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Erfahrungsbericht - USA

Autor: Lukas Pack
Projekt: Please
Träger: EIRENE International 

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1. Rundbrief - Oktober 2008


Liebe Eltern, Verwandte, Freunde, Bekannte, Unterstützer und Interessierte!

Bevor ich anfange zu erzählen, erst einmal einen herzlichen Dank an alle, die mich ideell und finanziell unterstützt haben, diesen Dienst anzutreten.

Wie alles begann:


Wo fange ich an? Am besten ganz vorne. Vielleicht fragen sich einige von Euch, wie es denn eigentlich kam, dass ich mich für einen Freiwilligendienst im Ausland entschieden habe. Es war schon immer mein Wunsch und Vorhaben, einmal für ein Jahr ins Ausland zu gehen und die Welt von einer ganz anderen Sichtweise zu betrachten. Ich dachte, dass es toll sei, soziale und sinnvolle Arbeit mit einem Auslandsaufenthalt zu verbinden. Auf all meinen Reisen habe ich es immer genossen andere Menschen, Kulturen und Länder kennenzulernen. Sich mit dem Denken, den Sitten und Gewohnheiten anderer Länder zu beschäftigen, erscheint mir eine wichtige Voraussetzung zum gegenseitigen Verstehen. Die Vorbereitung für meinen Freiwilligendienst begann im Oktober 2007. Bei der Wahl einer betreuenden Organisation beschränkte ich meine Bewerbungen auf drei Trägerorganisationen. Von einem zweitägigen Infoseminar bei EIRENE Christliche Friedensdienste in Koblenz - Vallendar, kam ich begeistert zurück. Darauf folgte ein aufwändiger Bewerbungsprozess mit vielen persönlichen Fragen. Vier Wochen später wurde ich zu einem Auswahlseminar in die EIRENE Geschäftsstelle in Neuwied eingeladen. Jetzt schon überglücklich fuhr ich dort im Februar hin und machte in den zwei Tagen, wie schon beim Info-Seminar, Bekanntschaft mit anderen ( meist ) Jugendlichen, die den gleichen Traum wie ich haben und ihn verwirklichen wollen. Als die Mail von EIRENE mit der Zusage nach USA reisen zu dürfen eintraf, war meine Freude groß. Das, was ich mir sehnlich erwünscht hatte, ging in Erfüllung. Jetzt stand ich vor der Aufgabe, einen Unterstützerkreis aufzubauen. Der Aufbau eines solchen Kreises hat mich viel Mut, Zeit und Energie gekostet. Es war gar nicht so einfach, Geld für einen Friedensdienst im Ausland zu sammeln. Wie sollte ich mein Anliegen meinem angedachten Kreis von Förderern klar und deutlich unterbreiten? Ich wandte mich mit einem Schreiben an meine Freunde, Bekannte, Politiker, Firmen, an meine Gemeinde und nicht zuletzt an meine Familie.

Was ist EIRENE?


