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Erfahrungsbericht - USA

Autor: Dennis Kottmann
Projekt: Tri-City Homeless Coalition
Träger: EIRENE International 

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Hier kannst du weitere Rundbriefe von Dennis laden:

2. Rundbrief - Juli 2008 -> Download
3. Rundbrief - November 2008 -> Download



1. Rundbrief April 2008



Liebe Unterstützerinnen und Unterstützer, Verwandte, Freunde und Bekannte, nun bin ich seit fast 3 Monaten in den USA und möchte euch in meinem ersten Rundbrief über meine Erlebnisse und Eindrücke „im Land der unbegrenzten Möglichkeiten“ berichten. Ich hatte schon immer den großen Wunsch für ein Jahr im Ausland zu leben. Weg von dem Altbekannten, hinaus in die weite Welt. Neue Kulturen entdecken, den eigenen Horizont erweitern, dabei etwas bewegen können und meinen Beitrag zur besseren Verständigung der Kulturen in der Welt leisten. Dieser Wunsch wurde mir durch EIRENE und letztendlich durch euch, liebe Unterstützerinnen und Unterstützer, erfüllt. Für all’ diese schönen Momente die ich während meiner ersten Zeit hier erleben durfte, möchte ich mich nochmals herzlich bei euch bedanken– Ohne euch wäre ich jetzt nicht hier! Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen.

Wie alles begann…

Ich habe schon öfters mit dem Gedanken gespielt eine gewisse Zeit im Ausland zu leben. Bis nach Abschluss meiner kaufmännischen Berufsbildung hat sich aber nie wirklich die Gelegenheit ergeben. Aber dann… Ziemlich am Ende meiner Ausbildung wurde ich zur Musterung bei der Bundeswehr eingeladen. Dies war einer der erste Momente, wo ich mir über die Leistung des Zivildienst Gedanken machte. Während dieser Zeit erfuhr ich davon, dass man diesen auch im Ausland leisten könne. Ein Jahr im Ausland zu verbringen und dazu noch für sinnvolle Projekte zu arbeiten, schien die optimale Kombination für mich zu sein. Nach einigen Recherchen im Internet stieß ich auf EIRENE:

“EIRENE ist ein ökumenischer, internationaler Friedens- und Entwicklungsdienst, der als gemeinnütziger Verein in Deutschland, als Träger des Entwicklungsdienstes und des sogenannten “Anderen Dienstes im Ausland” (anstelle des Zivildienstes in Deutschland) anerkannt ist. 1957 wurde EIRENE von Christen verschiedener Konfessionen gegründet, die sich der Idee der Gewaltfreiheit verpflichtet fühlten und ein Zeichen gegen die Wiederaufrüstung und für das friedliche Zusammenleben setzen wollten. Zu den Gründern gehören die historischen Friedenskirchen der Mennoniten und der Church of the Brethren, die noch heute mit dem Versöhnungsbund und den EIRENE- Zweigen in Deutschland, der Schweiz und den Niederlanden zu den EIRENE- Mitgliedern zählen. In über 40 Jahren sind mehr als 1000 Freiwillige und EntwicklungshelferInnen mit EIRENE in Afrika, Lateinamerika, sowie Europa und den USA im Rahmen eines Auslandsdienstes tätig gewesen.”

EIRENE Ausreisekurs

Bevor ich mich nun auf meinen Weg in den USA machte, fand der EIRENE Ausreiskurs in der Geschäftstelle in Neuwied statt. Zusammen mit anderen Freiwilligen die von EIRENE in die weite Welt entsandt werden wie z.B. nach Irland, Nordirland, Rumänien, Bolivien, Nicaragua hatte ich eine sehr intensive Vorbereitungsphase auf das kommende Jahr. Der EIRENE Ausreisekurs war sozusagen der offizielle Beginn meines internationalen christlichen Friedensdienstes im Ausland. Während unseres Ausreisekurses standen Themen wie Interkulturelles Lernen, Gewaltfreiheit, Entwicklungspolitik, Konflikte, Spiritualität und noch vieles mehr an der Tagesordnung. Desweitern haben wir über mögliche Fettnäpfchen gesprochen, in die man als Ausländer so tappen kann, geredet. Es war sehr schön für mich mit Leuten zu reden, die im „gleichen Boot wie ich sitzen“ und sich bald auf den Weg in die weite Welt machten. Wir hatten doch so ziemlich alle dieselben Ängste und Sorgen, obwohl die Vorfreude auf das kommende Jahr natürlich überwiegte und wir es kaum erwarten konnten. Ich hatte sehr viel Spaß auf diesem Ausreisekurs, habe tolle Leute kennengelernt und wurde bestens auf das kommende Jahr im Ausland vorbereitet.

