Akte der Maedchen durchzuarbeiten.
Die Imagefotos fuer Obirin´lonan boten den Maedchen eine Moeglichkeit ueber ihre Erwartungen und die Auswirkungen des Projekts auf ihr Leben zu reflektieren und ueber ihre Zukunftsplaene nachzudenken. Auch wenn die Vorstellungen einiger sehr unrealistisch wirkten, da einige Maedchen, zum Beispiel von grossem Kapitaensdasein traeumten und ueber Alternativen nicht wirklich nachdachten, die schule wohl grademal so abschliessen wuerden und schon mit 15 Jahren Kinder hatten. Doch warum nicht auch mal die Kinder taeumen lassen, sie Kind sein lassen. Und daneben gab es auch Betreute, die durch ihre Staerke, ihre Zukunftsplaene, ihr Engagement und ihre Weltansicht uns davon ueberzeugen konnten, dass sie ihr Leben im Griff haben und eine tolle Zukunft vor sich. Und riesen Freude hatten sie alle bei den Aufnahmen mit 100%iger Sicherheit.

November/Dezember


Der Dezember und die letzten Wochen des Novembers sahen bei mir arbeitstechnisch ganz anders aus. Nachdem ich die ersten Monate ueberwiegend mit den Betreuten im Haus verbrachte, war mein naechstes Arbeitsfeld das Buero. Ein wenig bin ich zwischen Projekthaus und Projektbuero, welches sich in der Parallelstrasse befindet gesprungen, da ich den Kontakt zum Haus nicht verlieren wollte, aber die Aufgabe im Buero zu erledigen hatte. Zu den Mahlzeiten und frueh Morgens habe ich im Projekthaus ausgeholfen und den Rest des Tages im Buero an der Uebersetzung der Homepage der CPP ins Deutsche gesesse. Die Uebersetzung hat recht lange gedauert und mich noch nach Dienstschluss und an den Wochenenden beansprucht. Es war von meinem Chef von vornherein in Plannung die Homepage ins Deustche zu uebersetzen, da viele Kontakte vom Projekt nach Deutschand und in die Schweiz bestehen. Ich sah die Moeglichkeit, an der Homepage zu arbeiten als gute Uebung fuer mein Portugiesisch bzw. zum besseren erlernen der portugiesischen Sprache. Meinem Boss gefiel mein Angbot, dass ich die Homepage uebersetze und so besorgte ich mir erst einmal ein riesiges Woerterbuch und los ging es. Soviel geblaettert habe ich in meinem Leben nicht, anfaenglich hatte ich fast jedes zweite Wort nachschlagen muessen und es wurde einfach nur muehsam. Einige Teile hatte Verena, eine Freiwillige, die zum Zwecke des Biologiestudiums nach Brasilien kam und nur eine Woche nach meiner Ankunft auch schon abreiste, schon uebersetzt, woran ich mich orientierte, wenn es um sinngemaesse Uebersetzung ging, was mir nach nur zwei Monaten Brasilien schwer fiel. Nach ca. zwei bis drei Wochen gab es die CPP Homepage in deustch. In der Zeit danach ging es nur noch um die Uebersetzung aktueller Ereignisse. Doch die Muhe hatte sich gelohnt. Neben der Tatsache, dass ich in die Struktur der portugiesischen Sprache intensiveren Einblick erlangte, wurde mir und so hoffe ich auch den ganzen deutschen Interessierten, die Struktur der CPP deutlicher. Also nichts wie auf zu: http://www.pequenosprofetas.com.br .
Bis Dezember war ich wegen der Dauer meines Aufenthaltes in Brasilien mir nicht im Klaren, da ich aufgrund von Problemen mein Visum betreffend auf die Erteilung dessen ohne Sicherheit wartete. Haette es keinen positiven Schluss genommen, waere ich nun nach sechs Monaten Brasilien schon wieder in Deutschland. Einen Tag vor meinem im vorraus geplannten und gebuchtem Flug nach Deutschland, bekam ich per E-mail ( die natuerlich unter Spamverdacht war ?) die positive Nachricht ueber mein Visum mitgeteilt. So flog ich fuer nur sieben Tage nach Deutschland, mit dem lediglichen Ziel mein Visum abzuholen (Danke ans brasiliansiche Konsulat in Berlin, das mir den buerokratischen Weg wie nur moeglich erschwert hat). Die Zeit in Deutschland, weil sie nur kurz war und ich mir vieles vorgenommen hatte, wurde ziemlich stressig. Kaum war ich da, war ich auch schon wieder weg, doch wie dem auch sei, laut brasilianschem Konsulat in Berlin und der Polizeibehoerde hier vor Ort ist mein Aufenthalt fuer den geplannten Zeitraum gesichert.

