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Erfahrungsbericht - USA

Autor: Ben Prüser
Projekt: International Community School
Träger: EIRENE International 

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1. Rundbrief - Oktober 2007


(zum zweiten Rundbrief bitte runterscrollen ;) )

Liebe Sponsoren!
Schon seit über zwei Monaten bin ich jetzt in den USA und die Zeit scheint wie im Flug vergangen zu sein. Ich habe in den letzten Wochen so viel erleben dürfen dass ich jetzt die Gelegenheit nutzen will um meinen ersten Rundbrief zu verfassen, bevor die vergangenen Ereignisse nicht mehr zu überschauen sind.
Zu allererst möchte ich mich jedoch bei meinen Unterstützern und Sponsoren Bedanken. Ohne die finanzielle Unterstützung und Eure Gebete wäre all das nicht möglich gewesen. Gott ist groß und hat in den vergangenen Wochen so viele Wunder getan. Nun aber von Anfang an...

Bis zu meinem eigentlichen Dienstbeginn, hier in Atlanta, war es ein langer Weg. Ein Ausreiseseminar meiner Entsendeorganisation EIRENE sollte mich noch in Deutschland auf das bevorstehende Jahr vorbereiten.
EIRENE ist ein ökumenischer, internationaler Friedens- und Entwicklungsdienst, der als gemeinnütziger Verein in Deutschland, als Träger des Entwicklungsdienstes und des sogenannten “Anderen Dienstes im Ausland” (anstelle des Zivildienstes in Deutschland) anerkannt ist.
1957 wurde EIRENE von Christen verschiedener Konfessionen gegründet, die sich der Idee der Gewaltfreiheit verpflichtet fühlten und ein Zeichen gegen die Wiederaufrüstung und für das friedliche Zusammenleben setzen wollten. Zu den Gründern gehören die historischen Friedenskirchen der Mennoniten und der Church of the Brethren, die noch heute mit dem Versöhnungsbund und den EIRENEZweigen in Deutschland, der Schweiz und den Niederlanden zu den EIRENEMitgliedern zählen. In über 40 Jahren sind mehr als 1000 Freiwillige und Entwicklungshelfer mit EIRENE in Afrika, Lateinamerika, sowie Europa und den USA im Rahmen eines Auslandsdienstes tätig gewesen.

Die Ersten zwei Wochen meines Abenteuers in den USA habe ich in der kleinen Stadt „New Windsor“ in Maryland verbracht. Wieder gab es ein Vorbereitungsseminar, diesmal von der „Church of the Brethren“, dem offiziellen Partner von EIRENE in den USA. Dieses Seminar sollte mir vor Allem bei der Projektauswahl helfen. Zusammen mit 15 anderen jungen Erwachsenen hatte ich in dieser Zeit eine Menge Spaß. Wir haben viel gemeinsam unternommen und alle hatten wir zu diesem Zeitpunkt noch ein relativ ungewisses Jahr vor uns. Das schweißt natürlich zusammen. Noch in Deutschland war ich mir ziemlich sicher, dass ich während meines Jahres in den USA in einer Suppenküche in Atlanta, Georgia arbeiten würde. Sicher ist bei BVS ( Brethren Volunteer Service ) bis nach dem Seminar aber noch gar nichts und so hat sich auch bei mir einiges getan.

An dem außergewöhnlichen Programm der Suppenküche hat mich immer der Gedanke gereizt, langfristig positiven Einfluss auf das Leben der Obdachlosen haben zu können. Neben der Essensausgabe in der Suppenküche gibt es dort nämlich für Interessierte die Möglichkeit an einem Resozialisierungsprogramm teilzunehmen und so wieder in ein Angestelltenverhältnis zu gelangen. Als ich nun gerade meine endgültige Bewerbung für dieses Projekt einreichen wollte, bekam BVS eine plötzliche Anfrage eines neuen Projektes, der „International Community School“, kurz „ICS“.
Nach einigen Gesprächen und viel Gebet habe ich mich letztendlich für diese neue Option entschieden und bin nun ein offizieller Lehrerassistent bei der ICS. Diese Schule hat ein bemerkenswertes Programm, welches einer ausführlichen Erläuterung bedarf.

