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Erfahrungsbericht - Irland

Autor: Philip Mehnke
Projekt: Greenhill YMCA
Träger: EIRENE International 



1. Rundbrief - Mai 2008


EINLEITUNG


Hallo liebe Unterstützer/innen, Eirene-MitarbeiterInnen, Internetleser und alle die es interessiert,
vielen Dank für euer Interesse.
Einen besonderen Dank an alle, die mich bis jetzt finanziell und moralisch unterstützt haben und damit meinen Dienst und auch diesen Rundbrief möglich machen. Ich habe lange überlegt, wie ich diesen Rundbrief schrieben und was ich überhaupt einbringen soll. Letztendlich habe ich mir gedacht, dass ich mich einfach an Vorurteilen (guten wie schlechten) entlang arbeite. Da ich erst drei Monate hier bin, möchte ich jetzt noch nichts über die Kultur, den Konflikt oder solch tiefgehende Dinge schreiben. Ich bin froh, wenn ich die Vorurteile und ersten Eindrücke so langsam hinter mir lasse. Ich hoffe ihr, Du, Sie könnt, kannst, können diesen Rundbrief genießen und ein paar meiner Eindrücke teilen. Ich werde um den Lese-Fluss nicht zu stören und natürlich auch um mir das schreiben zu erleichtern im restlichen Brief die vor-gender-rechtlich-chauvinistische gebräuchliche männliche Form benutzen.

Ich bitte dies zu verzeihen und falls nicht; ist auch nicht schlimm.
Viel Spass beim lesen, bis in drei Monaten Schöne Grüße und alles Gute
Philip

P.S.: Alle Rechtschreib-, Zeichensetzungs-, Ausdrucks-, Satzbau und Grammatikfehler sind selbstverständlich nur auf die sprachliche Verwirrung zurückzuführen.

LOSGEFLOGEN UND AUFGESCHLAGEN


Aller Anfang ist schwer, doch es ist nicht schwierig mit dem Anfang anzufangen. Mein Dienst fing, wie ich denke alle anderen Dienste auch, mit einem Abschied an. Nach monatelangen Verabschieden von Freunden, Bekannten, Mitarbeitern und Verwandten, stand nur noch ein letzter Abschied an. (Das die Wörter Anfang und Abschied so oft vorkommen, ist durchaus Absicht! Es verdeutlicht worum es geht ; ) ) Am Flughafen mit besten Freunden, Eltern und Freundin. Zum Glück ging es schnell, allerdings keineswegs schmerzlos. Ich würde sagen, ich habe erst im Flugzeug realisiert, dass jetzt ein komplett neuer Lebensabschnitt für mich begonnen hat.. Entsprechend verwirrt kam ich dann auch in Dublin an. Ich beschreibe dies so ausführlich, da mir dieser Moment ewig vorkam. Und das mit guten Grund, mein Flug hatte eine Stunde Verspätung und ich konnte meinem Vorgesetzten von Greenhill nicht Bescheid geben, der mich Flughafen abholen wollte. Erster Tag und schon zu spät. Doch kaum hatte ich in aller Eile mein Gepäck abgeholt und versuchte hektisch oder auch panisch meinen Vorgesetzten zu finden, als ich einen Anruf bekam. Mein Vorgesetzter war am Telefon und teilte mir mit, dass er sich leider ETWAS verspätet und in etwa 15 Minuten am oberen Ausgang sein würde. 45 Minuten später stieg ich dann ins Auto und wir machten uns auf den Weg zum Greenhill-Freiwilligenhaus in Newcastle. Ich habe oft von ehemaligen Freiwilligen gehört, dass die Nordiren es nicht so genau nehmen mit der Zeit und viel entspannter mit Verspätungen oder Verabredungen umgehen. Nun ja dies ist dafür vielleicht ein Extrembeispiel, aber grundsätzlich habe ich schon die Erfahrung gemacht, dass bei weniger wichtigen Verabredungen, (z.B. abends ausgehen, einkaufen, Freiwillige vom Flughafen abholen u.s.w.) die Zeit eine nicht ganz so große Rolle spielt. 15 Minuten ist noch lange keine Verspätung und niemand würde sich deswegen aufregen. Das bedeutet jedoch nicht, dass es einfach ist sich daran zu gewöhnen. Ich ertappe mich immer wieder nach fünf Minuten dabei, dass ich auf meine Uhr schaue und langsam anfange ungeduldig zu werden. Nach 20 Minuten ist normalerweise mein Limit erreicht und ich rufe die Person an oder male mir aus was eine geeignete Strafe dafür wäre mich hier im Regen warten zu lassen. Entspanntes Warten ist das nicht, aber ich glaube ich werde langsam besser. Es bietet sich auf jeden Fall an immer entweder ein Buch oder sonst etwas dabei zu haben um sich die Zeit zu vertreiben. Doch zurück zur Fahrt, nach 1,5 stündiger Fahrt und langem Gespräch über meine Vorstellungen, Erwartungen, Hoffnungen, Befürchtungen und deutsches Bier kamen wir dann endlich in Newcastle an. Später erfuhr ich, dass dies mein Einführungs- und Bewerbungsgespräch war. Hier hatte ich alle Möglichkeiten Fragen zu stellen oder mich über einige Dinge genauer zu erkundigen. Was in Deutschland vielleicht in einem offizielleren Rahmen und mit Ankündigung geschehen würde, war hier eben der Smalltalk während einer Autofahrt. Es war deswegen meiner Meinung nach nicht besser oder schlechter, ich hatte sowieso nicht viele Fragen, da ich einfach nur endlich ankommen wollte und mich am liebsten in eine Ecke verkriechen bis sich das Chaos in meinem Kopf gelegt hat. Das sollte jedoch noch etwas länger dauern als ich dachte.

NEWCASTLE, WO DIE BERGE DAS MEER KÜSSEN



Der schönste Weg nach Newcastle ist entlang der Küste (Dublin, Grenze, Newry, Newcastle und einige kleine Städte dazwischen). Newcastle ist eine kleine Stadt (9 Tausend Einwohner) entlang einer Bucht und hat zwischen 500 bis 1000 Meter Strand. Auf Grund der Lage direkt am Meer und am Fuße der Mourne Mountains, ist Newcastle ein sehr beliebter Ferienort.