Januar/Februar


Januar ist in Brasilien der Ferienmonat. Unsere Sozialarbeiterin Sylvania und der Hauskoordinator Marcos gingen fuer einen Monat in Urlaub. Aus diesem Grund bekam ich ein anderes und auch spezifischeres Aufgabenfeld. Arbeitstechnisch bin ich auch vor dem Januar aktiv taetig gewesen, doch war ich eher und von den Kinder so auch gesehen nur eine Aushilfe mit der man sich freundschaftlich unterhaelt. Mit Beginn des Monats Januar wurd ich zu einer Betreuerin, mit den dazugehoerigen Verantwortungen, Verpflichtungen und sich daraus ergebenden Problemen und Vorzuegen mit den Betreuer nund den Betreuten. Mein Aufgabenbereich wurde und bleibt folgender: beim Einlass, die Registrierung der Jungen und Maedchen mit Namen und Alter, zu entscheiden wer Einlass erhaelt wer nicht und das durchsuchen der Taschen, die Verteilung von kleineren Aufgaben an die Jugendlichen, die nach den Mahlzeiten zu erledigen sind, wie Tellerwaschen, und Sorge dafuer tragen, dass es auch erledigt wird und unsere kinder lassen sich nur allzugern alle moeglichen Ausreden einfallen, warum sie es nicht tun muessten. Desweiteren liegt es unteranderm bei mir fuer Ruhe im Esssaal zu sorgen und bei Regelverstoessen die Betreuten aus dem Haus zu verweisen, die Betreuten dazuzubringen dei den Aktivitaeten teilzunehmen und die Kinder waehrend ihres Aufenthalts im Projekthaus im Auge zu behalten, im Blickpunkt auf die Regeln und doch noch eine freundschaftliche und harmonische Atmosphere beizubehalten.
Eine dieser besagten Regeln verbietet den Dogenkonsum waehrend der Aktivitaeten. Ins Haus gelangen die Drogen nicht, doch Fussball und Perkussion finden im Freien statt, wo die Betreuten Kontakt zu Freunden, die in Besitz von Klebstoff oder Marijuhana sind haben. Und Klebstoff schnueffeln ist weiter verbreitet als das Rauchen, weil billiger und staerker in der Wirkung. Roseneide eine zum dritten Mal schwangere Betreute unserer Einrichtung ist diesem Konsum verfallen. Sie ist schon seit laengerer Zeit unsere Betreute und vielleicht basierend darauf hat man es bei Regelverstoessen ihrerseits etwas schleifen lassen. Als es eines Tages in unteranderem meinem Zustaendigkeitsbereich lag die Kinder waehrend des Fussballspiels zu beaufsichtigen und auf den Klebstoffkonsum waehrend der Aktivitaeten zu achten, sah ich sie schnueffeln. Ich ermahnte sie und blieb hartnaeckig bei den Konsequenzen, wir untersagten ihr den Einlass. Sie wurde sauer, beschimpfte wild, drohte uns. Respektlosigkeiten sind an der Tagesordnung doch warden nicht toleriert. Ich finde richtig in diesem Moment gehandelt zu haben. Ihr ihr Verhalten ohne Auswirkungen durchgehen zu lassen, wuerde an ihrer Lebensfuehrung nichts aendern. Unser Ziel ist es, den Kinder Alternativen zu ihrem in Diebstahl, Drogenkonsum ( und dazu gehoeren ausserhalb des alltaeglichen Klebstoffs auch Marijuhana, Crack, Mixturen von diversen Medikamenten, alles greibare) stattfindenden Leben zu zeigen. Roseneide blieb wuetend tagelang, ich redete nochmals mit ihr lies Zeit vergehen doch leider war das nicht des einzige Zwischenfall mit ihr. Sie ist mehr oder weniger in meinem Alter und ich finde es verstaendlich, dass sie nicht wirklich auf mich hoeren will, doch Regeln sind Regeln und vom Team bekomme ich die notwendige Unterstuetzung.
Es ist nunmal nicht immer nur einfach und harmonisch, wenn man Verantwortung uebernimmt. In diesem Zusammenhang moechte ich einen Zwischenfall mit einem Mitarbeiter erwaehnen. Carlos ist ein ausgesprochen kumpelhafter, doch die Regeln befolgender Betreuer. Ich bewundere es sehr wie er mit den Jugendlichen (Durchschnittsalter in der CPP ist 16 Jahre) eine freundschaftliche Atmosphere kreiert. Sie lieben es mit ihm scherzender Weise herumzutoben. Dieses Herumtoben geriet beim Fussball an einem Tag ausser Kontrolle. Ich muss eingestehen, dass es in diesem Projekt einfach ist, die Kontrolle zu verliehren. Die Kinder sind in agressionsbefuerwortenden Umfeldern aufgewachsen und haben Gewalt ihnen gegenueber nur allzu oft, sei es von der Familie, von Kumpels, von der Polizei, von Fremden erlebt. Wenn man Agressionen in grossem Ausmass ueber sich ergehen lassen musste wird man auch ein Agressionspotential aufbauen. Und als Mitarbeiter, so ging es mir, muss man erst lernen damit umzugehen und taeglich neu daran arbeiten.