Nachdem Ausreisekurs machte ich mich auf Weg nach Hause, um noch einen letzten Tag mit meiner Familie und Freunden zu verbringen. Des Weiteren nutzte ich diesen, um meine letzten Sachen im Koffer zu verstauen. Langsam wurde es ernst… Mitten in der Nacht machte ich mich gemeinsam mit meiner Familie, meiner Freundin und ein paar meiner Freunde auf den Weg nach Frankfurt. Dort hieß es dann Abschied nehmen, von allen die mir was bedeuten. Nun ging meine Reise los und das Abenteuer USA begann.

BVS Orientation

Nach einem 13 std. Flug war ich in den USA angekommen. Genauer gesagt in Atlanta, Georgia. Dort hieß es die US-Einwanderungsbehörde von meinen Plänen zu überzeugen und ein Visum zu bekommen. Nach einigen Wortwechseln mit dem etwas finster aussehenden Beamten bekam ich ein Visum für 6 Monate. Dies war aber kein Grund zur Panik, da meine amerikanische Organisation das ohne Probleme um 6 Monate verlängern lassen kann. Von dort aus ging es dann weiter nach Orlando, Florida. Am Flughafen wurden wir von einer sehr netten Mitarbeiterin von BVS herzlich empfangen. Gemeinsam fuhren wir mit ihr zu einem schönen Camp namens Ithiel. BVS (Brethren Volunteer Service) ist eine christliche Friedensorganisation der „Church of the Brethren“ in den Vereinigten Staaten. BVS ist eine Partnerorganisation von EIRENE und nimmt regelmäßige deutsche Freiwillige auf und sendete diese in überwiegend soziale Projekte in den USA. Ziel dieser Orientation war es uns das Leben in „communities“ (Gemeinschaft) und das „simple living“ (einfaches Leben) näher zu bringen und ein Projektplatz für das anstehende Jahr zu finden. Wir wurden z.B. in „Food groups“ eingeteilt und sollten mit einem Budget von 1,50 Dollar (1€) pro Tag pro Person einkaufen und damit unsere Gruppe so gut wie es geht verpflegen. Dies ging erstaunlicherweise sehr gut und niemand musste hungern. Während dieser Orientation fiel mir als erstes der christliche Aspekt auf. Viele meiner Mitstreiter waren sehr gläubig und dies spiegelte sich auch in der Gestaltung dieser Orientation wieder.

Desweitern hatte ich auch meinen ersten Kontakt mit Amerikanern. Diese waren sehr verständnisvoll während unserer Gespräche und gaben uns viel Zeit, um uns richtig auszudrücken. Für ein Wochenende machten wir uns auf den Weg nach Miami. Dort übernachteten wir bei Familien, welche ebenfalls zu der Church of the Brethren gehörten. Es war schon etwas komisch bei einer „fremden“ Familie zu übernachten. Diese empfing mich aber sehr herzlich und ich hatte eine schöne Zeit.

Einer der Hauptziele dieser Orientation war es, das Projekt für das anstehende Jahr auszuwählen. Nach einigen „Kopf zerbrechen“ und vielen Gesprächen mit unseren Betreuern traf ich eine Entscheidung: „Tri- City Homeless Coalition“

Tri-City Homeless Coalition

Nach einer super schönen und sehr intensiven Zeit auf der BVS Orientation war es nun endlich soweit. Ich machte mich auf den Weg nach Kalifornien. Genauer gesagt nach Fremont. Dort werde ich das Jahr über für die Tri-City Homeless Coalition (TCHC) arbeiten. Die Tri-City Homeless Coalition wurde im Jahr 1987 gegründet und hat sich die Bekämpfung der Obdachlosigkeit in der Bay Area (Bucht von San Francisco) zur Aufgabe gemacht. Im Laufe der Jahre hat sich aus dem anfänglichen Obdachlosenheim (Sunrise Village) eine große Koalition entwickelt. So gehören heute mehrere Apartmentkomplexe mit vergünstigten Mieten, psychische/ medizinische Betreuungsdienste und Second- Hand Läden zu dieser Koalition. Ich werde das Jahr über für das Obdachlosenheim „Sunrise Village“ in Fremont arbeiten. Dieses ist sozusagen der Kern aus welchem sich diese Tri-City Homeless Coalition entwickelt hat. Zu der Tri- City Homeless Coalition gehören neben dem „Sunrise Village“ folgende Programme:

