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Erfahrungsbericht - Nicaragua

Autor: Anonym
Projekt: ODESAR
Träger: EIRENE International 

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1. Rundbrief - Januar 2006




Liebe Familie, FreundInnen und UnterstützerInnen,
in meinem ersten Rundbrief werde ich versuchen, das Land Nicaragua, meine Organisation ODESAR und mein Leben hier ein wenig darzustellen, damit Ihr euch ein Bild davon machen könnt, wo und wie ich hier arbeite und lebe. Entschuldigt, dass ich viel Themen anspreche und nicht alle tiefer gehend behandele, aber dieser Rundbrief spiegelt in Gewisserweise meine derzeitige hin und her Gerissenheit wider.

Viel Spaß beim Lesen!


Ankunft


Am Abend des 22. Septembers landete ich erschöpf und durchgefroren in Managua, der Hauptstadt Nicaraguas. Als ich das gut klimatisierte, leicht unterkühlte Flugzeug verließ, stieß mir eine schwüle, warmeLuft entgegen, die schnell meinen ganzen Körper umklammerte. Ein fremder und undefinierbarer Geruch, gemischt mit den Abgasen und dem heißen Teer schlug mir entgegen. Man könnte sagen, Managua stinke; doch es ist bedeutend interessanter, die einzelnen Geruchskomponenten zu verfolgen und zu enträtseln. Zusammen mit Jana, einer anderen Freiwilligen, wurde ich von dem EIRENE Koordinator Jörg Elbers vom Flughafen abgeholt und wir fuhren durch die nächtliche, schwach von orangenen Laternen erhellte Stadt. Meine ersten drei Tage verbrachte ich bei Familie Elbers, wo ich die Möglichkeit hatte, mich auf relativ europäische - und sehr angenehme Weise etwas einzuleben.

Der stark prasselnde tropische Regen, der nachmittags einsetzte, und auf Grund des Hurrikans "Rita” über mehrere Tage hinweg für besonders feuchtes Wetter sorgte, so dass brauner Schlamm in Bächen die Straßen hinunter strömten und sich riesige Pfützen bildeten, das nächtliche Zirpen der Insekten, das gleichmäßig bis zum Morgengrauen die Dunkelheit umgab, und das zeitige Morgenlied der krächzenden, schreienden Vögel wurde mir zunehmend vertrauter. Eine Vielzahl von Geckos huschten über die Hauswände, krochen durch die Lüftungslücken und schlichen sich in zackigen Bewegungen blitzartig an Spinnen und andere Insekten heran, um sie anschließen genüsslich zu verspeisen.

Managua


Managua, die Hauptstadt Nicaraguas, ist nicht besonders schön, aber sehr interessant. Die Stadt wurde zu großen Teile während des schweren Erdbebens 1972 zerstört und bietet so einen seltsamen Anblick. Jeder Fünfte Nicaraguaner, also eine Millionen Einwohner, leben in der Hauptstadt. Das alte koloniale Stadtzentrum gibt es nicht mehr und breite Straßenzüge verbinden die verschiedenen Stadtteile, in denen die unterschiedlichsten Lebensstandards vorzufinden sind. Brachliegendes Land, Elendsquartiere, Industrie, Wohnviertel und wieder Wellblechviertel grenzen aneinander und alles ist bunt durchmischt. Es ist ein komisches, befremdliches Gefühl, in dem verriegelten Jeep die Straßen hinunter zu fahren und die unglaublich armen Viertel zu betrachten: Kolonien von kleinen Hütten, auf gestampften Lehmboden, vor denen einzelne Wäschestücke an Stacheldrahtzäunen wehen. Plötzlich ist man, vom räumlichen Abstand her betrachtet, mitten drinnen, aber doch in seiner geschützten, industrialisierten Welt des “Toyota Nica” und somit völlig isoliert. Die Kontraste sind unglaublich: Wenige Straßenzüge nach einem modernen Einkaufszentrum oder Bankenviertel schließt sich eine Art Slum an.

Armut und Reichtum


Was die Armut nun tatsächlich charakterisiert, weiß ich nicht. Es sind nicht die offen schwelenden Feuer, die wild zusammengeschusterten Wellblechhütten, die Meere aus Müll; denn wie beurteilen die Menschen das, was wir für Armut halten, die kein Feuerholz, kein Wellblech und keine umständlich in Plastik verpackten Produkte besitzen? Das eigentliche Grauen der Armut sind wohl die Ausweglosigkeit, die Umstände nicht aus eigener Kraft verbessern zu können, und die daraus resultierende Hoffnungslosigkeit. Vielleicht ist es mir deshalb auch nicht möglich, diese absolute Armut zu erleben; denn egal wie sehr ich mich auch beschränke, wie sehr ich auch versuche, mich den örtlichen Unständen anzupassen, ich lebe in dem Bewusstsein: dies alles prägt mich nur vorübergehend, aber nicht für die Menschen, die hier leben und keine Chancen haben andere Länder zu bereisen.