Ich liebe es mit Carlos zu arbeiten, seine Art des Kontaktes mit den Kindern ist einzigartig und er ist einer der beliebtesten Betreuer bei uns. Doch je staerker der Kontakt zu den Kindern ist, desto grosser ist die Verantwortung, die man ihnen gegenuber hat. Carlos ist fuer Thiago, meiner Ansicht nach, wenn man die beiden mal bei Billardspiel und waehrend des Tagesgeschehens beobachtet hat, eine Vaterfigur. Er orientiert sich an ihm und so muss Carlos auch dem entsprechen handeln und Richtiges vorlebn. Es ist eine Situation, die unter Stressbedingungen, da Mitarbeitermangel ausser Kontrolle geriet. So etwas passiert und ist menschlich und wie ich finde gut wieder behoben worden. Carlos und ich arbeiten wieder problemlos und ohne jegliche Spannungen miteinander und Thiago hat es verstanden. Vor Kurzem habe ich mir einen kleinen Scherz, der an der Grenze war erlaubt und Thiago meinte: “ Hey Malgo, du bist Betreuerin du darfst das nicht.” Und ich bin stolz darauf, dass Thiago weiss, dass niemand alles mit ihm machen kann, sondern dass er Rechte hat, die auch Leute die ihm helfen ihm nicht nehmen koennen und dass er dieses auessert.
Dies sind zwei beispielhafte Zusammenstoessen zwischen meiner Rolle als Betreuerin mit anderen Betreuern und Betreuten. Trotzdessen, ich liebe die Arbeit, die ich habe sehr obwohl ich sie als sehr stressig und schwierig wahrnehme. Mit Kindern oder Jugendlichen zu arbeiten war noch nie einfach und unsere Betreuten mit ihrem Drogenkonsum, Respektmangel, Drang zum Regelnbrechen und ihrer ins Chaos fuehrenden Lebendigkeit bringt mich manchmal an meine Grenzen. Jedoch erlaubt mir der Aufgabenbereich den ich jetzt habe naeheren kontakt zu den Kindern und Jugendlichen. Ich lerne die einzelnen Persoenlichkeiten naeher kennen und bin lang nicht mehr nur mit “Tia”(Tante) oder “Hey gringa” angesprochen, sondern mit Malgo. Ich habe Ueberblick ueber einen groesseren Bereich des Geschehens im Haus und bin an erster Front dabei, wenn die Kinder sich freuen und gute Stimmung ins Haus bringen.
Ich durfte Turma do Flau, ein anderes Projekt in Recife und Nova Vida und Verde Vida in Crato besuchen. Die Betreuten dieser Projekte kommen aus nicht intakten Familien, die in finanzieller Not in aermlichen Haeusern leben, in einem Umfeld von Drogen und Gewalt. Doch sie haben eine Familie, sei es eine Mutter, der Vater, die Oma, die Tante oder ander Verwandte. Diese Kinder sind ueberaus neugierig und interessiert, wenn jemand neues das Projekt besucht. Die Betreuten unseres Projekts im Gegensatz dazu, die auf der Strasse uebernachten und Angehoerige teilweise nicht kennen, haben durch ihre Vergangenheit gelernt anderen Menschen mit Scheu und Misstrauen, wenn nicht Agression zu begegnen. Sie wurden auf den Strassen von Polizei und Mitmenschen nicht beachtet, herumgeschubst, geschlagen und missbraucht, so dass sich ihr vertrauen Fremden gegenueber in Form von Ablehnung auessert. Durch meine Arbeit gewinne ich ihr Vertrauen und es ist ein tolles Gefuehl und ein Erfolg, wenn z.B. der zwoelfjaehrige Renilson, mit dem ich im Krankenhaus war( normalerweise gehoert das nicht in meinen Aufgabenbereich aber es war Arbeitermangel), ploetzlich staerker auf einen hoert und anfaengt Interesse an anderen Menschen zu zeigen in dem er Fragen stellt. Die Kinder lernen, dass es Mensch gibt, die gutes fuer sie wollen und denen sie vertrauen koennen.

