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Erfahrungsbericht - Rumänien

Autor: Stephanie Liebe
Projekt: Zentrum für Straßenkinder - Sfântul Stelian
Träger: EIRENE International 

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Rückblick nach 18 Monaten Arbeit - Januar 2008


Liebe Unterstützer! Dies wird mein letzter Rundbrief sein, den ich aus Rumänien schicke. Es ist tatsächlich schon so weit, dass meine 18 Monate hier in Bukarest fast vorbei sind und ich in zwei Wochen wieder nach Deutschland zurück fahre. Dementsprechend wird dieser Rundbrief etwas länger werden als die letzten, da ich in ihm nicht nur von meiner letzten Zeit in Rumänien berichten sondern auch eine Art Fazit aus den vergangenen 18 Monaten ziehen möchte. Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen und freue mich darauf, euch in Deutschland mehr erzählen und meine viiiieeelen Fotos zeigen zu können!

Eine orthodoxe Taufe

Anfang Oktober kam eines schönen Dienstagmorgens ein orthodoxer Priester in die „cantina“, um drei unserer Straßenkinder zu taufen. Dora, die Koordinatorin des program educational war Taufpatin und die anderen Kinder, die Mutter von einem der Täuflinge und die Kollegen (auch die, die im Büro arbeiten) waren die „Gemeinde“. Als ich eine Stunde zuvor von der Taufe erfuhr, dachte ich mal wieder „Typisch!“ weil niemand es für nötig hielt, mich früher zu informieren. Die Taufe selbst war wunderschön! Als der Priester ankam, packte er erstmal seine Utensilien aus: Eine Art Kessel (das Taufbecken), seine Bibel, ein Kreuz, Öl in einem Einmachglas und natürlich sein Priestergewand. Den Kessel füllten wir zu drei Vierteln mit warmem Wasser auf und außerdem waren wir ständig damit beschäftigt, Alexandru (4) zu beruhigen der ununterbrochen weinte. Er war der Jüngste der drei Täuflinge. Mit ihm wurden noch Elena (7) und George (9) getauft. Die eine war ungewöhnlich ruhig, der andere aufgekratzt und hibbelig. Er grinste die ganze Zeit über, auch wenn es ihm sichtlich peinlich war sich bis auf die Unterhose ausziehen zu müssen. In der orthodoxen Kirche werden Ganzkörpertaufen durchgeführt, bei denen normalerweise der Säugling dreimal komplett unter Wasser getaucht wird. Da unsere Kinder aber keine Säuglinge waren, wurden sie jeweils ins Taufbecken gehoben, mussten sich hinsetzen und bekamen vom Priester das mit dem Öl aus dem Einmachglas geweihte Wasser über den Kopf gegossen. Alexandru schrie während der eigentlichen Zeremonie ununterbrochen wie am Spieß. Der Priester beeilte sich dementsprechend, um den armen Jungen zu erlösen. Es gab einige Momente, die mir sehr befremdlich waren. Zum Beispiel als der Priester den Kindern vorne, rechts und links jeweils eine Strähne Haar abschnitt. Das gilt wohl als Symbol, dass man mit der Taufe alles Schlechte hinter sich lässt. Genau konnte es mir leider keiner erklären, da viele meiner Kollegen es selbst nicht wussten. Auch wenn Ikonen oder die Bibel geküsst werden kann ich das nie ganz nachvollziehen. Aber das sind eben die Unterschiede zwischen der evangelischen und der orthodoxen Kirche. Es war sehr faszinierend, meine Kollegen und die Kinder zu beobachten. Ich selbst war am Schluss einfach nur noch gerührt und musste aufpassen, dass mir nicht die Tränen in die Augen steigen. Die Zeremonie war zwar einfach, wurde aber sehr gefühlvoll abgehalten. Dora, die Taufpatin strahlte über das ganze Gesicht, genauso wie George und nach der Taufe auch Elena. Meine Kollegen unterhielten sich danach noch stundenlang darüber, wie faszinierend es doch gewesen sei, dass Alexandru sofort nach der Taufe (also nachdem er endlich aus dem Wasser gehoben wurde und das Schlimmste hinter sich hatte) aufhörte zu schreien. Meiner Meinung nach hatte das einen ganz einfachen Grund: Das, wovor er so schreckliche Angst hatte war vorbei, er hatte also keinen Grund mehr zu weinen. Warum auch immer er still wurde: „Copilul e botezat, doamne ajută!“ („Das Kind ist getauft, Herr hilf!“) wie Irina, meine Chefin es ausdrückte.