Trotz der offensichtlichen Armut ist Nicaragua wunderschön und reich an Kultur und Natur. Man sagt, Nicaragua sei das Land der Seen und Vulkane. Ich kenne bis jetzt nur das Nicaragua der Berge, Wälder und Flüsse. Wilde bewaldete Berge erheben sich im Norden des Landes. Die Berge sind anders als die europäischen Alpen, die sich relativ klar in Haupttäler, Nebentäler und Talschlüsse teilen, hier ist alles wild durcheinander gewürfelt, verwachsen und größtenteils unwegbar. Zusätzlich ist Nicaragua ein Land der Künstler und Poeten, mir ist es noch kaum möglich, die Poesie zu verstehen, aber ich werde dazu lernen.

Esteli - Mein erster Monat


In meinen ersten Monat habe ich in Esteli, im Norden Nicaraguas, in einer Gastfamilie gelebt und eine Sprachschule besucht. Als das Taxi in einer mir siffig wirkenden Straße hielt, der Fahrer mein Gepäck auf den Bürgersteig verfrachtete und ich ziellos einem jungen Mädchen, Gabriela, folgte, kam ich mir ziemlich hilflos vor. Es ging durch ein garagenähnliches Tor in eine kleine “Pulperia”, Lädchen für alles, vergleichbar mit einem Tante-Emma-Laden. Hinter der Theke saßen an einem kleinen Plastiktisch eine ältere, sehr kleine, runde Frau und zwei junge Frauen mit einem Baby vor einem Fernseher. Die Begrüßung war nett, aber befremdlich, da ich kaum etwas verstand, so dass ich mir nicht übermäßig willkommen vorkam. Der hohe Raum hatte einen teilweise gefliesten Boden, an anderen Stellen war nackter Stein und Erde zu sehen.

Hinter einer Sperrholztür ging es weiter ins Haus. Mein Zimmer auf dem Dach bestand aus dünnen Holzwänden und einem Wellblechdach. Ich hatte eine gute Sicht über die Wellblechdächer der Nachbarn und konnte in die beiden Innenhöfe blicken. In dem rechten schwelte ein Kessel mir Bohnen über dem offenen Feuer, im linken trocknete die Wäsche. Ich war entsetzt und geschockt. Warum ist mir nicht mehr so klar, es war ein neues Gefühl des Ausgeliefertseins gegenüber den ärmlich erscheinenden Verhältnissen. Inzwischen sehe ich kalte Duschen, Wellblech, Wasser – und Stromausfälle und mit anderen Augen.

Wenn es regnet, verschmilzt das milchige Grau des Wellblechs mit dem des Himmels. Dauerregen und Überschwemmungen, an all das gewöhnt man sich schnell, besonders wenn es so vieles Neues zu entdecken gibt. Die Sprachschule war sehr erfolgreich und gut. Spannender, vielseitiger Unterricht mit begeisterten und offenen LehrerInnen. Wir unternahmen Ausflüge, erkundeten die Stadt und feierten Feste.

Da ich nicht all zu viel Kontakt zu meiner Familie, mit Ausnahme meiner Gastschwester Gabriela hatte, entwickelte sich mein Zimmer mit der Zeit zu einem Treffpunkt für all meine Freundinnen und Freunde, so dass ich nie einsam, sondern immer in Gesellschaft fröhlicher Menschen war.

Matagalpa, Matagalpa, Matagalpa!



ODESAR


Nach dem ersten Monat des lockeren Sprachschülerlebens konnte ich es kaum erwarten, endlich nach Matagalpa zu kommen und sinnvoll zu arbeiten. Bei ODESAR (nicaraguanische NGO für ländliche Entwicklung) wurde ich sehr herzlich und offen empfanden. Meine Kollegen übten fleißig meinen Namen auszusprechen, jeder hatte Zeit für eine kleine Unterhaltung, alle erkundigten sich nach meinem Wohlergehen, ich bekam Kaffee und Süßigkeiten und oft kamen die KollegInnen auf einen kleinen Plausch in mein Büro, so dass ich mich gut umsorgt wie die “niña de ODESAR” fühlte.

Die Projekte ODESARs sind sehr vielseitig. Im Bereich der Landwirtschaft werden Parzellen und Fincas (Gärten und kleine Bauernhöfe) diversifiziert (die Produktion wir dahingehend vervielfältigt, dass es die Familien vielseitigere Lebensmittel zu Verfügung haben und diese in den Städten besser vermarkten können), indem Setzlinge und Samen verteilt werden und ökologische Fertigkeiten in Seminaren weitergegeben werden. Um einen unabhängigen, ökologischen und günstigen Energiezugang zu bekommen, werden Anlagen für die Gewinnung von Biogas aufgebaut.
In besonders trockenen Regionen - wie Muy Muy, im Inland Nicaraguas - wird die Trinkwasserversorgung aufgebaut. Zusammen mit den Familien werden Brunnen gegraben und Leitungen gelegt.

