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Erfahrungsbericht - USA

Autor: Pascale Reinke
Projekt: Casa - Hope for Children
Träger: EIRENE International 



Rundbrief - Oktober 2004


Hello from Houston!

Meine Lieben, meine lieben Freunde, liebe Unterstuetzer, liebe Interessierte und sehr geehrte Damen und Herren!

Dies ist nun endlich der erste von 4 offiziellen Rundbriefen. In diesem Brief werde ich berichten, wie mein Freiwilligendienst begann, was ich bisher erlebt habe und vor allem wie es mir geht, was meine naechsten Plaene sind und alles, was sonst wichtig und von Interesse sein koennte.

Dankeschoen!

An dieser Stelle moechte ich mich nochmals ganz herzlich bei euch allen bedanken. Ich bin geradezu ueberwaeltigt von den grossartigen Reaktionen auf meine Anfragen nach Unterstuetzung meines Freiwilligendienstes. Ich weiss es sehr zu schaetzen, dass sich so viele Menschen fuer meinen Dienst interessieren und sich nach mir erkundigen. Ganz besonders danke ich natuerlich all jenen, die sich entschlossen haben meinen Freiwilligendienst mit einer Spende an EIRENE zu unterstuetzen! Ich habe so zahlreiche und grosszuegige Spenden erhalten, dass weit mehr als das erforderte Geld an EIRENE gespendet wurde. Es hat mich sehr ermutigt, dass so viele Menschen einen Freiwilligendienst im Ausland fuer wichtig halten und unterstuetzen moechten! Ich hoffe, dass ich in der Lage sein werde, diese finanzielle und moralische Unterstuetzung von so vielen netten Menschen angemessen zu wuerdigen! Vielen Dank!

Mein Weg zum Freiwilligendienst mit EIRENE und BVS in den USA

In der 10. Klasse habe ich beschlossen nach dem Abitur ein Jahr im Ausland zu verbringen. Also habe ich begonnen mich zu fragen, wie ich ins Ausland gehen moechte und was ich machen moechte. Ich habe darueber nachgedacht zu studieren zu beginnen, habe das aber als zu teuer und gleich zu Beginn des Studiums zu kompliziert verworfen. Ich habe mich ueber Praktika und Aupair- Dienste im Ausland informiert, was mich nicht wirklich begeistert hat . Aber dann habe ich vom Freiwilligendienst erfahren. Diese Art des Auslandaufenthaltes schien perfekt fuer mich zu sein. Ich dachte, dass es toll sei, soziale, sinnvolle Arbeit mit einem Auslandsaufenthalt zu verbinden. Da das Arbeitsamt mir nicht mit Adressen helfen konnte (was sich im Januar 2004 als Fehler rausstellte, es gibt naemlich ein wunderbares Buch mit allen in Frage kommenden Organisationen, deren Adressen und weiteren wichtigen Informationen, welches ich nun besitze), begann ich mit der grossartigen Unterstuetzung meiner Eltern schon 2002 Adressen und Informationen im Internet, aus Zeitungen oder anderen Quellen zu sammeln. Ich schrieb um die 40 kurze Bewerbungen mit der Bitte um weitere Informationen und Bewerbungsunterlagen. Aus diesen Reaktionen habe ich die fuer mich besten Friedensdienste rausgesucht. Meine Favoriten waren von Beginn an EIRENE und Aktion Suehnezeichen.

Nach dem Informationsseminar bei EIRENE, ausfuehrlichen Bewerbungsunterlagen und Auswahlgespraechen, bekam ich die frohe Botschaft per sms von meinem Vater: "Go to America. Have a nice day!". Wohoo! Nun musste ich mich um meine Reiseausruestung, mein Visum, Kontaktaufnahme mit BVS und vor allem den Aufbau meines Unterstuetzerkreises kuemmern, und das Abitur.