Normen, ein andere Eirene Freiwillige, der fuer seine letzten drei Monate das Projekt wechselte und ich werden nachdem nun die buerokratische Seite geklaert ist Holz kaufen und einen Tischlerkurs fuer die Kids anbieten. Unser erstes Projekt wird es sein einen Kickertisch zu bauen. Somit lernen die Kinder ein weiters Handwerk kennen und stellen in Teamarbeit etwas fuer das Projekt her, was sie spaeter nutzen koennen. Desweiteren haben wir beiden fuer die Maedchen von Obirin´lonan den langgepannten Englischkurs angeboten und gestartet. Vier mal die Woche jeweils zwei mal fuer zwei verschieden Gruppen findet nun Englischunterricht statt. Da wir damit gerade erst begonnen habenm, werde ich in meinen naechsten Rundbrief naehers dazu schrieben.

Vor zwei Wochen hat Brasilien gross Karneval gefeiert. Schon lange vor Karneval fanden viel Umzuege in den Strassen statt, sogenannte “blocos”. Die CPP hatte zu diesem Anlass ebenfalls einen bloco organisiert. Unsere Betreuten und wir Arbeiter gingen auf die Strassen, um zu demonstrieren. “Die Unsichtbaren zeigen ihr Gesicht” war unser Thema. Die Kinder und Jugendlichen, die von der Gesellschaft ausgestossen werden und missachtet sind sollten ein Gesicht bekommen. Unsere Bedenken, dass einige Kinder mit Klebstoffflaschen ankommen wuerden loesten sich in Luft auf. Alle nahmen aktiv teil, die Maedchen tanzten in tollen Kostuemen, die Jungen feierten und alle blieben in einer grossen Gruppe zusammen. Es war erfolgreich organisiert und durchgefuehrt worden und die Passanten wurden aufmerksam, hoffentlich langfristig.

Zusammenarbeit!


Die Arbeiter der CPP sind zum Teil selber frueher Strassenkinder gewesen. Sie waren Betreuter der CPP und nahmen an weitern Programmen teil, machten ihren Schulabschluss und sind heute als Betreuer oder Hauskoordinator eingestellt. Sie sind die besten Beispiele fuer den Erfolg vom Projekt. Frueher auf der Strassen gewesen sind sie heute Teil der Gesellschaft, versuchen diese zu verbessern und fuehren ein normales Leben.
Doch in der CPP sind von unseren Betreuten Einige schon auf dem richtigen Weg. Sie sind lange Zeit in unserem Projekt, identifizieren sich damit und kennen alle Regeln. Diese Jugendlichen helfen den Betreuern den Alltag glatt ablaufen zu lassen. Da waere Carlos, Cabeça (portugiesch Kopf) genannt (er hat nunmal ´ne riesen birne), er hilft in der Kueche bei allen anfallenden Aufgaben aus und ist morgens am Einlass mit beteiligt. Kenio und Leandro sind in der Mittagspause zustaendig und helfen bei Krankenhaus besuchen mit. Und waehrend der Mahlzeiten geht es manchmal drunter und drueber. Da steht dann ploetzlich eines der Maedels auf und schreit los: “ Leute was soll das?! Ihr moegt doch dieses Projekt also respektiert die Regeln und die Betreuer. Setzt euch, haltet eure Klappen und seid ruhig.”. Es ist beeindruckend, wenn dieses passiert und nicht selten.Es sind nicht nur wir die den Alltag organisieren. Es ist ein Zusammenspiel von Betreuten und Betreuern. Uns wird auf diese Weise die Arbeit erleichter und die Jugendlichen lernen Organisation und Verantwortung. Natuerlich laeuft dieses nicht immer perfekt, sie sind immernoch Betreute und ihr Engagement ist nicht immer kontinuierlich. Jedoch sind sie gewillt und ueberzeugt zu helfen und lernen es mit der Zeit.

“Diese Kinder haben nichts” oder Was ist Wuerde?



