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Erfahrungsbericht - Israel

Autor: Anja Paule
Projekt: Givat Hashlosha Geriatric Center, Petach Tikvah
Träger: Dienste in Israel - Die Brückenbauer

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Abschlussbericht - April 2008


„Ich will segnen, die dich segnen.“
(1.Mose 12,3)

Diese Aussage ziert die erste Seite in meinem Hagoshrim-Heft. Oft hatte ich diese Bibelstelle schon gelesen, auch vor meinem Aufenthalt in Israel, aber wirklich verstanden, was Gott uns damit verspricht, habe ich erst hier.

Die Zeit in Israel war für mich die prägendste, reichste, glücklichste und erfüllendste Zeit in meinem bisherigen Leben. Ich durfte wirklich erkennen, was fürein Geschenk und Segenes ist, mitten unter Gottes Volk zu leben und ihm zu dienen.

Nach 9 Monaten kommt bei mir jetzt schließlich der Zeitpunkt, an dem ich einen Bericht über meine Zeit in Israel schreiben soll. Nun habe ich so viele Eindrücke und Erfahrungen hier gewonnen, dass es mir schwer fällt, ein ganz besonderes Erlebnis herauszugreifen. Deswegen will ich versuchen, einfach die Momente wiederzugeben, in denen ich so deutlich spüren durfte, wie Gott mich für meinen Dienst am jüdischen Volk segnet.

Die erste Aufgabe, die ich an meinem ersten Arbeitstag bekam, war, einem alten Mann Essen zu reichen. Damals wusste ich noch nicht, dass ich dies nun 9 Monate lang zweimal am Tag machen würde. Dieser Mann wurde in Deutschland geboren und kam dann glücklicherweise noch vor Ausbruch des 2. Weltkrieges nach Israel. Eines Tages ging ich mit ihm spazieren und begann, ihm deutsche Kinderlieder vorzusingen. Da wurde er plötzlich ganz aufmerksam, er war nicht mehr so abwesend, wie er sonst meist schien, und er fing an, mitzusummen und mir zu erzählen, dass seine Mutter diese Lieder immer für ihn gesungen hätte, als er noch klein war. Und dann fing er an zu weinen, während ich Lied um Lied sang. Also saßen wir da und sangen und weinten gemeinsam.

Er, weil er von einem Land träumt, das einmal seine Heimat war, die ihm genommen wurde, und ich, weil ich aus eben diesem Land komme, in dem meine Vorfahren seine Familie umgebracht haben.

Nach und nach lernte ich die Bewohner meiner Station immer besser kennen, ich wusste, wo sie sitzen, wie sie heißen und erfuhr nach und nach mehr über ihre Lebensgeschichte.

Da war zum Beispiel eine Frau, die schon 98 Jahre alt ist, seit 15 Jahren nur noch völlig verkrampft in ihrem Rollstuhl liegt und kein Wort spricht. Sie war eine erfolgreiche Kinderärztin gewesen, sprach 9 Sprachen und nun dieses Leiden. Diese Frau wollte sehr oft nicht essen und da die Arbeiter nicht für jeden Patienten so viel Zeit aufbringen konnten, fing ich an, dieser Frau immer öfter das Essen zu reichen, ihr nebenbei Dinge zu erzählen, sie etwas zu fragen, ihr über die Wange zu streicheln und so weiter. Nach geschlagenen 5 Monaten kam dann völlig unerwartet ein großartiges Erlebnis: ich fragte sie, ob sie noch mehr essen wolle und sie antwortete mir (zum 1. Mal!) tatsächlich ganz laut und deutlich: „Lo!“ Seitdem reagierte sie immer öfter auf Fragen mit „ja“ und „nein“ beziehungsweise Kopfschütteln oder Lächeln. Diese Erlebnisse waren ein solch großes Geschenk für mich, da ich einfach sehen durfte, dass man wirklich erntet, wenn man Zeit, Geduld und Liebe in andere Menschen hineinsät.

Dieselbe Erfahrung durfte ich bei fast allen Bewohnern meiner Station machen. Mit der Zeit kannte jeder meinen Namen und bei nahezu jeder Gelegenheit wurde zunächst ich gerufen, da die Bewohner genau wussten, dass ich versuchen würde, ihnen wirklich jeden Wunsch möglichst schnell zu erfüllen.