Frauen werden von ODESAR besonders unterstützt. Zu Themen wie Gesundheit, Sexualität, Gleichberechtigung und Menschenrechten veranstaltet die “grupo de género” (Gender Gruppe) Seminare. Des Weiteren werden Mikrokredite des Projektes “Trickle UP” an besonders arme Frauen vergeben, denen die Möglichkeit geboten wird, ein eigenes Geschäft aufzubauen. Es handelt sich dabei um kleine Geschäfte wie die Anschaffung einiger Hühner, eines Schweins oder der Aufbau einer Pulperia.

Bei all diesen Projekten sind die Agronomen ODESARs in erste Linie Multiplikatoren, die das Wissen an die Produktoren weitergeben und den Ablauf der Projekte kontrollieren. Die Campesinos haben untereinander wieder verschiedene Verantwortungsbereiche und geben ihre Fähigkeiten weiter, so dass sich ein Netzwerk entwickelt. Ziel aller Projekte ist die Sicherung der absoluten Grundbedürfnisse, um ein autonomes, selbstbestimmtes und abgesichertes Leben führen zu können, in dem sich die Produktoren untereinander weiterhelfen.

Meine Arbeit


Die Bemühungen, eine sinnvolle Arbeit für mich zu finden, erwiesen sich allerdings schwerer als erwartet, und ich musste einige Rückschläge in Kauf nehmen. Mein vorläufig erster Arbeitsplatz ist das CIDOC (Zentrum der Investigation und Dokumentation), eine Art Bibliothek, in der alle Materialien gesammelt und archiviert werden. In der ersten Woche schusterte ich mir aus verschiedenen Computerbestandteilen des Materiallagers einen PC zusammen. Meine Aufgabe ist es, alle Bücher und Dokumente zu sortieren, in Rubriken zu ordnen und zu beschriften. Eine sehr langwierige Arbeit, an deren Nutzen ich gelegentlich zweifle. Des Weiteren darf ich besonders in meiner ersten Zeit, alle Projekte ODESARs kennen lernen und fahre bei jeder Gelegenheit mit meinen KollegInnen mit aufs Campo (Land).

Ich bin sehr gerne auf dem Campo. Die Arbeit ist elementar und ihre Erfolge sind unmittelbar sichtbar. Die Menschen auf dem Land sind offen und freundlich. All die überflüssigen Konventionen und die zermürbende Zwänge ewiger Selbstdarstellung und des Aushängens des eigenen Prestiges werden dort, wo es fast gar nichts mehr gibt, abgelegt oder wertlos, und so sind die Menschen direkt und ehrlich. Ich bin sehr dankbar, dass ich diese Menschen kennen lernen und mit ihnen zusammenarbeiten darf. Es kommt vor, dass man nach einem längeren Weg durch die wunderschönen Berge, die verwachsenen Weiden, mit ihren großen, schattenspendenden Bäumen und Felder in einer ärmlichen Hütte auf eine Familie triff, wo man lernen kann, dass ein Wellblechdach eben keine Armut, sondern, gegenüber der zerlöcherten Plastikplane, einen gewissen Reichtum darstellt. Ein schwelendes Feuer räuchert die dunkle Hütte aus und treibt einem die Tränen in die Augen. Dass die Kinder weinen, wenn sie die große Weiße sehen, dass das Mädchen mit dem Downsyndrom sich zusammen mit den Hühnern im Schlamm wälzt, dass die Menschen barfuss laufen und dass man mich für einen Mann hält, erscheint zuerst seltsam, ist aber verständlich.

Die Zentrale ODESARs hat ihren Sitz in Matagalpa, aber die Projekte sind in der Municipios (Landkreisen) außerhalb der Stadt, wo die Lebensbedingungen bedeutend schwerer und die Menschen ärmer sind. Nach meinem ersten Monat bei ODESAR wurde zusammen mit meinem Koordinator und meiner Contraparte directa mein Arbeitsplan für die nächsten drei Monate festegelegt. Meine beiden neuen Arbeitsbereiche sind neben der Arbeit im CIDOC, die ich hoffe bis Anfang März fertig stellen zu können, die Arbeit in der Gender Gruppe. Dort nehme ich an den Sitzungen und Seminaren Teil oder erledige Handlangerdienste. Ich erstelle präsentationsfähige Tabellen um Umfrageergebnisse darzustellen und übernehme die Arbeiten, die ich mit meinen noch begrenzend sprachlichen Fähigkeiten ausführen kann. Dazu kommt die Mitarbeit bei der neuen Vergabe von 50 Trickle – Up Krediten, die in diesem Monate beginnt und bei der ich meine Kollegin unterstützen werde, Seminare zu veranstalten, Frauen auszuwählen, zu informieren, auf dem Land zu besuchen, ihre Anschaffungen zu kontrollieren und am Ende des Jahres das Projekt zu evaluieren.

