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Erfahrungsbericht - Rumänien

Autor: Andreas Driedger
Projekt: Casa Buna
Träger: EIRENE International 

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Hier kannst du weitere Rundbriefe von Andreas laden:

2. Rundbrief - Januar 2008 -> Download
3. Rundbrief - November 2008 -> Download



1. Rundbrief - November 2007


„Ich kann nicht zu anderen Ufern aufbrechen, wenn ich nicht den Mut aufbringe, die alten zu verlassen.“
André Gide



Liebe Freunde, Verwandte und Unterstützer,


jetzt bin ich schon seit über drei Monaten hier in Rumänien. Von meinem Gefühl her verging die Zeit wie im Flug. Wenn ich jedoch mal reflektiere was ich in diesen ersten Monaten schon alles erlebt habe bemerke ich, dass ein viertel Jahr doch sehr lange ist und einem viel Zeit gibt Dinge zu erleben, neue Menschen kennenzulernen und sich in einem neuen Arbeitsfeld zu Recht zu finden. Ich möchte mich bei all meinen Unterstützern ganz herzlich bedanken da es mir ohne euch nicht möglich wäre hier in Rumänien zu arbeiten und neue Erfahrungen zu sammeln. Ich wünsche euch viel Spaß beim Rundbrief lesen.

Vorbereitung / Reise


„Nun ist es also sicher“, denke ich mir als ich mich nach meiner Projektreise im April fest für dieses Projekt entscheide. Ich werde für 18 Monate in Rumänien arbeiten und leben. Es eröffnet sich mir ein anderes Leben, als das welches ich 19 Jahre meines Lebens hatte. Erstes Mal auf eigenen Füßen stehen und das auch noch in einem anderen Land. Es wird mir schon etwas mulmig zu Mute aber ich freue mich, dass ich mit EIRENE nach Rumänien gehen werde. Nach zwei intensiven Wochen der Vorbereitung in Neuwied und Odernheim und vielen neuen Bekanntschaften im Gepäck geht es also los. Mein Bus geht um 12.00Uhr ab Mannheim. Vor mir liegen zunächst 26 Stunden Fahrt und dann fast 18 Monate voller neuer Eindrücke, Erfahrungen und Menschen. Ich kann mich noch nicht darauf einstellen ein solch lange Zeit in einem Land zu leben das eine ganz andere Kultur, Geschichte und Lebenseinstellung und –standard hat und doch so nah zu meinem behüteten Leben in Deutschland ist. Ich fühle mich mehr als würde ich in Urlaub fahren. Ich denke dieses Gefühl wird sich erst nach ein paar Wochen legen. Meine Eltern, Johanna und ihre Mutter sind mit am Busbahnhof. Meiner Mutter und Johanna stehen die Tränen in den Augen. Ich selbst muss mit mir kämpfen nicht auf der Stelle loszuheulen. Trotz dieses leichten Unbehagens bin ich doch sehr optimistisch und freue mich auf die Zeit mit all Ihren Höhen und vermeintlich auch Tiefen. Frei nach Rüdiger Nehberg (seine Autobiographie hat mir meine Mutter vor der Abreise geschenkt): Wenn man sich auf die Tiefen einstellt kann man besser mit ihnen umgehen. Die Fahrt beginnt – ein letztes Mal Winken und dann sind meine Begleiter zum Bus auch schon hinter den Hecken verschwunden. Busroute: Mannheim – Heilbronn – Nürnberg – Augsburg – Deggendorf und dann ab über die Grenze nach Österreich – Ungarn und schließlich România. Morgens um halb sechs erreichen wir die rumänische Grenze. Ich werde mit einem wunderschönen Sonnenaufgang in meiner „neuen Heimat“ begrüßt. Ich sauge das rote Licht in mich auf. Fantastisch! Route: Arad – Deva – Sebes – Sibiu. In Deva die ersten bettelnden Kinder. -Es werden in 18 Monaten hunderte folgen.- Wir werden viel früher in Sibiu sein. Dies wir mir jedoch nach dem ersten Nachfragen beim Busfahrer wie weit es denn noch nach Sibiu ist noch nicht klar. Morgens um sechs Uhr sagt dieser zu mir: „Noch 12 Stunden bis Sibiu“. Was? Das kann doch nicht sein. Auf der weiteren Fahrt erfahre ich dann, dass er 12 Uhr gemeint hat. Kaum aus Sebes draußen rufe ich im Projekt an und sage Bescheid. Um kurz nach 12 komme ich dann auch in Hermannstadt an. Beim Versuch mein Gepäck alleine zu tragen wird mir klar, dass dies wohl nicht möglich ist. Großer Rucksack, Koffer, Reisetasche, kleiner Rucksack und Umhängetasche sind einfach zu viel. Ich treffe Ana vom Projekt. Sie holt mich ab. Ich beziehe ein Zimmer im Guten Haus. Klein aber für den Anfang in Ordnung. Außerdem umsonst. Spare mir also die erste Monatsmiete. Mitte August, nach einiger Zeit des Suchens finde ich dann eine passende Wohnung für mich und Jochen, einene anderen EIRENE-Freiwilligen.