Die ICS wurde vor sechs Jahren gegründet und bietet vorrangig Kindern aus Flüchtlingsfamilien eine außergewöhnliche Chance auf Bildung. Die Schüler kommen aus den verschiedensten Ländern, so wie beispielsweise Somalia, Kongo, China, Irak oder Mexiko und haben zum teil keinerlei Englisch Kentnisse. Diese Kinder würden in einer normalen „public school“ keine Chance auf einen Abschluss haben. Damit besteht eine hohe Gefahr der zukünftigen Obdachlosigkeit. Dieser Gedankengang hat mir sehr bei der Entscheidung zwischen den Beiden Projekten geholfen. Auch wenn ich bei der ICS nicht direkt mit Obdachlosen zusammen arbeite, so helfe ich dennoch dabei dem großen Problem der sozialen Verwahrlosung vorzubeugen. Gleichzeitig bietet mir mein Freiwilligendienst in dieser Schule einen großartigen Einblick in den Beruf eines Lehrers, was mir bei meiner späteren Berufswahl zugute kommen wird.

Als Lehrerassistent von Stacey Quinn in der Klasse 2b habe ich jeden Tag neue Aufgaben und Herausforderungen. Mein Arbeitstag beginnt um 8 Uhr morgens mit dem „car pool“. Hier helfe ich den Kindern aus den Autos ihrer Eltern, öffne ihnen die Tür, begrüße ihre Eltern und kläre letzte Fragen über den Tagesablauf. Anschließend findet das „Morning meeting“ statt. Den Kindern wird die Möglichkeit gegeben von ihrem Tag zu berichten, wovon trotz mangelndem Wortschatz stets reichlich Gebrauch gemacht wird. Neben den vielen Flüchtlingskindern, von denen viele noch nie zuvor eine Schule von innen gesehen haben, gibt es aber auch Kinder amerikanischer Familien, die die Zusammenarbeit ihrer Kinder mit Schülern aus anderen Kulturkreisen als Bereicherung ansehen. Diese Großen Unterschiede im Bezug auf den Bildungsstand und die verschiedenen Kulturen, ganz abgesehen von der allgemeinen Individualität des Einzelnen, schaffen die größte Herausforderung im Unterricht. Während Bill aus Somalia es noch nicht gelernt hat länger als 2 Minuten auf einem Stuhl zu sitzen oder still zu sein wenn der Lehrer in der Klasse Spricht, sucht Sophia nach neuen Herausforderungen in der Kunst der Mathematik und bekommt Material aus der 3. Klasse.

Auch der Großteil der Lehrerschaft kommt ursprünglich aus dem Ausland. So wird ermöglicht, dass Kinder, die bereits fließend Englisch sprechen können, eine weitere Fremdsprache erlernen können. Der Sprachunterricht findet täglich in der Zeit von 9- 9:45 Uhr statt. Anschließend wird bei 35 Grad Hitze auf dem neu Gespendeten Spielplatz getobt. Ähnlich wie bei den Sprachschwierigkeiten gibt es auch in Mathe hohe Leistungsunterschiede. Da ist es gut das neben dem Klassenlehrer jeweils ein Lehrerassistent in den Klassen ist. Insgesamt gibt es in der ICS rund 30 Lehrerassistenten, davon 8 ehrenamtlich wie ich. Eine weitere meiner Aufgaben ist die Mittagessen Ausgabe in der Schulcafeteria. Hier galt es binnen einer Stunde rund 300 zum teil sehr hungrige Kinder zu füttern. Viele Familien der ICS Schüler sind in finanziellen Schwierigkeiten und werden aktiv von der Schule unterstützt. Einmal die Woche macht sich ein Teil des Kollegiums auf um Nahrungsmittel einzukaufen und diese an bedürftige Familien zu verteilen.

