Das FSJ und ADiA Informationsportal

Menu:


Login:

Name

Passwort
Registrieren

Workcamps:

- im Kinderheim
- mit Behinderten




Forum:

Freiwill...
Ecuador...
Auslands...
Freiwill...
ORGANISA...

Erfahrungsbericht - USA

Autor: Stefan Meister
Projekt: Habitat for Humanity
Träger: EIRENE International 

Du hast fragen? Schreibe Stefan Meister eine Email!




Hier kannst du weitere Rundbriefe von Stefan laden:

2. Rundbrief - Mai 2008 -> Download
3. Rundbrief - August 2008 -> Download



1. Rundbrief - Dezember 2007


Liebe Freunde und Verwandte,

Einige von euch sind sicher sehr gespannt darauf, endlich mal was von meinem Leben und meiner Arbeit in den USA zu hoeren, da ich mir bisher nicht all zuviel Zeit genommen hab alle anfragenden E-Mails zu beantworten. Aber nun sollt ihr mal einen Eindruck von meinen Erlebnissen und Erfahrungen bekommen. Also entspannt zurueck lehnen und keine grammatikalische „Meisterleistung“ erwarten.

Seit meinem Dienstbeginn gibt es wirklich einiges zu berichten, denn mein Leben hat eine wirklich grundlegende Veraenderung bekommen, was einen sehr positiven Aspekt hat. Denn es war wirklich ein Traum von mir einmal ein Jahr im Ausland zu leben und eine neue Kultur kennen zu lernen. An dieser Stelle moechte ich auch allen danke sagen, die meinen Dienst unterstuetzen. Ohne eure Unterstuetzung waere es nicht moeglich diese einzigartigen Erfahrungen zu sammeln.

Zu Beginn moechte ich mal kurz erlaeutern wie auch bei mir alles begann.

Nach einem laengeren Bewerbungszenarium hab ich im Januar 2007 die Antwort von der Organisation EIRENE bekommen, dass ich bei der Partnerorganisation Bretheren Volunteer Service (BVS) in den USA eine Stelle bekomme. Danach hab ich mir Flugtickets und eine Kreditkarte gekauft, meine Krankenkasse gekuendigt, mir ein Visum ausstellen und ein paar Hepatites Spritzen geben lassen, einige frustrierende Telefonate mit dem Bundesamt fuer Zivildienst gefuehrt und dann war auch schon der Weg frei.

Gut vorbereitet auf das kommende Jahr wurden wir in einem zweiwoechigen Ausreiseseminar in Neuwied und Odernheim (nahe Koblenz, Rheinland-Pfalz). In der ersten Woche in Neuwied ging es hauptsaechlich darum, letzte offenstehende versicherungstechnische Fragen zu klaeren, Sozialkenntnisse wie Gewaltfrei leben oder kulturelle und persoenliche Grenzen zu akzeptieren. Die zweite Woche in Odernheim war etwas relaxter und ich habe meinen Paten Nebi kennen gelernt, der mir einige Tipps fuer das kommende Jahr geben konnte. Alles in allem waren die zwei Wochen eine absolute Bereicherung, sowohl in lehrreichen Einheiten von EIRENE als auch in spitzenmaessigen gemeinschaftlichen Begegnungen mit neu gewonnen Freunden.

Nach dem Ausreiseseminar verblieb dann noch eine Woche in meinem zu Hause, welches ich ein Jahr nicht sehen werde. Ich aber weiss das ich die volle Unterstuetzung von meiner Familie, meinen Verwandten und auch meinen Freunden habe. Das alles machte den Abschied zu einem wirklich emotionalen Erlebniss und die Abschiedsfeier, in der ich nocheinmal gemerkt habe wie toll und wichtig mir meine Freunde sind, war dann so ziemlich der letzte Hoehepunkt in Deutschland.

