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Erfahrungsbericht - USA

Autor: Johannes Frey
Projekt: Catholic Worker House in San Antonio
Träger: EIRENE International 

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Hier kannst du die anderen Rundbriefe von Johannes laden:

2. Rundbrief - Februar 2008 -> Download
3. Rundbrief - Mai 2008 -> Download
4. Rundbrief - September 2008 -> Download



1. Rundbrief November 2007


Liebe Sponsoren, liebe Familie, Freunde und Bekannte,

meinen ersten Rundbrief über meine Erlebnisse und Erfahrungen der letzten Wochen werdet ihr nicht in zehn Minuten lesen können, deshalb sucht euch einen bequemen Sessel und lehnt euch zurück. Stellt euch vor es ist der erste September 2007 und die warme Sommersonne strahlt auf euer Gesicht.

Ausreisekurs von EIRENE

Auf dem Ausreisekurs im schönen Neuwied und Odernheim erlebte ich zwei wunderschöne Wochen, mit viel Lehrreichem für meinen Dienst, Spass und eine unbeschreibliche Gemeinschaft.

In unserer ersten Woche in der Geschäftsstelle in Neuwied gingen wir verschiedene Einheiten durch, die uns für die unterschiedlich vorliegenden Situationen im Einsatzland (Stressbewältigung, Sicherheitstraining, Arten von Kommunikation,...) sensibilisieren sollten. Leider liesen das trübe Wetter und ein strenger Tagesablauf nicht viele Möglichkeiten für unsere Freizeitgestaltung offen, sodass alles etwas anstrengend war.

In unserer zweiten Woche im grünen und schmucken Odernheim hatten wir dann jedoch mehr Zeit für Freizeitaktivitäten, wie dem morgendlichen Schwimmen in der angrenzenden Glan, Kanu fahren, Spazieren gehen,... Am Patenwochenende konnte ich dann endlich meinen Paten, Martin Bleisteiner, kennenlernen. Er konnte mir einige Tipps für das Überleben in Amerika geben.

Auch wenn wir Freiwillige beim traditionellen „Paten vs. Freiwillige-Kick“ in letzer Minute eine knappe Niederlage einstecken mussten, war das ganze Seminar spitzenmäßig. Ich wurde optimal für mein Auslandsaufenthalt vorbereitet und schon wieder musste man Tschüss zu liebgewonnenen Freunden sagen, mit denen man 2 Wochen total offen zusammenlebte und sich dadurch auch mehr als gut kennenlernte.

EIRENE und BVS

Einige werden sich jetzt vielleicht fragen: “Was ist EIRENE und BVS denn überhaupt nochmal, von dem Johannes da immer erzählt?”

Bevor ich über den Start in das Land der unbegrenzten Möglichkeiten berichte, möchte ich doch nochmal kurz diese Frage beantworten.

“EIRENE ist ein ökumenischer, internationaler Friedens- und Entwicklungsdienst, der als gemeinnütziger Verein in Deutschland, als Träger des Entwicklungsdienstes und des sogenannten “Anderen Dienstes im Ausland” (anstelle des Zivildienstes in Deutschland) anerkannt ist.

1957 wurde EIRENE von Christen verschiedener Konfessionen gegründet, die sich der Idee der Gewaltfreiheit verpflichtet fühlten und ein Zeichen gegen die Wiederaufrüstung und für das friedliche Zusammenleben setzen wollten. Zu den Gründern gehören die historischen Friedenskirchen der Mennoniten und der Church of the Brethren, die noch heute mit dem Versöhnungsbund und den EIRENE-Zweigen in Deutschland, der Schweiz und den Niederlanden zu den EIRENE-Mitgliedern zählen. In über 40 Jahren sind mehr als 1000 Freiwillige und EntwicklungshelferInnen mit EIRENE in Afrika, Lateinamerika, sowie Europa und den USA im Rahmen eines Auslandsdienstes tätig gewesen.”