The old girl

“…Have you seen the old girl who walks the streets of London, dirt in her hair and her clothes in rags? She´ s no time for talkin´, she just keeps right on walkin´, carrying her home in two carrier bags… ” (2. Strophe „streets of London“) Wer kennt es nicht, das Lied „streets of London”? Seit ich hier in Bukarest bin kommt es mir oft spontan in den Sinn. Zum Beispiel wenn ich morgens an der alten Frau vorbeigehe, die vor der rumänischen Nationalbank steht und in einem unglaublich weinerlichen Tonfall die Passanten um ein bisschen Geld oder etwas Brot anbettelt. Ich weiß nie, ob sie wirklich kurz davor ist, in Tränen auszubrechen oder ob das eine Taktik ist, mit der sie mehr Geld bekommen möchte. Das Bild, woran ich aber immer als erstes denken muss wenn ich die zweite Strophe von „streets of London“ singe oder höre ist das Bild einer Frau, die ich letzten Winter in der Metro gesehen habe. Zuerst merkte ich nur, dass jemand der neu zugestiegenen Passagiere einen penetranten Gestank verbreitete. Nachdem ich mich umgeschaut hatte sah ich, dass er von einer Frau ausging, die einige Meter von mir entfern an der Tür stand mit rotem Gesicht, verfilzt vom Kopf abstehenden Haaren, zerlumpten Klamotten und einem mehr oder weniger zahnlosen Mund. Sie bot einen jämmerlichen Anblick und tat mir noch mehr leid, als nach und nach alle Menschen um sie herum aufstanden und in den anderen Teil des Wagons flüchteten. Ich selbst hielt es auch nicht sehr lange aus, obwohl ich meine Nase im Schal verbarg (dem Winter sei Dank dass ich überhaupt einen Schal trug) und versuchte, so flach wie möglich zu atmen. Auch ich hielt es bald nicht mehr aus und stand auf, um in die inzwischen ziemlich volle andere Wagenhälfte zu gehen – nicht ohne schlechtes Gewissen der Frau gegenüber, die von allen gemieden wurde. Ihr Geruch war so unerträglich, dass an der nächsten Station ein Mann auf sie zuging und sie entschieden bat auszusteigen. Aber selbst als sie schon seit 2 Stationen nicht mehr in der Metro war, war der Geruch in dem Wagon alles andere als angenehm. Einige Stunden später stand ich mit einer Freundin an einer Bushaltestelle und wartete auf den Bus nach Hause. Als ich ihr gerade von dieser Frau erzählen wollte, roch ich wieder denselben durchdringenden Gestank. Die Frau aus der Metro… Sie stand auch an der Haltestelle und nicht einmal die Abendluft konnte ihren Geruch mildern. Ich fühlte mich regelrecht verfolgt von ihr und war mir sicher, dass sie mich als eine der Personen wieder erkannt hatte, die in der Metro vor ihr und ihrem Gestank geflüchtet waren. Inzwischen bin ich mir nicht mehr so sicher, ob sie die Menschen um sich herum überhaupt so genau wahrgenommen hat. Seither habe ich sie nie wieder gesehen, aber ihren Anblick konnte ich nicht vergessen. Ich weiß nicht, ob sie immer noch so schrecklich verwahrlost ist, ob sie irgendeine Hilfe bekommen hat oder ob sie nicht sogar schon gestorben ist. Auf jeden Fall wird sie für mich immer der Inbegriff des „old girls“ aus den „streets of London“ sein – nur eben in den „streets of Bucharest“.