Um einen Freiwilligendienst im Ausland zu absolvieren, ist eine pädagogische und organisatorische Begleitung sehr wichtig. Für die Vorbereitung, die Begleitung, für Versicherungsfragen, Zwischenseminare und Auswertungstreffen ist die gemeinnützige Organisation EIRENE verantwortlich. Bereits seit 1957 unterstützt EIRENE im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit Projekte in Afrika und Lateinamerika durch finanzielle Hilfen und durch Fachkräfte (Südprogramm). Im Jahr 1980 wurde das Freiwilligenprogramm in den Industrieländern entwickelt ( Nordprogramm), um junge Menschen für weltweite soziale Fragen zu sensibilisieren. Das Eintreten für Frieden und Gerechtigkeit wird jungen Menschen in der Praxis ermöglicht. Mitte der 90er Jahre wurden erste Freiwillige auch in Osteuropa (Ostprogramm) eingesetzt. EIRENE sendet Freiwillige bereits seit vielen Jahrzehnten in dieganze Welt, um diejenigen, denen es am schlimmsten geht, in ihrem Kampf um das tägliche Brot, Gesundheit und Frieden zu unterstützen. Das Besondere an EIRENE ist für mich, dass die Konfession keine Rolle spielt. Obwohl ich Christ bin, ist für mich die Toleranz gegenüber Andersgläubigen sehr wichtig. EIRENE sendet pro Jahr ungefähr 12 Freiwillige in die USA. Um sicherzustellen, dass sich ausreichend um die EIRENE Freiwilligen gekümmert wird, arbeitet EIRENE in den USA mit einer anderen christlichen Freiwilligenorganisation zusammen. Sie heißt ´´Brethren Volunteer Service (BVS) ``. Es bedeutete für mich, dass ich mit zwei Organisationen zusammenarbeite. BVS entsendet bereits seit 1948 Freiwillige in die ganze Welt und gehört zu der größten Organisation seiner Art in USA. So wie EIRENE einen Ausreisekurs veranstaltet, veranstaltet BVS auch einen dreiwöchigen Vorbereitungskurs, genannt Orientation. Diese Vorbereitung fand dieses Mal in Wenatchee (Washington State) statt. Während dieser Zeit hat man die Möglichkeit, die Organisation kennen zu lernen und ein Projekt auszuwählen.

Ausreisekurs:


Am 01.07.2008 hat mein Dienst bereits in Deutschland mit einem zweiwöchigen Vorbereitungsseminar begonnen. Wie die meisten anderen war auch ich anfangs davon überzeugt, dass das viel zu lang sei. Wir fühlten uns doch alle eigentlich schon perfekt vorbereitet. Die Teilnehmer des Kurses kamen aus allen Teilen Deutschlands. Jeder mit einer anderen Herkunft, jeder mit einem anderen Ziel. Hier lernte ich auch die anderen USAFreiwilligen Friederike, Deniz, Julian und Simon kennen. Es gab Diskussionen, Vorträge und Rollenspiele über interkulturelle Konflikte, Verständnisschwierigkeiten, oder eventuell auftretende Problemsituationen. In der zweiten Woche trafen die so genannten Paten (ehemalige Freiwillige von EIRENE) ) ein, die uns zusätzlich mit Eindrücken und Informationen ihres Auslandsjahres bereicherten. Gemeinsam hatten wir die Gelegenheit, über die vor uns liegende Zeit, unsere Erwartungen, Hoffnungen und Wünsche zu sprechen. Rückblickend war das für mich eine sehr angenehme, gute und wichtige Zeit und ich freue mich bereits auf das Zwischenseminar.

Good bye Germany; Hello America


Nachdem der EIRENE- Ausreisekurs zu Ende war, durfte ich noch einmal für zwei Wochen nachhause. Schlagartig wurde mir bewusst, dass es nun Zeit wurde, Abschied zu nehmen. „ Das letzte Mal’’ tauchte zunehmend häufiger auf. Es begann ein sehr anstrengender Verabschiedungsmarathon. Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass es mir leicht gefallen ist, mich von allen für eine solch lange Zeit zu verabschieden. Auf einmal war es dann soweit und ich saß im Auto Richtung Flughafen. Der Flug stand bevor. In Frankfurt traf ich dann auch die vier anderen USA Freiwilligen, die mit mir nach Seattle flogen.Wir freuten uns alle, dass wir die Gelegenheit hatten, uns noch zwei Tage in Seattle aufhalten zu können, bevor uns BVS am Sonntag abholen würde. Der Flug verlief ohne Komplikationen, doch schon als wir landeten, wurden meine mitreisenden EIRENE Freiwilligen und ich auf eine harte Probe gestellt. Bei der Passkontrolle gab es Schwierigkeiten, weil die Herren von Homeland Security (das sind die Passkontrolleure) uns nicht glauben wollten, dass wir tatsächlich für einen gemeinnützigen Zweck in die USA einreisten. In einer sehr unfreundlichen Weise wurde uns mitgeteilt, dass wir nur ein Visum für ein halbes Jahr bekämen, was uns alle sehr erschütterte. Da wir aber schon beim Vorbereitungsseminar in Deutschland auf eine solche Situation vorbereitet wurden, wussten wir, dass BVS sich später um eine Verlängerung kümmern würde. Aus diesem Grund diskutierten wir auch nicht mehr lange, sondern nahmen es hin. Was mich persönlich geschockt hat, war der letzte Satz, der uns hinterhergerufen wurde: ,,Wenn ihr die Chance habt, geht zurück in euer Land.“ Nach einer solchen Aussage fragten wir uns alle, ob wir hier wirklich erwünscht sind. Diese Gedanken verflogen dann aber sofort, als wir im Hotel ankamen. Schon auf dem Weg dorthin, hießen uns einige Leute herzlich Willkommen in USA. Gleich nach der Ankunft machten wir uns auf den Weg nach Seattle Downtown.