Ausreise

Am 21. September war es dann endlich so weit, Ich und Johannes (ein weiterer Freiwilliger aus der gleichen Organisation) flogen zusammen ueber den Atlantik in Richtung St. Louis/USA und hatten einen ausserplanmaessig laengeren Zwischenstopp in Atlanta. Der Grund dafuer war, dass der Anschlussflieger einen technischen Defekt hatte und nicht wie geplant starten konnte. Letzten Endes sind wir dann aber doch noch mit 7 stuendiger Verspaetung an unserem Zielort, St. Louis, angekommen. Da wir beide aber total abgekaempft waren und kaum noch die Augen aufhalten konnten, entschlossen wir uns gegen den urspruenglichen Plan, ein Hotelzimmer zu suchen und verbrachten die erste Nacht in Amerika auf Kranitboden im Flughafen von St.Louis. Am naechsten morgen haben wir dann Ulrich (der dritte von vier deutschen Freiwilligen) getroffen und zusammen die Stadt besichtigt und unsere ersten Erfahrung mit den Amerikanern gemacht. In unserem Tagesplan durfte auch ein Spiel aus der Major Baseball Leage nicht fehlen. Also beschlossen wir noch kurz vor Spielbeginn ein paar Tickets zu kaufen und uns ein Duell der St.Louis Cardinals und den Husten’s anzuschauen. Am Abend kam dann auch Christoph (der vierte Deutsche im Bunde) eingeflogen. Somit waren wir also vollstaendig und wurden von der BVS Orientation- Leiterin, Chenell abgeholt. Mit ihr fuhren wir dann etwa 4 Stunden in die Pampa von Missouri und genau dort haben wir, d.h. wir vier Deutschen und 30 Amerikaner, zwei von drei Wochen Orientation verbracht. Es war wieder eine sehr lehrreiche Zeit mit einigem an Spass verbunden. Das grundlegende Thema in der BVS Orientation bestand darin ein passendes Projekt fuer jeden Freiwilligen zu finden, dies hat bei den meisten auch funktioniert, wie auch bei mir. Des Weiteren war es auch eine Art Ueberlebenskampf, denn mit 2,25$ Essensgeld pro Tag, die fuer jeden zur Verfuegung standen, hat sich der Magen doch oefters mal bemerkbar gemacht, jedoch hat sich gezeigt, dass es moeglich ist, eine Art „simple live“ wirklich zu vertreten. Im Wesentlichen war es kein grosser Aufwand den BVS mit uns hatte, denn fuer die meisten Dinge waren wir selbst verantwortlich, wie zum Beispiel Kochen, dazu wurden wir in „food groups“ eingeteilt, die fuer die Beschaffung der Lebensmittel verantwortlich waren. Aber auch in den Sachen wie Reinigung und Freizeitgestalltung wurde uns viel selber ueberlassen. Eine wirklich gute Einheit war es bei einem Balkonbau eines neuen Hauses mit zuhelfen oder auch mal in einem Saeuberungsprogramm zu sehen wie viel Muell man in den riesigen Waeldern oder der Stadt finden kann. Die dritte Woche der Orientation verbrachten wir dann in Kansas City, Bundesstaat Missouri. In dieser Woche bekamen wir die fuer mich groesste Herausforderung der Orientation gestellt. Dies war die „knock knock operation“. Sie bestand darin, in einer Dreiergruppe bei Einfamilienhaeusern anzuklopfen und sich als hilfsbereit zu erklaeren. Das ganze war nicht in irgendeinem Stadviertel von Kansas City, nein, es war im zweitgefaehrlichsten Stadtbezirk. Mit Kasitti und Christin wurde ich dann im „ghetto“ ausgesetzt und alles was wir hatten, war eine kl. Skizze wie wir wieder zurueck finden koennen. Nach ein paar missglueckten Versuchen landeten wir dann bei einem Afroamerikaner, der auf seiner Veranda eine Tuete Grass rauchte, einen Treffer. Mit ihm kamen wir ganz gut ins Gespraech und er gab uns zur Aufgabe sein Geschirr abzuwaschen und seine Kueche zu saeubern. Als er uns danach einen Zettel unter die Nase hielt, auf dem ich nur irgendwas von einer psychischen Krankheit lesen konnte, und er seinen Kumpel mit einem Stromschocker Angst einfloesste, war ich heilfroh als wir das Viertel verlassen und wieder unversehrt zurueck finden konnten.