“Ţigăneşte“

Es ist die letzte Probe vor der Weihnachtsfeier der Kinder aus dem „edu2“, den so genannten Straßenkindern. Von ihnen sind die meisten Roma, also „Zigeuner“. Meine Kollegin, die seit einiger Zeit mehr oder weniger alleine ist mit diesen Kindern, steht – allem Anschein nach total überfordert – vor einer Gruppe sehr unruhiger Kinder und versucht sie dazu zu bringen, dass sie ihre auswendig gelernten Texte rezitieren und die Weihnachtslieder singen, die sie geübt haben. Während dieser Probe sagt der Älteste aus der Gruppe (er ist ca. 16 Jahre alt), dass die Lehrerin in der Schule keine Weihnachtsfeier macht, weil sie „Zigeuner“ sind. Auf die alarmierte Nachfrage meiner Kollegin, ob die Lehrerin das genau so gesagt habe, sagt er „Nein, aber ich glaub, dass es so ist.“ Daraufhin sagt sie ihm, dass es keinen Unterschied zwischen „Rumänen“ und „Zigeunern“ gebe… Er soll so was nicht denken. Ungefähr zehn Minuten lauten Durcheinanders später schreit sie inzwischen sehr entnervt die Kinder an: „Ich habe diese Zigeunerei satt! Strengt euch an!“ Die Frage ist: Was merken die Kids sich? Den dahin geworfenen Satz darüber, dass es keine Unterschiede gibt oder die Beschimpfungen, die die mühevolle Arbeit auf einen Schlag zunichte machen können?

Weihnachten bei Sf. Stelian

Zu Weihnachten geht bei Sf. Stelian jedes Jahr alles drunter und drüber. Die Weihnachtsfeier wird Wochen vorher vorbereitet und artet alle Jahre wieder in ein Riesenspektakel aus. Wohl bemerkt nur die Feier für die Kinder aus dem „edu1“… Dieses Jahr wurde ein großes Theaterstück mit Tänzen und allem drum und dran einstudiert, was natürlich viel Zeit, Geduld und Engagement in Anspruch nahm. Auch ich hatte einiges zu tun. Ich war dank meiner Tanzkurse, die ich während der Schulzeit gemacht hatte die Einzige unter uns, die Walzer tanzen kann und bekam somit die Aufgabe übertragen, einigen der Jugendlichen für den letzten Tanz des Stücks den Walzer beizubringen – mit einer möglichst spektakulären Choreografie natürlich. Das war eine nicht zu unterschätzende Aufgabe, die mir viel Spaß machte. Und ich denke, ich habe sie auch ganz gut gemeistert und war wirklich stolz auf mich und die Kids als ich bei der Feier hinter den Kulissen hervorschaute um zu beobachten, wie sie sich behaupten. In den Wochen vor der Weihnachtsfeier war ich, wie die Kinder und zwei meiner Kolleginnen auch, jeden Tag (incl. samstags und sonntags) im Projekt um das Theaterstück zu proben. Wir hatten außerdem noch Kostüme von zwei Theatern abzuholen, die wir ausgeliehen hatten und noch jede Menge anderer Dinge zu erledigen, bevor am 18. Dezember die Feier stattfinden konnte. Von der Theateraufführung selbst habe ich leider nicht viel gesehen, da ich während dessen hinter den Kulissen meiner Kollegin Cristina half, die Kinder rechtzeitig auf die Bühne zu schicken, darauf zu achten, dass sie nicht zu laut sind (ein hoffnungsloses Unterfangen) und ihnen beim Umziehen zu helfen. Es war unglaublich anstrengend, aber sehr schön. Und wenn man dem glauben darf, was die Zuschauer gesagt haben, dann ist uns das ganze auch sehr gut gelungen.

Weihnachten und Silvester – eine letzte Rundreise

Im Dezember wurde ich wie letztes Jahr oft gefragt, wann genau ich zu Weihnachten nach Hause fahre. Wenn ich antwortete, dass ich über Weihnachten in Rumänien bleibe, schauten mich alle ungläubig an und stellten mir die obligatorische Frage „Aber hast du kein Heimweh?“ Natürlich hatte ich ab und zu Heimweh und natürlich ist dieses Gefühl an Weihnachten stärker als zu anderen Zeiten… Und trotzdem wusste ich von Anfang an, dass ich über Weihnachten auf jeden Fall in Rumänien bleiben werde. Auch dieses Jahr habe ich mit anderen deutschen Freiwilligen zusammen gefeiert. Wir waren zu dritt bei Julia in Făgăraş und haben es uns gut gehen lassen. Es war sehr gemütlich und ruhig. An Heilig Abend schauten wir uns in der evangelischen Gemeinde der Siebenbürger Sachsen ein deutsches Krippenspiel an und am ersten Feiertag waren wir in der Kirche um Julia beim Singen im Kirchenchor zuzuhören Es war sehr schön, wenn auch ganz anders als das letzte Weihnachten oder Weihnachten zu Hause. Von Făgăraş aus sind wir am 30.12. direkt nach Apold bei Sighişoara gefahren. Auf dem Weg nach Sighişoara mussten wir aus dem wieder anfahrenden Zug springen, da wir alle drei dachten, wir hätten mehr Zeit (wir nahmen fälschlicherweise an, dass dort Endstation ist). Julia musste leider erfahren, dass der Zug sehr wohl noch weiter fuhr, da sie es nicht mehr rechtzeitig schaffte, abzuspringen. Nach einigem Hin und Her, das vor allem für Julia sehr anstrengend war, waren wir dann aber doch irgendwann alle in Apold und konnten dort mit den anderen gemeinsam Silvester feiern.