Abitur 2004

Am 25. Juni 2004 habe ich meine Schullaufbahn mit dem Abitur am Friedrichsgymnasium Kassel abgeschlossen. Das Abi hat zum einen den offiziellen Abschluss meiner letzten 13 Lebensjahre bedeutet, aber auch ganz eindeutig den Beginn meiner neuen Plaene dargestellt. Die Zeit begann geradezu daherzufliegen…

Ausreisekurs von EIRENE

Vom 4. bis zum 16. Juli 2004 musste ich am Ausreisekurs von EIRENE teilnehmen. Diesen 2 Wochen in Neuwied und Odernheim sah ich mit sehr gemischten Gefuehlen entgegen, aber zu dem Zeitpunkt wusste ich auch noch nicht, wie viele wunderbare Menschen ich kennen lernen und wie viel Spass ich haben wuerde. Waehrend des Ausreisekurses wurden vor allem laenderspezifische Vorbereitungen getroffen, Problemsituationen vorgestellt und analysiert, Versicherungstechnische Fragen geklaert und die Philosophie von EIRENE diskutiert und erfahrbar gemacht. Es wurden jeden Tag Spiele vorgestellt, gespielt und Lieder gesungen. Viele Themen wurden durch Gruppenarbeiten oder Planspiele erarbeitet. Zeremonien, wie die Agape- Feier oder der Frauen bzw. Maennerabend, machten es moeglich ein Gruppengefuehl von Freundschaft zu entwickeln. Auch das Abenteuer ohne Geld, Essen und Landkarte irgendwo im Nirgendwo ausgesetzt zu werden und den Weg zureuck zu finden machten den Ausreisekurs zu einer unvergesslichen und spassigen Zeit. Und obwohl ich am Anfang gedacht habe, dass 2 Wochen viel zu lang seien, vergingen diese natuerlich auch im Fluge und schon war es Zeit fuer die Abschiedsparty. Ich habe die Zeit mit so vielen interessanten und lieben Menschen sehr genossen und wollte mich am Ende von den meisten gar nicht trennen. Ob beim Kuechendienst, dem gewonnenen Fussbalspiel gegen die Paten oder waehrend der zahlreichen persoenlichen Gespraeche, ich hatte einen tollen Ausreisekurs! Es war sehr hilfreich fuer mich wichtige Dinge ausfuehrlicher zu diskutieren oder erklaert zu bekommen. Es war auch sehr schoen, sich ueber Aengste, aber vor allem Vorfreude auszutauschen. In dem Sinne freue ich mich schon darauf, viele Leute wiederzusehen!

Das Abenteuer kann beginnen!

Nach dem Ausreisekurs bin ich nochmal fuer 6 letzte Tage nach Hause gekommen. Ich war natuerlich vor allem damit beschaeftigt alle noch notwendigen Vorbereitungen fuer meine Abreise zu treffen z.B. zu entscheiden, welche Pullis man nun mitnimmt und welche man zu Hause laesst. Aber ich habe auch versucht nochmal viel Zeit mit meiner Familie, meinem Freund und meinen Freunden zu verbringen, die ich zum groessten Teil 1 Jahr lang nicht sehen werde. Die meiste Zeit fuehlte ich mich von Vorfreude und meiner tollen Zeit waehrend des Ausreisekurses durch die Woche getragen, aber am Donnerstag kamen mir nochmal richtige Zweifel. Warum lasse ich das alles fuer ein Jahr hinter mir, meine Familie, meine Freunde, meine ganze gewohnte Umgebung, mein Zuhause? Aber ich hatte mich ja schon laengst entschieden. Viele Freunde haben mir sehr schoene Abschiedsgeschenke gemacht und sich so lieb von mir verabschiedet, was mir sehr viel bedeutet hat.

Am Freitagmorgen des 23. Julis 2004 um 3 Uhr haben mich mein Vater, mein Bruder und meine Schwester zum Flughafen gefahren. Dort haben wir uns mit Adrian und Stephan getroffen. Beim Einchecken war mein Koffer natuerlich zu schwer und ich wurde immer nervoeser. Um 7.35 Uhr ist unser Flieger nach London gestartet. Ich mag fliegen noch immer nicht, aber ich habe es ueberlebt. Wir sind nach 13 Stunden, mit einem relative langen Aufenthalt in London, nachmittags Ortszeit in Baltimore angekommen. Fuer mich war die Ankunft nicht ganz so erfreulich, weil ich nur eine Aufenthaltsgenehmigung fuer drei Monate erhalten habe. Der zustaendige Sachbearbeiter wollte mir keine laengere Aufenthaltsgenehmigung erteilen, er zeigte sich nicht im Mindesten davon beeindruckt, dass sich meine Angelegenheit um einen unentgeltlichen Freiwilligendienst zur Arbeit in sozialen Brennpunkten handelt. Mir war bewusst, dass es schwierig sein koennte das Interview zu fuehren, aber ich fuehlte mich voellig willkuerlich behandelt, vor allem da Adrian und Martin beide mit den gleichen Papieren und Erklaerungen 12 Monate erhalten haben.