Am Freitag den 12.10.2007 endete unsere Orientation in der wir sehr gut auf die amerikanischen Verhaeltnisse, die uns im kommenden Jahr begegnen werden, eingestimmt wurden. Von nun an gingen alle Freiwilligen verschiedene Wege und es war wieder einmal eine Situation vielen neuen Freunden good bye zu sagen. Mein Weg ging zunaechst einmal mit dem BVS Bus nach Elgin im Bundesstaat Illinois, dort uebernachtete ich in einem Projekthaus von BVS mit ein paar anderen Freiwilligen. Am naechsten Tag fuhr ich dann ohne jegliche Begleitung mit der Metra, vergleichbar mit der Deutschen S-Bahn, nach Chicago und verbrachte dort meine Wartezeit zwischen den Wolkenkratzern in Naehe des Bahnhofs. Am Abend ging es dann mit dem Nachtzug nach Pittsburg im Bundesstaat Pennsylvania. Im Gegensatz zu den deutschen Zuegen hat man hier sehr viel Raum auf seinem Sitzplatz und kann somit wunderbar schlafen. Die 7 stuendige Wartezeit in Pittsburg verbrachte ich damit die Stadt zu besichtigen. Am Nachmittag startete dann mein letzter Zug der Reise nach Lancaster, ebenfalls Pennsylvania, wo ich am Abend von meiner zukuenftigen Arbeitskollegin abgeholt wurde. Meine Reiseerfahrung war es, dass man sehr schnell Leute findet, mit denen man ins Gespraech kommt, sei es im Zug oder beim Fruehstueck im Mc Donalds. Das beschreibt auch die Offenheit der amerikanischen Menschen, was einen sehr positiven Eindruck auf mich macht.

Mein Projekt

Ich hab mich waehrend der Orientation dazu entschlossen das Projekt „Habitat for Humanity“ zu waehlen, in dem es darum geht, wie der Name schon verraet, einen Lebensraum fuer Menschen, in sozial schwachen Umstaenden und mit einem geringen Einkommen, zu schaffen. Die Beweggruende fuer dieses Projekt waren, in dem Jahr wirklich das Gefuehl zu haben, etwas fuer aermere Menschen getan zu haben, in dem man Veraenderung sieht. Zum anderen bin ich interessiert daran zu sehen, wie die amerikanischen Bauregeln und Arbeitsverhaeltnisse sind, da sich diese naemlich von den deutschen, mir bekannten Regeln, sehr unterscheiden. Zum einen besteht das Grundgeruest eines nahezu jeden Hauses aus Holz. Stein ist ein Fremdwort und hier viel zu teuer, demnach sind die Hauser auch nicht so stabil aber dennoch zweckerfuellend. Zum anderen wird rund um ein Haus alles zubetoniert und Gruenflaechen exakt abgesteckt. Ein weiteres fremdes Gefuehl ist es auf einem amerikanischen Geruest zu laufen, wo man darauf aufpassen muss eine Bole unter den Fuessen zu finden und sich nicht zuweit nach hinten lehnt, weil sich naemlich dort kein Rueckengelaender befindet. Meine Job nennt sich offiziell „construktion supervisor assistent“, was soviel bedeutet wie Bauleiter Assistent. Das Projekt verfuegt ueber drei construktion superviser, die die Baustellen leiten. Geleitet werden muessen die wirklich sehr hilfsbereiten Freiwilligen, meist Rentner, die regelmaesig erscheinen, oder freiwillige Studenten vom college oder der Universitaet, die durch diesen Arbeiteinsatz Foerdermittel vom Staat fuer ihr Studium bekommen. Die Aufgabe der Superviser und somit auch mir besteht darin, organisatorische Sachen, wie z.B. Baumaterialien zu beschaffen oder auch die Auflagen der Stadt einzuhalten, aber auch selber tatkraeftig am Projekt mitzuarbeiten. Finanziert werden die Projekte durch wahnsinnig grosse Spenden von potentiellen Firmen oder Konzernen. Die Menschen fuer die wir die Hauser bauen oder renovieren, muessen 500 Arbeitsstunden am Projekt mitarbeiten und haben dann bis zu 20 Jahre Zeit die Haelfte der Finanzierung des Hauses ohne Verzinsung abzubezahlen. Letzte Woche haben wir die Arbeit an einem Haus mit fuenf Apartments fuer Frauen, die aus dem Gefaengniss kommen, beendet. Ich hab wirklich grossen Spass in „Habitat for Humanity“ zu arbeiten, zum einen weil ich mit den Arbeitskollegen sehr familiaer bin, zum anderen weil sich die Arbeiten vom Waende aufstellen, ueber Fenster einbauen bis hin zu Malerarbeiten erstrecken und somit sehr vielfaeltig sind.

Wohnen tue ich genau neben unserem Buerogebaeude in einem wunderschoenen Haus mit Komplettausstattung im Haushalt und sehr zentraler Lage in der Stadt Lancaster, die ca. 55.000 Einwohner zaehlt und im Bundesstaat Pennsylvania, 1 ½ Stunden von Philadelphia, entfernt liegt. Zur Verfuegung steht mir neben dem Haus ein Auto, was sehr wichtig ist, weil die offentlichen Verkehrsmittel eine Katastrophe sind und somit jeden Buerger dazu zwingen ein Pkw zu besitzen.