“Diese Kinder haben nichts” ist kurz, prignant und Mitleid erregend. Es ist ein Satz mit dem unsere Betreuten oft von unteranderem deutschen Hilfsvereinen beschrieben und vorgestellt werden. Es ist nichts anderes, als die Instumentalisierung ihres Leids zum Zwecke des kurzfristigen Geldgewinnens, welches dann zwar in die Projekte fliesst, doch aus den falschen Beweggruenden. Einen Menschen im Augenblick seines Leids abzulichten, ein Kind mit einer Klebstoffflasche, zum Beispiel oder eine Mutter mit ihren ersichtlich hungernden Kindern wirk sofort: man ist betroffen, man moechte helfen. Doch wie nimmt der Mensch es auf der gerade unter Hunger oder anderen Qualen leidet und in diesem Zustand fotographiert wird? Er fuehlt sich uebergangen, blossgestellt, entwuerdigt. Das gleiche bewirken die Worte: “Diese Kinder haben nichts”. Materiell gesehen besitzen die meisten unserer Betreuten nicht viel von Wert, sie nennen was sie am Leibe tragen und manchmal noch ein paar Kleinigkeiten in einer Einkaufstuete ihr Eigen. Doch vom materiellen Mangel abgesehen, haben sie Freude am Leben, von der wir uns ein riesen Stueck abgucken koennen, einen Sinn fuer Gemeinschaft, wenn ein Kind krank ist, nicht laufen kann helfen ihm fuenf andere, sie haben Humor, Einfallsreichtum, Ueberlebens- und Kampfgeist, Staerke. Wenn sie zu uns ins Projekt kommen, haben sie den Willen an ihrem Leben etwas aendern zu wollen, wenn man mal miterlebt, wie sie sich ueber die unfaire Behandlung von der Polizei beschweren bemerkt man ihren Sinn fuer Gerechtigkeit und ihr Koepfchen, ich koennte diese Liste noch ewig fortsetzen.
Wie wuerden wir uns fuehlen, wenn jemand zu uns sagt: “Du hast nichts”? Ich persoenlich wuerde nicht mehr rational handeln sonder auf Aggression schalten, da es eine Entwuerdigung ist. Es ist egal, ob ich eine Visakarte oder eine Klebstoffflasche in meiner Hand halte, ich definiere mich nicht als Mensch durch meinen materiellen Besitzt. Doch das ist was dieser Satz aussagt.
Oft erlebe ich die Kinder dabei, wie sie ueber ihre Familenzustaende nicht wahrheitsgetreu aussagen, ihre Lebensgeschichten ausschmuecken. Sie schaemen sich fuer die wahrheit. Sie haben gelernt, sie muessten es sich erst verdienen jemand zu sein, den Anspruch zu haben als Menschen wahrgenommen zu werden. Doch sie sollten uns nicht erst ein falsches Bild von ihrem Leben geben muessen, um unser Aufmerksamkeit zu gewinnen. Die Tatsache, dass sie Menschen sind sollte ausreichen, um sie zu respektieren und zu beachten.
Eine Freundin meinte zu mir: “Niemand entscheidet sich dafuer ein Moerder zu sein, es geschieht mit einem”. Manche unserer Betreuten sind kriminell, sie sind in illegale Geschaefte verwickelt, stehlen oder sind dem naechsten gegenueber aeusserst aggressiv. Sie stehlen sich nicht nur etwas zu essen aus Notwenigkeit, was akzeptabel waere. Sie wollen gefaehrlich wirken, dass sie wegen ueberfaellen von der Polizei gefasst werden oder von Strassengangs Morddrohungen bekommen, praesentieren sie mit Stolz. Andere Mitmenschen, Menschen, die die Kinder und Jugendlichen normalerweise nicht beachten in Angst leben zu lassen ist der Weg den sie ergriffen haben, um eine Beziehung zur Gesellschaft aufzubauen, um nicht unsichtbar zu sein.
Was die Kinder und Jugendlichen der Strasse haben, ist der Anspruch auf Wuerde, die ihnen mit Beginn der Aussage “Diese Kinder haben nichts” entrissen wird. Das deutsche Grundgesetz beginnt mit den Worten: Die Wuerde des Menschen ist unantastbar. Was Wuerde wirklich ist, habe ich erst jetzt durch meinen Freiwilligendienst gelernt und nun verstehe ich auch warum es notwendig ist, die Unantastbarkeit der Wuerde als hoehste Prioritaet zu setzen.






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