Leben in Matagalpa


Matagalpa liegt auf 680 Metern im Norden Nicaraguas umgeben von den noch grünen Berge. Die zwei “Calles central” (Hauptstraßen) ziehen sich bunt, mit einer Vielzahl von unterschiedlichsten Geschäften, Banken, Restaurants und Ärzten von Norden nach Süden durch die Stadt und verbinden die Kathedrale und den Parque Morazan mit der Iglesia am Parque Dario.

Der Park ist für alle da. Kleine Jungen putzen barfuss Schuhe, der Eisverkäufer preist neben dem Hotdog Wägelchen seine Ware an und Kinder mit Bauchläden verkaufen Kaugummi, Bonbons und Zigaretten. Andere Straßenkinder betteln um einen Peso (5ct).

Ich wohne sehr zentral, einen halben Block westlich der Hauptstraße in einem größeren Haus, wo ich ein kleines Zimmer mit Bad und einen Gaskocher in meinem kleinen Innenhof unter dem Wellblechvordach habe. Die Hängematte baumelt zwischen dem Orangenbaum und dem Fenstergitter.

An den Wochenenden bin ich viel unterwegs, wenn sich die Möglichkeit ergibt auf dem Land in den Municipios Matagalpas. Mit den alte, gelben, amerikanischen Schulbussen kommt man relativ zuverlässig, wenn auch nicht unbedingt schnell, überall hin. Ihre Wartung scheint darin zu bestehen, sie mit einer funktionierenden Musikanlage und vielen bunten Bildchen und Bändchen auszuschmücken. Sie hinterlassen schwarze Abgaswolken, die sich nur träge in der warmen Luft auflösen und nach 1 ½-stündiger Fahrt muss für gewöhnlich eine kleine Pause eingelegt werden, um Kühl wasser nachzufüllen. Bus fahren ist bedeutend lustiger als in Deutschland. Holprig, schaukelnd und staubig, mit vielen Menschen, Gepäckstücken und Tieren. Hühner auf dem Schoss, zwischen den Füssen und gelegentlich ein kreischendes Schwein im Gepäckfach. Dazu nicaraguanische Musik. Zusammen mit Freunden und Kollegen gehe ich in den Bergen wandern, erkundschafte die Kaffee-Fincas und die Wälder, schwimme in abgelegenen Flüssen, bade in allen Wasserfällen auf die wir treffen und gehe auf verschiedenste Feste. Gefeiert wird hier sehr viel.

Kaffee



Das Klima hier in den Bergen ist bedeutend kühler und eignet sich hervorragend zum Kaffeeanbau. Die holprigen schlecht ausgebauten Straßen führen von Matagalpa aus in die außerhalbgelegenen Municipios (Landkreise), in denen viel größere und kleiner Bauern Kaffee anbauen.

Korruption ist hier nicht bloß ein Schlagwort, sondern man kann sie förmlich anfassen oder sich von ihr durchschütteln lassen. Wenn die geteerten Straßen abrupt in flussbettartige Wege übergehen und der Busfahrer erklärt, dass hier die Regierung Entwicklungsgelder in die eingene Tasche gewirtschaftet hat, wirkt das alles sehr plausibel.

Bald ist die diesjährige Kaffeeernte abgeschlossen und seit einem Monate laufen gegenüber meines Blockes, auf der anderen Seite des “Rio Grande de Matagalpa”, die Maschinen zur Verarbeitung. Tag und Nacht brummen die Mahlwerke, die den Kern aus der leuchtend, roten Frucht lösen. Danach wird der Kaffee in einer Waschstraße gewaschen und anschließen getrocknet. Matagalpa ist die Stadt oder auch das Herz des Kaffees und so wurde zur Feier der Kaffeeernte Mitte Dezember ein dreitägiges Straßenfest “Feria de Café” veranstaltet, auf dem sich die unterschiedlichen Kaffeeproduzenten vorstellten und Einblicke in die Vermarktung gaben.

Der Wohlstand Matagalpas geht eng mit der Kaffeeproduktion und den Preisen der Absatzmärkte einher. In der Region Matagalpas produzieren 1.554, der insgesamt 6.307 (aus zehn Regionen) kleinen und größeren Kaffeeproduktoren.

Feste in Nicaragua


In Nicaragua wird viel gefeiert: Dorffeste, Stadtfeste, religiöse Feste und vieles mehr. Zu einem guten Fest gehören Musik, Tanz, etwas zu Essen und Rum (Flor de cañe). Wenn das Fest um sieben Uhr beginnt, kann man davon ausgehen, dass die Leute eine halbe Stunde später ausgelassen tanzen und das, bis das Fest endet. Als Chela (freundliche Bezeichnung für Weißen) ist man besonders gefragt und es kann passieren, dass man in einer völlig unbekannten Umgebung, mit größtenteils fremden Menschen unter heller Begeisterung den Tanz eröffnen muss.