In meiner Freizeit gehe ich in die hochmoderne Sporthalle des colleges zum fussball oder frisbee spielen oder versuch meine gut angelegten Kalorin im Fitnesscenter abzutrainieren. Außerdem ist ein Hallenschwimmbad im Sportgelaende inbegriffen und steht mir zur Verfuegung. Man braucht sich nicht zu wundern, dass dieses Privatcollege so gut ausgestattet ist, bei 40.000$ Studiengebuehren, die die Studenten pro Jahr zahlen muessen. Des weiteren besuche ich einen Abenkurs English oder treffe mich mit meinen Arbeitskollegen/innen und dann schauen wir uns am Wochenende den mir doch recht liebgewonnen Sport American football an. Zum anderen hab ich auch einige Jugendliche im meinem Alter kennengelernt, mit denen ich dann eher die Abende verbringe die in den Morgenstunden enden.

Zu dem grossen amerikanischen Feiertag „Thanksgiving“ wurde ich von einem Freund und seiner Familie nach Ocean city direkt am Strand des Atlantischen Ozeans im Bundesstaat New Jersey eingeladen und verbrachte dort ein schoenes Wochenende mit traditionellem turkey (Truthan) und einigem an Dessert. Auch sehr interessant war, dass die Einkaufslaeden am Freitag nach Thanksgiving fruehs um 4 uhr geoeffnet haben und mit tiefpreisen Massen an Kunden gelockt haben und somit fuer den groessten Umsatz des Jahres sorgten. Dieser Tag nennt sich „black friday“ und wird von Jahr zu Jahr kommerzieller.

Zu guter letzt mal ein paar Erfahrungen die mich persoenlich erstaunt haben:

- Alle PKW’s hier haben mehr als 2 Liter Maschienen und sechs oder acht Zylinder sind wiklich keine Seltenheit.

- Nicht nur Mc Donals oder Dunkin Donuts bieten „drive in“ service an, sondern auch Geldinstitute, wo man sich das Geld abheben kann oder Pharmazie Geschaefte in den man seine Medizin erhaelt ohne aus dem Auto zu steigen.

- „Personal Space“ ist der Abstand von einer amerikanische Person, den man einhalten muss, wenn man sich mit ihnen unterhaelt, am Tisch sitzt oder sonstiges. Dies ist ein grosser Radius den ich am Anfang oft ueberschritten hab.

- Energie und der Einfluss auf die Umwelt spielt eine weitaus geringere Rolle als in Europa.

- Gegessen und getrunken wird oft mit Plastik oder Papiergeschirr, was nach dem Essen weggeworfen wird.

- Alle Restaurants und Bars sind Nichtraucherzonen und auch in den Autos findet man kein Aschenbecher oder Zigarettenanzuender.

- Das aeusserliche Erscheinungsbild spielt eine nicht so grosse Rolle wie in Europa, oft kleiden sich die Leute mit Jogginghose und Basecab selbst auf Partys.

- Das Alkoholverbot unter 21 Jahren wird strenger eingehalten als ich dachte.

- Im Restaurant wird bestellt, gegessen, bezahlt und gegangen ohne zu geniessen oder relaxen.

- Power und Staerke sind ein groesseres Mittel um Werbung zu betreiben als in Dtl.

- Sehr viele ueber,uebergewichtige Menschen sind auf der Strasse zu sehen.

- Kaugummi und Kautabak sind auffaellig oft beobachtbar.

- Deutsche Autos haben einen verdammt hohen Stellenwert.

- Ueber Gott und Glauben wird sehr offen und auch ausserhalb der Kirche gesprochen.

Ich hoffe ich konnte in diesem Rundbrief ein paar Eindruecke aus dem Land, in der die Milch noch teurer ist als das Benzin vermitteln und hoffe ihr hattet Spass beim Lesen. Wenn euch der Rundbrief an Eindruecken nicht genuegt koennt ihr auf dieser Internetseite noch ein paar Fotos von mir anschauen.

http://picasaweb.google.com/meisterstefanketten/MeinKlTripUebernTeich

Vielen Dank fuer eure Unterstuetzung, ich bin wahnsinnig froh ueber diese Entscheidung meinen Zivieldienst im Ausland zu absolvieren und ohne eure Hilfe wäre dies nicht möglich gewesen.

Ich wuensche euch allen eine frohe Weihnachtszeit!
Viele Liebe Gruesse
Euer Stefan

Ein Kommentar zu diesem Bericht schreiben