Rumänien


Ich möchte kurz etwas über das Land schreiben in dem ich lebe. Rumänien hat ca. ? der Fläche von Deutschland aber nur ¼ der Einwohner. So ist es kein Wunder, dass mehr unberührte Natur vorhanden ist als in Deutschland. In großen Teilen der Karpaten gibt es heute noch Bären, Wölfe und Luchse. Bei der letzten Volkszählung 2002 bezeichneten sich 85,5 % der 21,7 Mio Einwohner als Rumänen. Die größte Minderheit bilden die Roma. Sie werden auf ca.2-3 Mio geschätzt. Die Ungarn stellen die drittgrößte Bevölkerungsgruppe mit 1,4 Mio. Der Anteil der deutschen Bevölkerung liegt nur noch bei 0,3 %. Weitere Minderheiten sind die Ukrainer, Türken, Serben, Polen, Slowaken und Tartaren. Wenn man die Geschichte dieses Landes betrachtet bemerkt man schnell, dass das heutige Rumänien immer Durchzugs- und Konfliktland war. Ab 102 n.Chr. gerät das gesamte Gebiet unter Römerherrschaft. Dies gilt als Ursprung der dakoromanischen, also der rumänischen Sprache und Kultur. Die Herrschaft Roms hält bis 600 n.Chr.. Asiatische Völkergruppen ziehen durch das Gebiet und ab dem Jahr 1000 beginnt die Einnahme großer Teile Rumäniens durch die Ungarn. Ab 1150 werden Deutsche angesiedelt um das Land gegen die Osmanen zu beschützen. Im 14. Jahrhundert entstehen die Fürstentümer Walachei, Moldau und Transsilvanien. Transsilvanien geht im 17. Jahrhundert unter die Herrschaft der Habsburger. 1861 vereinigen sich die Fürstentümer Walachei und Moldau zu Rumänien. Nach dem ersten Weltkrieg kommt auch Transsilvanien, Banat, Maramuresch und Bessarabien hinzu. Nach 1945 wird Rumänien kommunistisch und kann sich erst 1989 davon befreien.

