Das FSJ und ADiA Informationsportal

Menu:


Login:

Name

Passwort
Registrieren

Workcamps:

- im Kinderheim
- mit Behinderten




Forum:

Freiwill...
Ecuador...
Auslands...
Freiwill...
ORGANISA...

Erfahrungsbericht - Georgien

Autor: Karl-Martin Vogel
Projekt: Schule
Träger: Arbeiterkultur- und Bildungsverein e.V.

Du hast fragen? Schreibe Karl-Martin Vogel eine Email!



1. Bericht - September 2007


Am 12. September bestieg ich zusammen mit Besso, meinem georgischen “Mentor”, ein Flugzeug in Richtung Istanbul, von wo aus wir mit dem Bus weiter nach Georgien fahren wollten. Wir kamen nachts um halb drei auf dem Flughafen an und verbrachten einen Tag in der Stadt, wo Besso mich ein wenig herumfuehrte, bevor wir gegen neunzehn Uhr den Bus nach Tbilisi bestiegen. Die Fahrt dauerte ca. 34 Stunden, und war von diversen Pannen begleitet. Hinzu kam, dass Pausen relativ selten eingelegt wurden (teilweise alle acht Stunden eine), und die Reise insgesamt also recht anstrengend war. Umso gluecklicher war ich, als wir in Tbilisi ankamen und von einem Freund Bessos abgeholt wurden.

Nach einem freundlichen Empfanng und einem guten Fruehstueck wurde mir die Stadt gezeigt, Abends auch georgische Trinksitten. Tbilisi hat sehr unterschiedliche Seiten zu bieten. Neben Prachtbauten wie der Sameba (die Kirche der heiligen Dreifaltigkeit, der Bau wurde erst vor 5 Jahren fertiggestellt), der Burgruine ueber der Stadt, grossen Einkaufsstrassen und verwinkelten Altstadtgaesschen mit schoenen Cafes gibt es auch sehr arme Viertel, die von abenteuerlichkonstruierten Stromleitungen versorgt werden (leider hatte ich keinen Fotoapparat dabei).

Nach zwei Tagen ging es weiter nach Zugdidi, das Nahe der Grenze zu Abchasien liegt. Ueberall wird hier gebaut und renoviert, auch in der Universitaet an der ich nun Deutschunterricht gebe. Trotzdem herrscht ein grosser Unterschied zwischen Deutschland und Georgien, was z.B. die Infrastruktur und Wohnkomfort angeht, auf dem Lande tritt er noch deutlicher zu Tage. Dies aendert sich allerdings fast im Minutentakt, und jeden Tag kann man Renovierungsarbeiten beobachten, ob an Gebaeuden, Wasserleitungen oder Strassen. Insgesamt fuehle ich mich sehr wohl hier, alle haben mich freundlich aufgenommen, die Arbeit an der Uni macht ebenfalls Spass. Fast taeglich melden sich neue Interessenten fuer den Unterricht an, und es sind weitere Kurse auch ausserhalb der Universitaet geplant, und ich hoffe bis dahin eine gewisse Routine fuer das Unterrichten zu bekommen, denn das ist mehr Arbeit, als man vielleicht denken mag. Meine Kenntnisse des Georgischen sind bis jetzt noch nicht Nennenswert, aber ich werde mich bemuehen, sie zu verbessern und habe auch jemanden gefunden, der mir etwas Unterricht angeboten hat. Mein Aufgabenbereich hier ist noch in der Entwicklung, aber ich bin optimistisch in Zugdidi noch viel Arbeit und auch Spass zu finden.

2. Bericht - Dezember 2007


Waehrend der letzten zwei Monate gab es in meinem Privatleben nicht viel neues, waehrend das Land einige politische Krisen durchlebte und inzwischen die Werbetrommeln der einzelnen Parteien kraeftig in Gang kommen, schliesslich wurden die Praesidentschaftswahlen auf den fuenften Januar vorverlegt. Die Leute in Zugdidi scheinen zum grossen Teil hinter Saakashvili zu stehen, er hat hier wohl so etwas wie einen Heimvorteil.

Nun ja, inzwischen bin ich imstande, etwas georgisch zu sprechen, aber ich lerne die Sprache wirklich viel langsamer, als ich es Anfangs erwartet haette.

Besso und ich haben nun eine Gemeinsame Wohnung nahe der Universitaet, sodas mein Arbeitsweg nun bedeutend kuerzer ist. Dort finde ich auch die Ruhe, um etwas zu arbeiten und meine Sprachkenntnisse zu verbessern. Hier ist ausserdem gerade die Erntezeit der Kiwis und Mandarinen vorbei, und waehrend ich ein paar schoene Tage auf dem Dorf bei Bessos Eltern verbrachte, konnte ich davon auch reichlich kosten und viele mit in die Stadt nehmen. Es war das erste mal, dass ich Mandarinen direkt vom Baum pfluecken und essen konnte, anstatt sie mir im Supermarkt zu kaufen, und der geschmackliche Unterschied ist erstaunlich.