Seattle ist die größte Stadt im Nordwesten der Vereinigten Staaten und liegt etwa 150 km südlich der Grenze zu Kanada. Die Stadtfläche besteht zu 40% aus Wasser. Es ist der Stammsitz von Boeing und Microsoft. Hier dominieren Hügel, Wasser und hohe Berge aus der Ferne. Eine unglaublich schöne Landschaft .Am letzten Tag, den wir in Seattle verbrachten, hatten wir noch ein tolles Erlebnis, das ich so schnell nicht vergessen werde. Jedes Jahr findet in Seattle die größte „Parade“ der ganzen amerikanischen Westküste statt. Wir hatten das Glück, gerade an diesem Tag in Seattle zu sein. Auf dieser Parade präsentierten sich verschiedene Gruppen aus unterschiedlichen Kulturen (z.B. die chinesische Bevölkerung aus Chinatown) und Organisationen, wie die Polizei, die Rettungssanitäter, die Feuerwehr und auch die Armee und gingen durch die Straßen von Seattle Downtown. Ein riesiges Schauspiel, das man gesehen haben muss, vergleichbar wie bei uns der Karneval in Köln.

Orientation


Nach drei Tagen war es dann endlich soweit und unsere Orientations- Koordinatoren holten uns an unserem Treffpunkt am Flughafen ab. Dort trafen wir dann auch zum erste Mal die USA Freiwilligen. Der erste Eindruck täuschte nicht, es waren alle sehr nette Menschen. Das bestätigte sich auch in den drei Wochen der Orientation. Schnell wurde alles in zwei Autos gepackt und auf ging es nach Wenatchee. Auf der Fahrt von Seattle Airport nach Wenatchee wurde mir das erste Mal klar, was für eine Natur Amerika zu bieten hat. Die Fahrt dauerte insgesamt drei Stunden. In diesen drei Stunden änderte sich das Landschaftsbild ständig - Stadt, Industrie, Wohngebiete, dichte Laubwälder, Seen, Gebirge mit zum Teil schneebedeckten Gipfeln. Am Ende unserer Fahrt sah man dann karge Landschaft, kaum Bäume nur Gestrüpp. Das Klima änderte sich von kühl (18 Grad) auf heiß (40 Grad). Wir waren in Wenatchee. Ich war erschrocken über diese karge Gegend dort, die mich stark an eine Wüste erinnerte. Wenatchee liegt im Tal des Columbia River ca. 200 km östlich von Seattle. Die Stadt wird auch Apfelhauptstadt der USA genannt. Grundlage ist die Verarbeitung und Vermarktung von Obst, vor allem von Äpfeln. Das ganze Tal ist voller Obstplantagen. Das Land – im Übergang zwischen Bergen und wüstenähnlicher Gegend – wird weitgehend künstlich aus dem Columbia River bewässert. Als wir dann an unserer Unterkunft für die nächsten 3 Wochen ankamen, war ich geschockt. Es war eine Kirche der Brethren, in der uns Freiwilligen ein paar Räume zur Verfügung standen. Dort schliefen wir in unseren Schlafsäcken auf dem Boden. Mein Rücken gewöhnte sich jedoch nach ein paar Tagen an diesen ungewohnten Untergrund. Die Zeit der Orientation verlief zum Teil schnell, aber zum Teil auch langsam. An manchen Tagen wurde uns viel Theorie beigebracht. Unter Anderem mussten wir unsere Gedanken schriftlich, oder bildlich über unsere bisherige Zeit in den USA festhalten, oder unsere Zukunft widerspiegeln. An manch anderen Tagen wurden wir praktisch auf unseren Volunteer Service vorbereitet, in dem wir auf einer Apfelplantage arbeiteten, oder in einem Obdachlosenheim in Seattle in der Küche halfen.(siehe Bild)