Das Gute Haus – Casa Buna


Das Projekt in dem ich arbeite heißt „Casa Buna“, zu deutsch: Das Gute Haus. Es handelt sich dabei um ein Projekt zur Reintegration von Obdachlosen. Finanziert wird dieses von dem deutschen Verein „Fortotschka e.V.“, welcher auch noch Projekte in Weißrussland unterstützt. Da es jedoch nicht möglich war, dass ein deutscher Verein ein Projekt in Rumänien direkt unterstützt wurde der rumänische Verein „Breaking the Wall“ gegründet. Vorsitzender dieses Vereins ist Arkadiusz Paluszek. Er hat einige Jahre im „Guten Haus“ gearbeitet, ist jetzt aber wieder in Deutschland. Wir Angestellten stehen ständig mit ihm in Verbindung, er berät uns und überträgt uns Aufgaben. Das Projekt befindet sich in einem Wohnhaus am Rande von Hermannstadt (Sibiu). In zwei Doppelzimmern, zwei Einzelzimmern und Wohnzimmer können bis zu neun obdachlose Menschen beherbergt werden. Zurzeit wohnen sieben Männer und eine Frau im Haus. Die Gründe, die zur Obdachlosigkeit führen sind meist Konflikte im familären Umfeld, schlechte Bildung, Alkoholismus, psychische sowie physische Erkrankung und als Folge davon Arbeitslosigkeit. Die Sozialgelder, soweit diese überhaupt beantragt wurden, reichen in den allermeisten Fällen nicht aus um eine Unterkunft sowie Lebensunterhalt bezahlen zu können. In den allermeisten Fällen sind es Männer die zu uns kommen und um Hilfe bitten. Das liegt daran, dass es in Rumänien einige Projekte für Frauen gibt und wir versuchen sie an diese Projekte zu vermitteln. Für obdachlose Männer gibt es jedoch keine Unterstützung. Das „Gute Haus“ ist ein einzigartiges Projekt in Rumänien. Meist ist es auch so, dass der Mann bei einer Scheidung der Frau und den Kindern die Wohnung überlässt und er auf der Straße landet. Wir versuchen diesen Menschen eine neue Perspektive zu geben. Die ersten Schritte wenn jemand Neues zu uns kommt sind: Wir stellen fest ob die Person Papiere, Versicherungen etc. besitzt. Wir erörtern die Geschichte dieser Person und versuchen soviel wie möglich über sie heraus zu finden. Wir besprechen das Ziel des Projektes und müssen dann entscheiden ob wir die Person in das Haus aufnehmen oder ob wir sie extern betreuen können. Wichtig ist, dass wir einen Willen zu einem anderen Leben bei der Person feststellen können oder ob sie nur nach einem Schlafplatz und Essen für ein paar Tage sucht. Wenn wir die Person im „Guten Haus“ aufnehmen werden zunächst einmal die Grundbedürfnisse befriedigt. Essen, Waschen, Schlafen. Nach weiteren Gesprächen wird ein Interventions-Plan für diese Person angefertigt. Je nach Bedarf müssen Ausweis, Versicherung etc. neu beantragt werden, eine psychische Behandlung und/oder ein Alkoholentzug erfolgen. Wenn die Person fähig ist zu arbeiten wird sie bei der Arbeitssuche unterstützt, wenn nicht wird versucht alle möglich Sozialgelder zu bekommen. Alle Einkommen, die die Person hat werden von uns aufbewahrt und gespart als ein Grundkapital für einen späteren Auszug aus dem Haus. Sobald die Person über ein Einkommen und ein mehr oder weniger gutes Grundkaptial verfügt helfen wir ihr bei der Zimmersuche geholfen. Meistens reicht das Geld nicht aus um sich ein eigenes Zimmer zu mieten, also müssen zwei zusammen ziehen. Auch nach dem Auszug wird die Person mit Geldern oder mental unterstützt. Die Klienten wissen, dass sie jederzeit zu uns kommen und um Hilfe bitten könnnen. Die Erfolgsquote liegt bei ca. 50 %. Manchmal glaubt man, bei einer Person wirklich Erfolg gehabt zu haben und doch fällt sie zurück in das alte Muster. Das macht die Arbeit manchmal sehr schwer und man muss sich versuchen neu zu motivieren.