Welcome to BVS

Am Samstag, den 24. Juli 2004, wurden Stephan, Martin, Adrian und ich sehr herzlich von BVS in den USA begruesst und vom Flughafen abgeholt. Drei Wochen "Orientation" sollten beginnen. Auch hier ging es vor allem darum Gleichgesinnte besser kennenzulernen, sich auszutauschen, Fragen zu klaeren und BVS zu erleben. Orientation war zum Einen eine tolle Zeit fuer mich, weil ich wieder viele tolle Leute getroffen habe und viel Spass hatte. Wir hatten Foodgroups und waren somit alle fuer unsere Verpflegung verantwortlich. Die Amerikaner waren alle sehr freundlich, lustig, klug und zuvorkommend. Auch das Programm war sehr gut. Wir hatten jeden Morgen eine Ruhezeit von einer halben Stunde zur Besinnung, abends teilte immer eine Person Gedanken oder Gebete mit allen anderen waehrend der Devotions. Wir spielten Rollenspiele, diskutierten, lachten und weinten zusammen. An einem Abend stellte jeder ein selbst gestaltetes Blatt vor, das ihn selbst und seine Faith Journey darstellen sollte. Ich erzaehlte, dass mir besonders Familie und Freunde wichtig sind und all die Menschen, die mich unterstuetzen und die ich unterstuetzen moechte, damit man nicht alleine ist. Man erfuhr viele sehr persoenliche Dinge. Ich erlebte alle Menschen dort als sehr offen, nachdenklich und umsichtig.

Besonderen Spass hatten wir natuerlich auch waehrend des "Drop-off-days", an dem wir, aehnlich wie in Deutschland, ohne Geld und Essen in der Landschaft ausgesetzt wurden und Arbeit finden sollten, indem wir unsere freiwillige Hilfe anboten. Ich verbrachte den Tag auf einer Farm, wo ich mit meinem Team Zaunpfaehle und Fensterbaenke anstrich. Dafuer erhielten wir Lunch und eine Fahrt nach Hause. Auch der freie Tag war sehr spassig, an dem wir eine Art Schnitzeljagd veranstalteten und dieses typische amerikanische Spiel mit dem Fahneklauen und Wasserbomben spielten (capture the flag).

Wir verbrachten auch ein paar Tage in Baltimore. Dort konnten wir in einem Obdachlosenheim schlafen und essen. Es war sehr interessant die Erfahrungen von den Maennern dort zu hoeren. Es war sehr beeindruckend fuer mich dort zu sein und das Motto des Leiters, der fruher selber obdachlos war und das alles auf die Beine gestellt hat, wird bestimmt auch fuer mich und meinen Dienst eine Rolle spielen "If you change the way you look at tings, the things you look at will change!" . Ich habe in Baltimore einen Tag lang einen Freiwilligendienst in einer Suppenkueche geleistet, was sehr interessant war. Einen Tag haben wir Washington besucht. Dort habe ich mir vor allem die Kriegsdenkmaeler angesehen und natuerlich das Weisse Haus.

Die Zeit waehrend Orientation war aber auch hart fuer mich, weil sich mein Wunschprojekt nicht ermoeglichen liess. Ich musste also von meinem Wunsch nach Oakland ins Elisabeth House zu gehen Abstand nehmen. Das war sehr hart fuer mich, aber ich wurde sehr gut von meiner Familie, meinen Freunden in New Windsor und den Koordinatoren von BVS unterstuetzt. Ein grosses Problem ist sicherlich, dass viele Projekte Freiwillige wuenschen, die mindestens 21 Jahr alt sind und in Amerika ist es gebraeuchlicher seinen Freiwilligendienst nach dem College zu leisten, also mit Anfang 20. Ich habe demnach viel Zeit damit verbracht nach anderen moeglichen Projekten zu suchen. Im Endeffekt habe ich mich dann fuer Casa de Esperanza in Houston Texas entschieden.

Der Abschied von allen neu gefundenen Freunden und nun endgueltig von den anderen Deutschen war natuerlich wieder schwer, aber BVS hatte eine sehr schoenen Abschied organisiert.