Mehr zu EIRENE unter http://www.eirene.org/

BVS (Brethren Volunteer Service),

EIRENE sendet pro Jahr ungefähr zehn Freiwillige in die USA. Um sicher zu stellen , dass sich ausreichend um die EIRENE- Freiwilligen gekümmert wird, arbeitet EIRENE in den USA mit einer anderen christlichen Freiwilligenorganisation zusammen. Sie heißt „Brethren Volunteer Service (BVS)“ und ist ein Teil der Church of the Brethren. BVS entsendet bereits seit 1948 Freiwillige in die ganze Welt und gehört zu den größten Organisationen seiner Art in den USA. Was für mich wiederum bedeutet, dass ich mit zwei verschiedenen Organisationen zusammenarbeite. Einmal EIRENE in Deutschland, bei ihr habe ich mich beworben und von ihr wurde ich dann an BVS in den USA weitergereicht, um mich bei BVS nochmal neu zu bewerben. Was allerdings eine reine Formsache ist, den BVS geht davon aus, dass alle Freiwilligen die von EIRENE ausgesucht werden, fähig sind, ihren Dienst in den USA zu leisten. Was aber nicht hieß, dass ich deshalb den ganzen auszufüllenden Bewerbungsunterlagen von BVS entkam!!!

Mehr zu BVS unter: http://www.brethren.org/

Vorbereitungskurs von BVS

Sowie EIRENE einen Ausreisekurs veranstaltete, veranstaltete BVS natürlich auch einen Einreisekurs, genannt Orientation. Ehrlich gesagt, war keiner von uns Deutschen darüber begeistert nach zwei Wochen Vorbereitung, drei weitere Wochen Vorbereitung zu haben.

Im Grunde wollten wir nur noch in unser Projekt, doch unsere 13 Tage im Peace Valley, Missouri und 6 Tage in Kansas City, Kansas vergingen wie im Flug, da wir sehr viel Freizeit hatten und die Einheiten sehr oberflächlich waren.

Wir Deutsche kamen alle einen Tag früher als die 30 amerikanischen Freiwilligen an, um uns ein bischen zu erholen und an die Zeitumstellung zu gewöhnen.

Nachdem wir am Samstag angekommen waren, am Sonntag lange schliefen und danach Frühstücken gingen, kamen am frühen Sonntagnachmittag die ersten Amerikaner an.

Irgendwie kamen mir alle sehr fremd vor, aber auch wieder nicht. Vielleicht lag es einfach an der übertriebenen Freundlichkeit, die die meisten Amerikaner haben und mit ihren zwei Fragen: „Wie heißt du?“ und „Woher kommst du?“, starten sie jedes kleine Gespräch, wobei es dann dabei auch meistens bleibt.

Die Orientation begann dann offiziel mit dem Abendessen am Sonntagabend um 18 Uhr.

Während den drei Wochen hatten wir neben unseren normalen Einheiten auch Nachmittage an denen wir gemeinnützliche Arbeit (Müll sammeln und Mithilfe beim Hausbau) verrichteten. Diese Aktionen machten sehr viel Spaß, da es am Ende immer sehr viel Lob für uns gab und es zufriedenstellend war, helfen zu können.


Auf zwei spezielle Dinge möchte ich nun noch etwas eingehen. Zum einen Mal hatten wir einen Arbeitsnachmittag in unserem Stadtviertel (40% lehrstehende Häuser, 70% der Bewohner sind Einwanderer) in Kansas City, bei dem wir umsonst unsere Arbeitskraft anbieten sollten. Hierfür wurden wir in Dreiergruppen aufgeteilt und in unterschiedlichen Straßen ausgesetzt. Als wir aus dem Bus geschmissen wurden, stand ich da mit meiner Gruppe, etwas fassungslos und mulmig war es mir auch in dieser Wohngegend bei fremden Menschen an Türen zu klopfen. Förmlich spürte ich die Blicke von den Leuten auf ihren Balkonen. Dann entschieden wir uns los zu laufen und kamen zu den ersten Häusern, wo wir unsere Arbeitskraft anboten. „Wir würden alles machen“, sagten wir zu den Leuten, „ob im Haus putzen oder im Garten arbeiten“, aber es wurde immer dankend abgelehnt. Bei unserer vierten Tür hatten wir dann Glück und eine alte Dame war froh, dass wir etwas Arbeit in ihrem Garten (es war eher ein Urwald) verrichteten. Da wir eine ganze Weile ohne rechtes Arbeitsmaterial auskommen mussten und wir nur eine knappe Stunde in dem Garten werkelten, sah er fast genauso aus wie anfangs, jedoch war es eine tolle Erfahrung, welche uns für unseren weiteren Dienst vorbereiten sollte.