Während der Orientation hatten wir die Möglichkeit uns über ca. 50 Projekte zu informieren die uns in USA zur Verfügung standen. Nach 2 Wochen konnten wir dann unsere „top drei“ der Projekte angeben. Bei mir stand an erster Stelle das Catholic Worker House in Chicago, das lateinamerikanische Flüchtlinge aufnimmt, ihnen eine Unterkunft bietet und Familien betreut. Meine zweite Wahl war ein Projekt in Kansas City, in dem vernachlässigten Jugendlichen geholfen wird, das Leben auf der Straße zu beenden. Und letztens meine dritte Wahl fiel auf Atlanta, ein Cafe für obdachlose Menschen. Leider konnte ich in keinem dieser drei Projekte aufgenommen werden, da ich entweder zu jung war, oder wie in Atlanta andere Freiwillige dieses als erste Wahl angegeben hatten. Bis zum vorletzten Tag unserer Orientation war für mich noch nicht genau klar, wo ich hingehen wollte, da ich mich ursprünglich auf meine ,, top drei“ Projekte fokussiert hatte. Dann jedoch hatte ich ein Telefoninterview mit Mary S., der Chefin von Projekt PLASE in Baltimore. Projekt PLASE ist kurz beschrieben eine staatliche Organisation, die obdachlosen und aidskranken Menschen mit Medikamenten und Unterkünften hilft. In diesem Interview fand ich Gefallen an diesem Projekt, da mir Mary anbot, auch mit Jugendlichen und Kindern zu arbeiten Das lag in meinem Interesse. Da ich in meiner Zeit als Austauschschüler (für 14 Tage) in Amerika schon einmal Baltimore besucht habe, hatte ich auch ein Bild von der Stadt, die mir sehr gut gefallen hat. Also entschloss ich mich lezten Endes nach Baltimore zu Projekt PLASE zu gehen.

Baltimore


Am Freitag, den 15. 08. war es dann endlich soweit. Von Seattle aus flog ich über Phoenix, Chicago nach Philadelphia. Da Projekt PLASE noch keine Unterkunft für mich gefunden hatte, wurde ich gebeten, erst am 19.08. anzureisen. Ich überlegte also, wie ich das nun regeln sollte. Der Onkel meines besten Freundes Cedric lebt in Philadelphia. Ich hatte schon ein paar Mal mit ihm telefoniert, bevor ich in die USA kam und er versicherte mir immer, dass ich jederzeit herzlich willkommen sei. Nach ein paar Überlegungen entschloss ich mich, bei ihm anzurufen und ihn zu fragen, ob er mich für drei Tage aufnehmen könnte. Ich freute mich sehr, eine Zusage von ihm zu bekommen und über das Angebot, mich am Flughafen in Philadelphia abzuholen. Dankbar bin ich darüber, was ich in dieser Zeit erleben durfte und die Erfahrung zu machen Freunde hier in USA zu haben. Cedrics Onkel Fred (siehe Bild) gab mir nicht nur eine Unterkunft, er gab mir Verpflegung und achtete immer darauf, dass ich ja genug aß. Fred stellte mich seinen Freunden vor, die mich genau so freundlich behandelten und er zeigte mir Philadelphia. Noch heute telefoniere ich mit ihm und er ist immer noch genau so freundlich und hilfsbereit wie ich ihn erleben durfte. Ich bin dankbar ihn kennen gelernt zu haben und froh, hier in USA einen solchen Menschen zu haben. Ein großes Dankeschön an Cedrics Familie und an Fred. Nach drei Tagen fuhr ich dann an meinem 19. Geburtstag mit dem Zug von Philadelphia nach Baltimore. Mary, die Leiterin von PLASE, holte mich am Bahnhof ab, um mich zu meiner Unterkunft zu bringen.