Man wird wenige Orte finden, in denen man erst einen ganzen Tag wandern und danach am Meer entspannen kann. Der höchste Berg Nordirlands, Slieve Donard, stößt hier tatsächlich direkt aufs Meer. Es gibt keine abflachende Zone dazwischen, es ist einfach Berg – Meer oder halt Meer - Berg, wie man es gerne hat. Als Touristenstadt hat Newcastle natürlich genauso viele Vorteile wie Nachteile. Im Sommer verdoppelt oder verdreifacht sich die Einwohnerzahl, da zu diesem Zeitpunkt alle Ferienwohnungen, Appartements, und Bread 'n' Breakfasts ausgebucht sind. Im Winter ist die Stadt quasi tot, außer es gibt ein wirklich sonniges Wochenende und auf einmal sind alle Straßen bis zum bersten gefüllt. Das alles führt zu einer geradezu gigantischen Menge an Eiscafés, Fast-Food Restaurants, Pubs, Spielhallen und natürlich Friseuren. Eine neu gebaute (und auch schöne) Strandpromenade, restaurierte Pubs, nette kleine Kirchen (gebaut aus dem in den Bergen vorkommenden Granit), ein Strandbad, ein Meersalzbad und was das Touristenherz sonst noch so erfreut. Leider gibt es kein Kino oder höher gegriffen kein Theater. Das Stadtzentrum ist etwas gestreckt und verläuft direkt entlang der Hauptstraße, neben dem Meer. Nachts ist Newcastle wegen seiner vielen Lichter ein ziemlich buntes Erlebnis. Entlang der Promenade sind blaue Laternen angebracht und zusammen mit den Lichtern der Spielhallen und Werbetafeln der Fast-Food Industrie wirkt alles sehr modern. Newcastle ist alles andere als eine nette, alte, kleine nordirische Stadt in der man den Charme eines Fischerdorfes finden und am Abend die Hirten die Schafe den Berg hochtreiben sehen könnte. Newcastle ist nicht irgendwo im nirgendwo, für nordirische Verhältnisse. Die nächst größere Stadt, Downpatrick (30 000 Einwohner), ist eine halbe Stunde mit dem Bus entfernt. Belfast, Metropole, Hauptstadt und Besitzerin eines Kinos ist nur eine weitere Stunde weg. Es ist also durchaus möglich in der Freizeit etwas in Newcastle und Umgebung zu unternehmen. Großstadtfeeling gibt es aber auch in Belfast nicht wirklich. Man sollte von Newcastle also nicht zuviel und nicht zu wenig erwarten.
Das Schönste an dieser Stadt ist die Umgebung. Wenn hier die Sonne scheint gibt es nichts schöneres als die blaue See vor einem und die grünen Berg mit silbernen Flecken hinter einem (reflektierende Granitfelsen). Doch als ich hier ankam hat es geregnet. Alles war trist, wolkenverhangen und neblig. Alle Farben nur in Abstufungen von Grau und Braun. Ich persönlich finde Newcastle an regnerischen Tagen irgendwie deprimierend und das viel gepriesene allgegenwärtige Grün sehe ich dann vor lauter Grau auch nicht mehr. Zum Glück ist das Wetter hier schnell gelangweilt und kann sich alle 10 Minuten ändern. Vier Jahreszeiten an einem Tag sind keine Seltenheit und es ist ratsam immer mit Regen zu rechnen. Ich kam jedenfalls an einem weniger schönen Tag an und stand vor der mir schon durch meine Projektreise vertrauten Fassade des Greenhill-Staff Hauses. Auch in Newcastle gibt es alte Häuser mit alten Fassaden und Einrichtungen die dringend einer Komplett-Sanierung bedürfen. Genau in so einem Haus lebe ich seit drei Monaten.

WILLKOMMEN IM IR(R)ENHAUS


Das Haus befindet sich am Südende von Newcastle direkt an der Haupstraße und ist nur von dieser vom Meer getrennt. Das Haus hat drei Etagen. (siehe Foto) In der untersten Etage befindet sich ein großes Wohnzimmer mit Kamin und Billardtisch, ein kleines Wohnzimmer mit Fernseher, Videorecorder (die gibt’s noch), DvD-Player, jede Menge Filme und die Küche. Unsere Küche besitzt drei Kühlschränke, eine Tiefkühltruhe, groß genug um eine ganze Kuh einzufrieren (am Stück!), zwei Spülbecken (keine Spülmaschine), eine Mikrowelle, eine Waschmaschine, einen kleinen Ofen und einen mittelgroßen Ofen, jedoch nur einen Herd. Verlässt man die Küche durch die Hintertür steht man im Hinterhof direkt vor dem Hinterhaus, das im Sommer von den Freiwilligen die im Sommercamp arbeiten bewohnt wird. In den zwei anderen Etagen sind die Räume der einzelnen Freiwilligen, unterschiedlich in Größe, Höhe und Zustand. In der ersten Etage ist das Bad für die Frauen, in der zweiten das der Männer. Zusammen ganze drei funktionierende Duschen. Wenn man sich den Zustand des Hauses vorstellen möchte, nimm ein normales Haus, rechen minus 20 Jahre und nötige Instandhaltungsarbeiten, addiere 6 alte Sofas und ein paar Sessel, vergiss leuchtende und neue Farben und stelle dir vor in den letzten Jahren lebten hier nur Menschen um die 20. Diesen unglaublichen Luxus teilen zur Zeit 11 weitere Freiwillige mit mir.

Die beiden größten Parteien sind Deutsche (4) und Nordamerikaner (3). Hinzu kommen eine Engländerin, eine Tschechin (ein weiterer Tscheche kommt am Sonntag an), eine Spanierin (kommt am Sonntag an), zwei Nordiren und ein halb Peruaner, halb Franzose. Irgendwann werden noch andere Freiwillige von irgendwo ankommen und im Sommer wenn auch das Hinterhaus belegt ist, teilen sich 23 Menschen Wohnzimmer, Küche, Fernsehzimmer und ich glaube 4 Duschen. Eine kleine eigene Welt in Nordirland, gemixt aus unterschiedlichen Kulturen und Hintergründen. Alle mit verschieden Motivationen, Interessen und verschiedenen Organisationen in einer Alterspanne von 18 bis irgendwo Mitte 30 (besser man fragt nicht zu genau).

EINKAUFEN-PUTZEN-KOCHEN


Damit das Haus nicht versumpft und das Geschirr sich nicht in der Küche stapelt bis es lebt, gibt es verschiedene Dienste. Jeden Tag hat jemand anderes Küchendienst und ist dafür zuständig, das am Abend alles gespült ist, die Küche gefegt und gewischt, alle Arbeitsplatten sauber und die Mülleimer geleert sind. Natürlich ist in erster Linie jeder selbst dafür verantwortlich seinen Kram selbst zu spülen, aber natürlich funktioniert das nie. Zudem ist man als Hausbewohner im wöchentlichen Rhythmus dafür zuständig entweder das Bad zu putzen, den Flur zu saugen, das Wohnzimmer aufzuräumen u.s.w. Gekocht wird in der Gruppe (es gibt z. Zt. drei Kochgruppen, eine mit 7 Personen, eine mit zwei und eine Einzelkämpferin. Die anderen haben sich noch nicht entschieden). Es gibt mit Ausnahmen kein Essen im Center. Greenhill stellt täglich Milch, Toast, schwarzen Tee und „unglaublich leckeren“ Instantkaffee für das Haus zur Verfügung und zahlt für jeden Freiwilligen 1 Pfund pro Tag für Lebensmittel. Ich bin in der siebener Kochgruppe und am Anfang jeder Woche werden Rezepte gesammelt, eine große Einkaufsliste geschrieben und dann geht’s mit großen Rucksäcken auf zu Lidl (15 min) oder Tescos (25 min). Jeden Tag wird dann das Gericht für den folgenden Tag vorgekocht, um dann während der Mittagspause in der Mikrowelle aufgewärmt zu werden. Ich würde sagen wir sind durchaus akzeptable Köche und unser Essen ist dem anderen „Kantinenessen“ hier im Center durchaus vorzuziehen. Zuständig für jedes Gericht ist in der Regel die Person, die das Rezept aufgeschrieben hat. Gekocht wird dann zusammen, immer öfter mit klassischer Musik, da es irgendwie zum kochen passt. Die Hausgemeinschaft regelt all diese Dinge „intern“, ohne dass ein Hauptamtlicher kontrolliert oder irgendetwas vorgibt. Alle Aspekte, die das Zusammenleben im Haus angehen, stehen in der alleinigen Verantwortung der Bewohner. Sollte es aber wirklich Probleme geben (z. B. Mit einzelnen Personen, die sich absolut nicht an die Regeln halten) kann sich jeder, jeder Zeit an einen Vorgesetzten wenden. Das ist allerdings noch nicht oft geschehen und wenn, war das Problem, so hab ich gehört, danach auch gelöst.