Desweiteren wurden wir am Anfang unseres Vorbereitungskurses in acht Essensgruppen bzw Kochgruppen a vier Personen eingeteilt, die im Wechsel für das Zubereiten der Mahlzeiten zuständig waren. Das Budget lag bei 2,25$ (1,80€) pro Person pro Tag.Von den Pfadfindern wusste ich, was man für wie viel Geld kaufen konnte und was nötig ist um eine Person am Tag satt zu bekommen. Doch mit nur 2,25$ jemanden satt zu bekommen, war für mich unvorstellbar.

Was dahinter steckt ist der Gedanke oder einer der Grundsätze von BVS : „Simple living, so that people can simply live“. Was so viel heißt wie: „Einfach leben, damit Menschen einfach leben können“. Was für uns wiederum bedeutete, dass wir wärend unserer drei Wochen Seminar sehr einfach und vegetarisch leben würden. So war es dann auch, dass bei der Auswahl der Rezepte, stets das Budget im Auge war und man während dem Einkaufen (food runs) alles zusammenrechnete, sodass der Warenwert nicht das Budget überstieg. Meistens klappte dies, doch bei der ein oder anderen Gruppe brach dann schon mal das Chaos an der Kasse aus, weil sie die Steuer nicht beachteten und sie dann etwas zurücklassen mussten.

Beim Kochen und Planen war ich zu anfangs eher nur der Assistent, da ich mit den Essensgewohnheitenn und den Preisen für Lebensmittel nicht sehr vertraut war, doch nach und nach fand ich mich zurecht und meine Crepes waren der Renner, da es einer der wenigen Mahlzeiten war, wo man nachschöpfen konnte und alle satt wurden.


Projektauswahl

Auf der Orientation galt es zudem unter den 100 verschiedenen Projekten von BVS sein Wunschprojekt zu finden. Hierfür standen dicke Ordner mit speziellen Infos über die Projekte, Videos sowie die Mitarbeiter zu Verfügung. Ich weiß nicht, wie viele Ordner und Berichte ich von ehemaligen gelesen habe, aber es waren verdammt viele. Am Ende kam ich zu dem Entschluss, dass die Capital Area Food Bank (Essenstafel) in Washington D.C. mein Wunschprojekt sein sollte. Als zweites gab ich das Catholic Worker House in San Antonio und als drittes ein Projekt mit Kindern in New Orleans an.

Bei der Food Bank schien alles zu passen, da ich mit Kindern, auf einer Farm, sowie im Büro hätte arbeiten können, doch aus finanziellen Gründen konnte das Projekt leider keine Freiwilligen aufnehmen. Alle anderen hatten zu diesem Zeitpunkt schon ihr Projekt, nur ich noch nicht. Nun bestand noch die Hoffnung, dass wenigstens meine zweite Wahl klappen würde und siehe da, nach einem kurzen Telefoninterview, stand fest, dass das Catholic Worker House (CWH) in San Antonio mein neues Zuhause sein würde.