Dass ich hier von Anfang an so offenherzig und positiv aufgenommen wurde, ist für mich ein wirkliches Privileg. Oftmals haben sogar gerade die Menschen besonders freundlich auf mich reagiert, die am eigenen Leib die Grausamkeit der Deutschen im 3. Reich zu spüren bekommen hatten. Da war zum Beispiel der Ehemann einer Bewohnerin, der mir stets so freundlich zuwinkte und mich immer grüßte. Irgendwann sah ich auf seinem Arm die eintätowierte Auschwitz-Nummer.

Eine der Frauen meiner Station, die ich sehr liebgewonnen hatte und sie mich auch, sagte eines wunderschönen sonnigen Tages beim Spazierengehen, als wir uns gerade über Deutschland unterhielten: „Umgebracht haben sie sie. Alle. 200 Verwandte hatte ich. Ich habe als einzige überlebt und kam nach Israel.“

Diese Erlebnisse lösten einen großen Schock in mir aus, gleichzeitig war ich unendlich dankbar, dass Gott eine solche Gnade schenkt, dass wir als Deutsche zwischenzeitlich einfach so selbstverständlich hier in Israel leben können.

Dieser Gedanke kam mir auch immer wieder bei den freitäglichen Kabbalat-Shabbat- Feiern. Ich als deutsche Christin, eigentlich genau die Kombination, die dem jüdischen Volk das schlimmste angetan haben, konnte einfach so mit diesen Juden, Gottes auserwähltem Volk, die Kabbalat-Shabbat-Feier halten, konnte von dem Kuchen essen, wurde angenommen. Außerdem wurde mir in den verschiedensten Situationen neu bewusst, dass das jüdische Volk lebt und leben wird. Egal, was für Anstrengungen andere Völker unternehmen werden, sie werden das jüdische Volk nicht ausrotten können. Das rührte mich regelmäßig zu Tränen.

Was mich an Israel auch sehr begeistert, ist die Vielfalt der Menschen, die wirklich aus den allerverschiedensten Ländern und (Glaubens)Hintergründen kommen und hier trotzdem alle zusammenleben und sich irgendwie arrangieren. Das ist mit Sicherheit auch ein Grund dafür, dass Fremde so schnell aufgenommen werden. In unserer Gemeinde erlebte ich diese Offenheit der Menschen am deutlichsten: man wurde nicht nur gleich in die Arme, sondern auch ins Herz geschlossen. Man gehörte sofort dazu, man konnte mit jedem offen reden und beten.

Außerdem erfuhr ich auch ständig einen riesigen Respekt für meine Arbeit. So oft wurde mir gesagt, dass die Volontäre solch ein gutes Herz hätten und unglaublich viel Geduld mit den Alten.

So oft waren israelische Jugendliche völlig überrascht, dass wir solch eine Arbeit für nur 600 NIS machten und das Altenheim hier würdigte uns mit einem riesigen Überfluss an Essen, Bezahlung des Internets und Telefons, kostenloser Teilnahme am Mitarbeiter- Ausflug, mit Geschenken und vielem mehr. So oft wurde mir von Arbeitern nett auf die Schulter geklopft, über die Wange gestrichen und ein nettes und ermutigendes Wort gesagt. So oft bedankten sich die Menschen, Einwohner wie Arbeiter bei mir dafür, dass ich ihnen half und einfach da war.

Rückblickend kann ich wirklich sagen, dass Gott mich in jeglicher Hinsicht überreich beschenkt und gesegnet hat. Er hat meinen Blick erweitert, mir auf viele Dinge sogar einen völlig neuen Blick gegeben. Ich durfte erfahren, dass Glück und Zufriedenheit nicht davon abhängen, ob man eine schöne Einrichtung, einen vollen Kleiderschrank oder fließend warmes Wasser hat. Mir wurden so viele wunderbare Begegnungen und Freundschaften geschenkt und vor allem durfte ich stets spüren, dass der HERR mit mir ist – in jedem Moment; dass ER meine Hilfe ist; dass ER mein Friede ist; dass ich nur in IHM wirkliche Freiheit und Freude habe; ja, dass ER mir und uns allen einfach ein rundum gesegnetes Leben schenkt!

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht:

Lukas schrieb am 10.01.10 um 22:49 Uhr:
das ist wirklich ein wunderschöner Bericht.
Ich freue mich für dich, dass du so gesegnet wurdest.
Die Liebe Jesu übersteigt unseren Verstand!
Gott segne Israel mit Erkenntnis des Herrn und mit Freude an seinem Wort.

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