Purisima

Purisima ist das Fest der Jungfrau Maria, gleichzeitig aber auch ein Art nicaraguanischer Nikolaus-Ersatz. Einige Tage vor dem Fest wurden überall in der Stadt Feuerwerkskörper abgeschossen, mit der Besonderheit, sehr laut und wenig farbenprächtig zu sein. Am Abend des 7.Dezembers füllten sich die Straßen mit viele bunten Ständen und die Kirche und Kathedrale waren mit Marienstaturen, Kerzen und glimmerndem Schmuck geschmückt. Auch einzelne Hauser hatten Marienbilder auf kleinen Altären aufgestellt, die von singenden, bunten Grüppchen besucht wurden. Kinder, Erwachsene und alte Menschen standen vor den Altären, sangen religiöse Lieder und empfingen im Anschluss Parkettchen mit verschiedensten Naschies oder kleinen Geschenken. Dazu wurden an allen Ecken die knallenden Schwefelbomben gezündet, ein seltsamer Gegensatz von stiller Andacht und lautstarker Jahrmarksatmosphäre, die die festliche religiöse Stimmung der Matagalpiner nicht störte, denn nach einigen besinnlichen Liedern, kletterten die Kinder und Jugendlichen wild schreiend an den Fenster- und Türgittern empor, um möglichst gute Parkette zu erhalten um dann danach wieder festlich bei dem nächsten Haus vorzusingen.

Weihnachen

Wenn für Weihnachten geschmückt wird, hat der Schmuck Vorrang. Einige Schmuckgehänge im Büro sind so tief angebracht, dass nicht nur ich mit meiner Größe, sondern auch die kleineren Kollegen regelmäßig dagegen laufen. Besonders erfreut haben mich die bunte Leuchtspirale vor der Stempeluhr, die unaufhörlich und fröhlich blinkt und nebenbei den Akt des Stempelns etwas erschwert. Weihnachten in Nicaragua ist kitschig. Überallhängen bunte Leuchtketten, grüne oder weiße Plastiktannenbäume und von den Decken baumeln Rehntiere, Schneemänner, Glöckchen und Nikoläuse mit roten Socken. Die Schmuckkultur scheint unverändert aus den westlichen Industrienationen übernommen zu sein, ohne die klimatische Differenzen zu berücksichtigen. So kann man schwitzend einen kalten, frischgepressten Orangensaft trinken und den Kunststoffschnee der Weihnachtsbäume genießen. Weihnachten ist zwar ein besonderes Fest, aber es ist nicht so hochstilisiert wie in Europa und längst nicht so kommerzialisiert. Anstatt mit meinen neuen Freunden Weihnachten in Matagalpa zu feiern, nutzte ich die Gelegenheit etwas zu reisen.

Reise nach Costa Rica und Panama



Etwas unorganisiert und mehr oder weniger spontan reiste ich nach Costa Rica, um gemeinsam mit einem Freund aus Deutschland und seinen Freunden mit einem VW Bus nach Panama zu fahren. Costa Rica ist die Schweiz Zentralamerikas, reich und westlich, mit einem wunderbaren Reichtum und einer Vielfalt an Natur. Die Berge im Inland erheben sich bis auf 4800 Meter, großflächige Naturreservate ziehen sich durch das Land und es ist sauber. Man findet gestutzte Vorgärten, gut ausgebaute Straßen und vor den Supermärkten stehen anstelle der bettelnden Straßenkinder modern und teuere Autos. Von San Isidro aus tuckerten wir mit dem Bus die Berge hinauf und rasten wackelnd auf der anderen Seite herunter Richtung Pazifik. Weihnachten habe ich zum ersten Mal den Pazifik gesehen, der hinter den endlosen, heißen Sandstrand beginnt. Palmen säumen den Strand und am Horizont erheben sich die Berge.

Mit einigen kleinen Reparaturpausen, die sich der uralte VW Bus gönnte, fuhren wir von Dominical die Pazifikküste hinunter und überquerten die Grenze nach Panama. Ein kleines Bestechungsgeld und schon ging es weiter. Einige Kilometer hinter Tole, mitten im nichts, um etwa ein Uhr morgens, auf der endlosen Panamericaner, brach ein Verbindungsteil der Kupplung und wir quartieren uns im Taller Rafa, eine wellblechüberdachten Reifenwechselstelle ein.

Anstatt die Hängematten zwischen Palmen am Strand auf zu spannen, baumelten wir nun unter dem grellen Licht der Leonleuchten über Altöl und Ersatzreifen einige Meter oberhalb der Panamericaner, über die Tag und Nacht riesige Sattelschlepper, Reisebus und sonstiger Verkehr rasst. Die Panamericaner verbindet alle Staaten Zentralamerikas miteinander und führt von Panama über Costa Rica, Nicaragua, Honduras, El Salvador, Guatemala und Belize nach Mexico. Am nächsten Morgen, als es über der Panamericaner zu dämmern begann, konnte ich es sehen: Oh wie schön ist Panama! Wir erkundschafteten die Umgebung, wanderten über die leuchtend rote Erde der Feldwege in den saftigen grünen Hügeln zu einem versteckten Fluss, um zu baden. Schattig und tief von Bäumen und Lianen bewachsen, schlängelte er sich milchig durch das Tal.