Neben diesen organisierten Aktionen beeindruckt mich besonders das Engagement von einzelnen Lehrern, die zum Teil einen Großteil ihrer Freizeit und ihres Geldes opfern um den Kindern einen Gefallen zu tun. Letztes Wochenende beispielsweise war ich, mit ein paar Lehrern und Schülern, bei einem Baseball Spiel der „Atlanta Braves“ gegen die „New York Mets“. Die Kinder, die alle erst vor kurzer Zeit aus dem Kongo in die USA gekommen sind, waren noch nie in ihrem Leben in einem Stadion und deshalb total überwältigt. Auch wenn sie meinem Anschein nach nichts von dem Sport an sich verstanden haben, so bin ich mir dennoch sicher, dass dieser Tag noch lange in ihrer Erinnerung bleiben wird.

Die allgemeine Schulzeit endet um 3 Uhr. Dann ist der Arbeitstag für mich aber noch nicht beendet. Ich bin nach Unterrichtsende noch bis um 5 Uhr für die Betreuung von rund 20 Schülern im „after school programm“ zuständig. Dieses Programm wird für diejenigen angeboten, deren Eltern ihre Kinder nicht direkt nach der Schule abholen können. Während dieser Zeit wird den Schülern bei den Hausaufgaben geholfen, individuell an Sprachbarrieren gearbeitet oder einfach nur gespielt.

Am Ende meines Arbeitstages bin ich immer recht Müde und freue mich auf mein großes Bett. Nachdem ich die ersten 2 Wochen in Atlanta bei dem Schuldirektor zuhause gewohnt habe, lebe ich nun zusammen mit 3 anderen Sozialarbeitern in einem riesig großen Haus, das eigentlich für 8 Personen gausgelegt ist. Britton, ein 22 Jähriger Amerikaner aus Chicago arbeitet mit mir in der Schule und leistet seinen Freiwilligendienst mit einer Zusammenarbeit das Katholischen Kirche. Sandy aus Baltimore ( Maryland ) und Christoph, auch as Deutschland arbeiten beide in dem vorher beschriebenen Obdachlosenprojekt und sind genauso wie ich Mitglied von BVS.
In der der „Community of Hospitality“ habe ich mein eigenes Zimmer und erlebe zum ersten mal in meinem Leben, wie es ist für mich alleine zu sorgen. Da die Vorbewohner in diesem Haus nicht besonders viel Wert auf die Entstandhaltung des Hauses gelegt haben, gibt es auch zuhause jede Menge Arbeit für mich. Noch habe ich allerdings eine Menge Spaß daran selbstständig zu werden und all die kaputten Dinge im Haus zu reparieren. Es fragt sich aber wie lange diese Freude noch andauern wird.

In den letzten Tagen war die Arbeit in der ICS besonders anstrengend und zum Teil sogar frustrierend. Die Lehrerin mit der ich normalerweise zusammen arbeite ist relativ häufig „Krank“ und kommt nicht zur Arbeit. An diesen Tagen ( heute war wieder mal einer davon ) ist es dann immer besonders stressig für mich. Auch wenn ich meist eine Vertretungskraft bekomme, so bleibt die meiste Arbeit dennoch an mir hängen. Anders als in Deutschland sind die „substitute teacher“ ( Vertretungskräfte ) keine ausgebildeten Lehrer, sondern zum Teil arbeitslose Bürger, die kurzfristig angerufen werden um praktisch lediglich aufzupassen, dass die Schüler sich nicht gegenseitig verletzen. In der 2. Klasse ist es jedoch besonders wichtig die Kinder an bestimmte Regeln und Verhaltensweisen zu gewöhnen, welches durch diesen ständigen Lehrerwechsel sehr erschwert wirt und zu viel Verwirrung und Stress führt. Durch den häufigen Ausfall meiner Lehrkraft bekomme ich oft die Möglichkeit die Klasse selber zu unterrichten. Diese Herausforderung empfand ich anfangs als beängstigend, muss nun aber sagen das ich langsam in die Rolle hineinwachse und mich immer wohler dabei fühle.