Ich habe im Dezember auch die Mitarbeiter des Roten Kreuzes in Zugidi kennengelernt, die aus Frankreich, dem Kongo und Liberia kommen. Mit ihnen kann ich mich also auf Englisch und Franzoesisch Unterhalten, so waren mal wieder ein paar laengere Gespraeche moeglich, und wir verbrachten bisher nette Abende gemeinsam. Ausserdem sind sie es wie ich gewohnt, Weihnachten am 24. Dezember zu feiern, was wir gemeinsam taten, mein Weihnachten wurde also gerettet, waehrend es fuer die Menschen in Zugdidi nur ein normaler Montag war.

3. Bericht - April 2008


Die ersten Tage des neuen Jahres brachten sehr schönes Wetter mit sich – zirka zwei Wochen lang Sonnenschein. Es wurde überraschend warm und meine Stimmung war dementsprechend gut. Allerdings änderte dies sich bald, und so wurde der größte Teil des Tages vor dem elektrischen Heizkörper verbracht, während es fast unmöglich war, die Universität trockenen Fußes zu erreichen.

Die Feierlichkeiten zum Jahreswechsel, der in Georgien zweimal begangen wird, am 31. Dezember und noch einmal am 14. Januar, waren sehr interessant. Der 31. verlief nicht sehr unterschiedlich von den mir bekannten Neujahrsfeiern, vielleicht weil ich ihn mit den Mitgliedern der med. Hilfe in Zugdidi verbrachte, von denen keiner Georgier ist. Ich weiß nicht, woher die Tradition des 14. Januar rührt, sodass dies ein normaler Abend bei Freunden wurde.

Allerdings fragte mich ein Mingrele auf dem Nachhauseweg ( ich wunderte mich über das Feuerwerk über der Stadt, Silvester war ja schon zwei Wochen vorbei) nach einer Zigarette, unser Gespräch endete mit einer Einladung zum Essen seinerseits, sodass ich diese Nacht im traditionellen Kreis einer mir völlig unbekannten Familie verbrachte und auch dort übernachtete, was mir noch einmal die ungewöhnlich offene Haltung der Westgeorgier Fremden gegenüber demonstrierte, die ich in noch keinem anderen Land kennen gelernt habe.

Nach der Prüfungszeit in der Universität hatten die Studenten 20 tägige Semesterferien, währenddessen fiel auch mein Deutschunterricht aus. Das war allerdings gar nicht so schlecht, da zu der Zeit meine Familie für Zwei Wochen nach Georgien kam, so hatten wir viel Zeit füreinander und verbrachten unsere Ferien gemeinsam in Zugdidi und Tbilisi, in einem Gemisch aus Schneematsch und Sonnenschein. Ende Februar löste Besso sein Beschäftigungsverhältnis mit der Uni in Zugdidi und ging nach Tbilisi, ich folgte ihm. Zugdidi war für mich als Stadt etwas zu klein, vor allen Dingen aber gab es immer mehr Unterrichtsausfälle, da meine Studenten oft keine Zeit hatten und nur wenige ein so gutes Englisch sprachen, dass ich mich problemlos mit ihnen verständigen konnte. Wir mieteten wieder gemeinsam eine Wohnung, und ich lernte erste Leute in Tbilissi kennen. Sonderbarerweise kommen die meisten meiner neuen Bekanntschaften ursprünglich aus dem Westen Georgiens, sodass ich trotz des Umzugs meine Zeit meistens mit Minrelen verbringe. Abgesehen davon ist die Hauptstadt natürlich lebhaft und es gibt viel zu sehen und zu erleben, was besonders bei dem seit Ende März sehr guten Wetter Spaß macht.

Meinen Aufgabenbereich in der Hauptstadt habe ich neu ausgesucht. Bei der kaukasischen Post, einer deutschsprachigen Zeitung in Georgien, bin ich nun für die Korrektur der Artikel verantwortlich und schreibe auch selbst kleine Beiträge. Weiterhin bin ich in der diakonischen Abteilung der evangelischen Kirche von Tbilissi beschäftigt, wo ich vorerst alte Menschen betreue, in der Küche helfe und weiterhin sehen werde, was es noch für Möglichkeiten gibt. Letzteres ist zwar eine recht einfache Arbeit, stellt aber ein gutes Sprachtraining für mich dar, mein Georgisch soll sich schließlich noch verbessern.

Ein Kommentar zu diesem Bericht schreiben

Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht:

Judith Kleinsorge schrieb am 10.09.11 um 20:17 Uhr:
Ich war gerade auf der Suche nach Möglichkeiten für ein FSJ ni Georgien und bin auf dieser Seite gelandet. Ich fand es sehr interessant und fände es nett, wenn sie mir sagen könnten welche Vorraussetzungen man für so ein FSJ braucht.
LG
Judith

Anonym schrieb am 04.01.11 um 19:43 Uhr:
Das hat mich ein bisschen überrascht, dass ein Deutscher die Idee bekommen hat in Georgien ein Soziales Jahr zu machen.Aber ich finde es schlau und ich freue mich darüber.

Silvester auch am 14 Januar zu feiern, ist kein Tradition, sonder die Orthodoxische Kirche von der Sowietzeit mit altem Kalander neu Jahr gefeiert hat.

Allerdings suche ich Information, ob junge Menschen aus Georgien in Deutschland ein soziales Jahr machen können.

Einen Kommentar zu diesem Bericht schreiben