Zum Jahresende fuhren wir nach Panama City, einer schönen und spannenden Stadt. Obwohl Costa Rica und Panama landschaftlich sehr beeindrucken sind, habe ich schnell mein Nicaragua vermisst. Die Menschen sind einfach anders. Der westliche Stress und der Modezwang prägen die etwas spießige Kultur in Costa Rica und Panama. Die Menschen sind nicht so herzlich, interessiert und unkompliziert wie in Nicaragua. Ich fühlte mich nicht mehr als willkommener Gast, sondern mehr als zahlender Tourist und stellte fest, das Reichtum hässlich macht und einen wesentlichen Teil der Kultur zerstört.

Wieder zu hause


Ich habe mich gefreut in mein armes, herzliches Nicaragua zurückkehren zu können und bin umso glücklicher hier zu leben. In Managua, am Marcado Majoreo, folgte ich den Rufen eines Busanpreisers “Matagalpa, Matagalpa, Matagalpa!” Stieg ich in einen der bunten Busse, fand einen der letzten Sitzplätze und fuhr nach einer 32 stündigen Reise heim. Die Frauen im Bus lächelten mir zu, Kinder winkten mir zu, romantisch, traurige Musik lief und ich unterhielt mich mit meinem Sitznachbarn. An größeren Haltestellen kamen Verkäuferinnen mit Obst, Chips und Hühnchen in großen Plastikschalen oder Tüten durch den Bus, das Wechselgeld immer greifbar im BH versteckt, und obwohl ich unendlich erschöpft war, war ich sehr zufrieden.

Was alles fehlt ?!


Ein kleiner Einblick in die Geschichte, sowie die derzeitige politische Situation. Ich werde in meinem nächsten Rundbrief darauf eingehen. Was sonst noch fehlt könnt Ihr mir gerne mitteilen. Über konstruktive Kritik und Rückmeldungen freue ich mich. Ich wünsche Euch und Ihnen ein glückliches neues Jahr!

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht:

Gerd Schnepel schrieb am 29.08.15 um 20:45 Uhr:
Liebe Rahel, leider hast Du UNS nicht besucht ... Sano y Salvo • Safe and Sound, Primera Asociación Campesina e Indígena de Cultura y Producción Ecológicas en la Biosfera del Sureste de Nicaragua, Nueva Guinea, Región Autónoma Caribe Sur.

Dein Satz "sogar UTZ-zertifiziert" zeigt, wie es diesen Fälschern schon gelungen ist, die Köpfe zu verwirren. Ich schicke Dir hier meinen Kommentar zu einem Interview mit E. Bahn von INKOTA im Biomarktinfo von vor ein bis zwei Monaten oder so. DA kannst Du sehen, was UTZ wirklich ist, ein Angriff auf den Biolandbau, lächerliche Grünwäscherei für europ. Kundschaft, die halt nicht durchblicken kann oder mag.

Ciao, Gerd

From: Gerd Schnepel
Sent: Thursday, June 25, 2015 12:18 AM
To: bahn@inkota.de
Cc: Hermann - Pro REGENWALD ; Kai Kreuzer ; Karin Heinze ; Markus Arbenz ; Thomas Cierpka ; Bernward Geier ; Peter Grosch ; Willer Helga ; Thomas Meier ; birgitt.boor@bioherb.de ; manon.haccius@alnatura.de ; Alexander Von Loebell ; Head Office ; odoprima@yahoo.com.br ; Schwentesius Rita ; Gerald Herrmann ; Matthias Frost ; huetz-adams@suedwind-institut.de
Subject: Re: Kakaobauern leben weiter in extremer Armut

Liebe Evelyn,

ich bin echt enttäuscht! Du wirst im Biomarktinfo zitiert, wie folgt:

"Es ist erfreulich, dass sich die Schokoladenindustrie bewegt und
dass sich in den Supermärkten immer mehr Schokoladenprodukte mit den
Siegeln von Fairtrade, Utz Certified und Rainforest Alliance finden
lassen", erklärt Evelyn Bahn, Koordinatorin der Kampagne Make
Chocolate Fair! bei INKOTA. "Das ist ein erster wichtiger Schritt hin
zu einer Verbesserung der Lebensbedingungen für Kakaobäuerinnen und
-bauern und zur Einhaltung der Menschenrechte. Zertifizierung ist
aber kein Wundermittel, wenn es darum geht, die Mehrheit der
Kakaobäuerinnen und -bauern aus der Armut zu befreien."

Das Zitat enthält schwere Irrtümer, deren Bekämpfung wir uns seit Jahren widmen, und wenn dann angesehene, bekannte Organisationen so etwas verlautbaren, ist das ein ziemlicher Hammer, Rückschlag etc.