Im Allgemeinen fühle ich mich hier in Atlanta sehr wohl. An den Wochenenden bietet diese Stadt unendlich viele Möglichkeiten der Freizeitgestaltung und auch innerhalb der Woche wird es nach Feierabend nie langweilig. Ich bin gespannt, was die nächsten Wochen für spannende Abendteuer mit sich bringen und werde Euch auf dem Laufenden halten.

Danke noch mal für all Eure Unterstützung!
Ich wünsche Euch Gottes reichen Segen!
Ben...


2. Rundbrief Dezember 2007


Liebe Sponsoren!

Pompös dekorierte Häuser, Weihnachtslieder auf jedem Radiosender und Rudolf, das Rentier mit der roten Nase, in den Shopping-Malls deuten es an... Es ist Weihnachten, somit schon fast Halbzeit meines Freiwilligendienstes und Zeit für einen zweiten Zwischenbericht.

Auch seit meinem letzten Brief ist wieder einiges passiert und ich will jetzt die Ruhe und Besinnlichkeit der Weihnachtsfeiertage nutzen um für Euch, aber auch für mich selber, zu reflektieren und an die Ereignisse der letzen Wochen und Monate erinnern. Die Arbeit an der „International Community School“ ( ICS ) ist weiterhin abwechselungsreich und bietet mir mehr und mehr die Chance Verantwortung im Klassenraum zu übernehmen und selber zu unterrichten. Diese wachsende Verantwortung in meiner Position als Lehrer Assistent resultiert jedoch mehr als alles Andere aus der ebenfalls wachsenden Abwesenheit der eigentlichen Lehrerin. Dieses Problem, das ich ja schon zum Abschluss meines letzten Rundbriefes angedeutet habe, hat sich weiterhin zugespitzt.

Während ich im Laufe eines normalen Arbeitstages der nette „Mr. Ben“ sein kann, der den Kindern bei ihren Schulaufgaben hilft und immer ein offenes Ohr für Probleme und Sorgen hat, bin ich an Tagen an denen S. nicht da ist nichts mehr als der Klassenraum Polizist und Spielverderber. Da die Schüler wissen, dass ich nicht der eigentliche und hauptsächliche Lehrer bin, meinen sie all die Regeln und Grundsätze im Klassenraum würden an diesen Tagen nicht gelten. S. fehlt immer nur für einen Tag und es scheint mir als würde sie mehr aus Lustlosigkeit und Stress, als wegen wirklicher Krankheit zuhause bleiben. Es ist aber schwer mit ihr darüber zu sprechen, weil sie sich sehr leicht persönlich angegriffen fühlt. Die Administration der Schule ist zwar auch schon auf dieses Problem aufmerksam geworden, befindet sich jedoch selber gerade in einer sehr schwierigen Zeit und Situation ( der Schuldirektor hat vor kurzem seinen Rücktritt angekündigt ), und so versickern solche „Kleinigkeiten“ schnell im alltäglichen Durcheinander. Auch die Tatsache, dass ich einer der wenigen Männlichen Mitarbeiter in der Schule bin, macht es nicht unbedingt leichter für mich. Ich habe mir nie vorstellen können, dass unter erwachsenen Menschen so viel hinter dem Rücken der anderen geredet wird.

Ich will mich aber in diesem Rundbrief nicht nur beklagen, sondern auch von meinen schönen Erlebnissen während meines Dienstes berichten. Es fühlt sich jedoch gut an das bedrückende vorweg abgeladen zu haben. Die Kinder mit denen ich arbeite machen weiterhin bewundernswerte Fortschritte. Wenn ich die Klasse als ganze Betrachtet und nur die Nöte und Bedürfnisse Aller sehe, fühle ich mich leicht überwältigt. Es ist dann schwer zu wissen wo ich mit der Arbeit anfangen soll, wer am meisten Hilfe braucht. Am Ende hat man den ganzen Tag rotiert und gearbeitet und das Gesamtbild sieht immer noch genauso aus. Deshalb habe ich beschlossen mich in meiner Arbeit besonders auf einen Jungen zu konzentrieren. Das heißt aber nicht, dass ich die gesamte restliche Klasse vernachlässige oder meinen Favoriten ausgewählt habe, den ich immer bevorteile. Der Schüler mit dem ich arbeite kommt aus Somalia und heißt „Bill Clinton“, kein Witz das ist sein wirklicher Name. Gerüchte Besagen Seine Eltern hätten ihn nach dem Ex-Präsidenten benannt um ihre Chancen auf Einreise in die USA zu erhöhen. Patriotismus wird hier halt besonders belohnt ? !