Was ich dort mache…


In dem Projekt arbeiten drei Frauen, die alle Psychologie studiert haben oder sich noch im Studium befinden. Izabela (24) ist die Projektkoordinatorin und meine direkte Vorgesetzte und Ansprechperson. Ana-Maria (23) ist die zweite Festangestellte und Astrid (23) arbeitet als freie Mitarbeiterin. Ich arbeite fünf Tage die Woche. Weil aber auch am Wochenende jemand da sein muss fallen meine zwei freien Tage nicht immer auf Samstag und Sonntag. Wir arbeiten in zwei Schichten. Montags-Freitags von 9-16 Uhr und von 16-22 Uhr. Wochenends von 10-14 Uhr oder von 17-21 Uhr. Mein Aufgabenfeld geht von Büroarbeit, über Betreuung externer Klienten zu praktischer Arbeit im und um das Haus. Im Büro müssen alltägliche Dinge erledigt werden wie die Verwaltung des Kassenbuchs und das Behandeln der Anliegen der Klienten. Weiterhin stehe ich im Kontakt zu deutsch- und englischsprachigen Unterstützern des Projekts und zu verschiedenen Einrichtungen, die in manchen Fällen Unterstützung offerieren können. Da außer mir nur noch Astrid einen Führerschein besitzt bin ich viel unterwegs, alleine oder mit meinen Kollginnen, und besuche externe oder Ex-Klienten, bezahle Rechnungen in der Stadt und erledige zusammen mit den Hausbewohnern den wöchentlichen Einkauf. Zurzeit bin ich dabei, eine Fläche im Hof die früher als Stall diente zu erneuern und als Sitzecke einzurichten. Demnächst werde ich zusammen mit den Bewohnern im Haus damit beginnen in der Holzwerkstatt im Keller Meditationsbänkchen und andere Holzarbeiten anzufertigen, zum einen als Beschäftigung derer die nicht arbeiten und zum anderen um später die angefertigten Teile verkaufen zu können und so eine kleine Einnahmequelle für das Projekt zu schaffen. In den ersten Wochen, die ich im Projekt gearbeitet habe hatte ich oft nichts zu tun. Ich habe darauf gewartet, dass mir Aufgaben direkt zugeteilt werden. Nach einiger Zeit habe ich jedoch realisiert, dass ich viel freier und selbstständiger sein und einfach Dinge erledigen muss, bei denen ich denke, dass sie notwendig sind. Seitdem läuft es sehr gut. Ich habe mir Aufgabenfelder selbst geschaffen (z.B. die Erneuerung und Verschönerung des Hofs) und kann dort frei arbeiten und Entscheidungen treffen.

Bukarest


Vom 26.8. bis zum 09.09. waren wir in Bukarest zur „VIII. Bukarester Herbstakademie für Kultur, Gesellschaft und Sprache in Rumänien“. Wir hatten jeden Tag ein Programm von neun bis ca.18 Uhr. Morgens gab es drei Stunden Sprachunterricht und am Nachmittag hörten wir jeden Tag einen Vortrag über verschiedenen Themen wie z.B. Demokratie in Rumänien, Geschichte Rumäniens, Architektur Bukarests, Rumäniendeutsche Literatur, Nationale Minderheiten usw, und anschließend noch andere Programmpunkte wie der Besuch des Marktes oder ein Stadtrundgang. Während der Herbstakademie habe ich viele neue Menschen kennengelernt. Einige andere Freiwillige, mit denen ich auch weiter in Kontakt bleiben werde. Bevor ich nach Bukarest fuhr wurde ich von allen Seiten „gewarnt“. Im Allgemeinen sprechen die Rumänen (ausser den Bukarestern) nicht sehr gut über Bukarest und die Menschen dort. Bukarest hat 3,5 Mio Einwohner. Iasi ist die zweitgrößte Stadt mit ca. 500.000 Einwohnern. Bukarest ist also wirklich anders als alle rumänischen Städte. Der Unterschied zwischen arm und reich könnte kaum größer sein. Auf der einen Seite sieht man sehr viele große, noble Autos und eine Unzahl an Markenboutiquen, auf der anderen Seite Straßenkinder die am Bahnhof rumlungern, high vom Klebstoff oder vor einer der teuren Geschäfte auf einem Pappkarton schlafen. Bukarest, wurde mir gesagt, sei hässlich und voll mit Leuten und Autos. Das ist wohl wahr. Man kann nicht sagen, dass Bukarest eine schöne Stadt ist. Es gibt ein paar wenige schöne Plätze, diese muss man jedoch suchen. Der Verkehr ist schrecklich. In Bukarest gibt es ca. 1 Mio Autos und die Straßen wurden nicht für solch einen Verkehr gebaut. Während der Herbstakademie konnten wir bei zwei anderen Freiwilligen wohnen. Jeden Morgen hatten wir einen Weg von ca. einer Stunde zum Institut. 20 min laufen, 20 min Metro fahren, 20 min laufen. Abends waren wir öfters in der Stadt. Das Bukarester Nachtleben ist sehr viel größer als hier in Hermannstadt. Unzählige Clubs, Kneipen, Bars und Cafés. Ein anderer Unterschied zu Hermannstadt ist auch, dass man als Ausländer ganz anders angeschaut wird als hier. Hermannstadt ist sehr touristisch geprägt, nicht nur weil es die „Europäische Kulturhauptstadt 2007“ ist. Die Leute hier sind Ausländer und vor Allem Deutsche gewöhnt. In Bukarest wird man als großer, blonder, blauäugiger Deutscher schon mal skeptisch begutachtet und es wird über einen geredet. Die merkten wir als wir mit der Metro fuhren. Zwei Rumänen fingen an über uns zu reden. Jochen und Fabian (Freiwilliger in Bukarest) haben beide mehr oder weniger blonde, lange Haare und mein Aussehen unterscheidet sich auch immens von dem der meisten Rumänen. Innerhalb kürzester Zeit wurden es immer mehr Leute die uns skeptisch anschauten und sich über uns „lustig“ machten. Damit muss man umgehen können und mitlachen. Das würde einem in Hermannstadt nie passieren.