- Projekt Independence (beschäftigt sich mit Jugendlichen im Alter von 18-24 die in die Obdachlosigkeit geraten sind
- Supportive Housing Apartments (bietet Apartmentkomplexe zu vergünstigten Mieten)
- HOPE Project (mobile Klinik für Bedürftige)
- Winter Relief (spezielles Programm für Familien während der Winterzeit)
- RISE (Programm für Behinderte)
- Shelter Plus Care (Drogen- und Alkoholprogramm)
- McKinney Linkages (Bildungsprogramm)
- Tri- Valley Housing Scholarship (Hilfe zur finanziellen Unabhängigkeit)
- STAY (hilft Jugendlichen im Alter von 18-24 mit psychischen Problemen)

In meinen nächsten Rundbrief werde ich genauer auf die jeweiligen Programme eingehen. Im nachfolgenden werde ich den Fokus auf „Sunrise Village“, das Projekt wo ich beschäftigt bin, legen.

Sunrise Village

Sunrise Village ist ein Obdachlosenheim für alleinstehende (singles) und Familien. Es bietet Unterkunft für 30 singles und 10 Familien. Diese sind räumlich von einander getrennt untergebracht und habe ihre eigenen Wohnbereiche. Beide Seiten haben einen Gemeinschaftsraum, einen Speisesaal und einen Innenhof.

Familien haben ihren eigenen Raum mit einem kleinem Badezimmer und einer Kochnische. Singles sind in sog. „alcoves“ (Nischen) untergebracht. Jeder alcove besteht aus einem Bett, einen kleinen Schreibtisch und einem Kleiderschrank. Unser shelter bietet außerdem Zugang zu Telefon, Computer, Fax und einen Waschraum. Desweitern werden kostenlose Busfahrkarten und Kleidung an unsere Bewohner ausgegeben.

In unserem shelter (Unterkunft) werden jeden Tag 3 Mahlzeiten serviert. Diese werden von Freiwilligengruppen zubereitet. Es kommen jeden Tag viele Freiwillige zu unserer Einrichtung, die uns bei diversen Aufgaben helfen. Auf die „Freiwilligenkultur“ in den USA möchte ich in meinem nächsten Rundbrief genauer eingehen, weil diese doch besonders ist. Sunrise Village versucht die Obdachlosen aus der sogenannten Tri-City Area (Fremont, Union City und Hayward) von der Straße wieder aufzufangen, sie zu stabilisieren und einen Anschluss oder auch einen Neuanfang im Leben zu ermöglichen. Es ermöglicht einen Aufenthalt bis zu 90 Tagen. Während dieser Zeit wird in Zusammenarbeit mit einem „case manager“ (Sozialarbeiter) versucht verschiedene Ziele, die zur Stabilisierung im weitern Leben helfen sollen, zu erreichen. Menschen mit einem Alkohol- oder Drogenhintergrund sollen an regelmäßigen wöchentlichen Sitzungen teilnehmen. Des Weiteren gibt es einmal in der Woche eine Gruppensitzung, wo alles Wichtige für das Leben in der Gemeinschaft besprochen wird. Während des Aufenthalts in unserer Einrichtung soll ein Job gefunden werden, 80-90% des Einkommens gespart und im besten Falle eine Wohnung. Jede Person erhält eine Berufs- und Finanzberatung sowie eine Unterkunftsvermittlung. Meine Mitarbeiter sind sehr vielseitig und setzen sich aus Profis, Freiwilligen und Studierenden zusammen. Es gibt ebenso Sozialarbeiter, Drogenspezialisten und Psychologen.

Was mache ich eigentlich hier?

Ich bin als „shelter monitor“ bei Sunrise Village beschäftigt. Ich bin ein sogenannter Helfer und Betreuer unserer Bewohner. Mein Hauptarbeitsplatz ist der „front desk“ (Rezeption) im Eingangsbereich des shelters.

Weg aus der Obdachlosigkeit zu finden. Von hier aus habe ich einen guten Überblick über die Geschehnisse im Lobbybereich unserer Einrichtung. Mein Arbeitsplatz ist mit Monitoren ausgestattet, die Bilder von den Kameras empfangen. Diese sind im gesamten Gebäudekomplex und im Außenbereich angebracht. Desweitern ist mein Arbeitsplatz mit zahlreichen Hygiene- Artikeln, Formularen, Schreibwaren, usw. ausgestattet.