Auch bei diesem Vorbereitungskurs lässt sich sagen, dass die Verantwortlichen (Genelle, Beth, Callie und Dan) tolle Arbeit geleistet haben und wir durch die vielen Gemeinschaftsaktionen, innerhalb der drei Wochen, eine genauso gute Gruppe, wie auf dem EIRENE-Ausreisekurs geworden sind und es zur Bildung von Freundschaften kam. Auch für uns vier Deutsche änderte sich von nun etwas, da wir nun nicht mehr deutsch reden konnten und nicht mehr ein Zimmer teilen würden. Ab jetzt hieß es Englisch, Englisch und nochmals Englisch schwätzen!


Busfahrt zum Projekt

Nach einer 20 stündigen Busfahrt von Kansas City über Dallas und Austin bin ich in

San Antonio angekommen. Die Busfahrt war zu anfangs sehr ruhig, da nicht viele Personen im Bus saßen, somit hatte ich meine Ruhe und konnte ein wenig schlafen. Als wir den Bundesstaat Texas erreichten stiegen mehr und mehr seltsame Leute zu und es war nahezu unmöglich in Ruhe zu lesen oder zu schlafen. Im Morgengrauen weckte mich mein Sitznachbar, ein recht netter alter Herr, aus meinem Halbschlaf und das schöne San Antonio erstreckte sich vor uns - endlich war ich angekommen.

Jim, der Hauskoordinator des Projektes, holte mich vom Busbahnhof ab und brachte mich zum Projekthaus. Mein erster Eindruck von San Antonio war recht gut. Auf der Fahrt, sah ich viele schöne Gebäude und eine kleine Innenstadt, jedoch änderte sich das Bild ein wenig, als wir in unsere Wohngegend (Eastside/Osten) kamen.

Als wir in unsere Staße einbogen, war ich gespannt was jetzt noch kommen würde. Das Freiwilligenhaus, war etwas heruntergekommen und im Eingangsbereich mit der Küche stank es ganz schön. Mein Zimmer schien jedoch ganz geräumig zu sein, jedoch war es auch sehr sehr dreckig.

Zusammengefasst lässt sich sagen, dass es ein altes, kaputtes Haus ist, wo sich Dreck und Staub “Guten Tag” sagen und wir Mäuse und Kakerlaken als Haustiere halten.

Da es noch immer früh am Morgen war, waren die anderen Freiwilligen noch nicht wach und ich hatte Zeit mich etwas einzurichten und zu duschen.

Gegen Mittag lernte ich dann die anderen Freiwilligen Martin und Laurin (beide aus Deutschland) und Skylar aus Ohio kennen. Alle machten einen netten Eindruck auf mich. Gegen mittag bekam ich auch die Suppenküche, gegenüber dem Freiwilligenhaus, zu Gesicht, wo unter der Woche für die Obdachlosen gekocht wird. Auch diese Einrichtung war schon etwas älter, jedoch schien noch alles zu funktionieren.

Da ich sehr motiviert war, fing ich noch am selben Wochenende an mein Zimmer komplett zu reinigen und schon bald war alles sauber und das Choas beseitigt.

Abends fand dann Skylars Abschiedsfeier statt, denn sein einjähriger Freiwilligendienst war vorüber und ich bekam viele Gesichter zu sehen, mit denen ich in Zukunft etwas zu tun haben werde. Somit musste ich mir viele neue Namen auf einmal merken, jedoch gab es mir das Gefühl schon ein Teil der Gemeinschaft oder des Projektes zu sein.

Vor einer Woche kam dann Maribel, eine weitere Freiweillige aus Californien, zu uns. Sie wird für seche Monate hier einen Dienst leisten.


Da man sich gewissermaßen an alles sehr schnell gewöhnt, hatte ich mich innerhalb von drei Tagen an die Lebensumstände im Freiwilligenhaus, der Suppenküche und der Wohngegend gewöhnt. Den Mäusegeruch in unseren Speisekammern und den Mief in unserem Eingangsbereich des Freiwilligenhauses rieche ich zum Beispiel schon gar nicht mehr und da das Wasser gechlort ist, habe ich bei allem keine Bedenken.