Da die ersten Tage im neuen Jahr meine letzte Möglichkeit waren, noch nach Târgu Mureş und Sibiu zu fahren, dehnte ich meine Weihanchts- und Silvesterreise spontan noch etwas aus. Ich fuhr von Apold aus mit Anni nach Târgu Mureş, schaute mir die Stadt an und fuhr zwei Tage später zu Sarah nach Sibiu. Die Entscheidung, die letzten Wochen noch so richtig auszukosten war genau richtig und jetzt versuche ich, während ich Heimreise und Abschiedsparty organisiere, das auch hier in Bukarest noch zu tun.

EU wir kommen!

An Silvester hat in Rumänien nicht nur ein neues Jahr angefangen sondern auch eine Zeit, auf die viele Rumänen schon lange gewartet haben: Seit dem 01.01.2007 ist Rumänien neues EU-Mitglied! Ich habe mich oft gefragt, wie sich das wohl auf das Land und die Menschen auswirken wird. Als ich am 02.01. mit Anni im Maxitaxi nach Târgu Mureş saß stellte ich fest, dass das Land immer noch genau gleich aussieht und man beim Durchfahren nicht denken würde, dass man durch ein EU-Land fährt. Als ob sich innerhalb von 2 Tagen in der EU viel hätte ändern können… Trotzdem hat man an vielen Stellen zumindest andeutungsweise die Euphorie gesehen, die der EU-Beitritt mit sich brachte: Viele Autos sind mit angesteckten EU-Fahnen herumgefahren, in Târgu Mureş hing ein großes Banner am Kulturpalast: „Frohes neues Jahr, Rumänien! Frohes neues Jahr, EU!“ und die Städte waren zu Silvester mit noch mehr Fahnen als sonst geschmückt: Rumänische Fahnen direkt neben EU-Fahnen soweit das Auge reicht.

Wenn man sich mit Rumänen unterhält und sie fragt, was sie vom Beitritt halten, dann hört man inzwischen oft Sätze wie „Es hat sich ja nichts geändert… Nur die Preise werden teurer.“ Oder die Menschen machen ironische Bemerkungen nach dem Motto „Jetzt wo wir in der EU sind gibt es doch keine Korruption mehr…“ Ich selbst war mir nie sicher, ob es nicht besser gewesen wäre, wenn Rumänien erst ein Jahr später beigetreten wäre. Meiner Meinung nach ist das Land noch nicht bereit für die EU. Das zeigt sich zum Beispiel daran, dass es nichts allzu Außergewöhnliches ist, wenn jemand ein Schaf kurz vor Weihnachten im Bus in eine große Plastiktasche gepackt durch ganz Bukarest schleppt. Trotzdem werden jetzt, da auch wir hier in der EU sind werden diejenigen unter uns Freiwilligen, die noch länger hier bleiben beobachten können was sich alles verändert. Ich selbst bin schon sehr gespannt, wie das Land aussehen wird, wenn ich das nächste Mal hier her komme und hoffe, dass ich jetzt an der Grenze im Bus wenigstens nicht mehr so lange warten muss.