KOSTEN--KOSTEN--KOSTEN


Für Frühstück und Abendessen ist ein jeder selbst zuständig. Nordirland ist nicht gerade billig, aber auch nicht unbezahlbar. Grundsätzlich gilt: Je schlechter man isst, desto weniger muss man zahlen. Wer also gut von Fertignudeln, Dosengerichten und Tiefkühlpizza leben kann hat Geld-technisch keine Probleme. Diese vielleicht später auf der Waage, aber man kann ja nicht alles haben. Andere notwendige Ausgaben sind natürlich Hygieneartikel, Waschmittel und Getränke. Greenhill stellt nur Milch und weißen Toast zur Verfügung und das Leitungswasser ist mir persönlich zu chlorhaltig. Wem es schmeckt, der kann es gerne trinken. Ich ziehe es vor Getränke zu kaufen. Diese sind auch bezahlbar, als Beispiel 2 Liter Mineralwasser kosten 1€, 2 Liter Cola 2€ und Sirup zum mischen 70 Cent. Das einzige Problem ist, die vollen Flaschen immer durch die Stadt zu schleppen. Das sind die einzigen lebenserhaltenden Kosten die auf einen Greenhillfreiwilligen zukommen, alles in allem geschätzte 10 bis 15 Pfund die Woche.

ÜBERLEBEN-EINLEBEN-AUSLEBEN


Soviel erst einmal zu den Basisfaktoren zum Überleben im Haus. Zum „Leben“ gehört natürlich mehr, vor allem sich zu Hause zu fühlen. Ich kannte das Haus und seine Bewohner schon flüchtig von meiner Projektreise. Ich hatte während dieser schon keine Probleme Englisch zu sprechen und konnte mir, da alle Hausbewohner offene Menschen waren und sind, nicht vorstellen, Probleme zu haben mich einzuleben. Ich kannte das WG-Leben seit 1,5 Jahren (mit ständig wechselnden Mitbewohnern) von meiner Arbeit bei EIRENE hatte nie Probleme mit den Leuten auszukommen oder mich einzufügen.
Entsprechend überrascht hat es mich dann hier, wie schwierig doch der Anfang hier war. Nicht das es mir jemand mit Absicht schwer gemacht hätte. Alle waren freundlich und hilfsbereit. Auch die Sprache war kein Problem (Im Haus wird generell, auch wenn Deutsche unter sich sind, nur Englisch gesprochen). Vielmehr waren es die Themen mit denen ich nichts anfangen konnte, was interessieren einen Laien denn die verschiedenen Teile einer Kletterausrüstung. Und auch bei Gesprächen über Gruppen im Center oder Witze über Vorgesetzte konnte ich natürlich nicht mitreden. Ich wurde nicht ausgegrenzt, doch alle Gespräche die ich führte waren doch sehr oberflächlich. Auch die Routine im Haus selbst war neu für mich. Was für alle anderen völlig normal und selbsterklärend war, war für mich neu und keine logische Konsequenz. (ist es auch jetzt manchmal noch nicht) Ständiges Nachfragen ging mir irgendwann selbst auf die Nerven und so richtig ausführliche und hilfreiche Antworten bekam ich auch nicht. Ich hab mich nicht schlecht gefühlt und hatte auch keine schlechte Laune, aber irgendwas war grundsätzlich falsch. Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass ein neuer Freiwilliger und Hausbewohner, den anderen völlig egal war. Niemand fragte mich nach Heimatstadt, Interessen oder sonst irgendwas. Doch nach zwei Wochen fing alles an sich aufzulösen. Meine Mitbewohner waren sich genauso unsicher mit mir wie ich mit ihnen. Wir alle wollten herausfinden mit was für Menschen wir es hier zu tun haben, schließlich muss man ja auch eine Weile miteinander leben. Das Ganze Gefüge im Haus basiert darauf, dass niemand richtig dagegen steuert und alle irgendwie zusammenarbeiten. Ich glaube die Gruppe hatte Angst ich sei ein schlecht gelaunter (soviel gelacht hab ich am Anfang nicht) Eigenbrödler der hier nur sein eigenes Ding machen will. Ich hingegen hatte Angst, dass die anderen sich schon solange kannten (6 Monate), das es fast unmöglich ist in diese Gruppe hinein zu wachsen und ich warten müsste, bis andere neue Freiwillige ankommen würden, was aber mindestens noch drei Monate dauern würde. Ich denke, dass wir alle ganz gerne unseren Status Quo beibehalten, da jede Änderung negativ sein kann und es Arbeit bedeutet sich mit etwas neuem zu beschäftigen. Ich war so sehr die entspannte, gelöste und einfache Gruppe vom Ausreisekurs gewöhnt, dass es für mich wie ein Schlag war in diese neue Gruppe hinein zu kommen. Für die anderen Freiwilligen war ich am Anfang allerdings auch ein kompletter Fremdkörper im Haus, der auf einmal da war und für mindestens ein Jahr da sein wird.
Nach den zwei Wochen vorsichtigen Abtastens war dann aber doch alles in Ordnung. Wir haben festgestellt, dass wir uns doch ganz gut leiden können und nach dem ersten Austausch einiger gutgemeinter, doch bösartiger Witze war ich mir dann auch sicher, dass dieses Jahr ein gutes wird. Doch es dauerte noch ungefähr einen Monat bis ich das erste tiefergehende Gespräch hatte. Warum ich das so ausführlich schreibe, ist weil ich glaube das es für jeden EIRENEFreiwilligen schwierig sein wird sich hier direkt einzuleben. Er oder sie, wird immer in eine Gruppe kommen, die sich mindestens ein halbes Jahr kennt und es wird immer etwas länger dauern in diese Gruppe hinein zu wachsen. In diesem Haus, in dem die Heizung ein Eigenleben besitzt (funktioniert am besten je wärmer es draussen ist), immer wieder neue Gesichter auftauchen (Freunde, Bekannte, Besucher, neue Freiwillige u.s.w.) und in dem ab und zu einfach mal ein Ausnahmezustand herrscht ( der nach 7 oder 8 Tagen Arbeit am Stück auch mal sein muss), wo man seine Mitarbeiter von der Arbeit auch privat wieder sieht, da ist es einfach wichtig sich untereinander gut zu kennen und leiden zu können. Jetzt nach drei Monaten kann ich sagen, dass ich mich in diesem Ir(r)enhaus sehr wohl zu hause fühle. In manchen Räumen (unbewohnt) kommt zwar die Decke runter, es gibt kein Telefon oder Internetanschluss, manchmal ist die Dusche kalt, Reparaturen dauern oft eine Ewigkeit, aber dafür habe ich einen Meerblick vom Zimmerfenster aus, höre abends die Wellen zum einschlafen und könnte jeden morgen die Sonne über dem Meer aufgehen sehen. (Was ich nicht mache, da ich dafür viel zu gern schlafe) Und wenn es abends niemand schafft einen Film zu ende zu schauen, da mal wieder alle vorm Fernseher eingeschlafen sind, dann kann ich wirklich sagen jetzt fühle ich mich zu hause. Einige meiner Mitbewohner sind nicht einfach mehr Mitbewohner, sondern Freunde.