Die Ankunft im sommerlichen Baltimore war verheißungsvoll .Die Hoffnung, dass ich die andere Seite der USA kennen lernen würde, bestätigte sich schon auf der Fahrt vom Bahnhof zu meiner Unterkunft. Baltimore hat mit am stärksten unter den US amerikanischen Großstädten mit Armut, Verwahrlosung und Drogenabhängigkeit zu kämpfen. Einige innere Stadtteile geben wie in vielen Städten an der Ostküste, ein schauriges Bild urbanen Niedergangs ab.

Mary fuhr mich also quer durch Baltimore City, durch viele verwahrloste Straßen mit häufig leer stehenden und heruntergekommenen Häusern. Das schockte mich schon sehr. Als sie dann in eine solche Straße einbog und auf ein Haus zeigte, war meine Befürchtung in einer solchen Gegend zu wohnen, bestätigt. Ich sollte also in einem so genannten „ghetto“ wohnen! Was mich persönlich in dieser Situation als einziges ansprach, war, dass sich ein richtig guter Basketballplatz direkt neben dem Haus befand. Das Leben in meiner Wohngegend war am Anfang nicht einfach, da ich der einzige Weiße in meiner Umgebung bin und somit erst das Vertrauen meiner Nachbarn gewinnen musste. Viele dachten in den ersten Tagen, ich sei ein Spitzel der Polizei. Die Gegend ist in der Hand mehrerer Straßengangs, die sich schon öfters regelrechte Straßenschlachten lieferten. Schießereien gab es schon öfters und Drogengeschäfte beobachte ich täglich. Geschockt bin ich darüber, dass es sich bei den Dealern und Abnehmern meistens um Jugendliche und sogar Kinder handelt. An diesen Anblick habe ich mich bis heute nicht gewöhnt. Der Kontakt zu meinen Nachbarn ist durch die Gangstruktur erschwert und doch fand ich ein freundschaftliches Verhältnis zu manchen Menschen, - natürlich mit gebührender Distanz-. Schnell hörte man von dem „großen weißen Basketballspieler“ und ich wurde schon bald auf der Straße, im Bus, oder in der Bahn angesprochen. Trotz all dieser freundlichen Gespräche, die ich hier habe, muss ich immer aufpassen und meine Augen offen halten. Am ersten Tag in Baltimore erzählte mir ein alter Mann, dass der Spitzname Baltimores ´´ charm city`` sei. Er erklärte mir, dass man in Baltimore Leute trifft, mit denen man Spaß haben kann und die einem wie ein Freund erscheinen , die dir aber am nächsten Tag eine Pistole an den Kopf halten würden. Vor einer Woche wurde nachts ein Polizist erschossen. Zwei Blocks unter mir wurden zwei Menschen auf offener Straße durch Schüsse getötet. Eine Gruppe Jugendlicher schossen aus dem Auto wahllos auf Menschen, die sich auf der Straße befanden. Oft sehe ich neidische Blicke z.B. auf meine Schuhe. Deswegen überlege ich genau wann ich meine Wohnung verlasse und wie ich herumlaufe. Wichtig ist hier in meiner Wohngegend, besser nicht zu viel zu reden und lieber zu beobachten und zuzuhören. Mary gab mir auch einige Verhaltensregeln mit auf den Weg, keine Wertsachen und wenig Geld mit sich zu führen.