Bill konnte zum Anfang des Schuljahres noch kein Wort Englisch sprechen und hatte sogar Schwierigkeiten länger als 5 Minuten ruhig auf einem Stuhl zu sitzen, er hat in seinem Heimatland noch nie eine Schule besucht.

Ich setzte mich jeden Tag für ca. eine Stunde mit ihm zusammen und übe lesen und schreiben. Inzwischen kann er sich schon recht gut ausdrücken und verständigen.

Mit wachsendem Sprachverständnis steigt auch sein Selbstvertrauen und der Spaß am Unterricht. Es ist immer wieder schön zu beobachten wie einzelne Kinder wie der kleine Bill solche riesen Fortschritte machen. An diesen Beispielen erkenne ich dann immer wieder, dass sich der ganze Stress und die Arbeit lohnen.

Auch bei mir „zuhause“ in der „Community of Hospitality“ gibt es einige Neuigkeiten. So ist vor knapp 3 Monaten ein neues WG-Mitglied aus Deutschland bei uns eingezogen. Christoph ist auch über EIRENE und BVS in den USA und arbeitet in dem Programm für Obdachlose, an dem ich zuvor ebenfalls interessiert war. Auch wenn ich inzwischen keinerlei Probleme mehr habe mich in Englisch zu verständigen bietet mir die Gemeinschaft mit Christoph eine willkommene Abwechselung. Es tut gut mal in Deutsch zu schnacken, gemeinsam über wundersame Amerikanische Traditionen zu lachen und uns über unsere Erfahrungen auszutauschen.

Das zusammenleben in einer WG empfinde ich weiterhin als interessant und im großen und ganzen als Bereicherung, wenn es auch bereits die eine oder andere Meinungsverschiedenheit gegeben hat.

Mit Britton, meinem Amerikanischen Mitbewohner teile ich mir beispielsweise ein Badezimmer, für dessen Reinigung ich verantwortlich bin. Nun haben wir aber absolut unterschiedliche Vorstellungen von Sauberkeit und Ordnung, was nach einem langen Arbeitstag für recht dicke Luft sorgen kann. Meine andere Mitbewohnerin heißt Sandy und kommt aus dem Bundesstaat Maryland. Sandy ist schon Mitte 50 und damit eine riesen Bereicherung und Hilfe für unser doch teilweise sehr chaotischen Haushalt. Sie leistet auch einen Freiwilligendienst in der Suppenküche und ist eine wirklich tolle Frau mit einem starken drang anderen Menschen zu helfen und ihnen in ihrer Freizeit zu dienen. Im März ist ihre Dienstzeit leider schon beendet und ich bin mir sicher das Sie eine große Lücke hinterlassen wird.

Auch für unser leibliches Wohl wir hier gut gesorgt. Zur Zeit bekommen wir jede Woche 25 Euro pro Person um Lebensmittel einzukaufen. Wir essen alle unser Mittagessen in unseren Projekten, so müssen wir uns wirklich nur um das Abendessen kümmern, da wir auch morgens nie Zeit zum Frühstücken haben... Wir schlafen alle gerne aus ? ! Alle 2 Wochen werden wir zu einer Familie nachhause zum Dinner eingeladen. Es gibt ca. 8 Familien die das Haus in dem wir leben unterstützen und leiten. Da tut es mir dann immer gut mal wieder ein richtig Hausgemachtes Gericht zu essen und es ist immer wieder interessant zu erleben wie es in anderen Amerikanischen Haushalten zugeht.