GREENHILL YMCA – WIR BILDEN STARKE GEMEINDEN – STARKE FAMILIEN – STARKE KINDER


Parallel zum einleben im Haus fing ich natürlich auch an zu arbeiten. In den ersten zwei Wochen hatte ich jedoch noch nicht wirklich eine Aufgabe und half einfach den anderen Freiwilligen so gut ich konnte. Dies war durchaus Absicht von Greenhill, da ich mich erst einmal zurecht finden und einleben sollte. Jetzt im Nachinein eine gute Idee, da ich zu der entsprechenden Zeit von den Eindrücken und Aufgaben überschwemmt wurde. Um meine Arbeit beschreiben zu können, hier ersteinmal eine Beschreibung, was Greenhill eigentlich ist


GREENHILL YMCA -- HINTERGRUND


YMCA Greenhill ist ein Outdoor-Education-Center, welches sich für den Erhalt der sozialen und ökologischen Umwelt einsetzt. Das Programm richtet sich hauptsächlich an Kinder- und Jugendgruppen mit den verschiedensten Hintergründen. Doch auch ältere Gruppen nutzen das Angebot um sich weiterzubilden. YMCA Greenhill arbeitet mit einem ganzheitlichen Ansatz, der Körper, Geist und Seele anspricht. Mit Hilfe des Outdoor-Trainings werden Teambildungsprozesse und/oder Konfliktlösungsstrategien entwickelt, die die gerade in Nordirland bis heute verfeindeten Gruppen der Katholiken und Protestanten näher bringen soll. Auch wird versucht ein besseres Umweltbewusstsein zu schaffen, um die Vermüllung des umliegenden Gebirges zu stoppen. Greenhill YMCA schafft einen sicheren Platz für alle religiösen und nicht-religiösen Menschen die sich mit Hilfe der Aktivitäten spirituell, persönlich und sozial weiterentwickeln möchten. Greenhill YMCA ist ein Teil des britischen YMCA-Verbundes und wie alle anderen YMCAs eine Non-Profit-Organisation. Das bedeutet Greenhill ist nicht erlaubt Gewinne zu erwirtschaften. Alle Einnahmen müssen in das Gelände, die Ausrüstung oder andere Ausrüstung investiert werden. Greenhill ist christlich und somit an eine örtliche Gemeinde angeschlossen. Alle wichtigen Entscheidungen müssen von dem Gemeindevorstand beschlossen werden und es herrscht generell eine sehr enge Zusammenarbeit. Greenhill versucht wie schon gesagt, eine sichere Zone für alle zur Verfügung zu stellen um sich dem christlichen Glauben anzunäheren, ihn auszuleben, sich weiterzuentwickeln und vor allem den christlichen Grundwerten wie Nächstenliebe, Brüderlichkeit, Frieden und Gemeinschaft näher zu kommen. Aus diesem Grund ist Greenhill für alle christlichen und nicht christlichen Gruppen offen und versucht deren Ansprüchen gerecht zu werden. Da viele religiöse Gemeinschaften keinen Alkohol trinken ist dieser auf dem Gelände verboten. Jede Gruppe hat die Möglichkeit die Kapelle auf dem Gelände zu benutzen und auch von Greenhill Hilfe für Gottesdienste und Lobpreisungen zu bekommen. Von den Freiwilligen hier wird erwartet das sie eine hohe Toleranz und Verständnis für religiös lebende Menschen mitbringen, genauso wie von allen Gruppen erwartet wird zu wissen wird das nicht jeder Freiwillige seinen Weg mit Gott gefunden hat oder Religion als wichtigen Bestandteil seines Lebens sieht. Zur Zeit decken die Freiwilligen die komplette Spanne vom absoluten Atheisten bis zum missionarisch ausgebildeten, überzeugten Christen ab. Für beide Fälle (und alle dazwischen) ist das Arbeiten hier kein Problem. Man muss nicht bei Gottesdiensten helfen, wenn man mit dem Thema nichts anfangen kann. Auf der anderen Seite gibt es die Möglichkeit jeden Sonntag an einem Hauskreis teilzunehmen und die eigenen Erfahrungen mit anderen Gemeindemitgliedern zu teilen. Um alle hochgesteckten Ziele zu erreichen arbeiten in Greenhill 6 Hauptamtliche Mitarbeiter und zur Zeit 16 Freiwillige. Die 6 Hauptamtlichen sind : Kenny (Centerleitung), Ray (Stellv. Leitung), Michael (Sicherheit und Gesundheit), Rod (Freiwilligenbeauftragter), Dawn (Programmbeauftragte) und Jackie (Empfang). Das Center kann in Hochzeiten bis zu 200 Menschen auf einmal fassen (wenn alle Zelte genutzt werden). Da natürlich 6 Hauptamtliche nicht alle diese Menschen betreuen können, ist Greenhill auf gute, schnell lernende und selbstständig denke Freiwillige angewiesen. Da die Freiwilligen aus den unterschiedlichsten Ländern kommen, können die ersten Vorstellungsgespräche erst vor Ort geführt werden und dann ist es zu spät jemanden zurück zu schicken. Für Greenhill ist es also immer eine Art Lotterie mit ungewissem Ausgang wenn neue Freiwillige ankommen.

GREENHILL – DAS GELÄNDE UND DIE HÄUSER


Greenhill liegt am Fuss des Slieve Donard direkt über Newcastle im Donard Forest. Das Gelände erstreckt sich über eine Fläche von 1500 Quadratmetern. Der größte Teil sind Wald und Rasenflächen. Ansonsten gibt es ein Hauptgebäude mit großem Essensaal, Teeküche, Sanitäreinrichtungen, Rezeption, Kiosk, Duty Intructor- Raum, einen Raum für die Freiwilligen und einen Balkon (über dem Essenssaal) mit Computern für die Freiwilligen. Rechts davon die Kapelle (eine Blockhütte) umgeben von einem Blumenbeet. Geht man weiter nach rechts kommt direkt zu dem Feld auf dem wir Bogenschiessen. (ein eingezäunter Bereich mit zwei Zielscheiben). Noch weiter rechts ist eine schmale Wiese auf der im Sommer große Tipizelte und Jurten aufgebaut werden. Direkt darunter wird im Moment ein neuer Parkplatz in einer Senke (so dass man ihn nicht sofort sieht) gebaut.

Direkt hinter dem Hauptgebäude beginnt der Wald. Direkt davor liegt noch der alte Parkplatz der im nächsten Jahr Platz für ein neues Gebäude machen muss. Direkt unter dem alten Parkplatz werden im Moment neue 12 Personen Selbstversorgerhäuser für kleinere Gruppen gebaut. Zur Linken des Hauptgebäudes liegt die Grill und Feuerstelle (runder Bereich, eingegrenzt durch Doppelbänke. Links davon befindet sich eine steile Wiese die am oberen Ende direkt auf den Niedrig-Seil-Parcour (50 Meter lang) trifft. Am unteren Ende befinden sich die Chalets, zwei große doppelgeschossige Häuser. Jedes Geschoss ist ein Chalet und kann ca. 25 Personen fassen. In den Chalets gibt es neben den Schlafräumen einen großen Gemeinschaftsraum mit Fernseher und DvD-Player, eine kleine Küche und natürlich Sanitäreinrichtungen. In den Chaletgebäuden befindet sich zudem im Untergeschoss der Store in dem die Ausrüstung und Bekleidung für die Aktivitäten untergebracht ist. Links neben den Gebäuden ist ein Schotter-Fußballplatz und über diesem eine andere steile Wiese auf der sich einige feste Hindernisse für Erlebnispädagogische Einheiten. Unterhalb der Gebäude befindet sich der Arial Runway (ein von Bäumen zum Boden gespanntes Drahtseil an dem gesichert herunter gerutscht wird). Neben den Wohngebäuden ist ein Toilettengebäude mit Duschen für Camper oder andere Gruppen nach nassen Einheiten.