Baltimore ist die größte Stadt im Bundesstaat Maryland. Sie hat ca. 700 000 Einwohner. Die Stadt liegt an den Ufern der riesigen Chesapeak - Bucht fast 300km entfernt vom Atlantischen Ozean. (siehe Karte) Baltimore liegt 50 km nordöstlich von Washington DC entfernt und 120 km südwestlich von Philadelphia. Hier befindet sich einer der größten Häfen der Vereinigten Staaten. Die größte Attraktion der Stadt ist ohne Zweifel der Inner Harbor ( innere Hafen ). Da wo sich früher der innere Hafen und die Industrieanlagen befanden, spielt sich heute das Leben der Stadt ab. Das innere Hafenviertel, das in der Mitte der Stadt liegt, ist restauriert und erneuert und in ein riesiges Unterhaltungs- und Einkaufszentrum umgewandelt worden.

Project PLASE


Das Projekt PLASE (People Lacking Ample Shelter) in Baltimore bietet obdachlosen Erwachsenen ein Übergangswohnheim, ständige Wohnungen und unterstützende Dienstleistungen an. PLASE kümmert sich um die am stärksten gefährdeten und unterversorgten obdachlosen Menschen – HIV/Aids, Sucht, Entwicklungsstörungen, Ex Straftäter usw. Das Ziel des Projektes ist es, die bedürftigsten und am stärksten gefährdeten Obdachlosen in allen Aspekten ihres Lebens zu stabilisieren und an einen rechtmäßigen Platz in der Gesellschaft zurückzuführen. Zu Project PLASE (http://www.projectplase.org/)gehören drei verschiedene betreute Wohngemeinschaften, die Männer- und Fraueneinrichtungen und eine betreute Wohngemeinschaft im Hauptgebäude von Project PLASE, wo ich arbeite. In diesen Wohngemeinschaften leben Obdachlose, die an HIV oder Aids erkrankt sind. Das Hauptgebäude von Project PLASE verfügt über 4 Etagen. Unter anderem werden hier die Finanzen gemanagt. Project PLASE nimmt in diesen Wohngemeinschaften im Haupthaus nur Menschen auf, die an HIV oder Aids erkrankt sind. Die Kranken brauchen medizinische Versorgung, deshalb gibt es in der untersten Etage ein Büro, das für die Verteilung der Medikamente zuständig ist. Außerdem befindet sich in dieser Etage noch eine Wohngemeinschaft die aus 12 Menschen besteht, Frauen und Männer. In der 2. und 3. Etage sind noch zwei andere Wohngemeinschaften, die wiederum zwischen Frauen und Männern getrennt sind. Project PLASE versucht diese Menschen für ein eigenständiges Leben vorzubereiten und mit einer eigenen Wohnung zu unterstützen. Deswegen hat sich Project PLASE zum Ziel gesetzt, Menschen die lange Zeit obdachlos waren und einen bestimmten Zeitraum betreut gewohnt haben, wieder in die Gesellschaft zu integrieren und ihnen eine eigene Wohnung/Appartement zu geben.

Meine Arbeit ist sehr vielseitig. Manchmal helfe ich den Klienten beim Umziehen. Mit einem großen Van fahre ich dann ihr Hab und Gut zu ihrem neuen Zuhause. Meine Hauptaufgabe besteht darin, Lebensmittel, die von riesigen Supermärkten gespendet werden, abzuholen und zu Project PLASE und den dazugehörigen Einrichtungen zu bringen. Auf einer Liste steht dann genau, welches Wohnheim welche Lebensmittel bekommt. Das ist ganz schön anstrengend, weil der Wagen meistens bis oben hin voll ist. Wenn ich den Menschen der verschiedenen Einrichtungen die Lebensmittel bringe, sind sie immer sehr dankbar dafür und trotzdem gibt es manchmal Probleme, weil manche Klienten unbedingt das haben wollen, was aber nicht für sie bestimmt ist. Aber inzwischen habe ich gelernt, mich durchzusetzen.

