Das FSJ und ADiA Informationsportal

Menu:


Login:

Name

Passwort
Registrieren

Workcamps:

- im Kinderheim
- mit Behinderten




Forum:

Freiwill...
Ecuador...
Auslands...
Freiwill...
ORGANISA...

Erfahrungsbericht - Nicaragua

Autor: Sandra Pacheco-Osório
Projekt: MEC - Movimiento de Mujeres Maria Elena Cuadra
Träger: EIRENE International 

Du hast fragen? Schreibe Sandra Pacheco-Osório eine Email!




Hier kannst du weitere Rundbriefe von Sandra laden:

2. Rundbrief - Januar 2005 -> Download
3. Rundbrief - Februar 2005 -> Download
4. Rundbrief - Dezember 2005 -> Download



1.Rundbrief - Dezember 2004


Auf nach Nicaragua


Die Reise verläuft sehr unproblematisch. Erst von Düsseldorf nach Madrid, von dort nach ca. 90 Minuten Aufenthalt weiter nach Miami in einem riesigen Jumbo Jet in dem ich neben einem Kubanisch- Amerikanischen Journalisten sitze, der in London bei BBC World arbeitet und mit dem ich mich gut unterhalte. In den 9 ½ Stunden sehe ich noch 3 Filme. In Miami wird die Wartezeit etwas lang, aber ich unterhalte mich mit Christoph, der seinen Freiwilligendienst in Nicaragua schon gemacht hat und nun seine Freundin besuchen geht. Außerdem lerne ich Natalia, eine nicaraguanische Diplomatentochter kennen, die in Madrid studiert und zu Weihnachten ihre Freunde und Familie besuchen will. Ein sehr nettes Mädchen. Der Flug von Miami nach Nicaragua dauert, wie von Düsseldorf nach Madrid, ca 2 ein halb Stunden. Die Müdigkeit ist groß. Ich nicke immer wieder ein. Endlich am Flughafen von Managua angekommen, wird Natalia von einem Militär abgeholt und durch die Passkontrolle geschleust. Meine erste Begegnung der anderen Art. Am Ende muss sie aber, wie alle anderen auch, auf ihre Koffer warten.

Ankunft in Managua


Es ist schwül, die Nacht wird von Scheinwerfern und Straßenlampen erhellt, es riecht nach Erde, heiß, Menschengewühl. Am Flughafen vereinen sich Familien nach langer Zeit der Trennung. Aus Miami kommen sie, oder aus Costa Rica, wo sie Tag ein Tag aus gearbeitet haben, für sich und ihre Familien. Es wird gefilmt, gelacht, geweint... die frohe Weihnachtszeit fängt für viele jetzt an... Jörg, der EIRENE-Koordinator nimmt mich in Empfang und führt mich zu seinem Jeep. Von dort geht es nach Altamira, das Viertel in dem Anne wohnt. Vorbei an Bretterbuden und an vergitterten Häusern. Wir bleiben an einer Ampel stehen. Ein Kind springt auf die Windschutzscheibe und fängt an, sie mit einem Tuch hektisch zu wischen. Es bekommt dafür von Jörg ein paar Cordoba. An vielen Ampeln sieht man sie. Sie waschen Windschutzscheiben, verkaufen Wasser in kleinen Plastiktüten oder Süßigkeiten und Zigaretten. Sie gehören zum Stadtbild...