Reisen im Land


Es gibt einige Möglichkeiten hier in Rumänien zu reisen. Egal welche Variante man wählt, man braucht Geduld und viel Zeit. Die Erste ist natürlich mit dem Zug zu fahren. Die Zugpreise sind in Rumänien sehr viel niedriger als in Deutschland, dafür fahren die Züge der billigsten Preiskategorie auch sehr langsam. Für 50 km kann man schon mal 2 ½ Stunden brauchen. Nach Bukarest sind wir auch mit dem Zug gefahren. War ein etwas schnellerer Zug mit Platzreservierung. Offensichtlich wurden unsere Plätze jedoch zweimal vergeben, sodass wir nach der Hälfte der Strecke einem älteren Ehepaar unsere Plätze überließen und auf den Flur gingen und so noch 2 ½ Stunden im Stehen verbrachten. Die Rückfahrt verlief auch anders als geplant. Wir wollten am Nachmittag einen Bus nehmen. Unsere Fahrt zum Busbahnhof verlief jedoch etwas Seite anders als geplant weil wir uns mit dem Metro-Netz nicht so gut auskannten. Als wir fast am Busbahnhof waren entschlossen wir uns zurückzufahren, da der Bus bestimmt schon weg sei. Wir fuhren also zum Bahnhof und entschieden uns dann den Nachtzug zu nehmen. Auf diesen mussten wir jedoch noch sechs Stunden warten uns so verbrachten wir die Zeit auf dem Hauptbahnhof von Bukarest. Um halb zwölf kam der Zug. Glücklich ließen wir uns in die Sitze fallen. Das Abteil war jedoch zu klein für all unser Gepäck und so ließ Jochen seine Tasche auf dem Gang stehen. Dies stellte sich bei der Ankunft in Hermannstadt als Fehler heraus. Seine Kamera wurde geklaut. Wie eben schon erwähnt ist das Reisen mit dem Bus auch sehr angesagt. Es gibt unzählige Busse, die einen durch ganz Rumänien befördern. Angefangen mit den sogenannten Maxi-Taxis, Kleinbusse, die immer bis obenhin voll geladen werden bis zu normalen Bussen. Die Bus-Reise-Variante habe ich jedoch noch nicht getestet. Die schönste Möglichkeit sich im Land zu bewegen ist wohl das Trampen. Dies testeten wir als wir Ende September in einen kleinen Ort namens Trappold zu einem Treffen aller deutschsprachigen Freiwilligen in Rumänien fuhren. Wir waren zu dritt und mussten nur ca.15 Minuten warten bis ein Auto anhielt. Das typische rumänische Auto. Ein alter Dacia. Der junge Mann schmiss unsere Rucksäcke in den Kofferraum ohne sich zu bemühen ob dieser danach noch zugeht. Der Kofferraumdeckel wurde mit einem Seil festgehalten und so fuhren wir mit offenem Kofferraum und toller rumänischer Musik bis nach Mediasch was ca.50 km entfernt ist. Beim Trampen bezahlt man meistens einen kleinen Betrag. Diesem Mann zahlten wir zu viel aber dieses Erlebnis möchte ich nicht missen. Von Mediasch wurden wir auch direkt eine Stadt weitergenommen, nach Schäßburg und von dort nahm uns auch noch ein Ehepaar bis nach Trappold mit. Bei dieser Art des Reisens kommt man gut mit den Leuten in Kontakt und bekommt einen Eindruck von der Lebenseinstellung dieser Menschen. Wenn man erzählt, dass man freiwillig hier in Rumänien arbeitet sind die Leute meist sehr verdutzt: „Was? Du verlässt Deutschland um hier in Rumänien freiwillige zu arbeiten?