GREENHILL YMCA UND DIE GRUPPEN


Natürlich gibt es das ganze Gelände aus einem guten Grund, um hier mit Gruppen arbeiten zu können und ihnen die Möglichkeit zum übernachten zu geben. Es gibt im Grunde zwei Arten von Gruppen, Tagesgruppen und Gruppen die mindestens zwei Tage bleiben, sprich übernachten. Jede Gruppe bucht im Vorfeld ihr Programm in der Rezeption und teilt dieser mit welche Aktivitäten sie gerne machen würden.

Diese Wünsche werden dann der Verantwortlichen für das Programm mitgeteilt und sie schaut dann, ob die nötigen Freiwilligen verfügbar sind die Aktivität in der entsprechenden Gruppengröße durchfürbar und keine Überschneidungen mit anderen Gruppen vorliegen. Aus all diesen Informationen entsteht dann ein Formblatt, das für die Freiwilligen im Staffroom einzusehen ist. Auf dem Blatt sind alle notwendigen Informationen. Wann die Gruppe ankommt und wann sie abreist, wie viele Teilnehmer, welche Aktivitäten und wer für welche Aktivität eingetragen ist. Außerdem steht dort, welcher Freiwillige für die Gruppe zuständig ist. Dieser „Group Host“ kontaktiert die Gruppe, im besten Fall zwei Wochen zuvor, und spricht mit ihr ab, ob sie mit dem Programm einverstanden ist, ob es Probleme gibt und beantwortet anfallende Fragen. Zudem ist der Group Host während des kompletten Aufenthalts die Ansprechperson für die Gruppe und vermittelt zwischen ihr und Greenhill. Er bereitet die Chalets vor, schaut ob alles sauber ist und alle Lebensmittel und sonstiges vorhanden sind, empfängt die Gruppe und gibt eine Einweisung über das Gelände und die Regeln. Der Group Host gibt der Gruppe zudem alle auszufüllenden Papiere und Formulare und sammelt die Medizinischen Fragebögen ein, die jeder ausfüllen muss, der an einer Aktivität teilnehmen möchte. Ein Instructor kann, wenn er eine Prüfung für die Durchführung einer Aktivität bestanden hat diese Einheit mit einer Gruppe von höchstens 10 Personen durchführen. Es werden für eine Gruppe von 40 Personen also mindestens 4 Instructor benötigt. Da oft mindestens zwei Gruppen zur selben Zeit anwesend sind müssen fast immer alle Freiwilligen arbeiten und die Koordination des Ganzen gleicht einem Ameisenhaufen. Manchmal weiss keiner so genau was der andere macht, aber am Ende funktioniert es dann doch. Die Gruppe bekommt davon in der Regel nichts mit.

<2>GREENHILL YMCA - DIE AKTIVITÄTEN
Die von Greenhill angebotenen Aktivitäten lassen sich grob in zwei Richtungen trennen. Auf dem Gelände und ausserhalb des Geländes.
Auf dem Gelände können folgende Aktivitäten durchgeführt werde:
- Bogenschießen (erlernen der verschieden Teile von Pfeil und Bogen, Grundlagen des Schießens, Spiele, Mindestalter 6 Jahre)
- Orientiering (erlernen des Umgangs mit Karten an Hand einer Karte von Greenhill, Umsetzung in einem Suchspiel, bei dem gekennzeichnete kleine Schilder auf dem Gelände gefunden werden müssen, Mindestalter 6 Jahre)
- Adventure Walk (Abenteuerlauf durch das Gelände mit einem bestimmten Szenario; Kinder müssen die Welt retten in der alle anderen zu Zombies geworden sind und dürfen sich dabei nicht sehen lassen, viel durch Schlamm kriechen und verstecken, am Ende ein Sprung in ein Flussbecken, Mindestalter 6 Jahre)
- Arial Runway (ein von einem Baum sechs Meter hohen Baum zum Boden gespanntes Drahtseil, an dem mit einem Klettergurt gesichert herunter gerutscht wird, Mindestalter 6 Jahre, Höchstgewicht 20 stone = 127 Kilogramm)
- Niedrigseil-Parcour (eine Kombination aus Pfählen und Seilen nicht höher als 2 Meter über dem Boden, die entlang geklettert und balanciert werden muss, Mindestalter 6 Jahre)
- Hochseil-Parcour (eine Kombination aus Pfählen und Seilen vier Meter über dem Boden, die entlang geklettert und balanciert werden muss, Mindestalter 12 Jahre, Höchstgewicht 15 stone = 90 Kilogramm)
- Erlebnispädagogische Einheit (Spiele und Übungen zum Vertrauen- und Teamgeist fördern mit Hilfe von Seilen, Tonnen u.s.w., Mindestalter 6 Jahre)
- Erlebnispädagogische Einheit mit Hindernissen (verschiedene Hindernisse aus Holz und Gummiseil z.B. eine Wand, ein Spinnenetz u.s.w., die in der Gruppe überwunden werden müssen, Mindestalter 12, Höchstgewicht 15 stone = 90 Kilogramm)
- Abseilen vom Arial Runway (Gruppen müssen mit einem Seil und einem Abseilachter von der Plattform des Arial Runway zum Boden Abseilen, Mindesalter 6)
- Nightline (vertrauensbildende Übung bei der die Gruppe blind um, über, unter oder durch Hindernisse geführt wird, Mindestalter 6 Jahre)
- Schwungtuch (Spiele mit einem großen Schwungtuch in einer großen Gruppe, Mindestalter 6 Jahre)

Aktivitäten außerhalb des Geländes:
- Nightwalk (die Gruppe geht abends oder nachts mit möglich wenig Licht auf eine Wanderung zu einem nahe gelegenen kleinen Berg und lernt dabei einiges über die Umgebung, Mindestalter 6)
- Indoor-Climbing (Klettern in einer Kletterhalle und erlernen einiger Basisklettertechniken, Mindestalter 6 Jahre)
- Outdoor-Climbing (Klettern in einem alten Steinbruch und erlernen einiger Basisklettertechniken, Mindestalter 6 Jahre)
- Canoeing (Kanufahren in einem nahe gelegenen See und Spiele, Mindestalter 6 Jahre)
- Bouldering Shallow/Medium/Deep (wandern und klettern durch einen Fluss mit Wasserfällen und tiefen Ausbuchtungen, von flach bis tief, Mindestalter 6 Jahre)
- Mountain Walks (Tageswanderung den Slieve Donard oder andere Berge hoch)
- Bivi Out (wandern, kochen und draußen übernachten ohne Zelt)
- Raft Building (bauen eines eigenen schwimmfähigen Floßes an einem See, Mindestalter 12 Jahre)

MIT DEN DEUTSCHEN AUFFE ARBEIT


All diese Aktivitäten darf man jedoch nicht ohne entsprechendes Training und die notwendigen Formalia durchführen. Bevor ein Volunteer in Greenhill allein mit Gruppen arbeiten darf braucht er:
1. Einen Kurs in Childprotektion (Kinderschutz)
2. Einen zweitägigen Kurs in Erster Hilfe, speziell für Outdooraktivitäten
Der Erste-Hilfe-Kurs ist kein Problem, der Lehrer ist gut zu verstehen und ein Großteil des Trainings ist draussen. Childprotection hingegen ist etwas problematischer, da Kinderschutz in Großbritannien extrem wichtig und schwierig ist. Die Medien puschen Kindermissbrauchs-Skandale bis zum Exzess und die Menschen hier sind übersensibel was dieses Thema angeht. Schon eine Umarmung zum falschen Zeitpunkt kann problematisch sein und man sollte möglichst nicht alleine mit einem Kind sein. Ein Freiwilliger wurde einmal für drei Monate suspendiert, weil er eine Wespe von dem Hintern einer Teilnehmerin gewischt hat und die Eltern ihn daraufhin verklagt haben. Obwohl genug Zeugen anwesend waren, dauerte es doch drei Monate bis er rehabilitiert war. Dies ist allerdings ein Extrembeispiel und wir haben nicht jeden Monat mit Klagen zu kämpfen. Man muss nur etwas vorsichtiger und sich der Situation bewusst sein. Es ist keine gute Idee Kinder hochzuheben, auch wenn sie es mögen. Es ist allerdings kein Problem einen Arm um die Schulter eines weinenden Kindes zu legen, solange man sich dafür nicht in eine dunkle Ecke verzieht. Alles was man mit einer Gruppe macht sollte öffentlich sein und vor allen Teilnehmern passieren. Dann gibt es auch keine Probleme und ich lebe auch nicht in der ständigen Angst verklagt zu werden.