Die „International Community School“ bewirbt sich schon fast seit ihrer Gründung um eine Mitgliedschaft im „International Baccalaureat “, einem Programm für Schulen die besondere Standards und Kriterien erfüllen. Um das ganze auf Zwei knackige Punkte zu bringen würde ich Sagen es geht bei dieser Bewerbung um viel Geld und eine besondere Würdigung der Schule. Das Auswahlverfahren lief bereits einige Jahre und kam nun endlich zu der Entscheidenden Runde.

Zwei Abgeordnete aus dem Prüfungsausschuss sollten die Schule besuchen um zu überprüfen ob diese die nötigen Kriterien erfüllt und der Anerkennung der „IB-Plakette“ würdig sei.

Wochenlang hatten wir uns nun auf die angekündigten Prüfer vorbereitet, alle Räume dekoriert, mit den Schülern gesprochen und uns gegenseitig auf das bevorstehende Event eingestimmt. An dem Tag der Tage ging dann alles, aber auch wirklich alles schief. Es ging für mich damit los, das meine Lehrerin auf Grund von plötzlicher Krankheit mal wieder nicht in die Schule kam. Ich war also alleine und musste mit 20 aufgekratzten und wilden Kindern fertig werden. Die ersten 10 Minuten des Unterrichtes waren noch nicht vorbei, als es plötzlich anfing etwas nach Rauch zu stinken. Es stellte sich schnell heraus, dass einer meiner Schüler ein brennendes Streichholz in den Mülleimer geworfen hatte und dieser nun brannte. Das war natürlich Grund genug für alle meiner Schüler in ein lautes durcheinander auszubrechen und wie wild zu schreien. Um die Bande etwas unter Kontrolle zu bringen und den Klassenraum auslüften zu lassen, beschloss ich dann mit den Kindern auf den Spielplatz zu gehen...

Normalerweise gibt es da nie Probleme. Alle Schüler kennen die regeln und vertragen sich... Normalerweise! An diesem Tag musste es natürlich zu einer regelrechten Massenschlägerei kommen. Drei Jungen prügelten sich und rangelten auf dem Boden, genau zu dem Zeitpunkt an dem der hohe Besuch nach draußen kam um den Spielplatz zu inspizieren. Bei dem ganzen IB Programm geht es unter anderem um moderne Methoden der Konfliktlösung und dieses Szenario hätte sich natürlich bestens für eine Präsentation meiner Fähigkeiten geboten. Nach so einem stressigen Morgen war mir aber weniger nach großen Pädagogischen Worten als nach einem einfachen und wirksamen lauten Schrei.

Kaum war die Gefahr der IB Besucher gebändigt, beschloss Yuri, einer meiner Schüler der vor kurzem aus einem Kinderheim in Kasachstan adoptiert wurde, auszureißen und sich in dem kleinen Wäldchen hinter dem Spielplatz zu verstecken. Und das alles in der ersten hälfte des Tages. Im Großen und Ganzen soll der Inspektionsbesuch aber ganz gut gelaufen sein und die Schulleitung wartet nun zuversichtlich auf den für Februar angekündigten Bescheid.

Auch in der Gemeinde in Atlanta gefällt es mir weiterhin gut. Zwei mal im Monat wird mir dort die Chance geboten die Andacht für den Jungen-Erwachsenen Kreis zu leiten. Das ist eine Gruppe von ca. 15 Studenten, die sich jeden Sonntag nach dem Gottesdienst trifft und Biblische Themen bespricht. In Deutschland mit einer Art Hauskreis zu vergleichen.

Während ich nun meinen zweiten Zwischenbericht abschließe sitze ich vor einem gemütlichen Kamin in Florida und bereite mich Seelisch auf den morgigen Start unseres Skiurlaubes in Colorado vor. Auf diese Auszeit habe ich mich schon sehr lange gefreut.

Ich hoffe auch Ihr hattet eine besinnliche Weihnachtszeit. Für das Jahr 2008 wünsche ich Euch Gottes reichen Segen.

Danke für all die liebe Unterstützung und herzliche Grüße aus Atlanta-
Euer Ben...

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