"Wir" heißt "die organischen" (Willi kennt mich!); wir machen BIO-Kakao, wir vertreten die Position, daß Nicht-Bio-Kakao etwas völlig Unnötiges ist, Umweltzerstörer, Wasservergifter, Gesundheitsgefährder (Bauernfamilien und Schokokonsumenten und -mentinnen). Seit einiger Zeit werden wir auf diesem richtigen Weg belästigt, behindert und müssen Rückschläge hinnehmen dank der fast schon Betrüger zu nennenden Rainforest Alliance und Utz (und andere). "Wir" heißt in unserem Fall Sano y Salvo • Safe and Sound, Primera Asociación Campesina e Indígena de Cultura y Producción Ecológicas en la Biosfera del Sureste de Nicaragua (1998), und Fundación La Esperanzita, Escuela Campesina de Agricultura Ecológica en el Trópico Húmedo (1984), und alle anderen BIO-Produzenten in Nicaragua. Ritter Sport hat hier seit einiger Zeit auch den Biokakao promoviert, wasserdicht seine Notwendigeit und Machbarkeit und Sinnhaftigkeit begründet. Dann kam UTZ, und es gab einen Wechsel im Rittermanagement ... "Pragmatischere" Leute leiten die Firma, Alfred bestimmt und kaum noch Marli Hoppe Ritter. Ritter hat voriges Jahr daraufhin angekündigt, Biokakao nur noch wie konventionellen zu nehmen und zu bezahlen. Eine massive Protestkampagne, v.a. in Deutschland (die Ihr eigentlich ja mitbekommen haben müsstet) führte zu 1.) Schadensersatzklageandrohungen gegen Biomarkt-Info (damals noch von Kai Kreuzer geleitet) und 2.) zu einem Rückzieher: Plötzlich teilte Ritter mit, Bio würde wieder genauso bezahlt wie UTZ (genauso ist an sich auch schon frech, aber man wollte uns ja noch schlechter bezahlen). Heute zahlt Ritter weiterhin den höheren Preis f¨ür UTZ und BIO (3.583 USD/t), aber bei jeder Gelegenheit werden wir dran erinnert, daß es grundsätzlich in Richtung UTZ gehe.

Warum sind wir gegen UTZ?

Ganz platt und technisch erstmal, weil wir als "Die ganze Finca ist BIO"-Leute dann nur wegen des Kakao eine zweite, die UTZ-, Zertifizierung bezahlen müssten. Die zudem unter unserer Läge, in der Qualität. Hauptsächlich aber, weil UTZ ein - beinahe hätte ich gesagt "typisch holländischer" - Geschäftseinfall ist, sonst nichts, der in Kürze so aussieht: wie kann man im Zertifizierungsgeschäft schnell viel Geld verdienen? Indem man Kunden wirbt, die nur die lukrativsten Massenartikel zertifizieren lassen wollen, nämlich Kaffee, Tee, Kakao. Der ganze andere Kleinkram (guckt mal auf die Biofach, es gibt schon ganz schön mehr Produkte ...) interessiert nicht, da nicht lukrativ. Ergebnis dieses Teiles: die Biofraktion wird geschwächt, weil sie viele viele Produzenten und Konsumenten dieser Massenprodukte verliert und auf die weniger lukrativen Produkte reduziert wird. Dadurch werden dann auch andere langsam aber sicher Kandidaten für UTZ-Zertifizierung, vielleicht Zimt, Vanille, Zitrusprodukte.

Dann der Standard selber! UTZ ist ein Chemielandwirtschaft-Standard, sonst nichts! Ihr müsstet eigentlich genug "alte Hasen" und Häsinnen sein, um das nicht gleich zu bemerken. UTZ ist blahblahblah. Und wenn man das Kleingedruckte liest, so handelt es sich um IPM, MIP, integrated pest management/manejo integrado de plagas! Die klassische Hintertür der Chemieindustrie in der Landwirtschaft. "Soviel Chemie wie nötig", mehr nicht ... Gestattet, daß wir lachen. Wer entscheidet und kontrolliert das? Keiner, und keiner kann das auch, gerade unter Kaffeeteekakaobedingungen. Es braucht gar keine Chemieindustrie in der Landwirtschaft! Setzt Euch doch mal mit www.ifoam.bio in Verbindung, unserem berühmten Weltdachverband. Guckt Euch um bei den tausenden Webplätzen zum Thema, z.B. auch beim www.fibl.org in der Schweiz!