Es hört sich vielleicht alles etwas negativ an-wenn nicht sogar übertrieben-aber ich führe mir immer wieder den wahren Grund vor Augen, wieso ich eigentlich hier bin. Dies sollte ja nicht nur ein Jahr für mich sein, sondern auch ein Jahr des Dienens und des Gebens. Viele unserer Gäste der Suppenküche wachen tagtäglich ohne Dach über dem Kopf auf und haben nicht einmal das nötige Geld für eine warme Mahlzeit am Tag, da der Staat ihnen keine Unterstützung gibt. Sie tragen ihre Habseligkeiten in einer Tüte mit sich herum und können nur viermal pro Woche für eine gewisse Zeit ein Teil unser (Konsum)Gesellschaft sein.

Ohne festen Wohnsitz lungern sie in den Straßen herum und kämpfen ums Überleben. Gleich am Anfang bekam ich mit, wie zwei unserer Gäste nach Wochen irgendwo tot aufgefunden wurden. Deshalb möchte ich die Zeit in der unser Haus geöffnet ist, den Menschen zeigen, dass sie genauso ein Teil der Gemeinschaft sind und mit Respekt behandelt werden. Ich möchte nicht komplett ihr Leben umkrempeln, aber ihnen ein offenes Ohr schenken und ihren Geschichten lauschen.

Außerdem wurde ich sehr schnell in alles eingelernt und bin nahezu überall mitgegangen, um möglichst viel in kurzer Zeit kennen zu lernen. Ich kann mich sogar schon ganz gut in dieser weitgezogenen Stadt orientieren. Das hier zwei weitere deutsche Freiwillige sind, hat zum einen mal den Vorteil, dass ich, wenn mir die Worte fehlen, ins Deutsche überschwänken kann, jedoch ist dies auch der Nachteil, da dies meine Englischkenntnisse nicht verbessern wird.

Hier im CWH gibt es verschiedene Arbeitsfelder, die von uns Freiwilligen erledigt werden- man kann sogar sagen, dass das CWH von uns alleine geschmissen wird, denn außer Jim, unserem Hauskoordinator, gibt es hier keinen Verantwortlichen und dies reizte mich an dem Projekt. Da alle Freiwilligen zusammenwohnen schien mir ebenfalls als ein Vorteil, da man somit untereinander viel zusammen machen kann und macht. Neben den ganzen Sportangeboten an den Universtitäten, besitzt San Antonio etliche weitere Unterhaltungseinrichtungen und im Sommer tolle Feste, da die Stadt einen interessanten historischen Hintergrund hat und heute sehr viele Mexikaner hier wohnen. Das gibt der Stadt einen gewissen Touch. Somit gibt es hier neben dem CWH einige Dinge zum Abschalten und Abstand gewinnen zum teilweise harten Projektalltag im CWH (hierzu mehr in meinem nächsten Rundbreif).


Das Catholic Worker House (CWH)


Das CWH, liegt im Osten von San Antonio. Wie schon erwähnt, ist der Osten eher eine ärmere und verratzte Wohngegend, dennoch relativ sicher.

Zum Projekt gehören das Catholic Worker House in der Nolan Street 622 und das Freiwilligenhaus (Faith House) gegenüber. Die Häuser sind nur durch eine kleine Seitenstraße getrennt und man kann in einer Minute von einem Haus in das Andere laufen.

Im CWH ist die Suppenküche, das Büro und die Wohnungen für die Familien untergebracht.

Der Suppenküchenbereich besteht aus einem Raum mit Sofas, der Küche selbst, einer Toilette mit Waschmaschine und Trockner und einem Speisesaal. Das Büro, mit einer großen Speisekammer und einem Vorraum für die Kleiderausgabe, beherbergt außerdem drei Computer für uns Freiwillige. Die geräumigen Zimmer für die Familien befinden sich im zweiten Stock.

Seit ein paar Monaten wird neben dem CWH ein altes Haus renoviert, welches in naher Zukunft die neue Suppenküche (Day House) sein wird. Dort wird dann alles etwas größer und neu sein. Der Umzug ist im Frühjahr nächsten Jahres geplant. Ich bin sehr gespannt darauf!