May the road rise to meet you
May the wind be always at your back
May the sun shine warm upon your face
May the rain fall soft upon your fields
And until we meet again
May God hold you in the palm of his hand


Casa de Esperanza- Providing hope and a home!

Im Jahre 1982 gruendeten Kathy Foster und Bill Jones Casa de Esperanza de los Ninos- the house of Hope for Children. Sie machten sich damit zur Aufgabe Kindern, deren Leben durch Missbrauch, Vernachlaessigung oder den Folgen von AIDS gestoert wurde, mit einem Zuhause und sowohl medizinischer als auch psychologischer Betreuung zu helfen. Die Organisation lebt von Spenden und wurde mit einer privaten Spende von 500$ ins Leben gerufen. Die Kinder, die zu Casa kommen sind zwischen 0 und 6 Jahre alt. Sie werden entweder durch CPS, was unserem deutschen Jugendamt entspricht, an Casa gegeben oder von Eltern oder anderen Verwandten freiwillig in unsere Obhut gegeben, wenn diese sich z.B. wegen einer Drogentherapie nicht in der Lage fuehlen ihre Kinder zu versorgen. Durch die Versorgung in seinem Wohnheim und mit dem sowohl begleitenden als auch abschliessenden und andauernden Beratungs- und Familienservice verfolgt Casa das Ziel dem Missbrauch und der Vernachlaessigung von Kindern vorzubeugen. Das ultimative Ziel ist die Kinder wieder mit gesunden, funktionierenden Familien zu vereinen. Fuer solche Familien, die niemals in der Lage sein werden eine ausreichende Versorgung zu stellen, organisiert Casa Langzeit- Pflegeaufenthalte und Adoptionen. Casa vereint 2 Intake- Haeuser, ein Netzwerk aus einigen Pflegefamilien, ein Entwicklungscenter mit Schulunterricht und psychologischer Betreuung und eine hauseigene medizinische allwoechentliche „Kliniknacht" zur Versorgung der Kinder.

Mein Leben und Arbeiten mit und in Casa

Ich wurde am 13. August 2004 sehr freundlich nach meiner 2-taegigen Reise von New Windsor ueber Chicago und Longview per Amtrak nach Houston in Houston empfangen. Ich lebe hier in einem Apartment mit 4 Amerikanerinnen, einer Inderin und einer anderen Deutschen zusammen. Am Anfang war ich noch etwas skeptisch mit dieser reinen Maedchen-WG, aber jetzt bin ich einfach nur begeistert. Wir sind alle Freundinnen geworden und ich liebe unsere fuer-Maedchen-lebensnotwendigen-Dinge. Wir lieben Maedchenfilme, weggehen, Starbucks und Eiscreme! Ich liebe diese Maedels und wir haben viel Spass miteinander. Wir sind offen zueinander, hoeren uns gegenseitig zu und halten zusammen. Wenn wir Zeit haben planen wir Unternehmungen und Ausfluege zusammen. Ich haette nie gedacht, dass das Zusammenleben nur mit Maedchen so offen und entspannt ist.

Wir arbeiten hier in 2 Intakehaeusern in drei unterschiedlichen Schichten. Die Arbeitszeiten sind von 6 Uhr morgens bis 14 Uhr nachmittags oder von 14 Uhr bis 22 Uhr abends, an freitags und samstags auch noch von 22 Uhr bis 6Uhr morgens. Wir arbeiten immer zu zweit. Der Schichtdienst bedeutet fuer uns, dass wir nie wissen, wann wir arbeiten und wann wir frei haben. Ich bin im eigentlichen Babyhaus. Im Moment haben wir Zwillinge und einen kleinen Jungen, die ca. 2 Monate alt sind, einen Jungen, der 6 Monate alt ist, aber 3 Monate zu frueh geboren wurde, aber auch einen Bruder und eine Schwester, die 5 und 4 Jahre alt sind. Die Aufgabe von uns Maedchen ist es diesen Kindern das Zuhause zu organisieren. Es geht also darum Babies zu die Flasche und vielleicht notwendige Medikamente zu geben, Windeln zu wechseln und Baeder zu geben, zu troesten, zu unterhalten und zu beruhigen. Viele Babies koennen Drogenabhaengig und HIV infiziert geboren werden. Fuer die aelteren Kinder muss eine feste Struktur mit Regeln aufgezeigt werden.