ARBEITSFELDER


Nach diesen Kursen kann man rein theoretisch anfangen zu arbeiten. Vorher sollte man allerdings ersteinmal wissen was und wie man dies arbeitet.
Hier die verschiedenen Arbeitsbereiche:

1. Duty-Instructor ( der Duty-Instructor organisiert die Spüldienste der Gruppen, ist dafür zuständig die Lichter abends an und morgens auszuschalten, den Essensraum sauber und ordentlich zu halten, das Center um 23 Uhr zu schließen, die Küche danach zu putzen und während der Nacht für eventuelle Feueralarme oder Verletzungen zu bleiben. Außerdem ist er für das Frühstück am nächsten Tag zuständig. In der Regel ist jeder Freiwillige einmal die Woche DI)

2. Group Host (Der Group Host ist, wie schon vorher beschrieben, für eine Gruppe zuständig, teilt deren Spüldienste ein, organisiert die Aktivitäten der Gruppen und ist für jedes Problem zuständig)

3. Outdoor Instuctor (arbeitet mit den Gruppen, führt die Einheiten durch und versorgt kleinere Wunden und Verletzungen)

4. Instandhaltungsarbeiten (Hilfe für den Hausmeister, was gerade anfällt z.B. Hecken und Bäume und stutzen und verbrennen, Müll auf dem Gelände einsammeln u.s.w. Jeder Freiwillige wird für Instandhaltungsarbeiten eingesetzt, wenn er nicht für Aktivitäten benötigt wird.)

DAS TRAINING


Für alle Aufgabenfelder, mit Ausnahme von Instandhaltungsarbeiten muss trainiert werden Als mir das erste Mal erklärt wurde was ich hier alles zu tun habe, habe ich gerade einmal die Hälfte behalten. In der ersten Zeit vor meinem Training habe ich eigentlich nur bei den Instandhaltungsarbeiten geholfen. War nicht schlecht, aber auf Dauer (nach zwei Tagen)doch langweilig. Ich war froh als mein 1 monatiges Training nach zwei Wochen dann endlich anfing. Die Inhalte des Trainings waren: Umgang mit Helmen, Klettergurten, Seilen, Knoten, Bogenschießen, sicheres Laufen durch Flüsse, Klettergrundlagen, wie am andere sichert, wie man einige der Set-Ups für die Aktivitäten macht, wo sich alles auf dem Gelände befindet, wie alles in der Küche funktioniert, welche Sicherheitskriterien wann eingehalten werden müssen u.s.w. Dann wurde alles wieder und wieder wiederholt. Die Trainingszeit war durchweg eher lustig als anstrengend, man muss sich nicht um eine Gruppe kümmern und hat mit den anderen Freiwilligen eine Menge Spass wenn alle die Sachen macht, die normalerweise den Gruppen vorbehalten bleiben.

Doch auch nach vollendetem Training darf man noch nicht allein mit Gruppen arbeiten. Für jede Aktivität muss man eine Prüfung bestehen und vorher mindestens zweimal einem anderen Instructor assistiert haben. Bevor man sich prüfen lässt sollte man auch mindestens einmal eine Einheit in der entsprechenden Einheit geleitet haben. Wichtig bei einer Prüfung sind technische Fähigkeiten (Bogenschießen mit einer Gruppe und die Scheibe selbst nicht treffen ist nicht glaubwürdig), Zeit- und Gruppenkontrolle, Sicherheit (für die Gruppe und in dem was man macht) und ein guter Umgang mit der Gruppe. Es ist kein Problem durch eine Prüfung durchzufallen und es gibt keinen Instructor der alles beim ersten Versuch geschafft hat. Trotzdem ist eine Prüfung immer stressig, vor allem am Anfang wenn der Umgang mit Gruppen und die Sicherheitseinweisungen am Anfang noch nicht Routine ist.

DIE ZEITEN


Wir fangen jeden Morgen um 9 Uhr mit einem Meeting an. Hier wird jeder gefragt, ob es Probleme gibt, etwas geklärt werden muss, ob die Nacht ruhig war u.s.w.
Dann haben wir folgenden Zeitplan:
10 Uhr : Morgeneinheit bis 12:30 Uhr
13 Uhr : Mittagsessen für die Gruppen
14 Uhr : Nachmittagseinheit bis 16:30 Uhr
17:30 Uhr : Abendessen für die Gruppen
19 Uhr : Abendeinheit bis 21 Uhr
Ausnahmen kann es bei Gruppen geben die erst später am Abend ankommen. Wir
Jeder Freiwillige arbeitet laut Vertrag 12-14 Einheiten pro Woche und hat zwei Tage die Woche frei. Diese Tage ändern sich jede Woche und werden den anwesenden Gruppen angepasst. Sie sind meistens auch nicht in Folge.arbeiten dann bis spätestens 23 Uhr. Natürlich arbeitet man hier oft mehr, als man eigentlich laut Vertrag sollte und manchmal hat man auch in 8 Tagen keinen Tag frei. Diese Tage und Überstunden, oder schöner Mehrarbeit, verfallen allerdings nicht, sondern werden als Urlaubstage gutgeschrieben oder in der nächsten Woche gegeben. Ansonsten hat man Anspruch auf 20 Tage Urlaub im Jahr und da man auch an Feiertagen arbeitet den halben Dezember frei. Zwischen den Einheiten hat man frei und genug Zeit zu regenerieren und zu essen. Richtig hart wird es wenn man zur gleichen Zeit Duty Instuctor, Group Host und im Programm am selben Tag ist. Dann fallen die Pausenzeiten ziemlich kurz aus und man fällt manchmal abends, nach dem Putzen, wie tot um 12 ins Bett. (wenn man die Nacht nicht damit verbringt mit anderen Freiwilligen Filme auf der Beamerleinwand zu schauen) Nur um am nächsten Morgen um halb acht wieder aufzustehen und dann ab 9 wieder zu arbeiten.