Die ersten Tage in Managua


Anne ist Deutsche und arbeitet auch für EIRENE. Bei ihr bleibe ich die ersten 3 Tage. Ich lerne auch ihren Freund Carlos aus Costa Rica kennen. Er ist gerade für längere Zeit zu Besuch. Da Anne viel arbeitet, zeigt er mir etwas die Stadt. Er muss beim Ministerium für Ressourcenschutz (MARENA) etwas abgeben und nimmt mich kurzerhand mit. Wir zahlen 40 Cordobas für das Taxi, jeweils 20. Hier wird pro Person gezahlt.
Direkt gegenüber vom MARENA ist die Freihandelszone Las Mercedes. Der Weg dorthin ist mit Marktständen besetzt, die von Kleidung bis Lebensmitteln alles anbieten. Trotzdem quetschen sich Lastwagen durch die enge Gasse zur Fabrikeinfahrt. Mit dem Bus fahren wir von dort zum grossen Mercado Huembes. Es wimmelt von Menschen und Gerüchen. Obst, Gemüse, Fleisch, Haushaltswahren, alles, was man sich vorstellen kann und auch was man sich nicht vorstellen kann wird dort verkauft. Wir setzen uns an einen Tisch unter einem Mangobaum und trinken etwas. Innerhalb von 15 Minuten bieten mindestens 3 Kinder uns Kaugummis, Zigaretten, Postkarten oder Süßigkeiten an. Am nächsten Tag kommt Britta, eine andere EIRENEFreiwillige, die in Esteli bei Los Pipitos arbeitet, zu Besuch. Mit ihr lerne ich Managua noch ein bisschen besser kennen, bzw. einige markante Plätze. Die Casa del Cafe, Den Supermarkt la Unión und das Einkaufszentrum Metrocentro. Ich komme mir vor wie in Europa. Nur die Casa del Cafe hat was südländisches, allerdings touristisch. Die meisten Gäste in diesem Kaffehaus scheinen Ausländer zu sein. Es ist eine, für Nicaragua, etwas gehobenere Preisklasse. Am Abend gehen wir tanzen, im Mirador Tiscapa. Hier sehe ich nicaraguanische Lebensfreude auf der Tanzfläche. Mir fehlt noch der richtige Schwung dafür und ich bleibe lieber sitzen und gucke mir von weitem ein paar Tanzschritte ab. Am nächsten Tag fahren mich Anne und Carlos zu Sabine, meiner „Mentorin“ im MEC. Sie ist gerade umgezogen und wohnt nun mit ihrer Familie auf einer richtigen quinta, Einem großen Grundstück mit Obstbäumen. Wir essen Waffeln und unterhalten uns nett. Gegen 17 Uhr fährt mich Sabine zu Doña Candida, wo ich die erste Zeit wohnen soll.

Hier wohne ich


Ich wohne jetzt erst mal bei Doña Candida, eine Mitarbeiterin des MEC, und ihrer zwanzigjährigen Tochter Iskra. Es ist ein blaues, zweistöckiges Haus an einer lauten Hauptstrasse. Graue Fliesen auf dem Boden. Die Wände: schmutziges Türkis, blau oder Grün. Über die Farbe lässt sich eben streiten. Je nach Lichteinfall. Alles sehr sauber und aufgeräumt. Wenn man reinkommt ist links eine Sitzecke mit drei Schaukelstühlen und einem Fernseher auf einem kleinen Fernsehschrank. Rechts führt eine Treppe ins obere Geschoss. Weiter geradeaus ist ein Tisch mit vier Stühlen. Versteckt hinter einer halben Wand ist die „Küche“. Ein auf vier Stelzen stehendes altes Spülbecken mit einem ständig tropfenden Wasserhahn. Daneben ein Tisch mit zwei Gaskochplatten. Unter Spüle und Tisch stehen alle nötigsten Utensilien wie Töpfe, Schüsseln etc. Das Geschirr wird in einem Abtropfkorb aufbewahrt. Neben der Küche ist der Hof. Ein Mangobaum und ein Papayabaum stehen dort. Sonst ist alles trockener Boden. Der Hund, ein junger Schaeferhundsmischling, hat allem anderen Gestrüpp das es vorher gegeben haben soll, den Garaus gemacht. Es wäre sowieso kaum Zeit zum Giessen gewesen, meint die Hausherrin. Neben der Treppe ist das Badezimmer. Der Boden der Dusche ist aus Zement. Es gibt nur kaltes Wasser. Kein Schrank. Aber ein anständiges Klo. Ein kleiner Spiegel mit Plastikrahmen, in dem man gerade sein Gesicht sehen kann, hängt auch noch etwas schief an der Wand. Im oberen Geschoss sind drei Schlafzimmer. Das erste ist meins. Knallig blau angestrichen, halb hell, halb dunkel mit Wellen und kleinen, dunkelblauen, hüpfenden Fischen. Die Vormieterin soll das so angestrichen haben. Mein Zimmer: das Meer. Ein Bett und ein Regal aus Spanplatten sind meine Ausstattung. Vor das Regal hänge ich mein blaues Badetuch, als Vorhang, damit die Sachen darin nicht verstauben. Es ist irgendwie gemütlich. Ich teile mir das Zimmer mit ein paar Geckos und Riesenameisen. Aber dieverschwinden meistens, wenn ich das Zimmer betrete. Man kommt sich also nicht in die Quere. Quälen tun mich nur die Moskitos. Ich wurde schon unzählige male gestochen. Vielleicht merke ich es irgendwann nicht mehr.