“. Unvorstellbar für die Meisten. Und wenn man auf die Frage ob es einem hier gefällt mit „Ja“ antwortet gilt man schon fast als verrückt. Mitte Oktober war ich mit vier anderen Freiwilligen in die Maramuresch im Norden Rumäniens. Wir fuhren mit dem Auto von einem. Auch mit dem eigenen Auto muss man viel Zeit einplanen, da die Straßenverhältnisse hier doch um einiges schlechter sind als in Deutschland. Autobahnen existieren, bis auf eine von Bukarest nach Constanta, nicht. Ausserdem muss man als Fahrer im darauf gefasst sein, dass plötzlich vor einem Kühe oder Pferde auf der Fahrbahn auftauchen. Auch unzureichend beleuchtete Pferdekutschen oder Fußgänger sind ein Risiko. Wir verbrachten ein sehr schönes Wochenende bei einem anderen Freiwilligen in Oberwischau, nahe der ukrainischen Grenze. Sonntags fuhren wir in ein kleines Dorf nahebei um bei einem älteren Ehepaar Fisch zu essen. Dieses Essen wird mir noch lange in Erinnerung bleiben. Frischer Fisch auf dem Feuer gegart, Maisbrei, Knoblauchsoße und viel, viel hausgebrannter Schnaps.

Stimmungsbarometer


Ich fühle mich sehr wohl in meiner neuen Umwelt. Mit Jochen verstehe ich mich super. Wir kommen ohne Konflikte in unsere Wohnung klar. Haushaltsarbeiten sind gut aufgeteilt und wenn das Geschirr dann doch mal ein paar Tage steht ist es auch kein Problem und es findet sich letztendlich dann doch einer der es abspült. (-: Die Arbeit macht mir viel Spaß. Ich lerne ganz neue Persönlichkeiten mit ihrer eigenen Geschichte kennen und ich denke ich kann hier sehr viel lernen und für mein weiteres Leben mitnehmen. Ich lerne verwaltungstechnische und organisatorische Dinge aber auch den Umgang mit Problemfällen. Ich kann meine Ideen einbringen und darf auch mal Fehler machen. Diese passieren uns allen ab und zu.

In Hermannstadt fühle ich mich auch sehr wohl. Ich mache neue Bekanntschaften und schließe Freundschaften, sowohl mit anderen Freiwilligen als auch mit Rumänen. Ich bin sehr froh diesen Schritt gegangen zu sein und mich auf dieses „Abenteuer“ eingelassen zu haben. Sicher wird es auch Tiefen geben aber wie schon gesagt: Wenn man sich auf die Tiefen einstellt kann man besser mit ihnen umgehen.

Ich wünsche euch alles Gute und eine schöne Adventszeit.
Viele Grüße aus Rumänien,
euer Andreas


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