Auf einem Treffen bei Ritter Sport Nicaragua S.A. war auch der UTZ-Vertreter, der nach dem ausführlichen Hochloben seiner Umweltfreundschaftlichkeit auch dick unterstrich, daß sie ja - im Gegensatz zu anderen Zertifizierten (unausgesprochen immer in "unsere" Richtung zielend) - auch soziale Standards hätten. Ich habe darauf hingewiesen, daß Bio und Fair seit 25 Jahren zusammenarbeiten, daß Bio und Fair damals den Spruch erfanden, alles BIO muss FAIR sein, und alles FAIR BIO. (Damals war ein Phänomen, daß faire Preise den armen Bäuerchen endlich ermöglichten mehr Chemie zu kaufen für ihren Kampf gegen Mutter Natur.) Daß Biobetriebe ausbeuterisch die Menschenrechte mit Füßen treten, ist doch wohl eher die Ausnahme, nehme ich doch an. Jedenfalls fragtev ich dann schließlich, was denn das besonders Soziale bei ihnen sei ... und die Antwort war ja echt umwerfend: Bei UTZ achtet man aus sozialem Gewissen darauf, daß die gesetzlichen Mindestlöhnen eingehalten werden! Ist es nicht wunderbar? Gesetzliche Mindestlöhne! Es ist also, liebe Evelyn, NICHT ERFREULICH, immer mehr UTZ-zertifierte Produkte im Supermarkt zu finden, im Gegenteil! Dieses "immer mehr" ist ein Zeichen, daß das Hereinlegen (engaño) der Käufer und Käuferinnen geklappt hat (selbst eingesessene NGO wie INKOTA sind nicht gefeit, scheint\'s) und daß sich alle Welt mit schönfärbenden Werbesprüchen zufriedenstellen lässt - und all das das zu Lasten der wirklichen, ernsthaften, profunden Alternative, dem Biolandbau und -konsum.

Womit wir bei der RFA angelangt sind, nicht Rep. Federal de Alemania, sondern Rainforest Alliance, einem Greenwashverein (wie diverse round tables oder WWF) mit Hauptsitz am Broadway in New York. In Kürze: RFA ist ebenfalls ein Chemielandwirtschaftszertifizierer, RFA hat erreicht, daß Konzerne wie Chiquita Bananas ihre Arbeiterschaft nicht mehr direkt umbringen, sondern die gesetzlichen Vorschriften beachten bei Giftlagerung und -ausbringung. RFA bietet die Roterfroschzertifizierung an, unter anderem mit dem Satz, 80% der Normen müssten erfüllt sein, damit man den Frosch benutzen kann. Was sind 80% bei Chemienutzungslimits, bei Schutzkleidung etc.??? Produkte mit Rotfrosch zu kaufen heißt, Chemielandwirtschaftsprodukte zu kaufen, Bayer und Monsanto z.B., heißt kontaminiertes Essen zu verbreiten, und es schadet wiederum der wirklichen, ernsthaften, profunden Alternative, dem Biolandbau und -konsum.

Zu Schluss die Bauern und Bäuerinnen: wir alle wissen, daß unter diesen viele viele Hunderte oder sogar Tausende sind, die bei aller Bio-Freude auch leiden unter den Ansprüchen, den Regeln der EU z.B., der Biozertifizierer; ein enormer Papieraufwand und enorme Umstände und -ständlichkeiten für interne und externe Biokontrolle macht es ihnen immer wieder schwer. Aber das gehört dazu, ist in der heutigen Welt unvermeidbar. In Nicaragua z.B. hat es enorm gekostet und es tut es noch, Bauernfamilien "vom richtigen Weg" zu überzeugen; manche sind gewonnen wurden und sind dann noch länger in transition, auch im Kopf! Und da kommen UTZ und RFA mit freundlichem Lächeln und sagen, dieser ganze Aufwand ist doch gar nicht nötig, natürlich dürft ihr/sollt Ihr Chemie anwenden, nur nicht übertreiben, und seid nett zu Euren Landarbeiterinnen und -arbeitern! Eine ganze Reihe greift nach dem Entlastungsangebot, zumal ihnen schneller "Marktzugang" versprochen wird, auch bei Untererfüllung der Standards etc. Bei uns im Dorf lebt ein sehr guter, diversifizierter konventionell arbeitender Bauer, lang fällig für den Übertritt ins Biolager ... Als wir ihn gerade wieder ansprechen wollten, kam RFA, flog ihn nach Ecuador zum Staunen und setzte ihm dann keinen Floh, sondern einen Frosch ins Ohr, den roten, der die Selva rettet, haha. Als RFA in unserem Ort an der lokalen Uni einen scheinheiligen Auftritt hatte, hat es uns fast \'ne Stunde Diskussion und viele Worte gekostet, bis sie endlich zugaben, das RFA NICHT Biolandbau ist ...

Zu allem Überfluss fährt unsere derzeitige Regierung auch noch dieselbe Tour: ein totales begriffliches Durcheinander von buenas prácticas agrícolas, orgánico, nature friendly, bird friendly, "von Frauenhänden produziert", shadow coffee etc. etc. Produzierende und Konsumierende denken inzwischen, es ist alles dasselbe und damit GUT!

Ich hör mal auf, aber ich bitte darum, nicht so leichtfertig oder uninformiert die Dinge zu verwechseln; es schadet uns echt; und Euch letztlich auch.

Danke für die Geduld, bis hierhin gelesen zu haben, cordialmente Gerd

PS Estimada Evelyn, nicht übelnehmen, por favor, wir wollen da weiterkommen mit der Diskussion und den Erkenntnisstand und die Gegneridentifizierung verbessern.

Duki schrieb am 23.03.15 um 23:22 Uhr:
Hey,

ich würde auch gerne ein Praktikum bei ODESAR in Matagalpa machen, an wen kann ich mich wenden?

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