In den Bergen von Esteli




Ich gehe Britta besuchen. 42 Cordobas kostet eine Fahrt im Bus nach Esteli. Sie dauert ziemlich genau 2 Stunden. Es ist Mittwoch früh (22.12) und ich bleibe bis Donnerstag Mittag. Als ich ankomme warten Britta, Dominique, Johanna und Pueng auf mich. Auch alles Freiwillige. Johanna aus Deutschland und Dominique und Pueng aus der Schweiz. Wir fahren in seinem Jeep in die Berge. Durch unglaubliche Wege, von denen ich denke, dass man da höchstens mit Pferd durchkommt. Aber der Jeep schafft es, sogar die steilsten steinigen Hänge hochzukommen.
Unterwegs sehen wir viele Nadelbäume. Als wären wir in einem europäischen Wald. Aber die Aloevera, die hier und da auftaucht, erinnert wieder daran, wo wir eigentlich sind. Manchmal kreuzen Kühe unseren Weg und trotten langsam davon.
Wir besuchen eine Familie auf ihrem Hof. Es ist eines der Projekte, die Pueng als Berater betreut. Ökologische Landwirtschaft. Die Familie lebt in einem schönen Lehmhaus mit einem Lehmofen darin, der mit Feuer betrieben wird. Töpfe werden in die oberen Öffnungen geklemmt. Darunter brodelt das Feuer. Der Rauchabzug findet durch offene Fenster und Türen statt. Links neben dem Haus steht noch ein Backofen aus Lehm. Hühner laufen frei herum. Bananen, Kaffee und Gewürze wachsen im Garten. Ein riesiger Weihnachtsstern ist auch dabei. Wir gehen spazieren. An einer Schule vorbei, an Reitern, an einem Gemeindehaus und zwei anderen Höfen vorbei. Dann ganz lange nichts als Sträucher, Bäume, Steine... Wir sind mitten in der Natur. Der Spaziergang erschöpft, aber tut gut. Wir kehren zurück in die Stadt bevor es dunkel wird. Dominique bleibt bei der Familie. In Esteli angekommen, verabschieden wir uns von Pueng. Johanna, Britta und ich gehen in einem Cafe essen. Brittas ehemaliger Gastbruder gesellt sich mit ein paar Freunden zu uns. Später gehen wir alle in eine Disco, die ziemlich leer ist. Bald liege ich in Brittas Gästebett und schlafe tief. Aber mitten in der Nacht wird es plötzlich eiskalt. Ich kann es kaum fassen. In Managua schwitze ich Nachts aus allen Poren...

Weihnachten mal anders


Mit Sabine, Thomas und den Kindern, Frida und Felix, am Pazifik. Las Cardones heißt der Strand. Als wir gegen Mittag ankommen wird gerade ein großer Fisch zerteilt. Die Schuppen sind für die Hunde, werden aber nochmal auf den Grill geschmissen, da sie sie so lieber mögen. Wir setzen uns an einen Tisch in einer offene Bar mit Dach aus Palmenblättern und mit Hängematten und - stühlen an allen Ecken. Wir gehen schwimmen. Der Sand ist schwarz, da aus Vulkanstaub. Heiß, ich brauche meine Badelatschen, um zum Meer zu gehen. Der Pazifik ist etwas wild. Die Wellen lassen mich nicht in Ruhe schwimmen und platschen mir immer erbarmungslos ins Gesicht. Nach kurzer Zeit gebe ich es auf. Ich teile mir eine riesige Pizza mit Frida und Felix. Dann lege ich mich faul in eine Hängematte, wo ich den Rest des Tages vor mich hinmeditiere. Vor Einbruch der Dunkelheit fahren wir zurück. Die Kinder schlafen auf der Fahrt ein. Ein Glück, da Sabine noch schnell im Haus etwas für die Bescherung vorbereiten muss, bevor wir alle rein dürfen. Alles Dunkel, nur die Lichter des Weihnachtsbaumes scheinen auf die vielen Geschenke drum herum. Deutsche Weihnachtslieder spielen im Hintergrund. Mit leuchtenden Augen machen sich Frida und Felix über die Geschenke. Der Rest des Abends wird damit verbracht alles auszuprobieren. Gemeinsam machen wir Tiere aus Knete, die wir in einer Ausstellung präsentieren wollen. Ich brauche ca. 1 Stunde, um einen Reiter aus Legosteinen zusammenzubauen. Felix bastelt in der Zwischenzeit alle anderen Teile der Reiterszene flink zusammen. Hm, meins war aber schwerer...

Ein Kommentar zu diesem Bericht schreiben