KRANKHEITEN


Im Falle einer Krankheit gilt dasselbe wie in der Schule, nach drei Tagen muss man zum Arzt. Das ist hier so unproblematisch wie es nur sein kann. Da man für ein Jahr ein Freiwilliger ist, ist man automatisch berechtigt das nationale Gesundheitssystem zu nutzen. Einfach bei der ersten Krankheit oder vorher zum Arzt gehen (5 Gehminuten vom Haus) und sich dafür anmelden. Nachdem man ein Formblatt ausgefüllt hat (simpel, keine deutsche Steuererklärung) ist man registriert und bekommt nach ein paar Tagen eine Medical Card zugesand, die man aber nicht mit sich führen muss. Man hat einen eigenen Hausarzt den man immer zuerst kontaktiert, dieser verweist einen dann weiter zu einem Krankenhaus, wenn er selbst nicht helfen kann. Für diese Versicherung muss man nicht zahlen und wenn keine großen Verletzungen und Operationen anliegen, ist man hier versicherungstechnisch bestens versorgt. Die Verantwortlichen in Greenhill helfen einem auch in jeder Form wenn man einen Krankenhaustermin hat oder mit etwas nicht zurechtkommt. Mit Versicherungen gibt es also keine Probleme und ich kam inzwischen schon öfter in dem Genuss das Krankensystem hier am eigenen Leibe zu testen. Ich kann nicht sagen einmal einen unfreundlichen Arzt oder eine unfreundliche Schwester getroffen zu haben. Auch die Behandlungen waren immer hervorragend. Man muss nur immer genug Zeit mitbringen und sollte nicht immer alle Schmerzmittel und Antibiotika schlucken, die sie hier inflationär verschreiben.

DIE ARBEIT UND ICH


Soviel zur Theorie, was die Arbeit mit Gruppen wirklich bedeutet, lernt man jedoch erst wenn man es wirklich gemacht hat. Das erste was mit hier als erstes in Bezug auf die Arbeit begegnete waren die Vorurteile mit denen man hier den deutschen Freiwilligen begegnet. Diese sind durchaus nicht negativ. Deutsche haben in Greenhill einen verdammt guten Ruf, in Bezug auf die Arbeit und menschlich. Uns wird nachgesagt: Deutsche sind pünktlich, perfektionistisch, strebsam, genau und fleissig. Auf der anderen Seite aber auch: Zu ernst, die Stimme oft zu diktatorisch, verkrampft und zu harsch. Stimmt alles irgendwie und natürlich nicht immer, Im Vergleich zu Freiwilligen aus anderen Ländern stechen diese Eigenschaften oft heraus und mir wurde erst hier klar wie „deutsch“ ich eigentlich bin. Nach der ersten Einheit die ich alleine geleitet habe, wurde mir im Auswertungsgespräch gesagt alles sei in Ordnung, technisch einwandfrei, aber wir seien hier nicht bei der Armee, sei doch bitte etwas weniger deutsch. Mein Fehler war, dass ich die Punkte Gruppenkontrolle und Sicherheit zu starr übernommen habe. Ich habe zwar niemanden angebrüllt oder durch die Gegend kommandiert, aber doch alle Anweisungen in der Aussageform formuliert: „Pass da auf, tu das nicht, sei vorsichtig u.s.w.“ Hier wird das alles mehr im Smalltalk gelöst: „Da könntest du mehr aufpassen, wenn du mit dem Pfeil nicht auf deinen Nebenmann zielst könnte er den Tag vielleicht überleben, das würde ich so nicht machen, aber ich mag meine Finger ja auch u.s.w.“ Man redet einfach die ganze Zeit mit der Gruppe und lässt die Anweisungen einfach einfließen. Ich bin nicht der erste deutsche Freiwillige, dem das so ging und habe mich auch relativ schnell daran gewöhnt. Es gibt natürlich auch Gruppen bei denen man laut werden muss, das aber immer nur als letztes Mittel. Was man vor allem braucht ist ein hohes Maß an Geduld. Dinge immer wieder zu wiederholen ohne genervt zu klingen ist an einem schlechten Tag nicht gerade einfach, aber machbar. Die Sprache hingegen war für mich kein Problem. Ich habe mich relativ schnell an den Dialekt gewöhnt und auch die Sprachgeschwindigkeit ist nach zwei Wochen kein Problem mehr. Kleine Kinder sind das größte Problem, da sie sehr leise sprechen oder Jugendliche aus Belfast die das Nuscheln zur Perfektion gebracht haben. Wenn man sich traut zu sprechen und nachzufragen ist aber auch das kein Problem. Das Schlimmste was man machen kann ist nichts zu sagen und zu warten, bis ein magischer Moment auftaucht und man auf einmal alles versteht. Mir machte die Arbeit vom ersten Moment an eine Menge Spaß. Es kommt zwar immer auf die Gruppe an, ob es eine einfache oder komplizierte Einheit wird, aber gerade die wechselnden Altersschichten und immer wieder unterschiedliche Gruppen machen das arbeiten hier spannend. Auch mindestens sieben Stunden am Tag an der frischen Luft und bei jedem Wetter draußen zu sein ist wunderbar, auch wenn man oft den Regen stundenlang und einfallsreich verflucht. Von der Entwicklung der Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen bekomme ich nicht soviel mit. Ich sehe nur die kleinen Schritte, wenn etwa eine Gruppe zu einem Team zusammenwächst oder jemand mit Höhenangst sich nach dem dritten Anlauf traut den Arial Runway zu benutzen. Ein anderes Beispiel sind Gruppen die man zwei Stunden lang durch einen eiskalten Fluss gescheucht hat und die dann halb erfroren aber auch glücklich sind, weil sie etwas geschafft haben was sie nicht für möglich gehalten haben. Außerdem verlässt fast jede Gruppe das Gelände mit einem größeren Wissen über Deutschland, die USA oder andere Länder der Freiwilligen. Es ist alles in allem schön zu wissen, dass ich nicht umsonst arbeite. Arbeit ist allgemein etwas, mit dem sich vorallem die deutschen Freiwilligen identifizieren. Nicht das die anderen Freiwilligen eine schlechtere Arbeit erledigen. Aber ich glaube das gerade die deutschen Freiwilligen den Erfolg ihres Auslandsjahres mit dem Erfolg oder der Sinnhaftigkeit ihrer Arbeit verbinden. Sie sind die Freiwilligen die sich als letztes Beschweren, wenn mehr gearbeitet wird oder die Umstände nicht die besten sind. Sie sind diejenigen die die Arbeit nach drei freien Tagen vermissen und wirklich unglücklich und enttäuscht sind wenn die Gruppen nicht zufrieden sind. Aber das kann natürlich nur ein Zufall sein. Mit Vorurteilen ist es in etwa so wie mit Horoskopen, wenn man etwas finden will das passt, so findet man es auch. Aber ich glaube ich sage nichts falsches, wenn ich sage das deutschen Freiwilligen bei Greenhill anfangen und nach Nordirland kommen um in erster Linie zu arbeiten.