Das beginnt mit dem Aufstehen und Fruehstuecken um 7.30 Uhr. Wir haben Snack um 10 Uhr, Lunch um 11.30 Uhr, Mittagsschlaf von 12.15 Uhr bis 14. 30, Snack um 14.30 Uhr, Dinner um 17.30 Uhr, Badezeit ab 18 Uhr, danach Lesezeit und Vorbereitung auf das Zubettgehen. Zwischen den festgeschriebenen Zeiten ist Zeit fuer spielen, malen, basteln, rausgehen oder andere Beschaeftigungen mit den Kindern. Die Babies muessen auch waehrend der Nacht entsprechend ihres Zeitplanes gefuettert werden und ihre Medizin bekommen. Nach jeder Schicht muessen Tagesberichte ueber jedes Kind geschrieben werden und das Haus muss aufgeraeumt und geputzt werden.

Manchmal ist es sehr traurig zu sehen, wie die Kinder z.B. unter der Drogenabhaengigkeit, Prostitution ihrer Eltern, fehlender Fuersorge oder Missbrauch zu leiden haben. Trotzdem vermissen besonders die aelteren Kinder ihre Eltern. Ich habe gelernt, dass man manchmal sehr viel Geduld aufbringen muss. Die Kinder sind zum Teil voellig verstoert und ueberfordert. Zum ersten Mal im Leben sind sie mit festen Strukturen und Regeln konfrontiert, an die sie sich gewoehnen muessen, obwohl sie bisher vielleicht nur Unsicherheit und Willkuer gewoehnt waren. Es gehoert zu meinen Aufgaben, alle festgeschriebenen Punkte waehrend der Schicht zu erfuellen, mit den Kindern zu spielen und zu erziehen, das heisst auch, Grenzen aufzuzeigen und durchzusetzen. Es ist gut nach der Schicht mit den anderen Maedchen zusammen zu sitzen, sich auszutauschen, zu schimpfen und zu lachen. Auch die Schwestern, drei unglaublich herzliche, lebenslsutige und witzige katholische Nonnen, die uns und die Kinder unterstuetzen, wo sie nur koennen und wie Omas umsorgen, helfen ungemein, indem wir zu ihnen gehen, das Internet nutzen koennen und uns die Seele vom Leib reden duerfen. Es kann sehr deprimierend sein, wenn man versucht den Kindern zu helfen und diese mehrmals am Tag ausrasten, um sich schlagen und man sich nicht mehr in der Lage fuehlt ruhig zu bleiben. Man lernt hier ganz sicher Geduld und, dass es manchmal wichtiger ist bestaendig zu sein, um den Kindern zu helfen als immer nur geliebt zu werden und zufrieden zu stellen. Wir uebernehmen hier also die Aufaben von Eltern, wir begleiten die Kinder zu Arztterminen oder anderen besonderen Terminen, schicken sie zur Schule, unterstuetzen sie, schimpfen, loben, troesten. Und manchmal ist es auch einfach schoen, ein Kind in den Schlaf zu wiegen, ein Laecheln zu erhalten, rumzualbern oder ein leises "I love you" ins Ohr gefluestert zu bekommen.

Houston, wir haben ein Problem

Ich werde Ende Oktober Houston und Casa verlassen und nach San Antonio ziehen, um in einem anderen Projekt zu arbeiten. Auch wenn Casa sicherlich eines der besten und sinnvollsten Projekte ist, habe ich mich entschieden zu gehen. Ich werde ganz bestimmt die Maedels, die Schwestern, unser schoenes Apartment und mein ganzes Leben hier in Houston vermissen, aber ich habe sehr intensiv darueber nachgedacht und mich entschieden. Das Leben hier in Casa ist mir zu isoliert, ich bin sehr oft alleine, weil alle anderen arbeiten, ich kann nichts planen, weil ich nicht weiss, wann ich arbeite, ich kann nichts selbststaendig machen, weil ich kein Auto habe und ich denke, dass diese Isolation fuer ein Jahr zu viel ist und ich das Jahr hier in den USA anders nutzen sollte. Auch wenn die Arbeit mit den Kindern sehr wichtig ist, habe ich mich entschieden eine andere Moeglichkeit wahrzunehmen.