Mehr über mein Projekt unter: www.sa-catholicworker.org


Nun möchte ich über die Arbeit im Catholic Worker House berichten:

Wir haben verschiedene Aufgabenbereiche, die wöchentlich zwischen uns Freiwilligen (zurzeit sind wir 4) wechseln.


Familienbetreuung: Wir nehmen momentan bis maximal 4 Familien (eine Familie bedeutet, mindestens ein Elternpaar mit Kind) auf, die im Catholic Worker House eine temporäre Unterkunft finden können. Gemeinsam mit ihnen haben wir jede Woche ein großes Family meeting und zusätzlich einzelne Meetings, wo wir wöchentlich Probleme besprechen und neue Ziele setzen. Diese Ziele dienen der Motivation und dem Ansporn, in ein eingenes selbstständiges Leben zurückzufinden. Dementsprechend sind die Ziele häufig eine Arbeit zu finden, das Kind wieder in einen regelmäßigen Schulalltag zu integrieren, Behördensachen zu erledigen oder eine eigene Wohnung zu finden. Desweiteren kochen wir werktags für die Familien das Abendessen, welches wir dann alle gemeinsam essen.


Suppenküche (Soup kitchen): 4-mal die Woche von 8:30-1:00Uhr haben wir die Suppenküche geöffnet. Jeder Bedürftige findet hier neben einem Donut-Frühstück ab 8.30 Uhr auch eine warme Mahlzeit zum Mittag und natürlich auch Gesprächspartner und Zuhörer für ihre Geschichten. Die Anzahl unserer Gäste variiert zwischen 40 und 70. Diese starken Schwankungen haengen mit dem Monatsanfang zusammen, wenn viele ihre staatliche Unterstützung erhalten haben.

In der Suppenküche ist es ähnlich wie bei der Essensverantwortlichkeit am Abend. Jeder ist einmal in der Woche der Küchenchef und entscheidet was gekocht wird und wer welche Aufgaben zu erfüllen hat.


Office Work: Die Büroarbeit umfasst im Wesentlichen die Herausgabe von Kleidung und nützlichen alltäglichen Utensilien (z.B. Seife, Shampoo, Rasierer, Zahnpasta und Zahnbuerste…) an die Obdachlosen. Weiterhin ist man verantwortlich für die kleineren anfallenden Büroarbeiten, wie dem Abhören des Anrufbeantworters und dem Zurückrufen, sowie dem Sortieren der Post. Bevor wir eine Familie aufnehmen, fuehren wir zunächst ein telefonisches Interview und spaeter ein weiteres persönliches vor Ort.

weitere Aufgaben:

Recycling: Es ist nahezu unvorstellbar, aber einige Amerikaner haben doch einen Sinn für Umweltschutz (Stichwort Kyoto-Protokoll). Da in einer Suppenküche enorm viel Dosen verwendet werden und alles irgendwie in Plastik eingepackt ist, sammeln wir alles und bringen es einmal in der Woche an das andere Ende der Stadt zu einem Recycling Unternehmen.

Diggin’ Soup: Dies ist wohl eine der nicht so angenehmen Aufgaben von uns. Wir sammeln nämlich nicht nur Woche für Woche recyclebare Sachen, sondern werfen auch die Bioabfälle separat weg. Wenn die Abfalleimer voll sind gehen wir auf das prächtig wachsende Feld (einige Meter weg von unserm Wohnhaus), buddeln ein riesiges Loch und kippen dort das oft bereits lebende und zum Würgen anregende, alte “Essen” rein *lecker*!

Whole Foods: Ein riesiger Supermarkt spendet uns jeden Montag einige Einkaufswägen voll Essen, vorwiegend ist es Brot und Donuts. Die Aufgabe besteht darin, einfach nur die Sachen abzuholen und im Catholic Worker House einen geeigneten Platz in den Kuehlschraenken zu finden. Das übrig bleibende Brot (wir benötigen oft nicht alles) bringen wir dann zu einem anderen Obdachlosen-Shelter, ebenfalls im Osten von San Antonio.