Ich fühle mich gut in das Project PLASE eingebunden und mittlerweile finde ich es einfach nur klasse, hier zu arbeiten .Die Arbeit und der Umgang mit meinen Kollegen im Projekt ist für mich faszinierend. Sie ist geprägt durch eine große Offenheit und Direktheit. Der Vorname ist meist das einzige, was man zur Ansprache benötigt – sei es nun ein Kollege, oder ein Bewohner. Dies zusammen mit dem relaxten Arbeitsklima machen den Arbeitsalltag sehr angenehm für mich, obwohl es meist sehr viel und unter Zeitdruck zu tun gibt. Jeden Morgen stehe ich um 8:00 auf um dann um 9:00 Uhr bei Project PLASE zu sein. Dort angekommen, helfe ich in der Wohngemeinschaft in der untersten Etage bei der Essenzubereitung. Anschließend verteile ich Medikamente, oder es fällt Büroarbeit an, und, und, und. Inzwischen habe ich auch 2 Klienten für die ich verantwortlich bin. Dabei handelt es sich um einen siebzehnjährigen Jugendlichen, der krank ist und zu Hause unterrichtet wird. Er hat eine starke Licht- und Sonnenallergie und wird sobald er sich aufregt, oder sich zu sehr anstrengt ohnmächtig. Nachdem der Lehrer das Haus verlassen hat, betreue ich ihn, bis seine Mutter von der Arbeit kommt. Da er auf Grund seiner Krankheit das Haus kaum verlässt, lebt er sehr isoliert und hat kaum Freunde. Meine Aufgabe ist es, ihn zu beschäftigen, ihm andere Menschen näher zu bringen und ihm zu lernen, Kontakte zu knüpfen. Mein zweiter Klient ist ein 20 jähriger junger Mann, der geistig behindert ist. Sein Tagesablauf beschränkt sich fast nur auf Computer oder Videospiele. Meine Aufgabe ist es, ihn mit mehr Aktivitäten draußen zu beschäftigen. Meine Arbeit hier war bisher noch nie langweilig, oder eintönig. An manchen Tagen endet mein Arbeitstag um 15:00 Uhr an manchen um 22:00 Uhr. Besonders wichtig ist mir der Kontakt zu den Menschen hier. Das Vertrauen eines Klienten zu gewinnen, ist eine besonders wertvolle Erfahrung für mich.

Wahlen in USA


Wie ihr ja alle wisst, steht die Präsidentschaftswahl bevor. Natürlich verfolge ich mit Spannung den Wahlkampf. Die Mehrheit der Menschen in meinem Umfeld würden es begrüßen, wenn Barack Obama ins Weiße Haus einziehen würde. Zum ersten Mal in der Geschichte der USA hat ein Schwarzer die Chance, Präsident zu werden. Auch ich bin für Barack Obama. Nicht, weil er Afroamerikaner ist, auch nicht weil er so jung ist. Ich bin für Obama, weil ich in seinem Programm den Wechsel sehe, den die USA dringend braucht. Er steht für den Abzug aus dem Irak, eine neue Klimapolitik, eine vernünftige Migrationspolitik, bessere Bildung, progressive Waffengesetze und eine bessere Gesundheitspolitik. Geschockt war ich, als ich gestern in der Zeitung las, dass die gesamten Wahlkosten bis zur US Präsidentschaftswahl am 4. November erstmals eine Schwelle von einer Milliarde Dollar überschreiten!

Es gibt etwas Neues


Vor drei Tagen hat sich meine Wohnsituation verbessert. Da mein Leben (wie oben berichtet) in meiner Wohngegend nicht mehr sicher war, bin ich umgezogen. Nach Absprache mit Project PLASE wohne ich nun in einem anderen Stadtteil. Wie es dazu kam und wo ich nun wohne, werde ich Euch in meinem nächsten Rundbrief berichten. Und so bin ich hier sehr glücklich und zufrieden, genieße meine Freiheit und Unabhängigkeit und denke, dass die Entscheidung hierher zu kommen für mich genau die richtige war. In meinem nächsten Rundbrief werde ich Euch mehr von meiner Arbeit im Project PLASE und von Baltimore berichten. Ich würde mich freuen von Euch zu hören und wünsche Euch bis dahin alles Liebe und Gute.

Bis bald,
oder wie der Amerikaner sagen würde ,,see you“

Lukas Pack

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