In San Antonio werde ich in einem Catholic Worker House arbeiten und leben. Die Lebenssituation wird sehr anders sein, keine Klimaanlage, kein weisses schoenes Apartment mit grossem Bad, sondern eher, nennen wir es mal aberteuerlich, in einem sehr alten, einfachen Haus. Die Freiwilligen leben zusammen, organisieren eine Suppenkueche an 4 Tagen der Woche, ein Buero, einen Rundbrief und halten ein Haus fuer obdachlose Familien am Laufen, mit denen sie waehrend der Woche zusammen Dinner kochen und essen. Dieses Projekt ist voellig anders, sowohl von der Arbeit, der Organisation als auch der ganzen Lebenssituation- Abenteuer die II. kann beginnen. Die Schwestern werden mich auf einem gemeinsamen Roadtrip nach San Antonio bringen!

3 Monate in den USA

Bisher habe ich sehr viele sehr gebildete und offene Amerikaner getroffen, sogar in Texas, und als Freunde zu schaetzen gelernt. Texas ist natuerlich mehr wie Bayern in Deutschland, the lone star state and everything is bigger in Texas. Hier ist es selten unter 30 °C und schwuel. Texas ist sehr mexikanisch beeinflusst, ziemlich viel ist zusaetzlich in Spanisch und die Hispanics haben ihre eigene Kultur hier zum Teil aufrecht erhalten koennen. Dass schon bald November ist, realisiert man hier nicht. In Houston gibt es nur August und Sommer.

Ich liebe die alltaegliche Freundlichkeit und Herzlichkeit, auch wenn sie oftmals von Floskeln bestimmt wird.

Am Anfang war die Sprache natuerlich absolut ueberwaeltigend fuer mich, aber ich arbeite daran und habe Spass. Im Moment ist es sehr schwierig, sich auf Deutsch oder Englisch zu konzentrieren, aber ich bewaeltige das alltaegliche Englisch und bin zuversichtlich am Ende realtiv zufrieden mit mir zu sein.

Ich verstehe nicht, wozu man so viele Fastfood-Restaurants braucht, warum Drive-ins und Drivethru- Pharmacies und –Banken notwendig sind. Die Autos sind riesig hier und Benzin ist unverschaemt guenstig. Ich vermisse ein Bewusstsein fuer Recycling und das Hinterfragen von ewig-haltbarem Obst in allen moeglichen Formen wie z.B. Ufoaprikosen. Ich bin dankbar fuer Starbucks und Jamba Juice oder Jasons Deli. Ich bin gluecklich Freunde gefunden zu haben, neue Dinge zu sehen und zu lernen, diese Moeglichkeit zu haben. Ich bin hier, ich habe es geschafft.

In meiner Freizeit gehe ich jeden Tag im naheliegenden wunderschoenen Park laufen, mache Sport.

Wenn ich kann, gehe ich sonntags in die Presbyterian Church oder in den katholischen Gottesdienst. Ich war mit den Maedchen am Meer, habe einen Tag am Strand verbracht. Ich kam in den Genuss von 2 Baseballspielen, einem Footballspiel, einem Ausflug zum Space Center, zu Downtown und mehrmals nach Rice Village, einem schoenen Einkaufs- und Bummelbezirk. Man kann hier wirklich nachts spontan einkaufen gehen und junge Erwachsene muessen Kredite aufnehmen, um den Collegebesuch zu finanzieren.

Es ist toll, sich sein eigenes Bild machen zu koennen, Klischees bestaetigt zu sehen oder als falsch zu erkennen, zu diskutieren oder gemeinsam darueber zu lachen. Es ist auch interessant, sich als Deutsche im Ausland zu fuehlen, zu ueberdenken, der Diskussion ueber Klischees zu stellen, ich mag es.

Die Esskultur ist schrecklich fuer mich und mein einziges richtig schreckliches Problem hier- "I know there is a skinny screaming woman inside of me but most of the time I can shut the b**** up by eating cookies".

Ich vermisse natuerlich meine Eltern, meine Geschwister und meinen Freund und all meine Freunde ganz besonders.