Workdays: Einmal im Monat arbeiten wir samstags unter anderem an unserm neuen Day House weiter. Weiterhin fallen Arbeiten auf dem Grundstück an, wie Unkraut entfernen sowie kleinere Reparaturen.

Und dann halt noch andere kleinere Aufgaben, die bei den bereits genannten mit inbegriffen sind, wie: Volunteer meetings, Essen kaufen, Kleidung sortieren, Interviews vorbereiten, beim Ein- und Auszug der Familien helfen.

Mir macht besonders die Büroarbeit Spass, da man hier den engsten Kontakt zu den Besuchern hat und auch Zeit findet mit ihnen über das Wochenende zu plaudern. Da hin und wieder Kleiderspenden bei uns abgeben werden, ist es immer wieder von neuem spannend, was sich in den Tüten versteckt. Oft findet man sehr lustige Dinge und gute Kleidungsstücke, welche natürlich sehr beliebt sind. Da ich schon in allen Tüten herumgewühlt habe, habe ich mir einen guten Überblick über unsere Bestände verschaffen und habe mich somit zum Chef über die Kleidungsausgabe gemacht.

Mit meinem Englisch bin ich bis jetzt ganz gut zurechtgekommen. Ich kann nach nun ca. sechs Wochen zu 70% alles verstehen, jedoch fehlen mir oft die Wörter wenn ich mit Personen rede. Trotzdem habe ich das Gefühl, dass sich mein Englisch schon verbessert hat.

Die Besucher der Suppenküche sind oft nur schwer zu verstehen, da sie entweder nicht sehr gut Englisch sprechen oder aber sehr nuscheln. Da wird es noch einige Zeit dauern, bis ich sofort weiß, was sie wollen.

Da nun bald das Thanksgiving-Fest und Weihnachten ansteht, beginnt der Trubel in unserem Haus. Mehr und mehr Leute kommen um zu helfen und bringen täglich Essens- und Kleiderspenden. Somit wird bei uns ununterbrochen das Telefon klingen (leider sind 50% irgendwelche Werbungsanrufe) und wir werden im Dauereinsatz sein.

Deshalb habe ich diesen Rundbrief auch schon etwas früher als geplant verfasst.

Näturlich gibt es noch viel viel mehr zu erzählen, aber dies sollte für einen ersten Eindruck reichen. In meinem nächsten Rundbrief, den ich nach dem ganzen Stress gegen Ende Januar verfassen werde, werde ich tiefgründiger über meine Arbeit, mein Leben und meine Erfahrungen berichten.

Nun möchte ich noch ein riesen großes DANKESCHÖN an alle mein Sponsoren loswerden. Mit eurer finanziellen Unterstützung, ermöglicht IHR mir ein ganz besonderes Jahr, welches mich auf meinem weiteren Lebensweg in verschiedenen Richtungen weiterbringen wird.

Ich habe schon jetzt sehr viele Erfahrungen gemacht und schöne Momente gehabt, die ich ohne Euch nicht erlebt hätte. Ich habe sehr stark das Gefühl, dass ich in meinem Projekt gebraucht werde und erlange dadurch weitere Motivation. Ich bin mir sicher, das ich mein Projekt richtig gewählt habe.

Natürlich möchte ich mich auch bei meiner Familie, meinen Freunden und Bekannten bedanken. Ihr habt mich im Vorfeld und nun während meinen ersten Wochen kräftig unterstützt.

Weitere Unterstützung erhielt und erhalte ich auch von meinen beiden Organisationen EIRENE und BVS. Ich möchte allen Verantwortlichen, die für mich zuständig sind, danken, dass ich mich jederzeit an Euch wenden kann.


Viele liebe Grüße aus dem Land, wo die Milch (noch) teurer ist als das Benzin,
God bless you,

euer
Johannes

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