Abschied nehmen – ein Fazit nach 18 Monaten Freiwilligendienst in Rumänien

Ja, nach fast 18 Monaten Freiwilligendasein in Rumänien, 3 Umzügen innerhalb der ersten 8 Monate und allen möglichen Seminaren etc. rückt die Zeit des Abschieds immer näher. Für mich ist es immer noch unglaublich, dass ich schon so lange hier in Bukarest bin. Ich habe mit Sicherheit viele neue Erfahrungen gesammelt, die ich so in Deutschland nie hätte machen können und die mich sehr geprägt haben. Ich habe Rumänisch gelernt, ich habe gelernt, mich alleine in einem fremden Land zurecht zu finden, ich habe viele interessante Menschen kennen gelernt, ich habe gelernt mich gegen Kakerlaken, Flöhe und zu guter Letzt auch noch gegen Läuse zur Wehr zu setzen, ich bin zum ersten Mal in meinem Leben getrampt und ich habe in einer Großstadt gewohnt. Dabei war ich mir immer so sicher, dass ich absolut kein Großstadtmensch bin – weshalb ich mich auch seeehr auf Ulm mit seiner überschaulichen Größe freue. Durch Bukarest wurde dafür mein vorher erbarmungslos schlechter Orientierungssinn besser. Die Gefahr, dass ich links mit rechts verwechsle ist immer noch groß, dafür kann ich inzwischen besser mit einer Stadtkarte umgehen und ich fühle mich auch nicht mehr komplett hilflos wenn ich alleine in einer mir unbekannten Stadt bin – immer vorausgesetzt dass ich eine Stadtkarte oder irgendeine andere Orientierungshilfe habe, mit der ich halbwegs umgehen kann und dass ich es schaffe rechts und links auseinander zu halten. Sicherlich wird es mir sehr schwer fallen, bald Abschied von „meinen“ Kindern zu nehmen – zumal ich nicht weiß, wann ich wieder nach Rumänien kommen werde und ob ich dann Zeit haben werde auch bei Sf. Stelian vorbei zu schauen. Es kann also gut sein, dass es zumindest bei einigen der Kinder ein Abschied für immer sein wird. Dieses Gefühl ist seltsam und verstärkt sich noch wenn die Kinder mich in regelmäßigen Abständen fragen „Wann fährst du nach Deutschland? Wie lange bleibst du noch da? Kommst du wieder?“ und wenn ihre Gesichter je näher der Abschied rückt immer enttäuschter ausschauen. Ich werde das Land, die Sprache und die Leute vermissen – wenn ich in Deutschland verstanden werden will werde ich meine eigene Sprache wieder umstellen und sämtliche rumänischen Worte aus meinem Wortschatz streichen müssen. Dafür freue ich mich um so mehr auf die Waschmaschine zu Hause, auf das Schwarzbrot, gutes schwäbisches Laugengebäck und natürlich auf meine Familie und meine Freunde. Kakerlaken, Läuse (eine Woche vor der Abreise habe ich es geschafft, auch die noch zu bekommen…) und Flöhe (die haben mich leider öfters beehrt) gehören dagegen mit Sicherheit zu den Dingen, die ich nicht vermissen werde. Genauso wie die Probleme im Projekt. Manchmal habe ich mich schon gefragt, was ich hier eigentlich noch mache und ob es sich lohnt, diese ganze Zeit hier zu bleiben während viele meiner Freunde in Deutschland anfangen zu studieren… Aber auch wenn die Zeit oft eher schwierig war und ich mich oft überflüssig gefühlt habe – ich habe Erfahrungen gemacht, die mir keiner nehmen kann und die mir mit Sicherheit in meinem weiteren Leben von Nutzen sein werden. Und ich bin froh, dass ich hier war! Zumal die letzten Wochen sehr schön und ausgefüllt waren und ich jetzt mit dem Gefühl gehen kann, etwas geleistet zu haben. Mit Rumänien habe ich ein Land kennen gelernt, das ich so niemals gesehen hätte. Ich bezweifle, dass ich einfach mal in Urlaub nach Rumänien gefahren wäre. Das wäre schade gewesen, denn es lohnt sich, hier her zu kommen! So kann ich jedem nur raten, einmal nach Rumänien zu fahren und sich das Land genau anzuschauen – es ist wunderschön! Und dank der EU ist auch die Ein- und Ausreise wesentlich unkomplizierter geworden.

Zu guter Letzt bedanke ich mich noch mal herzlich bei all meinen Unterstützern! Ohne euch wäre mein Freiwilligendienst hier nicht möglich gewesen… Es war eine wunderschöne Zeit, die mir immer in Erinnerung bleiben wird. Auch die seelische Unterstützung aus Deutschland ist nicht zu vergessen… Es tut gut zu wissen, dass fast 2000km weit weg irgendwo Menschen sitzen, die an mich denken und mich – wenn auch nicht unbedingt finanziell dann doch wenigstens mental und durch Briefe etc. – unterstützen. DANKE! Ich hoffe, ich konnte euch durch meine Rundbriefe etwas zurück geben und euch ausreichend an meinem Leben in România teilhaben lassen!

Bis bald in Deutschland! Eure Stephanie

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