Es gibt Tage, an denen ich aufwache und mich frage, warum ich das mache und wie ich weitere 8 Monate alleine ueberstehen soll. Dann sind da aber auch Tage, an denen mir wieder deutlich wird, dass ich meinen Traum verwirklicht habe und wirklich hier in den USA bin. An dem Tag, an dem meine Aufenthaltsgenehmigung ausgelaufen waere, ist mir klar geworden, dass ich noch nicht bereit bin, dieses Jahr zu beenden. Ich vermisse von den kleinen alltaeglichen Dingen vor allem das deutsche Fruehstueck mit Broetchen, das deutsche Brot, das ist hier alles nur Toastbrot. Ich vermisse Umlaute. Ich vermisse es meine eigenen Sachen um mich zu haben und meine kleine Schwester, die mir in die Hand klatscht. Ich denke, dass ich auch lerne, wie wichtig, ein Zuhause ist, wie sehr ich mein Zuhause liebe und zu schaetzen weiss! Im Moment bin ich aber hier in meinem Freiwilligendienst fuer ein Jahr hoffentlich weiterhin optimistisch und zufrieden. Ich denke auch schon viel ueber meine Zukunft 2005 nach. Was soll ich studieren und wo? Ich denke ueber Medizin, Studienorte, Auslandssemester und Wohnungssuche nach, ich bin voller Vorfreude und mache Plaene. Erstmal muss ich aber wiederkommen und dann freue ich mich darauf zu erzaehlen und erzaehlt zu bekommen. Ich freue mich auf Fruehstueck mit meiner Familie, meinen Freund, meine Freunde, alle vertrauten Gesichter und Strassen, einkaufen im Dorf, Fussballspiele, spazieren gehen mit unserem Hund (den meine Familie einen Tag nach meiner Abreise bekommen hat, worueber ich immer noch sauer bin!), mein Zimmer, vielleicht neue Charaktereigenschaften, jede Menge neue Erfahrungen und Ansichten und meine kleine Schwester, die mir in die Hand klatscht!

Ich danke allen Anrufern, E-mail- und Briefeschreibern und jedem Menschen, der manchmal an mich denkt und mich unterstuetzt. ...

Mit ganz lieben Gedanken und Gruessen aus dem fernen Amerika

eure Pascale

To laugh often and much, to win the respect of intelligent people and the affection of children, to earn the appreciation of honest critics and endure the betrayal of false friends, to appreciate beauty, to find the best in others, to leave the world a bit better, wether by a healthy child, a garden patch… to know even one life has breathed easier because you have lived. This is to have succeeded! Emerson

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht:

Maria schrieb am 05.10.12 um 16:27 Uhr:
Hallo Pascale,

ich habe deinen Bericht gelesen und fand ihn sehr interessant. Ich bin jetzt auch in der 10. Klasse und habe vor ein frewilliges soziales Jahr im Ausland zu verbringen. Den Gedanken habe ich schon länger allerdings fehlten mir die notwendigen Informationen.
Mich interessiert vor allem wie du dein Jahr in den USA finanziert hast.

Vielleicht könntest du mir ja meine Fragen beantworten und mir eine Mail schreiben an: mariaseegerer@web.de

Schon mal danke im Voraus:)

Maria

Lena und Geeske schrieb am 06.09.11 um 21:02 Uhr:
Hallo :)
Meine Freundin und ich haben deinen Bericht gelesen und würden ebenfalls gerne einen Freiwilligendienst ind den USA oder in Kanada machen. Wir fanden den Bericht sehr spannend, und würden uns freuen, wenn du uns vllt. einige Fragen beantworten könntest.

Uns würde auch interessieren, ob du finanzielle Unterstützung vom Träger oder vom Staat bekommen hast.
Und wir waren verwundert darüber, dass du die Möglichkeit hattest, zwischen verschiedenen Projekten zu wählen. Wir dachten, dass sowas im Vorfeld von der Organisation festgelegt wird.

Wir würden uns über deine Antwort freuen, Liebe Grüße
Geeske und Lena

*deleted*

Carina schrieb am 28.08.10 um 22:51 Uhr:
Hallo!
Sehr schöner Bericht!

Meine Frage hierzu wäre, ob du dafür auch von der Organisation oder eben vom Staat finanzielle Unterstützung bekommen hast?

Meine Mail-Adresse:

*deleted*

Würd mich über eine Antwort freuen!

Liebe Grüße, Carina

Raphael schrieb am 28.10.08 um 23:55 Uhr:
Hallo,
habe eine frage zu deinem aufenthalt in den USA. Hast du dort viel mit einheimischen Menschen zutun gehabt? Oder sind dort viele Deutsche und oder Menschen aus anderen Nationen gewesen?

Wuerde mich sehr freuen, wenn du mir back schreiben koenntest
Bitte Antwort an:*deleted*

Vielen dank im vorhinaus und liebe Grueße
Raphael

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