MIT DEN AMIS IN DIE KIRCHE


Um zu einer anderen Gruppe zu kommen, die in Deutschland mit den meistens mit negativen Vorurteilen bedacht wird. Unsere netten US-Bürger. Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich auch nicht zuerst an viele positive Dinge denke wenn ich die drei Buchstaben USA lese oder höre. Zumindest bis ich Jon, Caitlyn und Kevin kennenlernte. Die drei haben in vielen das Bild des typischen US-Amerikaners gründlich verändert. Und das nicht, weil sie genauso sind wie wir Europäer. Es gibt genug Unterschiede, angefangen mit dem Essen, dass auch wenn nicht ausschließlich Mc Donald's, doch fetter und käselastiger ist als das deutsche oder europäische Essen. Zwar wissen unsere Hauskockkunst zu schätzen, doch geht nichts über Brownis, Bacon und Oreros. Doch das heisst nicht, das ihr Essen nicht genauso kompliziert zuzubereiten ist wie unsere Gerichte, doch ich käme nie auf die Idee die Kruste eines Auflaufs mit Corn-Flakes aufzupeppen. Und ja, es schmeckt! Doch nicht in der unterschiedlichen Form der Nahrung gibt es Unterschiede. Das unterschiedliche Schulsystem, die Größe der Städte (sie kommen alle aus wirklich kleinen Städten in Ohio, so dass ich aus einer Großstadt komme), die Hobbys, das soziale Leben zu Hause und vieles mehr. Doch trotz der Unterschiede sind es nicht die dummen, weltfremden, eingebildeten, immer lächelnden, oberflächlichen Menschen für die sie in Deutschland oft gehalten werden. Und auch ein anderes Vorurteil, das des extremen Christen, der am liebsten alle Homosexuellen einsperren und den Biologieunterricht verbieten möchte stimmt natürlich nicht. Unsere drei sind das Gegenteil, zwar haben sie alle eine tiefe Beziehung zu Gott, aber sie sind offene, lustige Menschen ohne Heiligenschein und gehen auf Grund ihres Glaubens mit offenen, realistischen und nicht verblendeten Augen durch die Welt. Ich habe geschrieben „Mit den Amis in die Kirche“, weil sie mit eine der besten Verbindungen zu den Gemeinden hier haben. Das nicht nur, weil sie jeden Sonntag in die Kirche gehen, da sind sie nicht die einzigen im Haus. Da noch andere Amerikaner in Newcastle arbeiten (was mir ermöglicht hat den Superbowl mit einem Beamer zu gucken) und das vor allem in Jugendzentren und Gemeinden haben sie einfach dadurch einen guten Kontakt. Außerdem sind sie es, die immer wieder andere ermutigen Gottesdienste zu besuchen und das ohne Druck oder moralischen Zeigefinger. Den schönsten Gottesdienst, den ich hier erlebt habe war der Ostergottesdienst am Ostersonntag vor der Greenhill-Kapelle.

Der Gottesdienst begann kurz nach Sonnenaufgang und wir hatten die ganze Zeit durchgehend einen klaren Morgen und konnten die Sonne über dem Meer über den Wolken aufgehen sehen. Unbeschreiblich schön und man sich dem Himmel sehr viel näher. Dazu kam noch eine hervorragende Predigt von einem anderen USAFreiwilligen. Alles in allem bin ich froh die drei getroffen zu haben und nehme von ihnen ein anderes Bild der Nordamerikaner mit nach Hause.

MIT DEN IREN IN DEN PUB


Andere Möglichkeiten der Zeitgestaltung in Newcastle, mal abgesehen von der Arbeit oder der Kirche sind natürlich Pub-Besuche. Ich möchte hier noch nicht viel zu den Iren schreiben, aber ich kann mit ziemlicher Sicherheit sagen das fast alle, bis alle Iren gerne in den Pub gehen. Und auch gerne trinken und auch das sie gerne Guinnes trinken, ach ja und Fussball mögen sie auch. Und auch wir Freiwilligen mögen die Pubs in Newcastle. Anders als eine deutsche Kneipe ist ein Pub nicht nur ein Ort an dem man essen und trinken, beziehungsweise Sport schauen kann. Ein Pub ist irgendwie mehr. In etwa so etwas wie ein öffentliches Wohnzimmer in dem ein netter Mann oder eine nette Dame steht, die einem gegen Bezahlung Alkohol ausschenken. Es gibt hier eine richtige Pubkultur und diese ist anders als unsere Kneipenkultur. In vielen Pubs wird Live-Musik gespielt und es gibt das Pub-Quiz. Bei einem Pub-Quiz spielen die Gäste in Teams gegeneinander und beantworten in mehreren Runden alle dieselben Fragen, die jemand laut vorliest. Zum Beispiel: Welche der 20 europäischen Sprachen hat die meisten Muttersprachler in Europa? Antwort: Deutschland. Wer hatte die Antwort falsch? Das einzige Team mit Deutschen im Pub, peinlich. Zeitgleich zu dem Pub-Quiz läuft eine Lotterie und der Erlöss kommt immer einer Wohlfartsorganisation zu Gute. Aber auch ohne Pub-Quiz ist ein Pub für die Hausbewohner ein Ort zum entspannen, zu dem man von Greenhill und dem Haus fliehen kann.

Das nicht zu häufig, da ein Pint Guinnes (ca. 0,6 Liter) im Pub um die 3,50 € kostet, aber oft genug wenn genug Freiwillige am nächsten Tag frei haben. Der nächste Pub ist ganze 30 Sekunden vom Haus entfernt und hat damit die optimale Distanz für den Rückweg. Ich glaube wenn es hier keine Pubs gäbe müsste man sie erfinden. Das einzig verwirrende für mich war am Anfang, das es keine Getränkekarten gibt, beziehungsweise Nordiren die Idee Getränkekarte absolut irrsinnig finden. Welche Biere oder Cider es gibt sieht man an den Zapfhähnen und für den Preis fragt man nach. Getränke werden nur an der Theke geordert und nie das „Bitte“ vergessen. Ein Pub ist also keine Kneipe, sondern ein Ort an dem sich trifft, quatscht/schnackt/kallt/babbelt/redet/sich unterhält (damit es auch alle verstehen, selbst Hessen) und ein bisschen von zu Hause und der Routine flieht. Und man kann hier natürlich auch Fussball gucken..... mit Beamer!

FAZIT


Der Brief ist doch länger geworden als ich dachte und wer es ohne Unterbrechung hierhin geschafft hat, alle Achtung. Ich hoffe ich konnte einen groben Überblick über mein momentanes Leben und mein Projekt geben. Vielleicht ist die Vorstellung über Greenhill YMCA jetzt etwas konkreter. Ich kann über meine Zeit bis jetzt vor allem sagen, es ist anders als ich es mir dachte. Einfacher; und ich denke, dass das nicht zuletzt an der genialen Hausgemeinschaft liegt die wir im Moment haben. Heimweh habe ich deswegen nicht wirklich, auch wenn ich natürlich meine Familie, Freundin und Freunde zu Hause vermisse. Aber diese drei Monate sind wirklich schnell vorbei gewesen. Manchmal habe ich das Gefühl erst drei Wochen hier bin und manchmal das Gefühl schon drei Jahre hier zu sein. Manche Abläufe und Dinge sind schon so vertraut als wären sie immer da gewesen. Mir geht es hier auf jeden Fall sehr gut und ich bereue nicht hierher gekommen zu sein. Es geht weiter und weiter und mein nächster Rundbrief kommt im August. Über Rückmeldungen (positiv) freue ich mich natürlich.
Bis dahin alles Gute und einen schönen Gruß
Philip

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht:

Anne schrieb am 01.09.10 um 08:27 Uhr:
Vielen dank für deinen Bericht. Das macht die Abreise leichter, da ich jetzt ungefähr weiß, was auf mich zukommt. Vielen Dank!

Carolin Brenner schrieb am 12.12.09 um 21:58 Uhr:
Hört sich echt super an. Wünschte ich wäre da gewesen. Müssen ja coolen Menschen gewesen sein mit denen du da gearbeite hast!

maya (aus der schweiz) schrieb am 27.08.09 um 11:12 Uhr:
ich habe das gerade gelesen und mich an meine eigenen monate in greenhill ymca erinnert - und heimweh gekriegt. grüss michael, kenny, ray und all die alten hasen von mir! und geniesse die zeit da!!

Yele schrieb am 31.07.09 um 16:34 Uhr:
Sehr schön geschrieben! Freu mich auf den nächsten. :)

Tobias Ertel schrieb am 03.01.09 um 16:16 Uhr:
wow hört sich ja nett an wie kann ich mich auch für diese stelle bewerben?

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