Meine Hauptaufgabe besteht darin, die zahlreichen Regeln unserer Einrichtung durchzusetzen. Ich bin die erste Ansprechperson für Neuankömmlinge (Unterkunftssuchende), residents (Bewohner), Freiwillige und Besucher die täglich zur Rezeption kommen. Zu meinen weiteren Aufgaben gehören Telefonate beantworten, Spenden entgegennehmen und quittieren, Hausarbeitsplan erstellen und kontrollieren, (Kontroll)Rundgänge, Freiwillige einweisen, Computerarbeit, Verhaltensdokumentation, Hygieneartikel und Medizin herausgeben, Einführung von Neuankömmlingen und Zimmerkontrollen. Mein Tag ist meistens sehr abwechslungsreich und ich bin die ganze Zeit auf den Beinen. Des Weitern gibt es aber auch ruhige Tage, wo ich mir Zeit nehmen kann und eine Unterhaltung mit unseren residents führe. Ich habe schon viele, sehr interessante Lebensgeschichten gehört. Ich arbeite sehr eng mit unseren case managern zusammen und bin sozusagen der „verlängerte Arm“. Alle Ereignisse die während eines Tages geschehen, werden von mir in einem „Log-Buch“ dokumentiert. Dies sind im schlimmsten Falle Auseinandersetzungen zwischen unseren residents, die natürlich mit einer Verwarnung oder im schlimmsten Falle mit dem Verlass unseres Programms geahndet werden müssen. Wenn soviel Menschen zusammen leben, kann es natürlich nicht immer friedlich ablaufen. Ich habe schon öfters Konflikte zwischen den Bewohnern lösen müssen und sogar auch schon die Polizei gerufen, wegen Handgreiflichkeiten. Dies ist zwar nicht der Regelfall, aber passiert wenn so viele verschiedene Charaktere zusammenleben. Viele unserer Bewohner haben mentale Beeinträchtigungen und sind es nicht gewohnt sich an Regeln zu halten oder einen Haushalt zu organisieren. Wir leisten Ihnen so gut wie es Hilfe dabei. Die Arbeit unseres Projektes ist sehr wichtig für die Obdachlosen in der Bay Area. Einer aktuellen Studie zufolge sind über 13.000 Menschen obdachlos im Landkreis Alameda. Ich arbeite sehr gerne für mein Projekt und freue mich über jeden, den geholfen wurde, einen

Freizeit

Fremont ist eine mittlere Großstadt mit ca. 230.000 Einwohnern. Ich wohne zusammen mit 3 weiteren Freiwilligen (Christine, Meredith und Marissa) in einem schönen 5 Zimmern Apartment an der Hauptstraße von Fremont. An dieser befindet sich alles, was man zum Leben benötigt: Supermärkte, Restaurants, Banken, Fitness Clubs, Kinos, Arzt Praxen und vieles mehr. Fremont ist umgeben von Bergen und Hügeln. Desweitern gibt es einige Regional Parks die zum Wandern einladen. Nicht weit von meinem Apartment entfernt, befindet sich ein schöner See namens Lake Elizabeth. Fremont verfügt über eine große Bücherei und mehrere riesiger Shopping- Mall’s, die zum Einkaufen verführen. Die Bay Area (San Francisco und Umgebung) ist eine der wenigen Gegenden in den USA, die über gut ausgebaute öffentliche Verkehrsmittel verfügen. Es gibt z.B. das sogenannte BART (Bay Area Rapid Transit) System, eine Art Regionalbahn, welches die ganze Bay Area bedient. Mit diesem bin ich schon des Öfteren nach San Francisco und in die umliegenden Städte der Bay Area gefahren. 3-4-mal in der Woche nehme ich an einen Englischkurs teil. Dieser ist kostenlos und findet in der Volkshochschule von Fremont statt. Es bieten sich mir viele Möglichkeiten meine Freizeit zu gestalten. Dieses ist meiner Meinung nach auch sehr wichtig, um sich von den Vorkommnissen in unserem shelter abzulenken und nicht den ganze Zeit über die schlimme Situation mancher Bewohner nachdenken zu müssen.

Schlusswort

Ich hoffe, ich konnte euch einen ersten Einblick über mein derzeitiges Leben in den USA geben. Bevor ich meinen Dienst im Ausland antrat, wusste ich nicht genau, wo ich arbeiten werde. Während der BVS Orientation wurde mir dann klar, dass ich gerne mit Menschen arbeiten wollte. Schlussendlich fiel meine Entscheidung auf die Arbeit mit Obdachlosen. Ich bin sehr zufrieden mit meinem Projekt. Meiner Meinung kann dort mit ein wenig professioneller Hilfe viel bewegt werden. Am schönsten ist es immer für mich, von Leuten zu hören, die den Sprung

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht:

Lukas schrieb am 15.12.09 um 10:02 Uhr:
Hallo

habe gerade deinen Bericht gelesen und mich würde es interesieren wieviel alles zusammen kostet.


Danke gruß Lukas

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